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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Kapuzenmann
Eingestellt am 25. 05. 2014 20:15


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Der Kapuzenmann

Meistens treten sie im Pulk auf. Zu viert, zu f├╝nft, gerne auch in Gro├čgruppen, dem Anlass entsprechend. In jedem Fall scheint es dunkel um sie herum, die Gesichter farblos und stumm, wie ihre Klamotten. Hosen, die sich nicht entscheiden k├Ânnen, ob sie auf der Stra├če liegen bleiben oder unwesentliche Teile ihrer meist klapprigen Gestalt bedecken wollen. Jacken, deren Seitentaschen gr├Â├čer sind als Mamas Einkauftasche. Riesenpranken m├╝ssen rein, meist bewaffnet mit Flaschen.

Weiter oben ein Kopf. Zumindest Teile davon ist sichtbar, wenn der Tr├Ąger ihn ausnahmsweise einmal anhebt. Denn die bevorzugte Haltung ist eher eine geneigte, mit Permanentblick auf die ungeputzten schnurlosen NBA-Treter. Der Rest ist wie gesagt schwerlich sichtbar, sicher verstaut in eine dreiwandige Kapuze, die oben von einer gleichfarbenen Schirmm├╝tze gehalten wird. Was f├╝r eine eine Kombination!

Wenn sie nicht im Tross erscheinen und man hat das Gl├╝ck, ein Einzelexemplar einen Augenblick l├Ąnger zu begutachten, sollte man sich die Details einmal genauer ansehen. Zumindest kann man sie ungeniert mustern, ohne dass einem gleich ein rotziges und von Gruppenkraft getragenes ÔÇ×├ä├Ąh-wass-wiss-du-denn-du-aaschÔÇť entgegen geschleudert wird.

Still und leise hatte er sich in eine Sitzschale der U-Bahn verkr├╝melt und lie├č sich seine Ohren per Direkteinspeisung von hyperkonzentriertem und speziell gemixtem Audiokrach zermartern. Eine Lautst├Ąrke, die seinem gesamten Stammespulk zu einer ausgiebigen Abrocksession gereicht h├Ątte. Dazu nat├╝rlich die F├╝├če hochgelegt, die breiten Pirellisohlen gegen die eh schon nicht sehr ansehnlichen U-Bahn-Sitzschalen gestemmt, von denen grunds├Ątzlich zwei in Beschlag genommen werden. Wie charakteristisch h├Ąngt der Kopf auf minus drei├čig Grad gen S├╝den und l├Ąsst dunkle Augen die Tiefen einer Mini-Spielkonsole ergr├╝nden, w├Ąhrend schmuddelige Finger hastig ├╝ber das Tastenfeld huschen und kontinuierlich ├╝berlaute Piepst├Âne erzeugen. Die sind wohl nur f├╝r uns Mitfahrer gedacht, denn der Dr├╝cker selbst kann sie nicht h├Âren. Nur ein Haufen d├╝sterer Klamotten in der Form eines liegenden Fragezeichens mit angeschraubtem vorstehendem Kappenschirm ist zu sehen, kein Hinweis auf Pers├Ânliches, auf Ausdruck, Stimmung und Befinden. Kein Blick, keine Geste, keine Farben, kein Bild. Alles verbarrikadiert, zugemacht als Schutz gegen die ├ľffentlichkeit. Was ist das f├╝r ein Mensch, der sich da scheinbar gegen alles abschottet? Wie soll man den ansprechen?

Vermummung - Verdummung. Klingt das nur zuf├Ąllig ├Ąhnlich? Es kreischt und fiept. Diesmal ist es nicht das Spielger├Ąt, sondern die Bremse der Bahn. Der Zug h├Ąlt und der schwarze Geist erhebt sich beh├Ąbig, um in gleichbleibend sitzender K├Ârperhaltung gehend den Wagen zu verlassen. Und nun erblicke ich doch noch etwas sehr Pers├Ânliches: Ein Kaugummi klebt breit und fett seitlich an der Sitzschale. Hat er wohl vergessen.

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