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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Hund bellt.
Eingestellt am 04. 03. 2002 17:48


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Lillia
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Registriert: Apr 2001

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Hallo ihr Lieben...es waere lieb, wenn Ihr was dazu sagen wuerdet...vor allem, ob man den Zusammenhang versteht oder ob er zu deutlich ist...
ach, es waer einfach nett, wenn euch ein Satz einfaellt!


Lara stapfte mit verbissenem Gesicht zur Tuer und zwang sich, sie nicht ihrer Mutter ins Gesicht zuzuschlagen, sondern sie leise zu schliessen.
Die Wut unterdruecken, den Aerger runterzuschlucken, um Schlimmeres zu vermeiden.
Der Streit war wie immer dabei, sich immer spitzer zuzuschrauben.
Wenn sich Lara jetzt keine emotionale kalte Dusche verpasste, wuerde sich ihre Wut in einem ihrer Ausraster entladen und das wollte sie auf jeden Fall verhindern.
Einmal hatte ein Ausraster dazu gefuehrt, dass sie mit ihrer Hand einen Spiegel zerschlagen hatte, nachdem ihre Mutter ihr ins Gesicht gezischt hatte, wie haesslich sie sei. Danach war ihre Hand wochenland bandagiert gewesen und die haesslichen Narben waren immer noch gut zu sehen. Ein anderes Mal hatte sie ihre liebsten Kuscheltiere mit einer Schere zerstochen und hinterher stundenlang weinend vor den Leichen gesessen… Meistens schnitt sie sich ins eigene Fleisch wenn sie ihrer Wut spontan nachgab.
Also versuchte sie sich mit dem Fernseher abzulenken. Irgendeine nachmittaegliche Quizsendung lief, sie stellte den Ton lauter, um das Gebell des Hundes und ihre eigenen Gedanken zu uebertoenen, doch ihr Gehirn formte noch immer Wutworte. Draussen, vor ihrer Tuer, saugte ihre Mutter den Flur. Auch sie versuchte, ihr inneres Fluchen mit dem Laerm auszuloeschen, und auch ihr gelang es nicht wirklich. Keine zerstoerische Wut staute sich in ihr, mehr ein zynischbitteres Schwarzes Loch.
Der Hund bellte und Laras aelterer Bruder schloss die Tuer auf. Er war vor drei Jahren ausgezogen, zwei Tage nach seinem achtzehnten Geburtstag. Er kam immer noch haeufig vorbei, um Waesche zu waschen, Lara zu besuchen und um oft auch, um der Mutter beim Einkaufen zu helfen.
Als die beiden die Tuer hinter sich geschlossen hatten, schob Lara die Bettdecke zur Seite und ging in die Kueche. Sie hatte Hunger. Oeffnete den Kuehlschrank und verzog das Gesicht. Das erste, was ihr ins Auge sprang, was sie geradezu anlachte, war eine stinkende Schuessel Hundefutter. Sie blickte nach unten, dem Hund in die Augen. Du verfressener kleiner Dickwanst. Er zwinkerte und sah sie an, als haette er sie verstanden. Wedelte mit dem Schwanz, wartend darauf, dass sie ihm zu essen gab.
Sie schloss den Kuehlschrank wieder um woanders nach Essen zu suchen, als er zu bellen begann. Wuetend schleuderte sie ihm die ganze Schuessel hin und schob sich dann eine harte Pizza in den Ofen. Diese ganzen Scheisshundeknochen, Hundekuchen, Hundesnacks, Hundechips und Hundedrops….wenn der Hund mehr zu essen bekommt als die eigene Tochter, kann mit der Frau ja was nicht stimmen!
Sie hatte keine Lust auf das ganze Theater, was jetzt wieder folgen wuerde. Nach jedem Streit das Gleiche. Ihr Bruder wuerde ihr erzaehlen, dass sie sich nicht aufregen sollte, sich nicht unnoetig das Leben erschweren sollte. Sie solle einfach ruhig sein und abwarten. Ein dreiviertel Jahr nur noch, dann war sie volljaehrig und konnte ausziehen. In einem dreiviertel Jahr muesste sie diese nach ihrer Mutter und deren Hund stinkende Wohnung nie wieder betreten.
Euer Verhaeltnis wird sich dann bestimmt verbessern, war ja bei mir und Mama auch so. Nachdem ich ausgezogen bin, dachte ich, ich komme nie wieder her. Und jetzt? Jetzt verstehen wir uns ja eigentlich ganz gut.
So ein Schwachsinn. Wenn sie hier einmal rauskommen wuerde, wuerde sie nie wieder hierherkommen, nicht mal von aussen wuerde sie sich die Wohnung angucken!
Am naechsten Tag kam Lara frueher als sonst von der Schule zurueck, der Chemieleistungskurs war ausgefallen; ihre Mutter noch arbeiten. Sie drueckte den Schluessel ins Schloss, der Hund bellte.
Schon vom Flur aus sah sie, dass ihre Tuer offen stand. Sie hasste es, wenn der Hund hineinkonnte. Sie hasste es ueberhaupt, wenn sie daran dachte, dass jemand anders in ihren Sachen herumwuehlte. Ihre Mutter hatte aufgeraeumt. Aufgeraeumt…aufgeraeumt. Laras Sachen durcheinander gebracht, umgeraeumt, weggeworfen. Wie im Zimmer einer achtjaehrigen hatte sie sich breitgemacht und alles wegsortiert, was ihrer Meinung nach nicht mehr zu gebrauchen war.
Lara stand in der Zimmertuer und versuchte, zu erfassen, was ihre Mutter in Ruhe gelassen hatte. Diese Hexe…diese Scheisshexe! Ploetzlich stiess etwas gegen ihr Bein. Der Hund stand neben ihr und wedelte mit dem Schwanz. Du kleiner Verraeter.
