Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92263
Momentan online:
456 Gäste und 14 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Der Herr der Ringe - die Trennung.
Eingestellt am 12. 02. 2004 10:05


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
pleistoneun
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 173
Kommentare: 57
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um pleistoneun eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

D├╝stere Wolken schw├Ąrzten den Himmel, als Horst Dingens, der gelernte Stahlrohrgie├čer aus Tullwitz, seinem alten Peugeot entstieg. Umweht vom kalten Hauch des Windes betrat er das Amt f├╝r Scheidungen und Trennungen aller Art. Horst Dingens, der bullige Stahlrohrgie├čer, griff sich auf f├╝r diesen Zweck des Auftritts ├╝bliche Art in die Brusttasche seines Sakkos. Seine wulstigen Finger sp├╝rten das K├╝hl des edlen Metalls, das er bei sich trug. F├╝r stahl- und eisenverarbeitende Menschen, wie er es war, keine ungew├Âhnliche Empfindung.

Horst Dingens, der unmittelbar vor seiner 18. Scheidung stand, durchschritt in entschlossener Manier die m├Ąchtigen, ehrf├╝rchtig anmutenden Hallen des Amtes. Abermals kontrollierte er mit einer kurzen, zielgerichteten Handbewegung das Vorhandensein des Eheringes in seiner Brusttasche. Seine schmalen Augen, verh├Ąrmt, aggressiv und stark ger├Âtet, zeugten von den vielen, schweren Auseinandersetzungen mit seinen Ehefrauen. Stahlrohrgie├čer, zwar ein ehrenwerter Berufsstand, jedoch bei der Handhabung der L├Âsung sublimer, ehelicher Probleme mit dem Hang zur durchschlagenden Grobmotorik eher unzarte Pers├Ânlichkeitstypen, entledigen sich schlicht der Frauen und somit aller weltlichen Probleme, indem sie das symbolische Band der Ehe wie einen Expander vor Wut in der Luft zerrei├čen.

Hinter der wei├č lackierten Holzt├╝re sa├č wieder dieser gewitzte Scheidungsanwalt an seinem Holzschreibtisch, der nichts Besseres zu tun hatte, als dicke Gesetzesb├╝cher durchzuackern, um irgendwelche Schwachstellen aufzusp├╝ren. Dingens klopfte und trat zugleich ein. Es folgte eine beiderseitige, unh├Âfliche Begr├╝├čung. "So, sch├Ân, sie mal wieder zu sehen!", versuchte der Anwalt vorwitzig zu sein. Mehr als ein Grummeln war dem Stahlrohrbullen nicht zu entlocken. "Wir warten noch auf Ihre Frau", spielte der Anwalt den Vergn├╝gten und wollte zeigen, dass Anw├Ąlte sich niemals scheiden lassen, weil sie ja Anw├Ąlte sind und ihnen das niemals passieren k├Ânnte. Anw├Ąlte haben Niveau, wissen was sie tun, haben alles im Griff. "Entschuldigen Sie: Ihre Ex-Frau, wenn Sie mir den Vorgriff gestatten!". Horst grummelte erneut. Danach erf├╝llte minutenlanges, peinliches Schweigen den Raum.

Von Weitem schon h├Ârte man hinter verschlossener T├╝r am Gang die herannahenden St├Âckelschuhe seiner Frau. Horst griff zur Brusttasche, ein Reflex. 'St├Âckelschuhe - Frau - Scheidung - Ring - Eisenrohre': das waren die Gedankeng├Ąnge des Mannes. 'Make-Up - Nerzmantel - gute Frisur - Eindruck beim Anwalt machen - Scheidung - Anruf beim neuen Freund': das war die Gedankenwelt der Frau. Die Frau wurde herein gebeten. Blicke aller Emotionsrichtungen wurden wechselweise ausgetauscht. Sie nahm Platz. Der Anwalt witzelte: "Sch├Ân, dass Sie selbst kommen konnten..." und fuhr mit trockenem Anwaltsgeschwafel fort. Dies war der l├Ąhmendste Teil der Ehetrennung und man lie├č ihn stumm als Akt der Strafe gew├Ąhren. "Jetzt her damit!", forderte Horst den Ring an und seine Frau auf und machte dabei eindeutige Fingerbewegungen. Sie knallte ihn mit herber Vehemenz auf den Holztisch des Anwalts, unterschrieb mehrmals und ging wortlos. Sie w├╝rde das Scheidungsgeb├Ąude noch nicht verlassen haben, wenn sie sich bei ihrem neuen Freund am Handy furchtbar ├╝ber die ungerechte und frauenfeindlche Behandlung in Scheidungssituationen aufregte. Dieser wird ihr nur mit einem Ohr zuh├Âren k├Ânnen, weil der Umgebungsl├Ąrm auf dem Veschubbahnhof, in welchem er die Kupplungen der Waggons zu schmieren h├Ątte, zu laut w├Ąre.

