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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Herzschlag im Dunkeln
Eingestellt am 15. 07. 2001 14:35


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AndiDLX
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2001

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Poch-Poch... ich lebe, ich muß leben, denn ich höre ihn, zwar krĂ€nklich, schwach und fast entseelt, wohl ist er da, mein Herzschlag. Doch bleiern trohnt das Bild des Tunnels mir entgegen, ich sehe all die Facetten der Gradwanderung ins Dunkle darin, wie allmĂ€hlich das Licht knapper wird, die Luft dĂŒnner, die Haut bleicher und der Wille lebensmĂŒder und weniger. Alles muß nun vorbei sein, meine Angst beendet, meine Sorgen und Nöte durchtrĂ€nkt von rotem Trunk und aufflackerndem Schein der Finsternis. Alles ist nun leer und die Suche nach dem Sinn ist beendet, alles ist nun aus, ohne Inhalt mehr, ohne Form, ohne irgendetwas, was Verwirrung stiften könnte. Doch eines ist da, mein Herzschlag, der mich wecken will, der mir gut zureden möchte, der alles zu vereiteln vermag und alles zu zerstören wagt.

Poch-Poch... du herzloses Herz, höre auf nach Zielen zu streben, die es nicht gibt, die unerreicht bleiben, immer, stetig und ausschließlich. Es gibt doch gar kein Leben, keinen Sinn, nichts Höheres, das sich zu leben lohnt. Geb nun Ruhe und lass mich endlich ziehen. Du gabst mir keinen Halt, hast mich lĂ€ngst verloren, merke doch, meine Seele ist nichts mehr wert, war immer wertlos gewesen. Dieses Moloch an Gestzen und Absicherung, an Unterrangigkeit und eben falscher Hierarchie. Alle diese elendigen Helden dieser Welt sind doch nur wĂŒste Schurken, verbreiten nur Schrecken und brennen den Menschen ihre Masken vor ihre Bretter. Nur Kriege gaben sie, nur Tote und endlose Finsternis, nun ist es zu spĂ€t mit dieser seichten Hölle, habe keinen Grund mehr hier zu sein, es ist mir Leid und Bange schon lĂ€ngst gewesen und du siehst unbeteiligt zu und lukst zu Boden, nun ist wirklich schluß.

Poch-Poch...Tod, ach Tod, ich habe solche Sehnsucht nach dir, buhle um dich und du scheinst mir solcher NĂ€he doch so fern. Ich vermag dich wohl zu sehen, erspĂ€her deine sichere Dunkelheit, deine BestĂ€ndigkeit und Ausdauer, wie du dich um alle mĂŒhst und nach allen lockst und nur du der Einzige bist, der wirklich hĂ€lt, was er verspricht. Nur du allein nimmst alle zu dir, egal wieviel Masken einer hat oder GelĂŒbde brach, auch die im Scheine umhergezogenen Heiligen schnappst du in deinen Rachen, hast wirklich nie gelogen, bist als einzigster ehrlich geblieben. Die eigentliche Hölle ist nicht deine Heimat, sondern meinige. Du nimmst sie nur zu dir und gibst ihnen Unterschlupf, das schĂ€tze ich so sehr an dir, deswegen habe ich mich in dich verliebt.

Leere-Leere... nun ist es doch passiert. Meine Beine sind schwer, auch meine Arme hĂ€ngen nur lebslos von meinem kalten modrigem Leib herab, das ovale dumpfe Gebilde auf meinen Schultern ist steif und unbeweglich, auch die anderen Glieder sind ertaubt und erstarrt. Jetzt bin ich wohl tot. Nur meine Augen zeigen etwas wie Leben und suchen etwas zu fixieren, etwas zu festhalten, irgendein Zeichen, vielleicht ein Licht im wilden und unwirtlichem Schwarz, doch nichts ist da, nur Leere. Keine Zeit, keine Regeln, keine Ordung in diesem dunklen Vakuum, leider keine sĂŒsslich bunten Blumen, keine stĂ€mmig festen BĂ€ume, nirgends einen lieblichen Vogel, nur das Gleiche, immerfort und ewig.

Schnarch-Schnarch... ich schlafe und verspĂŒhre alles an mir vorbeirauschen zu sehen. Sehe die abgestorbenen bekannten Fratzen meiner Vergangenheit darin zu erahnen und besonders den toxischen Gestank meiner Zukunft. Ich hĂ€tte am liebsten alles darin gesprengt und vernichtet, um nur jetzt hier da zu sein, doch leider hatte ich unter dem vermeintlichem Pochen des TodeslĂŒstern mein Herz verkauft.


__________________
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flammarion
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hallo

und herzlich willkommen auf der lupe. deine geschichte ist herrlich destruktiv, aber nicht so sehr, daß man sich darin verlieren kann. einige tippfehler beseitigen und die sache ist rund. einer ist aber wahrscheinlich kein tippfehler, sondern ein falsch angewöhntes wort: einzigstes. einzig lĂ€ĂŸt sich nicht steigern, es muß einziges heißen. ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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josipeters
Guest
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Herzlich willkommen,

ich hoffe, von dir noch weniger traurige Posts zu lesen

Lied eines MÀdchens vor dem Götterbild aus Ramses:
Wie sehne ich mich, dich zu sehen!
Ich bin deine Schwester Isis, die dein Herz liebt,
ich sehne mich nach deiner Liebe, der du entfernt bist.
Ich ĂŒberschwemme das Land heute mit TrĂ€nen!

nur zur Aufheiterung!

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AndiDLX
Wird mal Schriftsteller
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Auch euch ein liebes Hallo

Ich danke euch fĂŒr eure Beantwortung zu meiner, sicherlich etwas melancholischen Geschichte, die ich hier, als Einstiegsgeschichte gewĂ€hlt habe. Es war ein etwas komisches GefĂŒhl gewesen, von einer Person, die man garnicht kennt, von der man ĂŒberhaupt keine Vorstellung hat, die ebenso auch den Schreiberling nicht kennt, eine Kritik, bzw. einfach ein GefĂŒhl zu erhalten, daß der jenige, also ihr, beim Lesen hattet. Danke dafĂŒr. Schade nur, daß sich nur wenige fĂŒr meine Geschichte interessiert haben. Wieso eigentlich sind bei dem Aufruf, bzw. der Beantwortung der Geschichten so drastische Unterschiede (einige wurden mehre hundertmale Aufgerufen, andere, wie meine z.B., gerade mal knapp ĂŒber zwanzigmal?
Nunja, ich habe jetzt eine neue Geschichte hineingebracht, in die fast unĂŒberschaubare Schöpferquellen an kleinen und großen Aufschrieben von Gedanken, die ohne die Leselupe vielleicht im Dunkeln des Computers verdorren wĂŒrden. Wirklich eine schöne Sache, die Leselupe, hier gefĂ€llt es mir.
GrĂŒĂŸe von AndiDLX
__________________
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flammarion
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ja,

mir gefĂ€llt die ll auch ganz ausgezeichnet. gerade die anonymitĂ€t. wenn man einen menschen vor sich hat, beurteilt man ihn auch gleich, und wenn er einem nicht sympathisch ist, gefĂ€llt einem auch kaum sein werk. so aber hat man es nur mit dem werk zu tun und kann unvareingenommen werten. bleib uns recht lange erhalten! ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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