Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92253
Momentan online:
262 Gäste und 8 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Geburtstag
Eingestellt am 23. 06. 2001 12:00


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Monika M.
Hobbydichter
Registriert: Jun 2001

Werke: 28
Kommentare: 13
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Es war ein Morgen, wie jeder andere auch. Martha schlug die Augen auf und stellte fest, dass sie noch vor dem Wecker aufgewacht war. Sie hatte noch zwanzig Minuten Zeit, bis sie aufstehen mu├čte, um die Kinder zu wecken.
Martha seufzte. Normalerweise h├Ątte sie die zwanzig Minuten genossen, h├Ątte sich in ihre Decke gekuschelt und die Augen fest geschlossen. Noch zwanzig Minuten Frist bis das morgendliche chaos begann, noch zwanzig Minuten Frist bis zur t├Ąglichen Routine.
Doch heute waren diese Minuten erf├╝llt mit nagenden Gedanken. Ein Morgen, wie jeder andere? Weit gefehlt, heute wurde Martha vierzig!
Schon wieder ein Geburtstag, schon wieder ein Jahr vor├╝ber. Hatte sie nicht letztes Jahr noch dar├╝ber gescherzt, hatte sie nicht ├╝ber die n├Ąchste runde Zahl von Lebensjahren gelacht! Doch es war ein qu├Ąlender Spa├č gewesen, vierzig Jahre waren alles andere als ein Scherz f├╝r sie!
Martha zog die Decke ├╝ber den Kopf. Jetzt hatte sie ihr Geburtstag eingeholt. Wieder nur ein Jahr ├Ąlter, versuchte sie sich einzureden, doch diesmal war es ein Jahr zuviel f├╝r ihren Geschmack.
Jetzt bist du also vierzig, dachte sie, und was hast du vorzuweisen? Sie seufzte. Nichts, lautete die Antwort. Sie hatte einen Mann und Kinder, sie hatten ein Haus gebaut und fuhren jedes Jahr in Winterurlaub. Doch was war das schon? Nichts davon war ihr allein zuzuschreiben.
Als die Kinder auf die Welt kamen, hatte sie ihren Beruf aufgegeben. Sie war gerne Mutter und k├╝mmerte sich um den Haushalt. Doch die Kinder wurden gr├Â├čer und irgendwann so selbst├Ąndig, dass sie sich nun oft ├╝berfl├╝ssig f├╝hlte.
Die Hausarbeit ging ihr gut von der Hand, doch immer mehr geriet sie in die Rolle einer K├Âchin, einer Putzfrau, kurzum einer Haush├Ąlterin. Sie war diejenige, die einkaufen ging, die den M├╝lleimer rarustrug. Sie wischte die Fu├čspuren der schmutzigen Turnschuhe fort, die die Freunde ihrer S├Âhne auf der 'Treppe hinterlie├čen. Sie wusch und b├╝gelte, und all dies war selbstverst├Ąndlich f├╝r jedes ihrer drei Kinder und nat├╝rlich f├╝r ihren Mann.
Es war ewig her, dass er einmal freiwillig den Tisch abger├Ąumt oder sonst einen Handgriff in der K├╝che getan hatte. Fr├╝her, da hatte er abundzu f├╝r sie gekocht. Er konnte es gut, aber das war Jahre her. Jetzt dachte er nicht einmal mehr an so etwas!
Martha krabbelte langsam unter ihrer Decke hervor. Es war einfach zu warm darunter, und sie konnte sich nicht den ganzen Morgen hier verstecken. Ihre Frist war auf zwanzig Minuten beschr├Ąnkt, und die waren gleich um. Sie mu├čte Kaffee kochen, Brote schmieren und - und - und!
Sie stand auf und vermied es in den Spiegel zu blicken. Ver├Ąnderte man sich in einer Nacht? Wahrscheinlich nicht, aber immerhin war sie jetzt vierzig!
Oh Gott, dachte sie voll Grauen an eventuelle Gratulanten. Ihre Freundin w├╝rde wohl anrufen. Sie konnte sich ihren gutgemeinten Spott schon vorstellen. Na, jetzt bist du also vierzig, wie f├╝hlt man sich denn jetzt? Wieder ein Jahr mehr, die Zeit l├Ą├čt sich halt nicht aufhalten........Vielleicht sollte sie den H├Ârer aush├Ąngen?
Und dann sah sie doch noch in den Spiegel. Ihr Haar war zerzaust von der Nacht. Es wurde schon grau, doch gestern hatte sie dies noch nicht gst├Ârt. Martha sah sich lange an. Schlie├člich fand sie, dass sie genauso aussah, wie mit neununddrei├čig.
Was soll┬┤s, dachte sie, mehr kann ich nicht erwarten. Wie neununddrei├čig auszusehen ist doch toll f├╝r eine Vierzigj├Ąhrige. Zwanzig werde ich nie wieder sein!
Sie betrachtete ihren Bauch, der fr├╝her einmal flach und fest gewesen war. Nun ja, drei Schwangerschaften hatte ihre un├╝bersehbaren Spuren hinterlassen. Sie mu├čte unwillk├╝rlich l├Ącheln. Drei Kinder hatte sie zur Welt gebracht, drei gesunde, wundervolle und manchmal anstrengende Kinder. Wer hatte da behauptet sie habe nichts zustande gebracht!
Wenn ich auch sonst nichts vorzuweisen habe, sagte sie zu sich, so habe ich doch drei Menschen in die Welt gesetzt und sie besch├╝tzt, so lange sie unter meinen Fittichen blieben. Und ein Gef├╝hl von Stolz keimte auf einmal in ihr auf.
Der Wecker begann zu klingeln. Sie stellte ihn ab und ging in die K├╝che. "Aufstehen, es ist Zeit", schrie sie dabei die Treppe hinauf und hoffte, dass man sie h├Âren konnte. Pl├Âtzlich blieb sie wie angewurzelt stehen.
Sie hatte einen unordentlichen K├╝chentisch erwartet. Ihr Mann ging fr├╝h aus dem Haus. Er stand jeden Morgen als Erster auf und war schon fort, wenn ihr Wecker schrillte.
Sonst stand die benutzte Kaffeetasse auf einem mit Kaffeeflecken und Brotkr├╝meln ├╝bers├Ąeten Tisch. L├Âffel und Messer lagen achtlos herum. Die Butter war inzwischen widerlich weich und die Wurst warm geworden. Doch heute war alles anders!
Der Tisch war abger├Ąumt und liebevoll gedeckt. Und mittendrin stand ein wundersch├Âner Rosenstrau├č. Es waren gelbe Rosen, die langstieligen, die sie am liebsten mochte.
Da stand sie nun, ├╝berrascht und gl├╝cklich. Der Rosenstrau├č schien mit ihr zu sprechen. Er trug eine Botschaft, nach der zu h├Âren, sie sich gesehnt hatte. Ich liebe dich, sagten die Blumen. Ich brauche dich und ├şch wei├č, was du f├╝r uns alle tust. Er sagte so unendlich viel, und es tat Martha so unendlich gut, ihm zuzuh├Âren.
Sie sah l├Ąchelnd aus dem Fenster. Es war ein Morgen, wie jeder andere auch? Nicht ganz, es war ihr Geburtstag. Und es w├╝rde ein herrlicher Tag werden!
__________________
Der erste Schritt seinen Traum zu verwirklichen ist - aufzuwachen...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
eine

wundersch├Âne geschichte. einfach gestrickt, gut erz├Ąhlt, anr├╝hrend und feinf├╝hlig und gegenwartsnah. m├Âge es sehr vielen frauen so ergehen! ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!