Sie schob ihn mit dem Fuss raus und schloss die Tuer hinter sich ab. Hilflos liess sie sich in der Mitte ihres verwuesteten Raumes nieder und begann zu weinen.
Wenn ihr Vater die Familie nicht vor ein paar Jahren verlassen haette, waere alles bestimmt ganz anders geworden. Damals war die Mutter menschlicher gewesen, hatte auch mal gelaechelt und sogar gelacht. Wenn der Vater noch da waere, muesste die Mutter nicht soviel arbeiten und wuerde vielleicht mal mit ihm weggehen, statt ihre Abende mit einem Hund zu verbringen, als waere er ihr Liebhaber. Voller Verachtung verzog Lara den Mund. Wie konnte ihre Mutter diesen stinkenden Teppichvorleger nur in ihr Bett lassen. Und wenn’s nur das Fussende war, es war doch ein Bett. Sie schuettelte sich bei dem Gedanken und dabei fiel ihr Blick auf das Schwarzweissfoto von der arabischen Frau mit dem Schleier, das an ihrer Wand gehangen hatte. Es lag auf dem Boden und guckte unter all den Kosmetiksachen hervor, die die Mutter auf den Boden gekippt hatte.
Lara ging auf den Haufen zu und nahm die Augenstifte, Lidschattenschachteln und Pinsel vorsichtig von dem grossen Foto. Sie hatte die Frau auf ihrer Klassenfahrt nach Malta gesehen. Sie trug einen wunderschoenen dunklen Schleier vor dem Gesicht und das Lila und Braun ihrer Kleidung liess ihre riesigen dunklen Augen wunderschoen funkeln. Zwanzig Minuten zoegerte sie und ueberredete sich selbst, bis sie sich traute, die Frau anzusprechen und zu fragen, ob sie sie fotografieren darf. Als sie das Foto spaeter in der Dunkelkammer der Schule entwickelte, merkte sie erst, wie toll die Frau in Schwarzweiss wirkte. Ihre Lehrer und Mitschueler fanden das Bild so toll, dass sie es schliesslich sogar zu einem Wettbewerb schickte. Sie gewann den dritten Preis und war fuer ein paar Tage die Klassenheldin. Bis sie anderen das Foto anziehen sollte und nur billige Papierkopien anbieten konnte, weil ihre Mutter das Negativ weggeworfen hatte. Nur ein brauner Papierschnipsel.
Nun lag das Foto, das monatelang an ihrer Wand gehangen hatte, eingerahmt von Lippenstifen, Wimperntuschen und Make Up Tuben auf dem Boden und sie kniete davor.
Ein langer weisser Kratzer zog sich von der linken oberen Ecke durch die Stirn der Araberin bis auf die andere Seite des Fotos.
Lara schluckte. Irgendetwas in ihrem Kopf klingelte. Erst war es in irgendeiner Abstellkammer, irgendwo weit hinten drin. Dann wurde es immer lauter. Als ob sie sich der Abstellkammer naeherte. Es reichte. Irgendwann reichte alles einmal. Man kann sicher weit gehen, doch irgendwann ist es genug.
Die Tuer ging auf und das Klingeln war unertraeglich laut. Ein Vorschlag nur, eine Idee. Man koennte es sich ueberlegen.
Der Hund bellte. Ihre Mutter drehte den Schluessel im Schloss um und betrat die Wohnung, als ihre Tochter voellig verstoert an ihr vorbeidraengte. Lara, wo willst du denn hin? In die Schule.
Na mein Kleiner, warst du den ganzen Tag alleine? Jetzt gehen wir erstmal eine Runde spazieren und dann kriegst du dein Fressi, ja?
Lara strampelte so schnell sie konnte, ihr Kopf war rot vor Laerm. Sie musste den Abstellknopf so schnell wie moeglich finden…sie bog links in die Bahnhofsstrasse ein, zur Drogerie.
Ihre Mutter saugte den Flur und Laras Zimmer, der Hund bellte, als Lara nach Hause kam. Sie stuerzte sie Treppe hoch und schloss die Tuer hinter sich ab. Sie redete den ganzen Abend kein Wort und oeffnete auch nicht, als die Mutter klopfte. Lara war viel zu nachtragend. Dass sie nach einem kleinen Streit immer tagelang beleidigt sein musste! Heute abend kam ein guter Krimi im Fernsehen, den Lara und sie eigentlich zusammen ansehen wollten. Die Mutter hatte extra Kartoffelsalat gemacht, weil sie wusste, dass Lara den mochte. Naja, wenn sie nicht wollte. Dann sollte sie eben noch eine Weile schmollen, bis sie sich wieder abgeregt hatte.
Am naechsten Morgen verliess Lara rechtzeitig das Haus. Das Schulbrot, das ihre Mutter fuer sie geschmiert hatte, liess sie auf der Treppe liegen. Kurz nachdem die Mutter losgefahren war, schloss Lara die Wohnungstuer wieder auf. Der Hund bellte und Lara laechelte. Sie ging in ihr Zimmer und packte ihren Rucksack voll. Aus dem Schlafzimmer der Mutter holte sie die grosse Reisetasche und bepackte sie mit ihren Kleidern. Dann ging sie an den Schreibtisch und nahm das Bargeld heraus.
Ein bisschen komisch war ihr, als sie ihr Zimmer hinter sich abschloss und nicht darin stand, sondern im Flur. Sie liess den Schluessel in ihre Hosentasche gleiten und ging in die Kueche. Sie stellte dem Hund sein Fressnapf hin und verliess die Wohnung.
Einige Stundem spaeter kam die Mutter nach Hause. Sie schob den Schluessel in das Schloss und der Hund bellte nicht.

