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Leselupe.de > Horror und Psycho
Der Kauf
Eingestellt am 26. 11. 2003 15:26


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klaragabel
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Der Kauf

„Und hier, mein Herr, haben wir ein wunderbares – ja, wie soll ich sagen – ein einzigartiges Exemplar.“
Der Verk√§ufer hob fast and√§chtig den Deckel der kleinen Schachtel hoch, die vor ihm auf dem schmuddeligen Ladentisch stand. Was da nun aber zum Vorschein kam, schien jedoch nicht so spektakul√§r, wie die Ank√ľndigung vermuten lie√ü. Die Silberkugel, die, nachdem sie umst√§ndlich von ihrer sch√ľtzenden Holzwolle befreit worden war, und jetzt dem Kunden hingehalten wurde, hatte eindeutig schon bessere Tage gesehen. Ihre Oberfl√§che war angelaufen und auch einige tiefe Kratzer waren zu sehen.
„Ich gebe sie Ihnen auch billiger,“ sagte der Verk√§ufer schnell, dem der skeptische Blick seines Kunden nicht entgangen war, und f√ľgte, als er die Ware vorsichtig neben der Schachtel absetzte, leise hinzu: „Was halten Sie von zweihundert?“
„Zweihundert? Das nennen Sie „billiger“? Nun, in dem Falle m√ľsste dieses Artefakte zumindest...“ ein leicht am√ľsierter Ton schwang in der Stimme des Kunden mit, als er provokativ den Satz beendete, „...verhext sein!“
„Verhext? Ja, im gewissen Sinne ist sie das.“ entgegnete der Verk√§ufer. Er war ein dicklicher, kleiner Mann – so um die sechzig – mit einem r√∂tlichen, freundlichen Gesicht. Alles schien rund an ihm. Sein Kopf, seine Statur, seine Brille, die er jetzt abnahm und eifrig mit einem riesigen Taschentuch zu putzen begann.
„Das ist ja interessant,“ meinte der Kunde, der immer noch versonnen die Kugel betrachtete. Er konnte sich √ľberhaupt nicht erkl√§ren, warum sie ihn, trotz ihrer offensichtlichen Wertlosigkeit, zu fesseln schien. Nach einer Weile das Schweigens, das nur von dem Ticken einer gro√üen, antiken Standuhr begleitet wurde, r√§usperte sich der Kunde und sagte, ohne den Blick von dem Objekt zu wenden: „Na, dann erz√§hlen Sie mal!“
„Nun...“, sagte der Verk√§ufer und zog wieder das √ľbergro√üe Taschentuch hervor, um sich diesmal die Stirn abzuwischen, auf der sich ganz pl√∂tzlich Schwei√üperlen gebildet hatten, und das, obwohl es im Laden angenehm k√ľhl war. „... nun, da gibt es eigentlich nicht allzu viel zu erz√§hlen. Alles, was ich wei√ü, ist, dass diese Kugel, so unscheinbar sie vielleicht auch aussehen mag, einst einem gro√üen Tatarenf√ľrsten geh√∂rt hatte. Sie wissen ja, dieses aggressive Volk, das ab und zu nach Europa kam, um es ein bisschen zu verw√ľsten. Bei dieser Gelegenheit muss auch die Kugel ihren Weg zu uns gefunden haben.“
„Soso“, murmelte der Kunde, der sich langsam fragte, ob er hier nicht seine Zeit verschwendete. Dennoch, die Kugel hielt ihn in ihrem Bann. Je l√§nger er sie betrachtete, umso interessanter schien sie zu werden.
„Man sagt sich,...„ fuhr der Verk√§ufer fort „... dass ein Schamane sie verzaubert hat. Der Besitzer hat die Macht, seine Feinde zu verfluchen... zu t√∂ten.“
Die letzten Worte waren so leise gesprochen, dass der Kunde gezwungen war, zum ersten mal aufzublicken und den Erzähler anzusehen, der nun nervös seine Hände mit dem großen Taschentuch zu trocknen begann.
„T√∂ten? Haben Sie t√∂ten gesagt?“
Eine Verwandlung machte sich bei dem Gefragten bemerkbar. Alle Anspannung, alle Nervosität schien plötzlich von ihm abgefallen zu sein. Er sah irgendwie erleichtert aus. Erleichtert wie nach einer Beichte.
„Ja, so sagt man.“
„Soso, und wie soll das funktionieren? Soll ich diese Kugel meinem Feind an den Kopf werfen? Ich warne Sie, ich bin ein miserabler Werfer,“ meinte der Kunde leicht belustigt. Er musste sich jedoch eingestehen, dass diese gute Laune schnell einer Ernsthaftigkeit zu weichen begann. Schlimmer noch, der Klo√ü war wieder da. Dieser Hass! Seine Frau! Ihr Bild tauchte urpl√∂tzlich auf der Oberfl√§che der Kugel auf, als er sie wieder anblickte.
„Also, erz√§hlen Sie Ihre Geschichte fertig,“ sagte er gereizt.
„Ach, das ist schnell getan,“ erwiderte vergn√ľgt der Verk√§ufer. Das Taschentuch schien f√ľr immer in den Weiten seiner Hosentasche verschwunden zu sein. „Die Legende sagt, dass Sie nur bei Neu- und Vollmond eine halbe Stunde lang nackt um die Kugel tanzen und den Namen Ihres Feindes singen m√ľssen. Je gr√∂√üer Ihr Hass ist, umso schneller wird die Person von einer schrecklichen, unheilbaren Krankheit befallen, die sie bald dahinrafft. Aber ich warne sie, es kann durchaus sein, dass Sie ein ganzes Jahr tanzen m√ľssen, um den Fluch zu aktivieren.“
Der Kunde runzelte die Stirn. Das Gesicht seiner Frau schien ihm jetzt boshaft zuzul√§cheln. Er sog ger√§uschvoll die Luft durch die Nase ein und dachte sich, dass er dazu nur einen maximal zwei Monate brauchen w√ľrde.
„Ich nehme die Kugel. Ihr Preis ist zwar hoch, aber ich nehme sie,“ sprach er, zog hastig zwei Scheine aus seiner Brieftasche und wartete ungeduldig, bis der Verk√§ufer mit dem Einpacken seines Erwerbs fertig war. Eilig verlie√ü er den Laden und w√§re fast mit einem kleinen M√§nnchen zusammengesto√üen, das urpl√∂tzlich in der T√ľr stand. Der Ladenbesitzer gr√ľ√üte es freundlich: „Hallo Samuel. Sch√∂n, dass du mich auch einmal besuchst.“
„Aber, aber mein alter Freund,“ antwortete das M√§nnchen und schlurfte an den Tresen. „Ich muss dich doch besuchen. Du bist mein liebster aber auch mein √§rmster Freund. So ein Pech hast du auch immer. Erst dein Vater, dann deine Frau, dein Bruder und seine Frau. Ja, und jetzt deine Mutter. Mein herzliches Beileid!“
„Ja,“ sagte der Verk√§ufer, drehte ihm den R√ľcken und tat besch√§ftigt, indem er sich der alten Standuhr zuwandte und √ľber ihr Geh√§use strich. Was Samuel nun nicht sehen konnte war sein L√§cheln, als er sagte: „Ja, sie war ein harter Brocken. Jahrelang hat sie gelitten. – Jetzt bin ich ganz allein!“

