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Leselupe.de > Humor und Satire
Der Kakerlakenschlappen
Eingestellt am 10. 02. 2009 11:49


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Micham
Routinierter Autor
Registriert: Jun 2008

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Wer in Amerika lebt, muss sich mit einer Tatsache abfinden: hier gibt's Kakerlaken. Sie sind einfach ├╝berall, daran l├Ąsst sich nichts ├Ąndern. Ganz gleich, wie oft man den Exterminater ruft, welcher dann giftige Chemikalien in der gesamten Wohnung verspr├╝ht, die l├Ąstigen Schaben lassen sich nicht vertreiben. Sie kommen, sie bleiben, sie treiben mein Rippchen in den Wahnsinn.

Im Grunde habe ich mich schon l├Ąngst an sie (die Kakerlaken, aber an mein Rippchen selbstverst├Ąndlich auch) gew├Âhnt. - Ich habe eine zeitlang in New York gelebt; da war es noch viel schlimmer. Die Kakerlaken krabbelten sogar im Bett herum. Damals konnte ich damit noch nicht so gut umgehen, weshalb ich meist am K├╝chentisch schlief, den Kopf in beide H├Ąnde gest├╝tzt. Auch lie├č ich immer Licht brennen, weil ich feststellte, dass sich das Ungeziefer besonders gern in der Dunkelheit verbreitete.

Da geht es uns hier in Las Vegas schon viel besser. Eigentlich haben wir nur zwei Problemzonen in der Wohnung: die K├╝che und das Badezimmer. W├Ąhrend ich die K├╝che als Ziel noch nachvollziehen kann, verstehe ich nicht, was eine Schabe so interessant an einem Badezimmer findet. Oder hei├čen die Biester etwa Kackelaken? Dann w├╝rd's ja wieder Sinn machen. Jedenfalls knirscht es gelegentlich schon mal unter den F├╝├čen, wenn ich mich nachts zur Toilette begebe.

Eine gew├Âhnliche Kakerlake in Las Vegas ist im Schnitt zwischen drei Zentimeter und zwei Meter lang. Bei Sichtung eines gro├čen Exemplars macht man erstmal einen eingesch├╝chterten Schritt nach hinten, ehe man mit dem Schlappen drauf haut. Mein Rippchen ist in der Beziehung ein echter Killer. Sie hat ein geschultes Auge f├╝r Feindbewegungen in der Wohnung. Pro Stunde erlegt sie locker 50 Schaben mit ihrem Kakerlakenschlappen, und jede Exekution wird von einem angewiderten "B├Ąh!" begleitet. Sie hasst Kakerlaken, und zwar so sehr, dass sie beim Draufhauen all ihre Kr├Ąfte mobilisiert. Wer da versehentlich in ihren Ausholbereich ger├Ąt, muss mit schlimmen Verletzungen rechnen.

Das Problem der unerw├╝nschten Mitbewohner hat in letzter Zeit leider etwas ├ťberhand genommen. Es hat den Anschein, als w├╝rden sie in neue Gebiete vordringen, beispielsweise in die Kaffeetasse, ins Abendessen oder auf meine linke Hand, w├Ąhrend ich dies schreibe. Alles Bereiche, wo der Kakerlakenschlappen eher Schaden anrichten w├╝rde. Letzte Woche riss meinem Rippchen darum der Geduldsfaden. Hocherz├╝rnt st├╝rmte sie r├╝ber in die Hausverwaltung und lie├č die Managerin wissen, dass wir ausziehen w├╝rden, sollte man das Kakerlakenproblem nicht endlich in den Griff kriegen.

"You're not going anywhere!" prophezeite die Managerin, und dr├╝ckte auf einen geheimen Knopf unter ihrer Schreibtischplatte. Kurz darauf betrat ein d├╝ster dreinblickender Mann das B├╝ro und baute sich vor meinem Rippchen auf. Sie wollte gerade mit ihrem Kakerlakenschlappen zuschlagen, als die Managerin in verschw├Ârerischem Ton verk├╝ndete:

"May I introduce you to Rocky...our George W. of pest control! He will take care of all your problems."