-lilli-

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Deminien
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2001

Werke: 5
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Hallo Lillia,


am Anfang bitte 2x zu streichen:
...ins Gesicht zu schlagen...
... den Ärger runterschlucken,...

Hast Du keine Umlaute ä ö ü ?

Ab da war ich zu sehr in der Geschichte und Feinkorrekturen liegen mir nicht.

Das der Hund würde dran glauben müssen war voraussehbar. Trotzdem tat das Ende weh. Folglich wars gut


Deminien

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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... bellt und bellt und bellt...

Gefällt mir auch. Dieses Leitmotiv "... der Hund bellte", das immer wieder vorkommt, gibt der Geschichte richtig Tempo.
Voraussehbar ist sie natürlich, aber um so mehr spricht es für den Text, das das Lesen trotzdem Spaß macht.
Eine kleine kritische Bemerkung:
Die ganze Geschichte ist so konsequent und eindringlich aus Laras Sicht erzählt, daß dieser plötzliche und kurze Perspektivenwechsel

> Lara war viel zu nachtragend. Dass sie nach einem kleinen Streit immer tagelang beleidigt sein musste! Heute abend kam ein guter Krimi im Fernsehen, den Lara und sie eigentlich zusammen ansehen wollten. <

irgendwie holpert. Im Prinzip kann man das natürlich machen, aber da der Text so einen starken Sog hat, finde ich das an dieser Stelle ein bißchen störend.
Vielleicht läßt sich das auch anders lösen...?
lG
Zefira

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ingridmaus
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

Werke: 2
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DER ARME HUND!!!!!