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Marcus Richter
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Hi KlaraGabel,
garnichtmal schlecht, dein Einstieg. Die Verkaufsszene finde ich gut gelungen, zum Schluss, muss ich sagen, fehlte mir irgendwas - vielleicht war es dieses Bild, das ich erwartet habe, diesen Mann, der jede Vollmondnacht nackt um diese Kugel tanzt. Nat√ľrlich hast du bei deiner Geschichte noch vieles weggelassen - das Motiv, eigentlich aller Personen, denn daraus h√§ttest du dann eine Geschichte entwickeln k√∂nnen, dann eine Art Strafe f√ľr das Benutzen der Kugel (solche m√§chtigen Gegenst√§nde sind doch meistens mit einem Fluch behaftet) - mit solchen m√∂glichen Strafen kann man dann spielen und sich witzige Pointen ausdenken - ich denke doch, da√ü deine Geschichte drauf hinaus will?

Jedenfalls, noch ein wenig kurz, aber nicht schlecht,

Gruss, Marcus
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr√ľnbein

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klaragabel
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hallo marcus,
hab dank f√ľr deine doch recht positive v.a. aber konstruktive kritik. wenn du "kurz" schreibst, dann hast du den nagel auf den kopf getroffen, denn das war meine intention: eine kurzgeschichte. ich wollte eine nachvollziehbare aber auch absurde szene darstellen, ohne irgendwelche charaktere entwickeln oder unn√∂tige hintergrundinformationen liefern zu m√ľssen. ich glaube auch nicht, dass dir so viel gefehlt haben kann, wenn ich nicht ausf√ľhrlicher auf das nackttanzen bei neu- und vollmond eingegangen bin, denn du hast dir offensichtlich gedanken dar√ľber gemacht (v.a. wenn man zwangsl√§ufig an die augenblicklichen temperaturen denkt). also wurde doch etwas erreicht, denn deine fantasie wurde angeregt... trotzdem verspreche ich dir hiermit, dass mein n√§chster beitrag etwas l√§nger wird.
K.

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