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Leselupe.de > Anonymus
Der Kackvogel
Eingestellt am 09. 04. 2005 16:04


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Ich kam an und siegte. Es war mein erster Sieg. Und Richard schaute ziemlich bl├Âd aus der W├Ąsche. Aber was kann ich daf├╝r, wenn Richard keinen Plan hat, ob er lieber M├Ądchen oder Jungs v├Âgeln will. Stattdessen schreibt er Gedichte und wei├č sich nicht zu entscheiden, wer der Adressant sein soll. Irgendwo hie├č es mal: Wer zu sp├Ąt kommt, den bestraft diese Einbildung, die man Leben nennt. Oder man dreht den Spie├č um und sagt: Der fr├╝he Vogel f├Ąngt den Wurm. In dieser Angelegenheit war ich der Vogel, der zeitig genug aufgestanden war und sich auf einem Ast niedergesetzt hatte, um das fr├Âhliche Liedlein anzustimmen, das in den Ohren von S. wie das melodische Rauschen eines Liebesmeeres geklungen haben musste, denn mit einem Mal wollte S. mich.

Das sollte tragische Folgen haben.


Ich f├╝rchte den Vorwurf, denn mein Geist ist schwach. Vielleicht ist dies ein Versuch, das Monster, das ich bin, in irgendeiner Form zu demontieren. Lange habe ich die Menschen daf├╝r verachtet, denn sie trugen die Schuld f├╝r das, was ich heute bin. Ich habe keinen Therapeuten gebraucht, nur Monatstickets f├╝r den Bus und die Fremde. Das alles ist keine Beichte, denn gebeichtet habe ich tausende Male. Meine Geschichte liegt in den H├Ąnden eines toten Gottes und trotzdem ist er Gott. Ein toter Gott. Zumindest in der Nacht, wenn auch ich tot bin.

Ich habe meine Geschichte durch die Fensterscheiben der Busse hinausgestiert. Ich habe sie entlassen. Aber ein entscheidender Schritt fehlt. Es braucht die Worte, denn ich bin nicht Gott, sondern ein blasser Mensch, der einst sch├Ân und funkelnd ├╝ber dem Rest der Menschheit stand. Heute bewege ich mich in H├Âhe des Bodens. Dort, wo ich einst hinspuckte. Ich schlafe in H├Âhe des Bodens und ich krauche in H├Âhe des Bodens. Ich lebe gewisserma├čen in H├Âhe der Toten. Ich habe von ihnen gelernt und ich ├╝berlasse Touristen gerne den Platz an der Sonne, wenn sich die D├Ącher von Cabriobussen ├Âffnen.

Ich werde mich entbl├Â├čen, um es ein einziges Mal richtig zu durchstehen, um es schlie├člich ganz zu ├╝berstehen. Es gibt keinen anderen Weg f├╝r mich. Es wird die Menschheit auf den Grund meiner Seele tauchen. Ich warte auf den ultimativen Schmerz, denn meine Schonzeit ist nun endg├╝ltig vor├╝ber.

Der Kackvogel sitzt auf dem Ast und schei├čt seine eigene Geschichte in die ├ľffentlichkeit.

Heute war ein Tag wie jeder andere. Ich fahre den ganzen Tag im Bus herum, ansonsten h├Ątte ich das Gef├╝hl, meine Monatskarte nicht auszunutzen. Also sitze ich im Bus und fahre von Nord nach S├╝d und von West nach Ost und schaue aus dem Fenster. Es gibt auch eine Touristenmeile und wenn das Wetter gut ist, dann fahre ich sogar im Kreis mit einem sogenannten Touri-Doppel-Locker. So lerne ich nicht nur die Stadt kennen, in die ich vor einem halben Jahr zog, sondern ebenso fremde Menschen, die eigens an diesen Ort kommen, um in einem Bus ohne Dach Geschichten durch das Mikrofon zu h├Âren.

Eigentlich br├Ąuchte ich keine Monatskarte f├╝r den Bus. Es w├╝rde gen├╝gen, wenn ich in meiner Wohnung aus dem Fenster s├Ąhe. Obwohl Wohnung das falsche Wort f├╝r ein Loch wie das meine ist. Ich hause in einem Kellerobdach, dessen zwei Fenster knapp ├╝ber dem Erdboden liegen. Ich sehe die Katzen vorbeilaufen oder Coladosen rollen. Als ich vor einem halben Jahr in die Stadt zog, verkaufte ich alles, was ich mitgenommen hatte, um mir die Miete bis zum Ende dieses Sommers leisten zu k├Ânnen. Ich hatte alles ausgerechnet und nun fielen sogar drei Monatskarten f├╝r den Bus ab. Es ist eine Erleichterung f├╝r mich, tags├╝ber dieses Loch, in dem nichts au├čer einem Karton mit Klamotten und einer Matratze ist, zu verlassen.