"Also dann...", verabschiedete sich Dingens von dem Anwalt, der ihm nach vollzogener Scheidung immer etwas sympathischer erschien. "Also dann, bis bald mal!". Horst Dingens steckte den Ring seiner Ex-Frau in die Brusttasche zu dem Seinigen. Das metallische Klimpern l├Âste seine Anspannungen. Zuhause, ja zuhause, da w├╝rde er die beiden Ringe zu den anderen legen. Er w├╝rde sie gen├╝sslich in die Schale, in der sie glitzernd lagen, einwerfen, um sich am ehernen Klang zu erfreuen. Im Besitz von 36 getragenen Eheringen zu sein, hinterlie├č bei Horst das Gef├╝hl von Macht. Machthaber und Herr ├╝ber jene Lebensereignisse zu sein, die ihm diese Genugtuung bescherten. 36 Ringe. Und es sollten noch mehr werden.

Und noch am selben Abend wird Horst Dingens, der grobschl├Ąchtige Stahlrohrgie├čer aus Tullwitz, Lokalit├Ąten aufsuchen, in denen potenzielle Kandidatinnen sich vom Ges├Ąusel des Frischgeschiedenen aussichtsreich einwickeln lassen w├╝rden und v├Âllig hingerissen von der einfallsreichen Art seiner Liebesbezeigungen w├Ąren. Und Horst w├╝rde das Spiel zu Ende spielen und nach erfolgreicher Verf├╝hrung in der Nacht seiner neuen Gef├Ąhrtin mit leisem Grummeln ins Ohr fl├╝stern: "Gute Nacht... mein Schaaaaaatzzzzzzz!!!!"
__________________
http://www.1yl.at/pleistoneun

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


filechecker
Guest
Registriert: Not Yet

Scheidung bis zum Abwinken

Hallo,

eine sehr gelungene und witzige Geschichte.

Nur dieser Absatz scheint etwas "aus dem Ruder gelaufen" zu sein:

[Stahlrohrgie├čer, zwar ein ehrenwerter Berufsstand, jedoch bei der Handhabung der L├Âsung sublimer, ehelicher Probleme mit dem Hang zur durchschlagenden Grobmotorik eher unzarte Pers├Ânlichkeitstypen, entledigen sich schlicht der Frauen und somit aller weltlichen Probleme, indem sie das symbolische Band der Ehe wie einen Expander vor Wut in der Luft zerrei├čen.]

Aber sonst sehr gut!

Gru├č

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
prust,

kicher, lach!
eine geschichte, die nahezu von zeile zu zeile besser wird. ich habe mich k├Âstlich am├╝siert.
lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um majissa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Meine Lieblingsstelle: "Gute Nacht... mein Schaaaaaatzzzzzzz!!!!"

Herrlich, Pleisto, ich habe mich mal wieder vor Lachen unter dem Tisch gekugelt. Bis auf den schon von filechecker erw├Ąhnten, etwas umst├Ąndlich formulierten, Absatz, finde ich nichts, was es zu optimieren g├Ąbe.

"Horst Dingens, Stahlrohrgie├čer aus Tullwitz." Da komm' erst mal einer drauf!

Lieben Gru├č
Majissa

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!