Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5552
Themen:   95267
Momentan online:
91 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Geist in der Flasche
Eingestellt am 17. 09. 2014 12:26


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
SnowMan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2014

Werke: 4
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um SnowMan eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo zusammen,

hier nun eine weitere Kurzgeschichte. Da meine erste glaub zu lang war, und niemand so richtig darauf geantwortet hat, hoffe ich, das Ihr diese Geschichte kritisch betrachtet und mir ggf. den einen oder anderen Punkt zeigt, wo sie nicht stimmig ist

Viel Spass beim lesen.

Euer SnowMan

Der Geist in der Flasche


An jeder verdammten Ecke konnte man es kaufen. Perfide aufgereiht, an Stellen, wo man unweigerlich in Versuchung gebracht wird. Eine legale Droge, die sogar in der Ă–ffentlichkeit ohne Scham konsumiert wird.

Seit zwölf Jahren bin ich jetzt trocken. So nennt man es, wenn man die Krankheit hatte.
Verdammt, ja, ich hatte sie.

Damals schwemmte ich die Probleme weg, ohne zu wissen, wie zerstörerisch es ausging. In dieser Zeit war der Geist in der Flasche allgegenwärtig.

An der Decke meiner Küche hängt eine dieser schäbigen IKEA-Lampen. In ihr sammelte sich allerlei totes Getier. Unwiderstehlich angezogen vom Licht. Kamen sie zu nahe, verbrannten sie.

Jetzt stand sie wieder da, im Schein der Lampe. In der Mitte meines Küchentisches. Anziehend, verlockend und doch tödlich.
Ich erinnere mich nur noch schemenhaft. Eines Abends stand meine Frau vor mir und sagte aus heiterem Himmel: „Karl, ich lass mich scheiden.“
Ohne ersichtlichen Grund. Einfach so.
Damals brach meine Welt wie ein Kartenhaus zusammen. Damals griff ich das erste Mal zur Flasche. Das ist jetzt zwölf Jahre her.
Jetzt sitze ich am gleichen Platz und starre wie gebannt auf den Inhalt der Flasche.
GrĂĽble ĂĽber mein leben nach. Was fĂĽr eine ScheiĂźe.

„Mach mich auf“, hämmerte eine stimme im Kopf. Suggerierte mir, ich müsse trinken. Nur dadurch könnte ich meinen Schmerz vergessen.
Mit Wut schleuderte ich das Glas gegen die Wand. Es zerbrach in tausend Scherben, die wie ein Platzregen im Sommer zu Boden fielen.
Ich warf meinen Kopf zurĂĽck in den Nacken - wieder nach vorn -, so, dass mir beinahe schwarz vor Augen wurde.
„NEIN!, ich kann es nicht“, schrie ich.
Die Stimme wurde lauter. Der Zwang, es doch zu tun, immer heftiger.
Ich schrie, tobte in der Wohnung umher.
„WARUM!, warum aufgeben(!)?“
Innerlich griffen tausend Hände nach mir, versuchten mich in den Abgrund zu reißen. (Wo es kein Entrinnen gab, fiel man einmal hinein.)
Unter massiver Anstrengung rang ich nach Luft. Kämpfte gegen den Drang zu trinken.
Erneut flüsterte die geisterhafte Stimme verführerisch, „Trink mich! Und ich helfe dir, deine Probleme zu vergessen. Komm. Nur einen Schluck. Was ist schon dabei.“
Das Süße Säuseln wurde verlockender.
„Komm. Öffne mich. Nur ein Schluck!“, forderte sie mich eindringlich auf.
Diese verdammte Stimme in meinem Kopf wollte mich in den Wahnsinn treiben. Ich schlug mir gegen den Kopf, in der Hoffnung, sie so zu vertreiben.
Wie in Trance ging ich ins Bad und ĂĽbergab mich.
Das GegenĂĽber im Spiegel, ein Monster. Und das war ich. Ein Versager auf der ganzen Linie. Was hatte ich denn schon erreicht? Eine zerbrochene Ehe und keinen Job.
Meine beste Freundin hatte mich heute Morgen verlassen. Auch aus heiterem Himmel.
Wieder war ich allein. Allein auf dieser Welt, mit meinen Problemen. Alles, was ich anpackte, zerrann wie Sand in einem Stundenglas. Auf einen Schlag war alles zunichte. Zerbrochen wie ein Tongefäß.

