Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
112 Gäste und 5 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Der Herr der Ringe...
Eingestellt am 23. 12. 2001 00:30


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
maskeso
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2000

Werke: 28
Kommentare: 280
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Es ist nun schon etwa ein dreiviertel Jahr her, dass ich ihn gelesen habe. Der Herr der Ringe - Epos, Begr├╝nder und Vollender des Fantasygenres. Meisterwerk englischer Literatur.
So schlecht steht es also um die angels├Ąchsische Literatur, dass ein Buch ohne Sinn aber mit vielen leeren Worten als Gallionsfigur herhalten muss. Shakespeare w├╝rde im Grabe rotieren..
Der Inhalt sollte hinl├Ąufig bekannt sein, dennoch eine kurze Zusammenfassung: Ein dunkler Ring mit archaischer Macht f├Ąllt in die H├Ąnde eines Halblings, ├╝berdauert einige Jahrzehnte in dessen Besitz ehe der Dunkle Herrscher Sauron davon erf├Ąhrt und sein Eigentum zur├╝ckhaben will. Wie es denn nun kommt, findet sich ein m├Ąchtiger Zauberer mit Namen Gandalf und schickt einen jungen Halbling mit einer bunten Ansammlung von Gef├Ąhrten auf die Reise den Ring zu zerst├Âren, wo er geschmiedet wurde. In Moria, dem Land Saurons.
Nun frage ich mich - was ist so besonders an dem Buch? Ohne Zweifel ist es so schlecht nicht: Es ist ├╝beraus stimmungsvoll, teilweise (aber nur teilweise) ansprechend und kurzweilig erz├Ąhlt, gelegentlich humorvoll, gespickt mit dem ein oder anderen interessanten Charakter und beinhaltet so manch wirklich innovativen und ungew├Âhnlichen Blickpunkt (etwa die Elben, die den Kontinent ├╝ber das Meer verlassen). Tolkien kann schon gut erz├Ąhlen, ohne Frage - er versteift sich nciht auf die falschen Details sondern l├Ąsst enorm viel Platz f├╝r die Fantasie. Soweit so gut.
Doch: Die Handlung ist eher grotesk denn glaubw├╝rdig. Warum wird der Ring ("Er will gefunden werden") ausgerechnet von einem 'Gegner' gefunden, anstelle von ein paar Orks? Warum wirkt die ganze Geschichte so unglaubw├╝rdig - auch Fantasyromane d├╝rfen einen nachvollziehbaren Plot enthalten. Allein der Schluss mit der v├Âllig unn├Âtigen und aufgesetzt wirkenden Invasion des Auenlandes ist ein Machwerk besonderer G├╝te, als auf einmal Gewalt, bewaffneter Widerstand zur Tugend erhoben wird. Immerhin k├Ânnte man ├╝ber all diese konstruierten Zusammenhanglosigkeiten hinwegsehen, dank der Stimmung und dem netten, aufs perfekte Ma├č ausgearbeiteten Ambiente. Aber es gibt schlimmeres:
Zum einen hat das Buch keinen 'Sinn' - Tolien bestritt immer vehement, mit dem Herrn der Ringe irgendetwas ausgesagt haben zu wollen. Keine Aussage, dabei w├Ąre doch soviel Platz gewesen, dem Autor zum Trotz kann man allerdings problemlos eine Menge nette Dinge hineininterpretieren.
Zu schlechter Letzt aber, so muss ich sagen: Ich fand dieses Buch ├╝ber weite Strecken einfach stinklangweilig. Es zog und zogund zog sich. Wiederholungen, die weder dem Plot auf dei Beine halfen noch die Stimmung vertieften. Epische Breite, in die L├Ąnge ezogen bis nur noch ein Strich in der Landschaft ├╝brig bleibt.
Der Herr der Ringe ist kein schlechtes Buch, dank einiger Ideen und der wirklich gelungenen Atmosph├Ąre und Hintergrundgeschichte sogar ├╝beraus lesenswert. Aber es ist anstrengend - es ist lesenswert, aber das ist ein Buch ├╝ber Evolutionsbiologie auch (finde ich).
Ich hoffe, man verdammt mich nicht, denn den Herrn der Ringe nicht so toll gefunden zu haben ist ja f├╝r vile fast ein Sakrileg (erstaunlicherweise in einer Zeit, in der SciFi und Fantasy als Genres per se zur Schundliteratur gez├Ąhlt werden). Ich fand es halt wirklich langweilig, anstrengend und zu guter Letzt: es war die M├╝he nicht wert.
Der Film, so sei noch gesagt, ist in meinen Augen eine w├╝rdige Umsetzung - im Guten wie im Schlechten.
__________________
Die H├Âlle sind wir selbst.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ex-mact

???

