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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Der Gelesene
Eingestellt am 05. 12. 2004 17:02


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georg camp
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2004

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Der Gelesene

Ich rieche Tinte
und sehe Blut
da steht:
Lese mich gut!

Fühle leere Buchstaben
und zerfetze das Papier
so etwas gehört –
niemals zu mir!

Warum? lacht es mir zu
Du Narr, ach! Flieh hinaus!
Fang an zu glotzen
Vereinsame im Graus!

Ich lese jetzt
und will verstehen!
Ich lasse mich waschen
denn kann auch noch sehen.


camp

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Stern
Häufig gelesener Autor
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die Verständnislose

Vielleicht kannst du's mir ein bisschen näher erklären?

Die Perspektivenwechsel (wenn ich das überhaupt richtig interpretiere) gehen mir zu schnell, die Aussagen sind mir zu unklar. Irgendetwas macht, dass ich gerne folgen würde, aber ich kann es nicht. In der letzten Zeile dann schon gleich überhaupt nicht mehr. - Wo liegt der Schlüssel?

Gruss,

Stern *

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georg camp
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2004

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Hallo Stern,

ich habe mir schon ausmalen können, dass dieses Gedicht nicht so leicht zu knacken ist, als ich es in die Leselupe gestellt habe - was wohl in diesem Fall eher an mir als beim Leser selbst liegt. Es ist immer schlecht, wenn sein Autor sein Gedicht interpretieren muss, trotzdem halte ich es nicht für sinnvoll, es zu überarbeiten...

Ich erkläre jetzt einmal so kurz und knackig wie möglich den General"schlüssel", der dir alles weitere eröffnen sollte.
Textdominante des Gedichtes ist die Bedeutung des Lesenkönnens und das dafür relevante Verstehenkönnen. Das lyriche Ich besitzt letztere Fähigkeit nicht, deswegen wirst du in den vier Strophen nur einmal das Verb "lesen" vorfinden - und zwar in dem Apell "Lese mich gut!", welcher eben an das lyrch Ich gerichtet ist. Wenn es liest, dann riecht es lediglich Tinte oder sieht Blut, soll heißen: es versteht nichts, kann mit den (leeren = sinnlosen) Buchstaben nichts anfangen und beabsichtigt auch nicht, es zu wollen. Das Zerfetzen des Papiers ist sozusagen ein Symbolakt der entgültigen Aufgabe an der Fähigkeit des Lesens - und damit gleichzeitig an sich selbst. Es würde in Unmündigkeit verfallen (glotzen; nicht erkennen) und dadurch den Bezug zur Gesellschaft verlieren (Vereinsamung). Wer das in Strophe 3 dem lyrch Ich verdeutlichen will, möchte ich nicht verraten. Jedoch ist die Position klar: sie ist eindeutig verachtend gegenüber dem lyrch Ich ("lacht es mir zu"). Besonders die letzten zwei Verse irritieren - gewollt natürlich. Ich sage nur: Waschen ist hier ein Symbol der Passivität und Unmündigkeit. Somit hat das lyrch Ich seine Situation immer noch nicht verbessert, ist jedoch in dem Glauben, dies getan zu haben. Das "sehen" hebt das lyrch Ich jedoch über die Fähigkeit des Verstehens und ist sich somit deren eigentlichen Bedeutung immer noch nicht bewusst (sehen ist hier nicht symbolisch gemeint). Die letzten zwei Verse sind die bedeutensten überhaupt, da sie es vielleicht sogar schaffen, den Leser in die Situation des lyrch Ichs zu stellen.

Ich hoffe, das hat dir geholfen.

Bis dann, camp

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