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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Der Feuerschein trügt
Eingestellt am 08. 10. 2002 14:56


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Marc Mx
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2000

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Der Feuerschein trügt


"Alarm!"
Feuerwehrmann Herbert Weiher schreckte hoch, als die Sirenen aufheulten.
"Feuer in der Schanzenstraße 5!"
"Mein Gott," rief er.
"Das ist mein Haus!"


Noch nie war der 50 Jährige so schnell in seinen Anzug gekommen, noch nie hatte er seinen Wagen so schnell gestartet. Das Garagentor war kaum offen, da gab er schon Gas und raste mit dem großen Feuerwehrwagen voraus. Noch vor dem Führungsfahrzeug!

Sein Beifahrer sah ihn verdutzt an. "Mensch Herbert, wir wissen doch noch gar nicht Genaues."
"Doch, ich habe vor einer Stunde mit meiner Frau telefoniert. Es ging ihr nicht gut. Sie wollte eine Schlaftablette nehmen und sich für eine Weile ins Bett legen."

"Au weia!"
"Du sagst es."
Herbert Weiher raste mit Blaulicht über die Hauptstraße. Auch an den roten Ampeln bremste er kaum ab. Mit seinen Gedanken war er ganz bei seiner jungen Frau, die er erst vor einem Jahr geheiratet hatte. Am Sonntag wollte er ihr eine Reise nach Florida schenken. Zum Hochzeitstag. Die Flugtickets lagen bereits zu Hause in seinem Schrank unter den Socken versteckt.

Das Geld hatte sich Herbert Weiher heimlich zusammengespart. Statt die teuren Karten fürs samstägliche Fußballspiel zu kaufen, hatte er in seiner Stammkneipe gesessen und die Spiele im Radio verfolgt...

Als das Führungsauto ihn schließlich doch überholte, gab Herbert Weiher noch mehr Gas. Schneller! Immer schneller! Denn die Angst wuchs. Würden heute all seine Träume in Flammen aufgehen? Und das sollte ihm - ausgerechnet einem Feuerwehrmann - passieren?

Schon von weitem sah er die Flammen, die aus dem Dachstuhl loderten. Direkt darunter lag seine Wohnung!
Vor dem Haus stoppte Herbert Weiher und sprang aus dem Wagen. Er rannte, gegen jede Feuerwehrregel verstoßend, alleine los - mitten hinein in das qualmende Treppenhaus.

Der Feuerwehrhauptmann knallte wütend die Tür seines Wagens zu, als er ihn in dem Qualm verschwinden sah. Und er schlug verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen, als er von einem Polizisten erfuhr, daß sich mit Sicherheit niemand mehr im Haus befand!

Herbert Weiher kämpfte sich bis zu seiner Wohnung vor und trat mit einem kräftigen Tritt die Wohnungstür ein. Während seine Kollegen mit der Feuerbekämpfung begannen und seinem Chef gerade klar wurde, daß der Dachstuhl nicht mehr lange halten würde, stürmte Herbert Weiher durch die Flammenhölle in sein Schlafzimmer. Das Bett war leer! Nur ein kleiner Zettel lag darauf:

"Mein Liebster, danke das Du letzte Woche endlich Deine Lebensversicherung auf mich überschrieben hast. Danke für die Flugtickets nach Florida, das wird meine Trauer über Deinen Tod etwas mildern. Und entschuldige, daß ich für meinen Plan das Haus anzünden mußte. Mach es gut, Deine Liebste."

In diesem Augenblick brach die Welt über Herbert Weiher zusammen. Und das Haus auch.

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
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Das nenne ich schwarzen Humor, die Idee hat mir gut gefallen.

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lilly
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2002

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Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Allerdings hätte ich es beim Schluß "In diesem Moment brach die Welt über Herbert Weiher zusammen" belassen. Das hätte noch zum nachdenken angeregt. Durch den den Satz: "Und das Haus auch.", schließt der Leser geistig mit der Geschichte ab und denkt nicht mehr darüber nach.desweiteren bekommt das ganze dadurch ein komisches Moment, welches wohl nicht beabsichtig war,oder?

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Phantom
Guest
Registriert: Not Yet

Interessant, mit wenigen Worten hast du beim Leser viel erreicht.
Ich finde das Ende jedoch zu theatralisch. "In diesem Augenblick brach die Welt über Herbert Weiher zusammen" ... jeder weiß, dass das nicht spurlos an einem vorbei geht. Ich würde deinen nüchternen Erzählstil jetzt nicht abreißen lassen. Nimm (wenn du willst) als letzten Satz "In diesem Moment brach der Dachstuhl." und allen ist gedient. Dann könnte Lilly auch ein bisschen länger über die Geschichte nachdenken :-) ...
Ein bisschen Logik fehlt da aber auch. Was wäre gewesen, wenn der "Liebsten" ein Waldbrand, oder so ähnlich "dazwischengefunkt" hätte???
Aber ich denke, die "Liebste" hätte dafür sicherlich auch ein Patentrezept gefunden.

Gruss Phantom

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Sabeth
Hobbydichter
Registriert: Apr 2002

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Hallöchen in die Runde,

da muss ich meinen Vorpostern aber ein wenig widersprechen:
ich finde das Ende richtig gut und witzig - gerade, weil das Geschehen vom Erzählstil so herrlich persifliert wird. Und dass man nach dem Ende nicht über die Geschichte nachdenkt, dass man "geistig abschließt" ... äh ... dieser Einwand erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht. *g*

"Und das Haus auch.", hey, gerade das ist doch der Sprachwitz, Leute! Da würde ich aber auch gar nix ändern. Genial! ;-)

Ich finde den Krimi gelungen, weil er sich für mich neben der originellen Idee so liest, dass der Autor mit dem Genre "spielt", und das mit einem leicht untergründigen Humor und einer gewissen "Unernsthaftigkeit". Es gibt doch viel zu viele abgegriffene, "ernste" Krimis, da ist das mal eine wunderbare Abwechslung. Ist doch furchtbar, wenn so halbe Kitsch-Klischees, wie sie in Krimis meistens vorkommen, auch noch ernst gemeint sind ...

Gruß in die Runde von
Sabeth
__________________
"Dort, wo das Ich sich in der Namenlosigkeit verliert und seine Vergangenheit preisgibt, entfernt sich das Individuum von allem Vertrauten" (Walter Jens über "Homo Faber")

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100%Risiko
Guest
Registriert: Not Yet

Ich finde den Krimi und sein Ende auch sehr gelungen - außerdem: Warum sollte man bei so einem Text denn noch nachdenken? ;-))

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