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Leselupe.de > Humor und Satire
Der Karriereplaner
Eingestellt am 09. 06. 2011 22:26


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preussenprinz
AutorenanwÀrter
Registriert: Jan 2010

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Schwarzmann knirschte mit den ZĂ€hnen. Er musste sich etwas einfallen lassen. Jeden Tag, ja man kann sagen jede Minute seiner Arbeitszeit hatte er genutzt, um seine Bedeutung fĂŒr das Bundesinstitut fĂŒr offene Fragen zu unterstreichen.
Und das Ergebnis?
Immer noch Sachgebietsleiter.
Gut, er hatte wichtige Aufgaben auf dem Schreibtisch. Immerhin war das Bundesinstitut auch international ausgerichtet. Zur Zeit arbeitete er an einer Studie. Die Rolle des Esels in der marokkanischen Landwirtschaft bei der Entwicklung der Emanzipation alleinstehender Marokkanerinnen. Das braucht die Welt. Aber sein leiterisches Genie kam dabei zu kurz.
Die TĂŒr ging auf und Abteilungsleiter Rot betrat den Raum.
„Und Schwarzmann, wie geht die Arbeit voran?“
„Gut, ich denke in zwei Monaten kann ich erste Ergebnisse vorlegen.“
„Sehr schön, aber vielleicht kann das noch warten.“ Er zog sich einen Stuhl an den Schreibtisch und nahm Platz. Rot war verdienter Parteisoldat, erprobt in vielen Wahlschlachten. Jetzt brachte er die Erfahrung in die Institutsarbeit ein. Es gab viele dieser ErfahrungstrĂ€ger in FĂŒhrungspositionen des Bundesinstitutes zur Lösung offener Fragen.
„Ich habe eine interessanten Vorschlag fĂŒr Sie. Wie Sie wissen wĂ€chst das Institut stĂ€ndig. Wir mĂŒssen dieses Wachstum durch Weiterbildung auch in QualitĂ€t umsetzen.“ Rot ließ einen bedeutungsvollen Blick fĂŒr Sekunden auf Schwarzmann ruhen. „Ich könnte mir vorstellen, das ist etwas fĂŒr Sie. Wenn die neuen KrĂ€fte zu uns stoßen, muss man sie auch entsprechend einarbeiten. FĂŒr ausgewĂ€hlte alte Hasen unseres Hauses gibt es daher einen Fortbildungslehrgang „Coaching“ um diese Aufgabe fachgerecht umzusetzen.“ Wieder ruhte sein Blick auf Schwarzmann, diesmal mit jovialem Einschlag. „Ich habe da an Sie gedacht.“
Schwarzmann war das Feuer ins Gesicht gestiegen. Endlich, er war entdeckt. Spontan schnellte er aus dem Sitz und streckte Rot die Hand entgegen.
„Danke Herr Rot, ich freue mich auf diese Aufgabe und werde Sie nicht enttĂ€uschen.“ Rot schĂŒttelte mit einem GönnerlĂ€cheln die dargebotene Hand.
„Davon bin ich ĂŒberzeugt Herr Schwarzmann, viel Erfolg beim Lehrgang, es geht bereits nĂ€chste Woche los.

Und so verbrachte Schwarzmann die nĂ€chsten vierzehn Tage auf Burg Rumpelstein und lernte, wie man erfolgreich andere Coach. Doch was heißt andere? Schwarzmann hatte im Zuge des Lehrgangs und seines neuen Wissens den klaren Entschluss gefasst, hier wird nur einer gecoacht, er sich selber. Die Karriere Schwarzmann wird jetzt vom Coach Schwarzmann in die Hand genommen.

Das Institut erlebte einen neuen Schwarzmann.
Aktiv griff er nun ĂŒberall ins Geschehen ein. ZunĂ€chst ĂŒbernahm er freiwillig die Planung gemeinsamer FreizeitaktivitĂ€ten des Teams der Abteilung. Mit der Kraft seiner Persönlichkeit schuf er sofort die Sternstunde einer neuen Hierarchie: Der liebe Gott – Freizeitplaner – Rest. Zwei Drittel waren fĂŒr dieses neue Leitungssystem, der liebe Gott und der Freizeitplaner. Nur ein Drittel, der Rest hatte noch Gewöhnungsprobleme.
Hier war weitere Überzeugungsarbeit zu leisten.
Parallel sammelte Schwarzmann Punkte im „Neulingenseminar“. Hier wurde der nominellen Aufstockung zwei mal in der Woche Rolle, Bedeutung und Aufbau des Institutes nahe gebracht. Als Seminarleiter ließ er die staunenden Laien ab und zu einen Blick auf Praxisabenteuer werfen. Unter dem Motto, „Schwarzmanns Bedeutung fĂŒr den Rest der Welt“, begann er seinen Bericht stets mit: Ich und der Institutsdirektor 