Mein Rippchen machte zun├Ąchst einen h├Âflichen Knicks und ging dann sofort in einen ehrf├╝rchtigen Kniefall ├╝ber.

"Thank you, mighty Rocky! Thank you so much!"

Rocky kam noch am selben Abend bei uns vorbei, um den Ernst der Lage zu pr├╝fen. Nachdenklich schritt er durch unsere Wohnung, inspizierte s├Ąmtliche Zimmer, inklusive einer Besenkammer, die mir bis dahin noch nie aufgefallen war, und machte sich Notizen in einem kleinen B├╝chlein. Kitschig fand ich es, dass er dabei ununterbrochen die Melodie zu Eye of the Tiger summte. Kurzzeitig war er mal komplett verschwunden, was in Anbetracht unserer relativ kleinen Wohnung ein ziemlich beeindruckendes Ph├Ąnomen darstellte.

Abschlie├čend gab uns Rocky zu verstehen, dass wir es hier nicht mit gew├Âhnlichen Kakerlaken zu tun h├Ątten. Wir seien Opfer der sogenannten "German roaches", hartn├Ąckige Schaben, die sich ihren Namen dadurch verdient haben, dass, wenn sie erstmal irgendwo einmarschiert waren ...

Rocky war sich sicher, die German invasion erfolgreich abwehren zu k├Ânnen.

"Give me one week and the bugs will be gone."

An strategisch wichtigen Punkten stellte er peanutbutter traps auf, kleine Plastikfallen, gef├╝llt mit vergifteter Erdnussbutter. Zudem spr├╝hte er ein top secret Sch├Ądlingsbek├Ąmpfungsmittel in der Wohnung aus. Dann verabschiedete er sich mit den Worten "I'll see you in one week."

Das war am letzten Mittwoch. Einen Tag sp├Ąter stieg ich mit starken Kopfschmerzen aus dem Bett. Hinzu kamen Schwindelgef├╝hle, arg juckender Ausschlag am ganzen K├Ârper und leichter Zahnausfall. Meinem Rippchen musste es ├Ąhnlich ergangen sein; sie lag bewusstlos an der T├╝rschwelle zum Badezimmer, den Kakerlakenschlappen mit beiden H├Ąnden fest umklammert.

"Sei ehrlich Schnuckie," fragte ich sie, als sie wieder zu sich kam. "Du hast dich an der Erdnussbutter versucht, stimmt's?"

"Quatsch!" fauchte sie mit blutigem Zahnfleisch. "Das ist das verdammte Zeug, was hier gespr├╝ht wurde."

Dies erschien auch mir einleuchtend. Rocky hatte nicht wie ein Iraker ausgesehen, sonst h├Ątte ich wohl endlich gewusst, wohin die Massenvernichtungswaffen verschwunden waren. Ich riss alle Fenster auf, in der Hoffnung, etwas frische Luft w├╝rde uns jetzt gut tun.

"Deine Augen sind ganz geschwollen!"

"Macht nix, Schnuckie," beruhigte ich sie. "Ich sehe eh alles verschwommen."

V├Âllig entkr├Ąftet lie├č ich mich wieder ins Bett fallen. Das letzte was ich h├Ârte war der an eine Wand geknallte Kakerlakenschlappen, gefolgt von einem angewiderten "B├Ąh!" Dann fiel ich ins Koma.

Bald ist die Woche rum. Diesem Rocky werde ich was erz├Ąhlen! Die German invasion ist weiterhin in vollem Gange. Und nun haben wir auch noch vor unserer Haust├╝r ein paar Schwarze Witwen entdeckt. Da traut sich selbst mein Rippchen mit ihrem Kakerlakenschlappen nicht ran. Wir spielen mit dem Gedanken, eine Hausratversicherung abzuschlie├čen und die Wohnung dann einfach abzufackeln.

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