Was fuer ne dumme Tusse!!! Entschuldige wenn ich mich so an deiner Hauptperson vergehe, das zeigt aber nur, dass Deine Geschichte doch so einiges in mir ausgeloest hat.
Die Zeit, wenn Eltern anfangen, schwierig zu werden ist ja zugegebenermassen nicht die einfachste, aber was kann den der Hund dafuer??? Kann sie nicht einfach abhauen und den armen Hund in Ruhe lassen?? Nein, Bloedsinn, lass das nur so, gute Story. Die einzige Anregung: Wie wuerde die Geschichte wohl mit mehr direktem Dialog klingen? Ich finde direkte Rede zieht einen manchmal mehr rein, als durchgehender Second-Hand-Bericht, aber das ist Geschmackssache.
Oh, noch was: Den abgehauenen Vater wuerde ich entweder weglassen oder genauer ausarbeiten, nur so als Anriss wirkt es irgenwie nicht so ueberzeugend, dass Lara ihm so unreflektiert nachhaengt.
Ach ja, und aus dem letzten Satz wuerde ich zwei machen: "Die Mutter schloss die Tuer auf (vielleicht summt sie leise dabei?). Der Hund blieb still." oder so.
Gruss, Ingrid
__________________
Never wake a sleeping dragon!

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Lillia
Häufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 8
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DANKE DANKE !!

Danke Euch allen! @Deminien..Nee, sorry, ich habe keine Umlaute...
Aerger runterschlucken werd ich streichen, das mit dem Gesicht zuschlagen muss ich mir ueberlegen...'vor der Nase zu' fand ich abgegriffen..

Freut mich, dass es absehbar ist und euch trotzdem gefaellt! Es freut mich sogar sehr

@Zefira Hmm, meinst du, ich kann den Kartoffelsalat und so trotzdem lassen, wenn ich's ein bisschen objektiver schreibe? Ich moechte schon rueberbringen, dass die Mutter das alles gar nicht ernst nimmt und sich schon wieder versoehnen will.

@ingridmaus Ich befuerchte, ich opfere die Geschichte, wenn ich direkte Rede benutze: ich hab da absolut kein Talent fuer, das klingt immer alles so unecht, finde ich.

Ich werde am letzten Satz nochmal feilen, weil der ja schon wichtig ist... und 'der hund ist still' ist echt besser als 'bellt nicht'...grade diese Haerte, die ein bisschen in der Formulierung steckt, schien mir irgendwie passend zum Inhalt... hmmm, ich werde es ueberlegen,

VIELEN DANK !!!
-lilli-

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Vorschlag...

... wie sich das vielleicht lösen läßt:
Du schreibst da an einer Stelle:

>Lara, wo willst du denn hin? In die Schule.
Na mein Kleiner, warst du den ganzen Tag alleine? Jetzt gehen wir erstmal eine Runde spazieren und dann kriegst du dein Fressi, ja? <
Das ist ja eigentlich direkte Rede - nur wegen des Fehlens der Anführungszeichen geht es im Lesefluß unter, wird nicht richtig bemerkt.
Und genauso könntest Du auch schreiben:

>Sie redete den ganzen Abend kein Wort und oeffnete auch nicht, als die Mutter klopfte.
Nun komm Lara, es gibt Kartoffelsalat, den magst du doch, und dann gucken wir gemütlich Fernsehen, es kommt einen Krimi. Lara, sei nicht immer so nachtragend. Lara, hör auf zu schmollen.
Am naechsten Morgen verliess Lara rechtzeitig das Haus.<
... und so weiter.

Zefira

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Lillia
Häufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 8
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danke, perfekt!

Stimmt... das ist perfekt, so mach ich's....danke!!

-lilli-

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