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Leselupe.de > Humor und Satire
Der Holzsemmelbewerb.
Eingestellt am 30. 06. 2002 19:47


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pleistoneun
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StichsĂ€genwettbewerb der SpĂ€tweckenbĂ€cker: Zahlreicher Zulauf der kleinbĂŒrgerlichen Möchtegernschnitzer und Hobbytischler zum Kurvenschneiden an Holzspanplatten. Statt nudeliger Teigware nun mal massives Bretterwerk, statt Brezel, Kipferl, Semmelteig jetzt FurnierlattenstichsĂ€genlĂ€rm mit Staubgarantie und Asthmaschock. Der Boden fibrierte beim Start zum StichsĂ€genhallenmasters der SpĂ€tweckenbĂ€cker, meterhohe HolzspanfontĂ€nen vernebelten innerhalb kĂŒrzester Zeit die schwitzenden Modellierer und der ohrenbetĂ€ubende LĂ€rm zeugte von dem verbissenen Ehrgeiz, den jeder der Teilnehmer mitgebracht hatte, um die heiß ersehnte TrophĂ€e zu gewinnen. Doch vorher galt es alles zu geben, die stahlharten Unterarmmuskeln jahrzehntelangem Teigwalgens trieben das heiße StichsĂ€genblatt durch die Fasern des flachsigen Holzes. Langsam formten sich hier und da Rundungen oder eine Kante und so nach und nach puffte das Staublungenpublikum jubelnd ihren feinen Mehlstaub aus ihren Alveolen und heizte die Stimmung weiter an. Nach 8 Stunden 12 Minuten und 2 Sekunden beinharter Schufterei unter widrigsten Bedingungen riss der erste BĂ€ckermeister erschöpft seinen Elektrohobel in die Luft - ein klarer Sieg. Das Ende eines erbitterten Kampfes zwischen weißbeschĂŒrzten Semmelknetern, die nichts besseres zu tun hatten, als sich an diesem schönen Sonntagnachmittag im StichsĂ€genholzsemmelmodellieren zu messen.

Vier MĂ€nner lösten mit MĂŒhe die noch glĂŒhende StichsĂ€ge aus der verkrampften Umklammerung des bulligen Siegers und drĂŒckten ihm seine TrophĂ€e in die Hand - die vielbegehrte Semmel aus weißem Teakholz. Doch nach eingehenden Recherchen des Schiedsgerichts wurde dem HolzmodellbĂ€cker der erste Platz aberkannt, weil dieser angeblich seine StichsĂ€ge gar nicht eingeschaltet haben soll, also stromlos stichgesĂ€gt haben soll, mit purem Kraftaufwand die Semmel aus dem Holz geformt zu haben, und das war gegen die Regeln. Er erhob klarerweise Einspruch, dieser wurde jedoch von der Kommission aufgrund der Beweiselage und mangelnder stichsĂ€genhaltiger Beweise zurĂŒckgewiesen. Vier Tage spĂ€ter hatte er sich mit einem kurzen Abschiedbrief von dieser Welt verabschiedet:

"Mein Leben habt ihr jetzt zerstört,
und habt mich nicht mal angehört.
Ihr sagt, ich hab das Holz nicht richtig zugesÀgt,
Habe immer Sorgfalt, Akribie und Augenmerk gepflegt.
Und schwitze liebend gern fĂŒr mein GebĂ€ck,
ob jetzt aus Holz, aus Teig, aus Schinkenfleck.
Schwitzen heißt, wenn Muskeln weinen,
ja alles gab ich, wills nicht verneinen.
Und ihr? Mein Lebenswerk habt ihr verdorben,
jetzt ist die Welt fĂŒr mich gestorben
drum schieb ich mich ins Backrohr rein
und schwitz dort weiter, ihr Sch**ssverein."

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