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Leselupe.de > Kurzprosa
Der Garten
Eingestellt am 12. 08. 2008 02:04


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Odilo Plank
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2007

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Mein Vater war Dorflehrer. Wir lebten in der Dienstwohnung der alten Schule.
Vor meinen Augen der Speicher mit vielen Balken, mit kleinen Fensterchen. Ihr Glas war vielfach zerbrochen und schloss unz├Ąhligen Spatzenkindern die Welt auf.
Die Treppen scheuerten wir mit Stahlwolle, pflegten sie mit Bohnerwachs. Das Haus roch.
Hinter dem Haus stand ein Zwetschgenbaum, dessen Fr├╝chte meine Hand ausf├╝llten.
Da war noch die alte Sch├╝lertoilette. Nur die schwarz gestrichene Pinkelwand wahrte die Bestimmung. Nun roch sie nach Heu, das wir den Sommer lang f├╝r unsere drei Ziegen einbrachten.
Dahinter traten wir ein in den Garten. Er war gro├č. Die Pfade bildeten ein Kreuz, im Schnittpunkt ein Rondell, eine Laube aus Stahlb├Âgen und wildem Wein. Sie waren ges├Ąumt von Johannisbeerb├╝schen, die Ende Juni rote, wei├če und schwarze Fr├╝chte trugen.
Mein Vater brachte mir bei, dass es nichts zu ernten gibt, au├čer man s├Ąt es oder pflanzt die Stecklinge. Die Hauptfrucht des Gartens war Wei├čkohl, stets bedroht von den Raupen des Kohlwei├člings. Sie verpuppten sich zu Tausenden an der S├╝dwand des Hauses. Aus den Krautk├Âpfen wurde im Fass Sauerkraut. Damals a├č ich es noch roh.
Der hintere Teil des Gartens war eine wunderbare Wildnis aus Blumen, Stauden und Str├Ąuchern, die sich selbst auss├Ąten. Ich kroch in sie hinein wie in eine Traumh├Âhle. Ich liebte ihren k├╝hlen Schauer an hei├čen Sommertagen. Ich hatte meine Kriechg├Ąnge in diesen Scho├č des Gl├╝cks.

Dann war ich zehn und besuchte das Internat. Das beste an ihm war das Heimweh.
Am ersten Tag der Sommerferien zog mich der Garten an.
Ich kniete vor meiner Pforte und sp├╝rte zum ersten Mal den Schmerz.
Es gab kein Hindernis. Sie stand offen, aber nicht mehr f├╝r mich.

Gewiss, ich s├Ąe, ich pflanze Stecklinge. Ach.

__________________
Odilo P.
"Wer ├╝ber sein Leid spricht, tr├Âstet sich bereits." A. Camus

Version vom 12. 08. 2008 02:04

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Franka
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Hallo Odilo,

bis zu:

quote:
"Am ersten Tag der Sommerferien zog mich der Garten an."
gef├Ąllt mir die kleine Geschichte sehr gut, aber ....

Ich denke dein Protagonist sollte nicht knien, er sollte vor seinem Schloss, oder vor seiner Traumh├Âhle, oder vor seinem Gl├╝ck stehen und zum ersten Mal den Schmerz sp├╝ren. Und evt. als letzten Satz nur noch: Der Blick war offen, aber f├╝r mich nicht. (oder eben so in der Art).

Aber, ist wie immer nur mein Blick auf die Dinge, aber vielleicht kannst du dich ja ein wenig mit meiner Idee anfreunden.

LG Franka

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