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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Jogger
Eingestellt am 26. 10. 2005 18:31


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Raniero
Textablader
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Der Jogger

An einem Tag im November - im Gegensatz zu diesem oftmals als grau bezeichneten Monat herrschte sch√∂nes Wetter, fast schon zu warm f√ľr diese Jahreszeit - besuchten meine Frau und ich einen Friedhof.
Dieses taten wir nicht am ersten Tag des Monats, wie man sofort geneigt w√§re zu vermuten, weil an solch einem Tag alle Normalb√ľrger die Friedh√∂fe aufsuchen, um den sterblichen √úberresten ihrer lieben Verwandten und Freunden einen Besuch abzustatten, nein, es war ein ganz gew√∂hnlicher Samstag morgen, gegen zehn Uhr. Der Vorteil, an so einem Tag den Friedhof aufzusuchen, besteht darin, dass er nicht so √ľberv√∂lkert ist, mit lebenden Personen, wie an Allerheiligen.
Auch hätte sich das, was uns an jenem Tag dort widerfuhr, sicher nicht am ersten November so zugetragen.

Als wir den Hauptweg betraten und uns gemächlichen Schrittes in Richtung der Grabstätte, die wir aufsuchen wollten, bewegten, machten wir eine Entdeckung, die uns arg in Erstaunen versetzte.
Was war das denn?
Wir trauten unseren Augen kaum.
Ein Jogger!
Ein Jogger, in entsprechendem Outfit, kurze Hose, Turnschuhe und Leibchen, hastete √ľber den Friedhof.
Wir waren derma√üen verdutzt √ľber diese au√üergew√∂hnliche Erscheinung an einem solchen Ort, dass wir erst sp√§t, zu sp√§t, so dass er es nicht mehr h√∂ren konnte, reagierten.
„Wohin so eilig, guter Mann?“ rief ich ihm hinterher, aber der Zuruf erreichte ihn nicht mehr.
Nachdem sich eine erste Verbl√ľffung gelegt hatte, stellten wir √úberlegungen an, was den Mann veranlasst haben k√∂nnte, in dieser Art √ľber den Friedhof zu jagen.
Wir waren es gewohnt, von unseren bisherigen Anl√§ssen, dass die Besucher im Bewusstsein angemessener Piet√§t die St√§tte ewiger Ruhe aufsuchen, gemessenen Schrittes die markierten Wege einherschreiten und in w√ľrdevoller Haltung vor den Grabst√§tten verweilen.
An diesem Ort pflegt man grunds√§tzlich alles in ruhiger, bed√§chtiger Form durchzuf√ľhren, Eile ist hier vollkommen fehl am Platze; warum auch, man hat ja Zeit, den Bewohnern hier fehlt es ja auch nicht an derselben.
Warum also diese Hast des Joggers?
Hatte er Angst, einen Termin zu verpassen?
Auf dem Friedhof?
Wollte er zu einer Beerdigung?
In diesem Aufzug?
Wir fanden keine Antwort auf unsere Fragen und wollten das Thema schon abhaken, als aus einem Seitengang plötzlich der Jogger wieder hervorschoss und in den Hauptweg einbog, direkt auf uns zu.
Jetzt hatte dieses merkw√ľrdige Gebaren doch unser lebhaftes Interesse geweckt.
Wir wollten dem Mann gerade in den Weg treten, um ihn nach dem Grund f√ľr sein ungew√∂hnliches Verhalten an diesem geweihten Ort zu befragen, als er seinerseits den Lauf verlangsamte und keuchend vor Ersch√∂pfung n√§her kam.
„K√∂nnen Sie mir helfen“, sprach er uns an, „ich kenne mich hier nicht so gut aus. Ich suche eine bestimmte Grabst√§tte, in der Reihe C“.
Diese Angabe konnten wir nicht machen, aber wir versuchten, ihm weiterzuhelfen.
„Das wissen wir auch nicht“, gab ich zur√ľck, „aber dort an der Kapelle befindet sich ein √úbersichtsplan, auf dem alle Wege und alle Grabst√§tten verzeichnet sind“.
Die Augen des Joggers leuchteten vor Freude auf.
Erst jetzt fiel uns etwas auf, was wir vorher nicht bemerkt hatten, als er beim ersten Mal an uns vorbeigeflitzt war.
Es handelte sich nicht um einen jungen Mann, wie wir zuerst vermutet hatten, sondern um einen älteren Herrn, fast schon ein junggebliebener sportlicher Greis.
Ich bewunderte seine Kondition.
„Eine Bitte h√§tte ich noch“, sagte der greisenhafte Jogger, „k√∂nnten Sie mich vielleicht begleiten, zu diesem Lageplan, ich habe meine Brille nicht dabei. Sie m√ľssen wissen, ich bin extrem kurzsichtig“.
Nun gut, dachten wir uns, machen wir dem merkw√ľrdigen Kauz das Vergn√ľgen.
Schon spurtete der Alte los, in die Richtung, die wir ihm genannt hatten; auch wir mussten in einen Trabschritt fallen, um mithalten zu können.
So joggten wir zu dritt bis zu der kleinen Kapelle.
Wenn mir jemand am Morgen desselben Tages gesagt h√§tte, dass ich einmal im Laufschritt √ľber einen Friedhof jagen w√ľrde, mit meiner besseren H√§lfte an meiner Seite, ich h√§tte ihn f√ľr verr√ľckt erkl√§rt.
Gemeinsam mit meiner Frau suchte ich auf dem Plan nach der besagten „Adresse“, die als sich gar nicht weit entfernt herausstellte, und beschrieb dem Mann den direkten Weg.
Er bedankte sich √ľberschw√§nglich.
Eine Frage noch“, bat ich, als er sich in Bewegung setzen wollte, „warum haben Sie es denn so eilig? Wollen Sie zu einer Beerdigung?“
„Und ob, mein Freund, und ob. Zu einer Beerdigung, und ich bin dort die Hauptperson, ohne mich l√§uft da nichts ab!“
Schon d√ľste er wieder los.

