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Leselupe.de > Kurzprosa
Der Flug des Adlers
Eingestellt am 21. 10. 2006 09:35


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Isildur
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Der Flug des Adlers

Nebel liegt in der Talsenke. Herbstliche Morgenfeuchte f├Ąngt sich in dem Flechtenvorhang, den die steinalte Fichte seit Jahrzehnten tr├Ągt.
Es ist still, der Sonne Glut noch nicht ├╝ber den Kamm der Bergh├Âhen gestiegen.
Hoch oben, oben im Wipfel, sitzt der Adler, die Fl├╝gel eng an sich gepresst.
Seine Krallen tief in einen Arm des h├Âlzernen Methusalems geschlagen, harrt er aus, ├╝berblickt sein Reich.
Er ist der K├Ânig. Er wei├č es, tut dies kund mit einem kataklysmischen Weckruf, einem Schrei, der die kleinen S├Ąugetiere, die in ihren Erdl├Âchern eben noch so friedlich schliefen, je in die kalte, wache Realit├Ąt zwingt.
Wasser kondensiert auf des Adlers kastanienbraunem Gefieder. Er sch├╝ttelt sich und mit seiner wuchtigen Bewegung weint der Flechtenbewuchs den eingefangen Morgentau in einem glitzernden Schauer dem Erdboden entgegen.

Endlich, die durch die hohen Wolken abgeschw├Ąchte Sonne erklimmt den vergletscherten Horizont und w├Ąrmt das Tal mit den wenigen Strahlen, die sie durch das Gew├Âlk zu senden vermag. Der Nebel, der da unten so wohlfeil in seinem Talbett liegt weigert, windet sich, aber er wird weichen.
Der Adler wei├č es.
Die Zeit des Jagens bricht an, und noch einmal verleiht er durch einen markanten Schrei seiner M├Ąchtigkeit Ausdruck.
Sein Nackengefieder richtet sich auf.
Riesig erscheint sein Schatten, weit unten am Boden, als er zwei-, dreimal mit seinem Fluggefieder schl├Ągt.
Es ist soweit.

Sein Herz pocht schneller, als er sich vom verharzten Ast seines Thrones l├Âst. Seine kr├Ąftigen Schwingen tragen den Adler hinfort in sein Element. Die Luftwirbel packen ihn und er gleitet, gleitet durch die morgendliche K├╝hle.
Kreis um Kreis zieht er in der weiten Unendlichkeit des Himmels.

Da!
Eine Bewegung in weiter Ferne.
Ein Schneehase, unvorsichtig, ungetarnt, eine leichte Beute.
Kaum merklich ver├Ąndert der Adler den Muskeltonus seiner Schwingen und korrigiert seine Flugrichtung.

Ein Gewitter!
Ein Blitz f├Ąhrt dem K├Ânig der L├╝fte durch den rechten Fl├╝gel.
Er versteht nicht. Keine schwarzen Wolken, kein grelles Licht.
Und Schmerz, den er so noch nicht gekannt hat. Und erst jetzt h├Ârt er den Donner. Einen scharfen, peitschenden Knall, w├Ąhrend er unaufhaltsam der Erde entgegenrast.

Der Adler liegt am Boden, die Fl├╝gel gebrochen, blutet aus klaffenden Wunden.
Zwei Wesen, deren Art er noch nie gesehen, stehen ├╝ber ihm, sein Herz schl├Ągt ruhig und langsam.
Laute die er noch nie vernommen, geben sie von sich, die Seltsamen.
Er ist bet├Ąubt vom Schmerz, will seinen Schnabel ├Âffnen und seine Macht demonstrieren, aber sein K├Ârper versagt ihm den Dienst.
Eines der Wesen richtet ein rundes, schwarzes Etwas auf ihn.

Es war ein guter Tag f├╝r eine Jagd denkt sich der Adler.

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Karl Feldkamp
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Lieber Isildur,

deine Geschichte ist spannend, das Ende gekonnt ironisch.
Allerdings ist mir der Adler zu menschlich-reflektieren beschrieben. Das ginge m.E. nur, wenn der Text eine Fabel sein soll. Daf├╝r ist er mir aber nicht "fabelhaft" genug.
Mit ein paar K├╝rzungen und mehr tierischen "├ťberlegungen" k├Ânnte die Geschichte noch glaubw├╝rdiger werden.
Herzliche Gr├╝├če
Karl


__________________
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Isildur
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Hallo Karl

Danke f├╝r deinen Kommentar!
Spannung und Ironie sind drinnen, das ist schon mal gut.
Es war mir klar, als ich die Geschichte schrieb, das die Gefahr der vermenschlichung besteht, eben darum hab ich so wenig tierische ├ťberlegungen wie m├Âglich hineingepackt. Es ist halt sehr verf├╝hrerisch einem Tier menschliche Attribute anzudichten, besonders wenn man es denken l├Ąsst.
Eine Fabel sollte es eh nicht sein
Wo w├╝rdest du k├╝rzen?

mfg
Isildur

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Karl Feldkamp
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Liebe Isildur,
alle Aussagen ├╝ber das k├Ârperliche Innenleben und die "Gef├╝hle" w├╝rde ich k├╝rzen. Aussagen ├╝ber das Blut, das Herz, ├╝ber seine Angst etc.
Viele Gr├╝├če
Karl
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Isildur
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Stimmt!

Hallo Karl.

Du hast recht. Das war zuviel des Guten und ich habs rausgenommen.
Danke sch├Ân!

mfg
Isildur

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Karl Feldkamp
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Lieber Isildur,
es freut mich nat├╝rlich, dass du meine Kritik annehmen konntest.
Herzliche Gr├╝├če
Karl
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