Er schuf subtile MaßstĂ€be.
Daneben wurde ein enger Kontakt zu den Mitarbeitern aufgebaut. Er suchte ihn ĂŒberall. Sah er sie in einem GesprĂ€ch, eilte er sofort auf sie zu. Dabei diskutierte er schon von weitem mit, um, endlich angekommen, seine bevorzugte Form des GesprĂ€chs zu fĂŒhren, den Monolog. Schwarzmann ließ keinen im Dunkeln stehen.
Besonders nicht die neuen Zimmergenossen. Dank seiner UniversalitĂ€t spielte es keine Rolle, dass sie andere Aufgaben hatten. So half er ihnen gerne beim durchsehen ihrer Unterlagen, ob sie nun dabei waren oder nicht. Bahnbrechende Methoden, wie grĂŒne Punkte in seinen leeren Ordner sicherten, dass die Mitarbeiter nicht die Eigentumsorientierung verloren. Half er doch so, einen irrtĂŒmlichen Besitzwechsel zu erkennen. Das suchen in ihren AktenschrĂ€nken ĂŒbernahm er ohne Diskussion selber. Schwarzmann geizte auch nicht mit RatschlĂ€gen, besonders, wenn andere dabei waren. Auf der Basis eines lĂŒckenloses Kataloges von Fehlern und Vergehen der Mitarbeiter sicherte er durch periodische VortrĂ€ge die Unvergeßlichkeit dieser Ereignisse. Die organisierte GegenwĂ€rtigkeit sollte den Mitarbeitern helfen, daraus zu lernen.
Und dann die gesicherte Breitenwirkung. Dank einer unverstĂ€ndlichen Fluktuation seiner neuen Zimmerbesatzungen wurden ihm immer wieder neue potentielle Kunden zugefĂŒhrt.
Diese unermĂŒdlich Arbeit trug FrĂŒchte und brachte erste akademische WĂŒrden ein. Gut, vielleicht von Leuten verliehen, die neidvoll zu seiner GrĂ¶ĂŸe aufblickten, aber immerhin Titel ist Titel: Dr. Wichtig.
Auf Basis dieser neuen Bedeutung konnte jetzt auch der Abteilungsleiterposten angesĂ€gt werden. FĂŒr Schwarzmann den geraden Charakter ging es dabei natĂŒrlich nur um objektive UnfĂ€higkeit des Amtsinhabers. Er hatte da so seine Anlaufpunkte und Kaffeerunden. Hand in Hand damit wurde eine Beschwerdekampagne eingeordnet. Dem Institutsdirektor wurde en passant verklickert, Rots Handschrift ist unleserlich. Das geht klar gegen die Mitarbeiter. Ganz zu Schweigen, was der alte Graphologe Schwarzmann aus dieser Handschrift rauszulesen vermag. Nach Feierabend wurde in kleiner Runde bei gesponsertem Bier den geladenen GĂ€sten verkĂŒndet, es lĂ€gen Beschwerden vor, Rot grĂŒĂŸt nicht.
Da Rot unter diesen und Àhnlich schweren SchlÀgen noch nicht wankte, wurde in Umlauf gesetzt, dass sein vorheriger Brötchengeber heil froh gewesen sei, ihn im Institut zu parken. Die Quelle wisse noch mehr, aber er kann schweigen.
Der Rest im Zeitraffer.
Der Abteilungsleiter gab genervt auf und ließ sich versetzen.
Schwarzmann wurde Abteilungsleiter.
Der Hauptabteilungsleiter fiel, Schwarzmann wurde Hauptabteilungsleiter.
Der Direktor fiel, Schwarzmann wurde Direktor.
Im weiteren rannte Schwarzmann Trepp auf Trepp ab und erklÀrte jedem hinter vorgehaltener Hand: Direktor Schwarzmann blickt nicht durch, der muss weg.

Schwarzmann lag auf dem Bett und sammelte Kraft. Eine weitere Aufgabe lag vor ihm.
Der Coach Schwarzmann freute sich auf diese neue Herausforderung, zumal die Ausgangsbedingung nicht einfach war. Das Bett nannten sie hier Pritsche und man wurde angeschnallt.
Aber der Karriereplan stand schon. Pfleger, Stationsarzt, Klinikleiter.


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