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Leselupe.de > Kurzprosa
Der Fetisch
Eingestellt am 09. 12. 2005 00:03


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Pheedor
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2005

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Die beiden M√§dchen, das eine, in der von giftigen D√ľnsten bew√∂lkten Gerberei, das andere hinter einem vorsintflutlichen staubenden Webstuhl, warfen mir einen scheuen Blick zu, ein schwaches L√§cheln aus einer anderen Welt, aus einer in Fetzten geflogenen oder nie dagewesenen Seele, aus untergegangenen oder nie bestanden habenden Spielzimmern, aus verhallten Kinderliedern, sie schufteten, die beiden M√§dchen, trotz ihrer noch nicht voll entwickelten k√∂rperlichen Kr√§fte, um f√ľr sich und ihre zumeist gro√üen Familien das Lebensnotwendige herbeizuschaffen. Der Junge, der mich hergefahren hatte, eingeschirrt wie ein Zugtier vor seiner Karre, die ihm aber nicht geh√∂rte, d√∂ste vor sich hin. Ich gab ihm zu verstehen, er m√ľsse mich nicht zur√ľckfahren, seinen Lohn erhielte er trotzdem, er lehnte ab, weshalb, verstand ich nicht, er bestand darauf, da√ü ich mich in die Karre setzte. Sein zarter Kinderr√ľcken, von Striemen gezeichnet, die das spr√∂de Ledergeschirr hinterlassen hatten, gl√§nzte im Schwei√ü, ich h√∂rte seinen heftigen Atem, und seine nackten F√ľ√üe trampelten durch Schmutz und Scherben. Hinter mir blieben die M√§dchengesichter, diese gro√üen dunklen Augen, die von der Kindheit verlassen waren ebenso, wie die des zwischen Deichseln gefesselten Jungen. Ich kam mir noch nie so hilflos, so √ľberfl√ľssig, derma√üen am falschen Ort zur falschen Zeit vor, und dies, obgleich mir bewu√üt war, da√ü, falls die Kinder diese Arbeit nicht verrichten w√ľrden, sie einer weitaus schlimmeren Erwerbsm√∂glichkeit nachzugehen gezwungen sein w√ľrden, und der Zorn, der in mir aufstieg, erschlug jedes Mitleid und auch jedes Verstehen, als st√ľrze ich in die Abfallgrube allen Ekels, so griff der Schauder nach mir, und wie Gespenster schienen mir die Leute, die sich durch die Stra√üen dr√§ngelten‚Ķ

‚Ķ und immer dann, wenn ich heute in der Heimat ein Kind sehe, h√∂re, wie es lacht, oder singt, wenn es spielt, dann halte ich inne, schaue ihm zu, damit ich mein Lachen wieder gewinne, und auf dem kleinen Teppich, von dem ich gar nicht wei√ü, ob er von Kinderh√§nden gekn√ľpft worden ist, sitzen Teddyb√§ren und Puppen, und manchmal liegt die Katze drauf und schnurrt, als w√ľrde sie gestreichelt, was bleibt mir, au√üer mich zu bet√§uben, denn was sind sie schon mehr als nur Gewissenstr√∂stung, die monet√§ren Opfer, sie machen nicht befreit Lachen, sie erfrischen nicht den Glanz von Kinderaugen, weil die Seelen stumpf geworden sind, daher ein Fetisch, und falls der nicht befreit, erinnere ich mich des Schneiders, den ich unter den Arkaden irgendeiner Gesch√§ftsstra√üe Bombays antraf, der dort bis in die Nacht hinein Jeanshosen anfertigte, und der mir w√§hrend unserer l√§ngeren Unterhaltung auf meine Frage, warum er so sp√§t noch arbeite, ein Foto eines Kindes hinschob, es sei seine Enkelin, damit sie zur Schule gehen k√∂nne, daf√ľr arbeite er, wenn es nicht anders ginge, auch nachts, so versicherte er mir, ich nahm es auf, als w√§re es ein Lichtblitz in der Finsternis‚Ķ

‚Ķ und jetzt, wo wieder einmal ein Fest bevorsteht, bl√§ttere ich in den Erinnerungen und w√ľnsche, es g√§be sie nicht, ich k√∂nnte den Fetisch verbrennen‚Ķ

(Kurzfassung aus >ganz lautlos ist dieser lärm<, wmv 2005)

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Mumpf Lunse
Routinierter Autor
Registriert: May 2004

Werke: 11
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hallo pheedor,
eigentlich m√ľsste ich hier das gleiche sagen wie bei deinem anderen text.(In einem unbekannten Land)
ich hab eben auf das einstelldatum gesehen.
mir ist unverst√§ndlich warum die beiden bisherigen texte unbeachtet blieben. sie sind sehr ausgereift. es gelingt dir den leser zu ber√ľhren.

lg
mumpf
__________________
© by Mumpf Lunse
Schreiben ist etwas √ľberraschendes

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