„Tue es. TUE ES!“, hämmerte die Stimme erneut.
„NEIN!“, brüllte ich ihr entgegen. „Lass mich in Ruhe. Verschwinde!“
Mit geballter Faust schlug ich auf den Spiegel ein, der augenblicklich zerbrach. Blut tropfte wie Tränen in das Waschbecken. Mein Gesicht spiegelte sich bizarr in den Bruchstücken. Meine Gliedmaßen zuckten, meine Muskeln wurden wie Gummi. Unfähig zu einer klaren Handlung.
Ich schrie, schrie wie ein Schwein im Todeskampf.

Es klopfte an der Türe. Kräftig. Ich erinnere mich nur noch schemenhaft daran, was passierte.
»Herr Fiedler, ist alles in Ordnung?«
Mein Nachbar, der zwei TĂĽren weiter wohnte, stand vor mir.
»Nichts!, womit ich nicht selbst fertig werde. Sie kleines neugieriges Arschloch«, rief ich hasserfüllt.
»Wie haben Sie mich genannt?«, antwortete er. Seine Stimme klang plötzlich schroff und bedrohlich.
»Haaalllt’s Maauul. Verschwinde, neugieriger Drecksack«, brüllte ich.
»Hören Sie auf mit dem Geschrei, sonst rufe ich die Polizei.«
»Hau ab. Ich brauch deine Hilfe nicht.“ Langsam kroch ich auf allen Vieren in Richtung Küche.
Der Geist stand immer noch auf dem Tisch. Thronte dort verhöhnend.
Am Türrahmen rappelte ich mich auf und rannte zum Tisch. Nahm die Flasche, öffnete sie. Mit zitternden Händen trank ich einen großen Schluck.
Einen weiteren - einen dritten.

Wohlbefinden durchflutete meine Adern wie ein ausgetrocknetes Flussbett. Alles um mich herum wurde leichter. Mein Körper schien sich aufzulösen - zu schweben. Ich schloss die Augen, sah mich, meine Kinder und meine Frau, auf einer endlosen Blumenwiese. Wir hatten Spaß. Lachten. Meine Kinder tollten im Blumenmeer fröhlich umher. Ich hielt meine Frau in den Armen. Ein leichter Wind blies den Duft des Meeres herüber, Vögel zwitscherten in den Bäumen. Schmetterlinge umschwirrten uns.
So gut hatte ich mich seit zwölf Jahren nicht mehr gefühlt. Dann wurde mein Kopf schwer wie Blei. Er knallte unsanft auf den Tisch und riss mich zurück in die Realität. Wände schienen sich langsam zu nähern, als wollten sie mich wie eine Schmeißfliege zerquetschen. Schatten schienen lebendig zu werden. Alles verschwamm zu einer unscharfen Suppe.
Und da war sie wieder. Diese Stimme in meinem Kopf.
„Das war doch gut. Nicht wahr?“, flüsterte sie in einem spöttischen Tonfall.
„Jetzt nur nicht aufhören. Trink. Es tut dir gut.“
Die Welt um mich herum verschwand StĂĽck fĂĽr StĂĽck.
Ich trank immer mehr.
Irgendwann musste ich das Bewusstsein verloren haben, denn ich erwachte in meinem Erbrochenen. Es war heller Morgen.
An die Begebenheiten dieser Nacht erinnerte ich mich nur lĂĽckenhaft.

Langsam schleppte ich mich in den Flur, griff nach dem Telefon und wählte die Nummer meines besten Freundes.
„Jo - Jim hier?“, antwortete er.
„Ich … Ich bin’s. Kurt“, stammelte ich in den Hörer.
„Jo Mann (oder: englisch und klein "man"), was gibt’s?“
„Ich hab’s wieder getan. Ich konnte nicht anders.“
„Was ist passiert, Kurt?“, fragte er mit besorgter Stimme.
„Die Flasche - sie hat mich wieder im Griff.“

Unter Tränen erzählte ich, was passiert war. Die bruchstückhaften Erinnerungen versuchte ich ihm zu schildern.
Ich hatte versagt. Auf der ganzen Linie. Als Ehemann, als guter Familienvater und als ein Geheilter der Krankheit. Dem Alkoholismus.