Registriert: May 2001

Werke: 2
Kommentare: 1063
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Danke f├╝r die Rezension,

aber: welche Buchversion rezensierst Du? Die "Original-├ťbersetzung" von Carroux? Die neue von Krege? Beide unterscheiden sich stark voneinander. Rezensierst Du das Original von Tolkien selbst?

Tolkien war Philologe. Dein Zitat, er habe nichts aussagen wollen, ist nur bedingt richtig: der "Ring" war sowohl ein kommerzielles Produkt (nach dem Hobbit, dessen Erfolg Tolkien selbst ├╝berrascht hat) als auch sein (gelungener) Versuch, dem anglikanischen Sprachraum eine ├Ąhnlich vielf├Ąltige Sagenwelt zu konstruieren, wie sie f├╝r den germanischen und romanischen bereits zur Verf├╝gung standen. Sein Verleger hat ihn immer wieder auf "mehr Action" hinweisen m├╝ssen - das Buch also "nur" als Abenteuerroman zu sehen ist zu kurz gedacht.

Tolkien war kein guter Erz├Ąhler - anders als Shakespeare. Aber Tolkien hat etwas EIGENES geschaffen - anders als Shakespeare, der nur Bekanntes durchgekaut hat und kommerziell zusammenschmierte. Tolkien war Hobby-Autor, Shakespear ein "antiker Konsalik", ein bezahlter Massenproduzent. Beide zu vergleichen zeugt lediglich von Halbwissen.

Wenn Du die Ring-B├╝cher lediglich unter dem Aspekt der Unterhaltungsliteratur siehst, hast Du Recht: es wird das Gleiche beschrieben, das auch Shakespeare beschrieben hat - der ewige Kampf zwischen Gut und B├Âse. Beide Autoren haben da also kaum etwas geleistet. Wenn Du moderne Ma├čst├Ąbe an Erz├Ąhlkunst und Konstruktion an den Ring anlegst, wirst Du viele Kritikpunkte finden (aber kaum die von Dir postulierten).

Wenn Du die Bedeutung des Ringes f├╝r die WELTLITERATUR jedoch einsch├Ątzen willst, musst Du die Erben des Ringes nennen: von Star Wars ├╝ber die moderne Fantasy bis zum Hollywood-Repertoire f├╝r einen immensen Filmfundus. Shakespeare hatte auch eine Bedeutung... f├╝rs Theater und einen Teil der Literatur - ihn in irgendeiner Weise "h├Âher" als Tolkien anzusiedeln ist jedoch bestenfalls kurzsichtig zu nennen. Beide sind dazu zu schwer zu vergleichen.

Im ├ťbrigen hat mitnichten Tolkien die Fantasy begr├╝ndet - auch das ist blo├č von der aktuellen Hype-Industrie kolportiert. Lange vor ihm gab es Jean Ray (ein Klassiker der Fantasy), die "Archetypus-Story" Land-Below-England und viele andere. Tolkien hat eine bestimmte Richtung wieder Hoff├Ąhig gemacht: das, was die Grimms mit ihren industriellen Sammlungen zerst├Ârt haben - frei erz├Ąhlte, aus vielen Versatzst├╝cken neu gezeichnete M├Ąrchen.

Bearbeiten/Löschen    


maskeso
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2000

Werke: 28
Kommentare: 280
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Das Original (Carroux) war's, das mir so missfiel

