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Leselupe.de > Gereimtes
Der Fischer und seine Frau
Eingestellt am 27. 01. 2003 12:09


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Penelopeia
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1964
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Einst fing ein Fischer einen Butt,
hat an der Angel gehangen,
ganz komisch die Augen verdreht,
und zu sprechen angefangen.

"Ach", sprach der Butt, "la├č mich doch frei
von deiner Hakenspitze,
jetzt f├Ąllt mir schon das Sprechen schwer,
sp├Ąter die Ofenhitze."

"Was n├╝tzt mir das?", so frug der Mann,
"die Frau wird mich vollbr├╝llen".
"Ich werd', glaub' mir", so ├Ąchzt' der Butt,
"dir einen Wunsch erf├╝llen."

Drauf hat der Fischer, mitleidsvoll,
den Butt vom Haken genommen
und ist mit leeren H├Ąnden und
guter Laune nach Haus gekommen.

Hat die Geschichte gleich erz├Ąhlt,
die Frau, die lie├č das Fluchen.
Begann, aus einem Katalog
sich etwas auszusuchen.

Ein H├Ąuschen nun sollte es sein,
eines aus Fertigteilen.
Mit dem Katalog lie├č die Frau
den Mann zum Wasser eilen.

"Butt!", rief der Mann, "wir wissen's schon.
Du siehst's auf diesem Blatte:
Ein Wintergarten soll bei sein,
Carport und H├Ąngematte!"

Der Butt hat sich nur kurz gezeigt
hat beflossen gewunken,
und ist in die Tiefe hinab
mit seinem Auftrag gesunken.

Der Fischer eilte schnell nach Haus:
Nicht hatte der Butt gelogen:
Da stand ein Fertighaus. Die Frau
war auch schon eingezogen.

"O Mann, mein Mann", sprach Ilsebill,
"was l├Ą├čt du mich blo├č warten
in diesem Siedlungsreihenhaus:
Schenk' mir ein Schlo├č mit Garten!"

"Ich sch├Ąme mich", so sprach der Mann,
"w├╝nschst du dir noch was heuer.
Au├čerdem: was kostet ein Schlo├č
allein an Grundst├╝ckssteuer?"

"Ich will, ich will!", schrie Ilsebill,
"will weg von den Proleten,
vor solchen und vor Hundekot
kann man hier kaum noch treten..!"

So schlich der Mann, feig wie er war,
erneut zu dem Gew├Ąsser,
bat leise um ein neues Haus,
nur gr├Â├čer, g├╝ldner, besser.

So zeigte sich nochmals der Butt,
die Stelle war dieselbe,
nur ward das Wasser fast so tr├╝b
wie einsten das der Elbe.

Er winkte nicht, schwamm nur schnell weg,
stellte auch keine Frage.
Schon residiert die Ilsebill
im Schlo├č mit Parkanlage.

Nach dem Fr├╝hst├╝ck kam es ihr ein,
es kam aus tiefster Seele,
ein separates Inselchen
mit K├Ânigspalast fehle...

So lief der Mann hinwiederum,
zu bitten den Butt, den Guten;
da knallt b├Âse ein Flossenschlag
auf schmutzver├Âlten Fluten.

Da knallt ein Flossenschlag so hart,
als wenn der Butt b├Âs w├Ąre,
und ├╝ber stinkenden Wassern hing
eine Wolke gro├čer Schwere.

Eine Wolke hing von Staub, von Blei,
Schwefel und Schwermetallen,
wie sie einst bei Leuna und Espenhain
auf Plattenbauten gefallen.

Die Insel fand der Mann, das Weib
hat - leider - er gefunden;
ihm blieben bis zum n├Ąchsten Wunsch
von Ilsebill nur Stunden.

So wollt' das Weib erst Kanzler nur,
dann President, schlie├člich Gott werden.
M├╝hsam geschleppt hat sich der Mann
zum Butt mit Herzbeschwerden.

Der tauchte auf sogleich, freundlich,
sprach, das sei keine H├╝rde;
wobei sich vielleicht Ilsebill
ein bi├čchen wundern w├╝rde.

Sprach freundlich das und tauchte weg
und hat sich wohl verloren,
wie mancher sch├Âne Wirtschaftsplan
und manche Investoren...

Zuhaus, da fand der Mann das Weib
im fr├╝h'ren Wohnblock wieder
mit einer Zahlungforderung
f├╝r freche, s├Ąum'ge Mieter.

Der Mann hat unziemlich gelacht,
die M├╝tz' vom Kopf gerissen,
hat einen Handstand noch versucht
und seine Frau zu k├╝ssen.

"Vielleicht", grinst' er, "da├č sich dein Wunsch
erf├╝llte, dein Verlangen..."
Dann ist mit seiner Angel er
feixend angeln gegangen.

PS.: Der Text entstand nach langem Nachsinnen dar├╝ber, wie Gott aussehen k├Ânnte... Ich w├Ąlzte viele B├╝cher... Bis hin zu Spinozas "Ethik". Dann sah ich mir die Menschen nochmal ganz genau an... Und dann habe ich diese Allegorie in die Maschine gehackt...

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