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Leselupe.de > Humor und Satire
Der Hund des Sirius
Eingestellt am 24. 01. 2004 13:38


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Klaus Moll
Hobbydichter
Registriert: Jan 2004

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Der Hund des Syrius

Er war mehr als ungewöhnlich.
Ein Vierbeiner von einem anderen Stern, der wegen der mangelnden Verfeinerung seiner Pfoten nichts be“greifen“ konnte. In seinem Falle hĂ€tten wir da mehr erwartet. Wir hielten ihn fĂŒr beschrĂ€nkt. Schließlich widmet sich ein Drittel unseres Hirns den HĂ€nden, wĂ€hrend er dieses Drittel offenbar fĂŒr wer weiß was welchen Unsinn einsetzte. Auch war er, völlig untypisch fĂŒr einen irdischen Hund, nicht am anderen Geschlecht interessiert, an ĂŒberhaupt keinem. So fehlte ihm ein zweites Merkmal, ĂŒber das man sich mit ihm hĂ€tte verstĂ€ndigen können. Schließlich ist ein erheblicher Teil des menschlichen Verhaltens an dieses Thema geknĂŒpft, wenn sich auch nicht viele wirklich MĂŒhe mit den Beziehungen zu ihren Partnern machen. Schließlich und endlich war er außerdem kein Gourmet. Man brauchte ihn nicht zu fĂŒttern. Ja, er hielt sogar geheim, wie er sich ernĂ€hrte und unsere Nachbarn behaupteten, er sei in Wirklichkeit ein Roboter, der wie ein Vampir heimlich Energie aus der Steckdose sauge. So konnten wir auch ĂŒber diesen Aspekt des Lebens kaum einen Kontakt zu ihm aufbauen. Man konnte ihn nicht zum Essen, – oder Fressen – einladen. Ein unangenehm bedĂŒrfnisloser Geselle.
Außerdem bewegte er sich auf vier Beinen, eine Gangart, die abgelegt zu haben uns sehr viel ÜberlegenheitsgefĂŒhl ĂŒber das Tier verschafft, das immer noch von der Natur abhĂ€ngig ist. Wenn nicht gerade Haustier oder BatteriekĂŒken oder Schaudelphin etc. sind ja manche Tiere sogar Teil der Natur. Wir konnten also recht wenig mit ihm anfangen, wenn uns seine Lebenszeichen auch manchmal merkwĂŒrdig artikuliert vorkamen, so als wolle er uns eine Mitteilung machen. Aber niemand war ĂŒbermĂ€ĂŸig neugierig.
Wir hatten alle unseren normalen Ablauf, den Beruf, die Familie, die Kinder, die Schule, die Freunde, die VergnĂŒgungen, die Musik, die Reisen, das neue Auto. Was wollte man schon mit einem Hund, der einen nicht zu brauchen schien. Nicht einmal programmieren wie einen Roboter konnte man ihn, oder auch nur dressieren, so daß er wenigstens eine der vielfĂ€ltigen Funktionen ausfĂŒhren konnte, die wir im Laufe der letzten fĂŒnf bis zehntausend Jahre auf seine Rasse abgewĂ€lzt haben. Kaninchen aus den Löchern aufstöbern, Rehe stellen, Enten verbellen, Haus bewachen, Kinder hĂŒten, Blinde fĂŒhren, Kokain schnĂŒffeln, - das letztere natĂŒrlich nicht um des Genusses willen wie die Menschen - , und so vieles andere mehr. Bernhardiner mit SchnapsflĂ€schchen sind ethische Vorbilder, wenn sie zum Beispiel in Filmen Menschen unter Schneemassen entdecken. Das Bild des Hundes auf dem Grabe des Herrn rĂŒhrt unser Herz.
Aber hier? Sirio, wie wir ihn bald genannt hatten, lief nur um uns herum, schaute hoch, zur Seite, hinab, und keine Bewegung schien ihm zu entgehen, ohne daß er auf irgendetwas instinktiv reagierte, wie es ja ganz besonders von Tieren zu erwarten ist. Auch schien er sehr intensiv jeden Laut zu erfassen, den wir von uns gaben, ja scheinbar folgte er sogar den Unterhaltungen, was daraus zu erkennen war, daß er sich nicht entfernte und seine Ohren leicht aufstellte, wenn zwei oder mehr Menschen miteinander sprachen. Manchmal war er uns sogar unheimlich. Wir dachten dann, er könne wirklich verstehen, was wir zueinander sagten, vor allem, wenn wir privat miteinander redeten, das heißt so, daß wir die Öffentlichkeit wegen möglicher Störungen unserer Absichten, hĂ€tten wir denn solche gehabt, ausgeschlossen hĂ€tten. Da er aber keine Anstalten machte, sich in unsere Angelegenheiten einmischen zu wollen, empfanden wir ihn schließlich doch wie ein normales Wesen, abhĂ€ngig von uns, wie es uns schien, wie ein Kind oder eben ein Hund, wenn es auch fĂŒr eine solche AbhĂ€ngigkeit wegen seiner BedĂŒrfnislosigkeit keine rationale BegrĂŒndung gab.