Die neue ├ťbersetzung soll viel von dem sprachlichem Reiz nehmen, der zweifelsohne vorhanden war.
Den Versuch eine Sagenwelt zu konstruieren als Aussage zu bezeichnen finde ich nicht allzu sinnvoll. Fast jeder Autor will wohl mehr oder minder eine Welt konstruieren, unter Aussgae verstehe ich eine Botschaft, neudeutsch Message. Ein Buch ohne Aussage empfinde ich als trivial.
Shakespeare mit Tolkien zu vergleichen mag ein wenig unpassend sein, aber damit bezog ich mich nur auf ihren Rang f├╝r die englsiche Literatur. Weder vom Stil noch vom Ansatz her haben die beiden viel gemein. Shakespeare allerdings, und das ist meine Meinung, hat wirklich etwas geschaffen. Sofern es ihn denn tats├Ąchlich und singul├Ąr gegeben hat.
Was hat Tolkien geschaffen? Dass er nicht das Fantasygenre begr├╝ndet hat, war mir auch durchaus bewusst und das w├Ąre seine einzige gro├če Leistung gewesen. Dass er die Sprache nicht nur geschickt und stimmungsvoll verwendet, sondern aufs exzessivste ausw├Ąlzt, mag an seinem beruflichen Hintergrund liegen - das ist in meinen Augen aber weniger eine Leistung als dass es mich vielmehr an klingonisch sprechende Star Trek Freaks erinnert.
Was der Herr der Ringe (heute) in erster Linie ist - er ist Gesch├Ąft. Merchandising. Ein selbstlaufender Mythos. Hype. Und einen Hype zu begr├╝nden zu sein, ist keine so gro├če Leistung (├╝brigens finde ich Star Wars ja auch ganz nett - aber als bedeutsam w├╝rde ich das auch nicht ansehen). Welche Bedeutung hat denn der Herr der Ringe nun wirklich gehabt? H├Ątte es ohne Tolkien kein Fantasy mehr gegeben? W├Ąren so viele Filme nie gedreht worden? Welche? Was w├╝rde denn wirklich fehlen? W├╝rden wir die wunderbar (sinnlos) ausgearbeitete Sprache der Elben vermissen? W├╝rden wir Ringwraith-Actionfiguren vermissen oder das elektrische Spielzeugschwert von Mittelerde?
Ich bezweifle es. Und so verbleibe ich bei meinem Standpunkt: Ein Buch ohne Aussage, langweilig und ├╝bersch├Ątzt.
__________________
Die H├Âlle sind wir selbst.

Bearbeiten/Löschen    


Magic Magor
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2001

Werke: 5
Kommentare: 69
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Magic Magor eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hm.....

nun da├č du Herr der Ringe langweilig findest, mag stimmen. Was ich allerdings ein wenig komisch fand war deine Aussage ein Buch ohne "Message" sei trivial. Sicher. Aber Tolkien wollte keine "Message" r├╝berbringen. Und der Leser will auch nicht unbedingt eine haben. Er m├Âchte einfach nur ein gutes Buch lesen. Und genau so eins ist Herr der Ringe. Jedem gef├Ąllt es nicht, sicher aber nicht destotrotz ist es ein gutes unterhaltsames Buch nicht mehr und nicht weniger. Was Mittelerde angeht. Das besondere daran mag nicht die Tatsache sein, da├č Tolkien eine Welt erfunden hat sondern eine sehr detailreiche Welt. Die Elbensprache mag aus deiner Sicht sinnlos sein. Mir hilft sie dabei die Welt zu erleben. Etwas das nicht nur auf dem Papier existiert sondern das wirklich lebt. Das ist denke ich mal die gro├če Leistung von Tolkien. Sicher mag es jetzt, gerade durch den Film (den ich mir noch angucken werde) zu einem Hype kommen. Aber so sind die Menschen nunmal aber daran ist Tolkien am allerwenigsten schuld.

Bearbeiten/Löschen    


maskeso
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2000

Werke: 28
Kommentare: 280
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Unterhaltsam..

..w├Ąre ja sch├Ân gewesen, aber ich fand es eben langweilig und langatmig. So verschieden k├Ânnen die Geschm├Ącker sein, genauso wie ich die detaillierte Beschreibung des Elbischen eher als unn├╝tz empfinde. Da h├Ątte der gute Mann sich meines Erachtens besser dem Englischen weiter gewidmet.
Und trivial ist eben trivial. Das ist so abwertend nicht gemeint - ich spreche dem Buch nur jede hineinmystifizierte Bedeutung ab. Es ist Unterhaltungsliteratur, Trivialliteratur eben, ohne wirklich tiefen Anspruch an den Leser (er mag seine Phantasie gebrauchen, was immerhin schon deutlich mehr als nichts ist)
Wenn du sagst, dass es ein unterhaltsames Buch ist und nicht mehr, so ist das genau das was ich meine.
Nur bei dem unterhaltsam sind wir offensichtlich verschiedener Meinung .
Sch├Ânen Tag noch
__________________
Die H├Âlle sind wir selbst.

Bearbeiten/Löschen    


Magic Magor
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2001

Werke: 5
Kommentare: 69
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Magic Magor eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Nun gut

dann habe ich deinen ersten Post wohl ein wenig mi├čverstanden.

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!