Nun aber waren wir mehr als wissbegierig geworden √ľber ein solch unglaubliches Verhalten, setzten unsererseits zum Spurt an und verfolgten den Jogger.
Wir kamen gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie der Mann vor uns bei einer größeren Gruppe von Trauergästen angelangte, die dort auf ihn zu warten schien.
„Jetzt kommst du endlich“, h√∂rten wir vereinzelte Rufe, „das wurde aber auch Zeit!“
Der Mann murmelte halblaut eine Entschuldigung.
Dann h√ľpfte er zu unserem Entsetzen, aber unter lautem Beifall der anwesenden Trauernden in einen bereitstehenden offenen Sarg.
Bevor der Deckel √ľber ihm geschlossen wurde, rief er uns beiden, meiner Frau und mir zu:
„Vielen Dank noch einmal, und see you later“.
Anschlie√üend wurde der Sarg zu Grabe gelassen; hierzu intonierte die Trauergemeinde das Lied „For he“s a jolly good fellow “ , welches dann in der dritten Strophe umgewandelt wurde zu „ For he was a jolly good fellow“.


Mein Weib und ich, wir blickten uns unsicher an.
„Was meinte der mit „later?“ war unser gemeinsamer Gedanke.

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flammarion
Foren-Redakteur
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zu

erst einmal herzlich willkommen auf der lupe.
so richtig humorig finde ich dein werk nicht. mit deinem einverständnis verschiebe ich es nach kurzgeschichten.
lg
__________________
Old Icke

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Kalidasha
Schriftsteller-Lehrling
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Ja ‚Äď auch erstmal herzlich Willkommen!

Der Text ist etwas kompliziert zu lesen. Ich stelle einen mittelschweren Hang zum Kommatismus fest. Weniger ist mehr! Besser aufteilen.

quote:
Zitat
Dieses taten wir nicht am ersten Tag des Monats, wie man sofort geneigt w√§re zu vermuten, weil an solch einem Tag alle Normalb√ľrger die Friedh√∂fe aufsuchen, um den sterblichen √úberresten ihrer lieben Verwandten und Freunden einen Besuch abzustatten, nein, es war ein ganz gew√∂hnlicher Samstag morgen, gegen zehn Uhr.

quote:
Vorschlag
Dieses taten wir nicht, wie man sofort geneigt w√§re zu vermuten, am ersten Tag des Monats. An solch einem Tag suchen alle Normalb√ľrger die Friedh√∂fe auf, um den sterblichen √úberresten ihrer lieben Verwandten und Freunde einen Besuch abzustatten. Nein, es war ein ganz gew√∂hnlicher Samstagmorgen, gegen zehn Uhr.

Kalidasa

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Raniero
Textablader
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Hallo flammarion,
hallo Kalidasha,

erst einmal vielen Dank f√ľr die freundliche Begr√ľ√üung im Club.
Mit dem Verschieben der Story in die Rubrik Kurzgeschichten bin ich einverstanden, vielleicht in den Bereich 'Absurdes'
Den Vorschlag, zuviel Kommatismus abzubauen, werde ich beherzigen.

Gruß Raniero

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flammarion
Foren-Redakteur
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ich

habe dein werk nach "Kurzgeschichte" verschoben.
lg
__________________
Old Icke

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