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Leselupe.de > Humor und Satire
Der Fingersammler
Eingestellt am 07. 06. 2003 14:07


Autor
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r├Âmer
Autorenanw├Ąrter
Registriert: May 2003

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Kaspar sammelte Finger. Beringte, unberingte, krumme
und grade. Am liebsten mochte er lange Finger. Der l├Ąngste
in seiner Sammlung ma├č 18 Zentimeter! Nat├╝rlich ein
Mittelfinger. Er mochte auch die von Gicht ganz krummen.
Die sahen wie knollige Äste aus. Kinderfinger lehnte er ab.
Kaspar mochte nicht an winkende Kinderh├Ąnde denken,
denen Finger fehlten.
Er besa├č inzwischen 1.523 Finger und hatte einen Daumen-
├╝berschu├č. Einzelne Fingerglieder wanderten in den M├╝ll.
Zu seinen Kunden sagte er: ÔÇ×Ich mag keine halben Finger.
Vor allem keine Daumenkuppen.ÔÇť Aber wenn die Bittsteller
ihn flehend anschauten, wurde Kaspar meist weich.
Dann pflegte er zu sagen: ÔÇ×Ich bin viel zu gutm├╝tig. Fehlt
noch, dass sie mir ihre Fingern├Ągel andrehen wollen ...!ÔÇť
Man fragt sich, was er mit all den Fingern anfangen wollte.
Nun, er sammelte sie wie andere Leute Schmetterlinge oder
Briefmarken. Kaspar sammelte Finger. Er erhoffte sich,
etwas ├╝ber Finger zu lernen. Um so mehr er haben w├╝rde,
so dachte er, desto mehr w├╝rde er ├╝ber sie erfahren.
Aber warum weckten gerade Finger sein besonderes
Interesse? War es die Erinnerung des drohenden
Zeigefingers in seiner Kindheit? Der herausgestreckte
Tramperdaumen seiner Jugend? Der provokative Stinkefinger
hinter dem Steuer des Autos? Der Ringfinger, der f├╝r die
Liebe stand? Oder der beringte, kleine Finger, den er aus
Vornehmheit und Exzentrik immer leicht abspreizte?

Kaspar hatte vor, ein regelrechtes Fingermuseum einzu-
richten, damit jeder Mensch sehen konnte, wie unterschiedlich
Finger sein k├Ânnen. Die Besucher w├╝rden an tausenden
wohlpr├Ąparierten Fingern in Glasvitrinen vorbeiwandeln.
Und sie h├Ątten am Ausgang die Gelegenheit, selbst einen
Finger abzuzweigen. Unter sterilen, chirurgisch einwand-
freien Bedingungen und nat├╝rlich w├╝rde man entlohnt.
Auch eine Fingerauktion w├Ąre denkbar.
So dachte Kaspar leidenschaftlich an sein Projekt. Tag f├╝r Tag. Er betrachtete seine H├Ąnde voll Ehrfurcht. Er spreizte seine Finger, streckte seine H├Ąnde in die H├Âhe, lachte und sang das Kinderlied:
ÔÇ×10 kleine Negerlein ...ÔÇť

Manche Finger blieben allerdings unbezahlbar.

__________________
der apfel f├Ąllt nicht weit vom stamm.

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Mei oh mei r├Âmer,

das ist ja echt ein genialer Text. Pr├Ązise ausgearbeitet, knallige Sprache und mal ein richtig fetziges Thema.

Bin gespannt auf Weiteres. Super! Auf diese Idee muss man ersteinmal kommen, na ja, und auch noch entsprechend umsetzen.

Gruss
Socke

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

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Hm...und nun? Als ich dachte, es ging los, war's schon vorbei. Wo ist das Ende und was will die Geschichte sagen? Ich bin da etwas ratlos. Was so gut anf├Ąngt, endet meines Erachtens zu unspektakul├Ąr. Gut geschrieben ist der Text allemal. Auch der Humor gef├Ąllt mir. Doch wo bleibt das gewisse Etwas? Ich vermisse eine Steigerung zum Ende hin. Die anfangs aufgebaute Spannung verpufft zusehends. Was hat es mit den Bittstellern auf sich? Was treibt sie dazu an, ihre Finger los werden zu wollen? Warum soll die Vorstellung ein fingerlosen Kindes schlimmer sein als die eines fingerlosen Erwachsenen? Wenn schon skurril, dann auch bitte konsequent. Ein Fingersammler aus Leidenschaft, der vor Kinderfingern halt macht, verliert da an Glaubw├╝rdigkeit. Er wird nehmen, was er kriegen kann.

"Aber warum weckten gerade Finger sein besonderes
Interesse?"

Tja, das w├╝rde ich auch gern wissen, aber du gibst hierauf selbst keine Antwort bis auf die Anmerkung, dass Kaspar etwas ├╝ber Finger in Erfahrung bringen will. Aber was?

"Auch eine Fingerauktion w├Ąre denkbar"

Warum macht er dann keine? So, wie der Satz da steht, dr├╝ckt er f├╝r mich nur eine gewisse Unsicherheit des Autoren aus. So, als w├╝rde dem Leser eine von m├Âglichen Optionen angeboten.

Liebe Gr├╝├če
Majissa

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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hm,

ganz sch├Ân makaber.
├╝prinx: es hei├čt Gicht. Gischt sch├Ąumt am meer.
lg
__________________
Old Icke

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r├Âmer
Autorenanw├Ąrter
Registriert: May 2003

Werke: 1
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Ich danke euch.
__________________
der apfel f├Ąllt nicht weit vom stamm.

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r├Âmer
Autorenanw├Ąrter
Registriert: May 2003

Werke: 1
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Majissa - schon mal einen leidenschaftlichen Sammler
nach dem Grund seines Steckenpferds gefragt?

Kein Mensch wei├č, was eigentlich in uns steckt.
Wenn wir an Liebe denken. Fehlt Kaspar die Liebe?
Vielleicht.

Der Autor ist tats├Ąchlich unsicher.

r├Âmer
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der apfel f├Ąllt nicht weit vom stamm.

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