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Leselupe.de > Humor und Satire
Der Guru
Eingestellt am 07. 05. 2004 14:21


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Helmut D.
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Der Guru

Janos Schmidt war Guru. Er trug ein indisches Gewand und einen Turban. Fast den ganzen Tag ├╝ber gab er weise Spr├╝che von sich und ab und zu sang und tanzte er. Janos meinte, er h├Ątte von der Speise Gottes gegessen und bes├Ą├če nun die Weisheit der ganzen Welt. Er besa├č auch eine Freundin, Janine. Sie folgte ihm auf Schritt und Tritt, weil sie von seinem Schein zehren wollte. B├Âse Zungen sagten, weil sie eifers├╝chtig w├Ąre. Sie liebte ihn abg├Âttisch, musste aber immer Abstand halten. Damit sich sein Geist entfalten k├Ânnte. Widersacher sagten, weil sie unsauber w├Ąre und st├Ąnke. Wie auch immer. Die beiden waren Gurus und auch sie gab heilige Spr├╝che von sich. Gurus besitzen Autorit├Ąt. Sie haben Anh├Ąnger und J├╝nger. Und so auch Janos. Seine J├╝nger, drei an der Zahl, mussten das Leben f├╝r ihren Meister gestalten. So nannte er es. B├Âse Zungen behaupteten, sie m├╝ssten waschen und kochen, die Wohnung reinigen und den Meister baden. Janos war Atheist. Er glaubte nicht an Gott. An etwas Unsichtbares k├Ânne man nicht glauben, meinte er. Er glaubte an das Gl├╝ck. Und an die Macht. Denn er war autorit├Ąr. Wenn Sp├Âtter ihn fragten, warum er denn nicht mehr J├╝nger h├Ątte, sagte er, seine vielen J├╝nger h├Ątten ihren Meister noch nicht erkannt. Sie seien wie W├Âlfe, die ihren Leitwolf noch nicht gefunden h├Ątten. Aber das w├╝rde sich noch geben. Eines Tages w├╝rden Tausende an ihn glauben und er w├╝rde zum Sch├Âpfer einer neuen Lehre werden. Aber das h├Ątte ja noch Zeit.
Janos hatte ein Hobby. Die Fu├čball-Bundesliga. Und so verfolgte er jeden Samstag die Spiele und freute sich, wenn sein Verein gewonnen hatte und er litt, wenn sein Verein verlor. Wer sein Verein sei, verriet er nicht. Aber Widersacher munkelten, dass es der ber├╝hmte Skandalclub im S├╝den w├Ąre. Der, den so viele liebten und hassten. Widersacher meinten, er w├╝rde sich den Zorn seiner J├╝nger zuziehen, wenn er den Namen preisg├Ąbe. Die, die ihn noch nicht erkannt hatten.
Janos fuhr ├Âfter nach Indien. Er w├╝rde sich dort mit anderen Meistern treffen und die ├ťbernahme der Weltherrschaft besprechen. Denn Janos war ├╝berzeugt, dass er von g├Âttlicher Herkunft w├Ąre und dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis es soweit w├Ąre, dass alle ihn erkannten.
So vergingen die Jahre und keine Weltherrschaft war in Sicht, sondern bittere Not. Die J├╝nger hatten sich bis auf einen von ihm entfernt und die Freundin hatte einen anderen. So lag er Tag und Nacht auf seinen Fu├čbodenbett und meditierte. Lauthals rief Janos Gott an und bat ihn um seine Gunst. Denn Janos hatte mittlerweile seine alten Thesen aufgegeben und Gott wiedergefunden. Und er machte ihn daf├╝r verantwortlich, dass nichts gesch├Ąhe. Bitter weinte er um seine J├╝nger und seine Vertraute. Alle h├Ątten sich gegen ihn verschworen und er tr├╝ge die Last der Welt auf seinen Schultern. Warum erbarme sich Gott nicht seiner und warum lie├če er ihn im Dreck liegen. So jammerte Janos den ganzen Tag und er bekam dar├╝ber Haarausfall und sein Bart ergraute. Da trat eines Tages eine Wende in seinem Leben ein. Jedenfalls war Janos von einem Tag zum anderen ein anderer. Er hatte n├Ąmlich heimlich Lotto gespielt und im Lotto gewonnen. Sechs Richtige, Reichtum mit einem Schlag. Sofort machte sich Janos auf, um ein neues Domizil zu suchen. Ein Guru m├╝sste zumindest in einer Residenz wohnen und nicht in einer Einzimmerwohnung. Als die Freundin und die ehemaligen J├╝nger von seinem Reichtum h├Ârten, besannen sie sich und folgten ihn wieder. Und neue J├╝nger kamen dazu. Er lebte, wie ein Guru leben muss, mit vielen Anh├Ąngern und in Luxus. Ja, jetzt h├Ątte sich seine Vorhersage erf├╝llt und die Menschen h├Ątten seine F├╝hrerschaft anerkannt. Jetzt h├Ątten die W├Âlfe ihren Leitwolf gefunden.
Janos war damit zufrieden. Von Weltherrschaft sprach er nicht mehr, stattdessen regelm├Ą├čig in feinen Hotels vor seinen Freunden. Damit war er zufrieden. Es war so gekommen, wie es kommen musste und mit dieser Gewissheit beschloss er sein Leben.

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flammarion
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Registriert: Jan 2001

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hm,

ganz nett. st├Ąrkere gliederung w├╝rde den lesegenuss erh├Âhen. ein intelligenter schreiber macht vor jedem neuen gedanken einen absatz.
lg
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Old Icke

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