„Warte. Ich bin gleich bei dir“, sagte er in einer Stimmlage, die mich beruhigen sollte.
„Danke. Was würde ich nur ohne dich machen.“
„Hey, wozu hat man denn Freunde? Das bekommen wir beide gemeinsam wieder in den Griff. Einen Ausrutscher hat jeder mal“, antwortete er.

Ich legte auf, sank neben dem Telefon zu Boden und weinte bitterlich.

__________________
Das Leben ist zu kurz fĂĽr langweilig Geschichten

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Vagant
???
Registriert: Feb 2014

Werke: 25
Kommentare: 415
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vagant eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo snowman, eigentlich bin ich durch deine neue storie (zu der wollte ich mich nicht äußern, da ich es eigentlich nicht gut heiße, dass man hier 3 stories ins rennen schickt, aber nicht daran interssiert ist, sich zu den arbeiten der anderen zu äußern) zu dieser gelangt. die kürze der storie hat mich dazu bewogen sie mal flott zu lesen. und sie ließ sich flott lesen; das allein ist schon mal ein lob wert.
im grunde ist es hier ja wie in einem guten countrysong, von dem man ja sagt, dass, lässt man ihn rückwärts laufen, der held alles wieder bekommt: seine frau, seinen job, seine wohnung.
also eine geschichte wie ein lamento ĂĽber die alkoholsucht, und den damit einhergehenden absturz.
aber wer sagt denn, dass man nicht auch mal ein lamento anstimmen kann? Sicher kann man. mir hat es so ganz gut gefallen.
stilistisch mochte ich die kurzen, prägnanten sätze, den erzählton, der im dialog ein wenig an bukowski erinnert, und die nähe zum protagonisten. gut, könnte man sagen; ich-erzähler, na wenn da die nähe zum protagonisten nicht schon von beginn an gegeben ist... aber ich habe hier schon ich-erzähler gelesen, die waren so weit weg von sich, da konnte man annehmen, sie wären gar nicht mit am set. das ist bei dir nicht so, du hast das sprachlich recht gut ausgearbeitet, denke ich.
den ersten absatz würde ich ersatzlos streichen. hier bringst du binsenweisheiten und besetzt allgemeinplätze.
"seit 12 jahren bin ich trocken.", wäre ein verdammt guter anfang gewesen.

lg vagant.

Bearbeiten/Löschen    


SnowMan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2014

Werke: 4
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um SnowMan eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Vagant,

erstmal Danke fĂĽr Deine Antwort.

quote:
hallo snowman, eigentlich bin ich durch deine neue storie (zu der wollte ich mich nicht äußern, da ich es eigentlich nicht gut heiße, dass man hier 3 stories ins rennen schickt, aber nicht daran interssiert ist, sich zu den arbeiten der anderen zu äußern) zu dieser gelangt. die kürze der storie hat mich dazu bewogen sie mal flott zu lesen. und sie ließ sich flott lesen; das allein ist schon mal ein lob wert.

Hier Schande ĂĽber mich. Nur hab ich das Problem, ich weiss nicht wie man Texte kommentiert. Wenn ich auf antworten klicke, kommt nur ein leeres Feld. Muss ich immer QUOTE eintippen?

Sehr gerne äußere ich mich zu anderen Texten, nur das Funktioniert hier nicht.

Zum Text: Die kurzen Sätze sollten die Dramatik des ganzen unterstützen. Bei vielen meiner Texte hab ich das Gefühl, das diese zu sehr abgehackt sind. Also Übergänge von Absatz zu Absatz zu schaffen. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister.

So, werde mir jetzt mal die Funktion des Beantwortens genauer anschauen.

LG

SnowMan
__________________
Das Leben ist zu kurz fĂĽr langweilig Geschichten

Bearbeiten/Löschen    


steky
Guest
Registriert: Not Yet

quote:
Seit zwölf Jahren bin ich jetzt trocken. So nennt man es, wenn man die Krankheit hatte.
Verdammt, ja, ich hattehabe sie
Sucht kann man nicht heilen.

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂĽr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂĽck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung