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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der Junge, der von den Sternen kam
Eingestellt am 14. 12. 2012 15:01


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Gernot Jennerwein
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Wenn man in einer klaren Winternacht drau├čen im scharfen Wind steht und zum Himmel schaut, dann sieht man hinter vielen Sternen und noch mehr Sternen einen ganz besonderen Stern. Er leuchtet ungew├Âhnlich hell, heller als all die anderen, und betrachtet man ihn eine Zeit lang, dann k├Ânnte man fast glauben, er ist gar nicht allzu weit von der Erde entfernt. Aber kein Mensch war jemals in seiner N├Ąhe, nicht einmal die Astronauten mit ihren Raketen, weil sie denken, dort k├Ânne ohnehin niemand leben.
Doch das stimmt nicht ganz, denn einmal war ein kleiner Junge auf dem Stern zu Hause. Ein ├╝beraus magerer Junge mit blassem Gesicht, m├╝den Augen und immer dunklen Augenringen darunter, die ihm wohl eine etwas kr├Ąnkliche Natur bescheinigt h├Ątten, w├Ąre da nicht sein Haar gewesen, das wie Sternenstaub im Sonnenwind ├╝beraus lebendig schimmerte.
Der Junge war ein Sternenkind, und wie es bei einem Sternenkind ├╝blich ist, lebte er ganz allein auf seinem Stern. Eigentlich h├Ątte der Knabe ein recht zufriedenes Kind sein k├Ânnen, denn was sein Herz auch begehrte, auf dem Stern, der ein Zauberstern war, gingen all seine W├╝nsche in Erf├╝llung. Er brauchte nur die Augen zu schlie├čen, an ein beliebiges Spielzeug zu denken, und schon war es in seinem Besitz. Doch das machte ihn keineswegs gl├╝cklich, weil die Zauberei f├╝r ihn ganz gew├Âhnlich war. Er freute sich nicht ├╝ber diese herrliche Gabe, und nie geschah es, dass sie ihn zum Lachen brachte. Aber wenn er im Schlaf lag und tr├Ąumte, Tr├Ąume, die er sp├Ąter in wundervoller Erinnerung behalten w├╝rde, formten seine Lippen sich zu einem L├Ącheln.
Eines Tages, es war im Dezember zur Weihnachtszeit, fing der Junge an, sich eine Traumwelt nach seinen W├╝nschen und Vorstellungen zu gestalten. Eine Winterlandschaft war schon geschaffen, ├╝ber der lieblich einige Schneeflocken trieben. Das gefiel ihm, als seine Nase und Ohren jedoch zu frieren begannen, begrub er das lustige Schneetreiben sogleich wieder unter einer Spielzeuglawine. Lustlos setzte er sich auf sein Schaukelpferd, das ihn wiegte, bis er ganz schl├Ąfrig wurde und sich von ihm herunterfallen lie├č. Er lag auf dem R├╝cken, verschr├Ąnkte die Arme hinter seinem Kopf und blickte zu den Abertausenden Sternen am Himmel. Er fragte sich, ob da drau├čen wohl noch jemand war, wie er es schon so oft getr├Ąumt hatte. Doch darauf fand er keine Antwort, und das machte ihn schrecklich traurig. Als er ein Weilchen so dalag und seine Augen schloss, sp├╝rte er auf einmal, wie etwas sanft seinen Bauch ber├╝hrte. Erschrocken fuhr der Junge hoch, und das r├Ątselhafte Ding rollte von ihm hinab und klimperte zu Boden. Staunend betrachtete er das h├╝bsch verzierte, an dem einen Ende drei und an dem anderen Ende vier Finger breite Eisenrohr. An beiden Enden war es mit Glas verschlossen. Vorsichtig hob er das St├╝ck auf, drehte und wendete es in den H├Ąnden, bis er es wagte, einen Blick hindurchzuwerfen.
Was er daraufhin zu sehen bekam, raubte ihm f├╝r einen Augenblick den Atem. All die Sterne, die sonst so weit entfernt waren, lagen zum Ber├╝hren nahe. Und als er an dem kleinen R├Ądchen drehte, das an dem wundersamen Rohr seitlich hervorsprang, r├╝ckten sie n├Ąher und n├Ąher. Der Junge jauchzte, und w├Ąhrend er nach weiteren Himmelsk├Ârpern suchte, sprach er liebevolle Worte zu dem Zauberrohr. Hin und her schwenkte er das Instrument, bis er einen kleinen Planeten ausmachte, der recht unscheinbar zwischen den funkelnden Sternen steckte. Er war von wundersch├Âner blau-wei├čer Farbe, die den Jungen sehr entz├╝ckte. Unaufh├Ârlich drehte er an dem R├Ądchen. St├Ądte und D├Ârfer erblickte er bald, und dann war es ihm gar m├Âglich, in die geschm├╝ckten H├Ąuser der Menschen zu sehen: Frauen in Sch├╝rzen sah er an Back├Âfen stehen, M├Ąnner, die mit ihren Kindern spielten oder B├Ąume h├╝bsch verzierten, und als er bemerkte, dass all die Kinder lachten, setzte er sich hin und begann auf seinen Lippen zu nagen. Wohin er auch schaute, ├╝berall herrschte ausgelassene Fr├Âhlichkeit. Aber in einem Haus, es lag etwas abseits von den anderen und war kaum beleuchtet, entdeckte er zwei Menschen, die ganz betr├╝bt beieinandersa├čen. Auf einmal wurde ihm seltsam zumute. Er dachte an sein Leben und daran, wie traurig die Einsamkeit ihn manchmal machte. Als er das Zauberrohr senkte, um den Planeten mit blo├čem Auge zu sichten, war dieser verschwunden. Der Junge lehnte sich zur├╝ck an einen gro├čen Spielzeugklotz und war v├Âllig regungslos. Seine Augen schmerzten, fest schloss er sie, und er w├╝nschte sich eine Maschine zum Fliegen. Kaum hatte er seinen Wunsch zu Ende gedacht, h├Ârte er schon ein Scheppern und Klappern. Ein kleines, rundes Raumschiff, das zitterte und wackelte, stand da auf drei Beinen. Argw├Âhnisch musterte der Junge das sonderbare Gef├Ąhrt, doch dann wurde er mutig. Er steckte das Rohr in den Hosenbund, pr├╝fte dessen Halt und trat schlie├člich beherzten Schrittes an die Blechkiste heran. Entsetzlich quietschte die Luke, als er sie ├Âffnete. Ein letztes Mal blickte er zur├╝ck, dann stieg er ein und setzte sich auf den Pilotensitz. Den Steuerkn├╝ppel hielt er in seiner rechten Hand, kr├Ąftig dr├╝ckte er ihn nach vorne. Das Raumschiff ruckelte und spuckte Feuer aus den Antriebsd├╝sen. Bald flog der Junge durch den Weltraum, und das unheimlich schnell. Mit seinem Zauberrohr hielt er zielstrebig nach dem kleinen Planeten Ausschau.
Nach nicht allzu langer Zeit landete er auf der Erde vor dem sp├Ąrlich beleuchteten Haus. Er klopfte an die T├╝r. Als ihm niemand ├Âffnete, trat er ger├Ąuschlos ein. In der Stube stand ein Mann, und neben ihm sa├č, die H├Ąnde in den Scho├č gelegt, eine Frau. Sie beteten zusammen. Verlegen r├Ąusperte der Junge sich. Er fragte scheu, ob es ihm erlaubt sei, einzutreten. Beide nickten, wobei sie verwunderte Blicke tauschten. Der Knabe schaute sich um und fragte nach ihren Kindern. Die Frau senkte den Kopf und antwortete mit leiser Stimme, dass sie keine Kinder h├Ątten, sich aber nichts sehnlicher w├╝nschten, als welche zu haben, und dann brach sie in Tr├Ąnen aus, ohne einen Laut von sich zu geben. Als der Junge die Frau weinen sah, sp├╝rte er eine nie gekannte W├Ąrme in sich aufsteigen, die er nicht zu deuten wusste. Sie ber├╝hrte ihn angenehm und schmerzlich zugleich. Er blickte aus dem Fenster und sah den Mond am Himmel stehen. Er dachte an sein Zuhause, an all seine Spielsachen und an die vielen einsamen Stunden, die er auf dem Zauberstern verbracht hatte. Mit Tr├Ąnen in den Augen erz├Ąhlte er den beiden von der weiten Reise und von seinem Stern. Der Mann betrachtete den Jungen lange Zeit und bedauerte dann zutiefst, kein Geschenk f├╝r ihn zu haben. Der Sternenjunge sagte, dass er kein Geschenk br├Ąuchte, dass er sich aber w├╝nschte, bleiben zu d├╝rfen, vielleicht f├╝r immer. Z├Âgerlich reichte er den beiden Menschen seine Hand.
Im n├Ąchsten Augenblick schlang die Frau ihre Arme um den Jungen und k├╝sste ihn, und dann k├╝sste sie ihn noch einmal, und der Junge bekam ganz rote Wangen. Tief in seinem Inneren wusste er, das war jetzt sein gr├Â├čtes Geschenk.


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der Sibirier

Version vom 14. 12. 2012 15:01
Version vom 03. 10. 2015 09:26
Version vom 03. 10. 2015 09:28

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