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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Kannibale
Eingestellt am 28. 12. 2003 20:52


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KultUrknall
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2002

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Bahnfensterrauschen. Verwischte Grosstadt im Halbdunkeln zieht viel zu schnell an mir vorbei. Aufkommender Schwindel kĂ€mpft gegen Langweile. Schwindel gewinnt, also zurĂŒck in den Zug: Vor mir kauert ein Mann und verspeist seine FingernĂ€gel. Nag, Nag. InbrĂŒnstig, wie ein Eichhörnchen nach der Eiszeit. Neben ihm eine riesenhafte Sporttasche und eine Segelfliegerzeitschrift. Ein Flieger also. Wahrscheinlich ist sein ganzes Cockpit voll mit Fingernagelresten. In allen Ecken verwesen sie vor sich hin und wenn man sich setzen will, zerstechen sie einem den Hintern. Deshalb will auch niemand mehr mit ihm in die Luft und er muss immer alleine hoch. Nur der Mann und seine NĂ€gel. Vor Einsamkeit ist er fast verrĂŒckt geworden und da haben sie ihm die Linzens entzogen. Jetzt fĂ€hrt er Bahn. Der arme Kerl.

Mittlerweile hat er sich an der rechten Hand satt gekaut, unterliegt aber kurz darauf den kulinarischen Verlockungen seines linken Zeigefingers. Nag, Nag, Er wirkt ganz nervös, wie er da sitzt und sich frisst. Seine glĂ€nzenden Haare hĂ€ngen wie altersschwache Putzlappen vor den Augen. Hin und wieder streicht er sie hinter das linke Ohr, unterbricht dafĂŒr sogar seinen Nagelsnack. Er konnte sich wohl lĂ€nger nicht waschen. Wahrscheinlich ist er auf der Flucht. Deshalb auch die Sporttasche. Nachdem sie ihn aus dem Segelfliegerclub geworfen haben, ist er völlig durchgedreht. Hat DamenunterwĂ€schegeschĂ€fte ĂŒberfallen und soviel Spitzenhöschen geklaut, wie in seine Tasche passten. Jetzt ist er auf dem Weg in sein Versteck um alles anzuprobieren. Der kann’s kaum mehr erwarten, dieser perverser Idiot.

Hoffentlich merkt er nicht, dass ich ihn beobachte. Hat eh nur Augen fĂŒr seine Fingerspitzen. Nag, Nag. Aber wer weiß, ob er nur auf seine eigenen FingernĂ€gel steht. Wahrscheinlich ist die ganze Tasche voll mit fremden HĂ€nden. Die HĂ€nde des gesamten Segelfliegervorstandes sind da drin und wenn ich nicht aufpasse, schnappt er sich auch noch meine. Der sitzt da, kaut sich die halbe Hand ab und ĂŒberlegt, wie er an meine FingernĂ€gel kommt. Deshalb ist der auch so ungepflegt. Der zieht durch das Land, klaut DamenunterwĂ€sche und hackt HĂ€nde. Sollte mich besser schleunigst wegsetzten. Nein, am besten sofort ganz aus hier. WĂ€re ja eh nur noch eine Station bis zuhause, das kann ich auch laufen. Ich packe meinen Rucksack und stehe auf. Vom sicheren Bahnsteig aus, schaue ich zurĂŒck ins Abteil. Da sitzt er und kaut als sei nicht gewesen. Gerade setzt sich ein junges MĂ€dchen mit Kopfhörern auf meinen alten Platz. Sein neues Opfer. Nag, Nag. Dieses perverse Schwein.

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Herbert Stahlvogel
AutorenanwÀrter
Registriert: May 2003

Werke: 15
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Hallo Kurt,
ich finde Deine KG wirklich witzig. Die Gedanken des Reisenden hast Du auch fabelhaft umgesetzt und ich muss sagen, dass ich Deine Geschichte gerne gelesen habe.

Aber eines sollte noch gesagt werden. Hin und wieder gibt es Stellen die mich gestört haben, da sie einfach ĂŒberflĂŒssig oder schlampig waren.

Bsp:

"InbrĂŒnstig, wie ein Eichhörnchen nach der Eiszeit."
-> Das habe ich nicht verstanden!Passt auch irgendwie nicht in den Text rein.

"Vor Einsamkeit ist er fast verrĂŒckt geworden und da haben sie ihm die Linzens entzogen."

"Hoffentlich merkt er nicht, dass ich ihn beobachte."

"Aber wer weiß, ob er nur auf seine eigenen FingernĂ€gel steht."

"Deshalb will auch niemand mehr mit ihm in die Luft und er muss immer alleine hoch. Nur der Mann und seine NĂ€gel. Vor Einsamkeit ist er fast verrĂŒckt geworden und da haben sie ihm die Linzens entzogen"
-> Gute Idee, schlecht umgesetzt.

So das war's auch schon. Aber an sonsten wirklich ulkig!

GrĂŒĂŸe
Herbert

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