Sirio hatte nun schon drei Monate bei uns verbracht. Manchmal erinnerten wir uns, wie er sich uns beim Spaziergang im Tannenwald ganz selbstverstĂ€ndlich zugesellt hatte wie jeder andere herrenlose Hund und wir wußten nicht einmal mehr, wie wir auf den Namen Sirio gekommen waren. Wir ahnten jedoch nicht, wie sich die Dinge dann geradezu ĂŒberschlagen wĂŒrden.
Sirio verschwand nĂ€mlich völlig fĂŒr eine Woche. NatĂŒrlich nahmen wir an, daß nun doch eine HĂŒndin seinen Gefallen gefunden habe. Traurig machte uns der Gedanke, er könne von einem Auto erwischt worden sein. Irgendwie war er uns nĂ€mlich vertraut geworden, wie ein richtiger Hund, ja, beinahe wie ein Mensch.
Dann kam er wieder. Sein spitzes Gesicht schien zu strahlen, seine Schnauze zu lĂ€cheln und sein Gang bewegte sich, wie es schien, im Rhytmus der Musik, die aus dem Radio tönte. Sein RhytmusgefĂŒhl hĂ€tte den Neid jeden TĂ€nzers erweckt und seine ZĂŒge hĂ€tten jeden Ă€gyptischen Bidhauer zu einer weiteren Statue eines Hundes herausgefordert zu Ehren jenes Sternbildes, in dem sich der hellste Stern des Himmels befindet.
Sirio sprach. ZunĂ€chst klang es wie ein Murmeln, ein Stimmen der BĂ€nder, ein leises RĂ€uspern, aber dann kamen klare Worte: „Ich wollte Euch einmal fragen, so sagte er, warum Ihr soviel Zeit mit Dingen verbringt, die ich nur allzu leicht verstehe, und so wenig mit dem, was uns beschĂ€ftigt“.
Wir fanden das völlig deplaziert, was wir ihm auch deutlich zu verstehen gaben, fragten dann aber doch, pikiert, zurĂŒck:
„Was beschĂ€ftigt Euch denn, – und wer seid Ihr ĂŒberhaupt -, was fĂŒr uns wichtig sein könnte“.
Er meinte, diese Art zu fragen, entsprĂ€che durchaus nicht dem Niveau unserer Intelligenz, die er sehr hoch einschĂ€tze. Wir tĂ€ten ja dauernd so, als hĂ€tten wir alle Probleme gelöst: mit den Talkshows den gesunden Menschenverstand zum Nutzen der Menschheit aktiviert, mit der Psychologie die seelischen Probleme geheilt, die Gesundheit ebenso wie die Umweltverschmutzung fest im Griff, mit Reality oder Big Brother die letzten Diskretionen ĂŒberrannt, den menschlichen Transport sicher und problemlos gemacht, die WelternĂ€hrung auch fĂŒr die Hungernden abgesichert, das menschliche Potenzial zum Nutzen aller durch Information und Erziehung aktiviert und uns hierdurch fĂŒr Höheres frei gemacht.
Wir hielten sein Verhalten, vor allem fĂŒr einen Vierbeiner, fĂŒr unverschĂ€mt und ließen ihn unseren Unmut deutlich spĂŒren. Ob er noch nicht begriffen habe, daß wir die weitest entwickelte Rasse auf der Erde, ja ĂŒberhaupt die denkbar höchste Intelligenz seien, die es ĂŒberhaupt geben könne, schließlich.....
Ein LĂ€cheln ging ĂŒber seine ZĂŒge und er meinte, wir seien kaum aus den Kinderschuhen der AgressivitĂ€t geschlĂŒpft, ganz im Gegenteil. Man brauche nur die Themen der Fernsehfilme zu sehen, die das Problem, in seiner Heimatsprache kurz „bum bum“ genannt, durch Wiederholung immer wieder neu unbearbeitet ließen, wenn man das so nennen könne. Unsere Reaktion bestĂ€tige nur seine Beobachtungen.
Sie selbst, die Vierbeiner vom Sirius, hĂ€tten im ĂŒbrigen lĂ€ngst erkannt, daß sie noch lange nicht die Höhen erklommen hĂ€tten, zu denen der Geist fĂ€hig sei. Uns seien ja mittlerweile sogar die frĂŒheren Ahnungen von höheren Geistern abhanden gekommen, vielleicht auf Grund gewisser selbst aufgestellter Regeln, die zu der wissenschaftlichen Denkweise fĂŒhre, es sei nur das real, was auch zu beweisen sei. Man solle sich einmal eine solche Regel bei MauwĂŒrfen vorstellen. Einfach katastrophal, meine er.
Sirio ging uns nun wirklich auf den Geist und wenig hĂ€tte gefehlt daß er mit einem Fußtritt, wie ein Hund, vor die TĂŒre befördert worden wĂ€re, hĂ€tte er nicht selbst den Verstand gehabt, sich leise aus dem Staube zu machen, wohl wissend, daß er – irgendwie – zu weit gegangen war. Soviel Verstand, zum mindesten, schien er zu haben. Ja, wir hĂ€tten ihn sogar vielleicht fast lieb gewinnen können. Klaus Moll

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