Nachts trinke ich schweren Rotwein vom Ersparten. Ich verzichte auf Brot und anderes Essbares. Nur ab und zu nehme ich einen von den vegetarischen D├Ânern. Denn wer einmal diesen zur H├Ąlfte aus Fettschwarten bestehenden Fleischspie├č im rohen Zustand hat sehen d├╝rfen, ist f├╝r den Rest seines Fleischfresserdaseins bedient. Ich muss vergessen, was gewesen ist und dazu sind die N├Ąchte da. Am Tage sitze ich im Bus und markiere die fremde Person. Ich sch├Ąme mich f├╝r meine Vergangenheit und dieses Fahren im Bus mit seinen andauernd neuen Stationen nach wenigen hundert Metern erzeugen in mir dieses Vergessen und das Entfernen von dem, was war. Mit all den Haltestellen vergesse ich eine Sekunde mehr meiner Vergangenheit. Vielleicht w├Ąre ein Jahresticket f├╝r den Bus die alternative L├Âsung f├╝r mich.




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ANaKOnDA
Schriftsteller-Lehrling
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lieber A.
vielleicht verstehe ich deine Geschichte einfach nicht, aber der Vogel hat doch noch gar nichts geschissen, oder t├Ąusche ich mich?
Man erwartet eine tolle Geschichte aber irgendwie erf├Ąhrt man letztendlich nur, wie ein Kackvogel durch die Gegend f├Ąhrt...

liebe gr├╝├če
__________________
"If I walk away from you
and leave my love
could I laugh again??"

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Nun, Anakonda, ich finde es hochbrisant, einem durch die Gegend fahrenden Kackvogel zuzusehen. So verschieden k├Ânnen die Erwartungen sein. Danke f├╝rs Lesen und Kommentieren.

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Penelopeia
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

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Hallo A.,

das ist ein merkw├╝rdiger Text, der mir - trotz des ├╝berlaxen, um nicht zu sagen: schnoddrig-vulg├Ąren Titels - ein bi├čchen zu denken gibt. (Wird leider immer seltener hier in der LL...)


Erstaunliche Reflexionen, f├╝r meine Begriffe:Meine Geschichte liegt in den H├Ąnden eines toten Gottes und trotzdem ist er Gott.
Oder: Ich habe meine Geschichte durch die Fensterscheiben der Busse hinausgestiert.

Ich bin angetan.

├ťberarbeiten w├╝rde ich folende S├Ątze:

Es braucht die Worte, denn ich bin nicht Gott, sondern ein blasser Mensch, der einst sch├Ân und funkelnd ├╝ber dem Rest der Menschheit stand.: Hier k├Ânnte man noch den "Stern" einf├╝gen, also: "...sch├Ân und funkelnd wie ein..."

Ich sch├Ąme mich f├╝r meine Vergangenheit und dieses Fahren im Bus mit seinen andauernd neuen Stationen nach wenigen hundert Metern erzeugen in mir dieses Vergessen und das Entfernen von dem, was war. Hier fehlt ein Komma, der Sinn ver├Ąndert sich bis hin zur Unverst├Ąndlichkeit. (Ein oder zwei Kommas k├Ânnte man auch an anderen Stellen erg├Ąnzen, bei Konjunktionen hat man nach neuer Regel die Wahl.)

LG

P.

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

eine geschichte ├╝ber einsamkeit und armut.
nicht schlecht. die innenschau k├Ânnte besser sein.
nicht ausf├╝hrlicher. um gottes willen! einfach besser.

bon.

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Danke Euch beiden.

Penelopeia: Deine Anmerkungen untersuche ich unbedingt. Sehr gut, dass du mich darauf hinweist. Danke.

bonanza: Inwiefern stellst Du Dir die Innenschau besser vor? Ich kann mit dem Wort irgendwie gerade nichts anfangen, m├Âchte aber gern verstehen, was Du explizit vermisst. Oder k├Ânnte es einfach nur deutlicher herausgearbeitet sein? W├Ąre mir angenehm, wenn Du Dich dazu nochmal ├Ąu├čern magst.

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