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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Der Knochenkrebs
Eingestellt am 02. 02. 2005 10:17


Autor
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Ohrensch├╝tzer
???
Registriert: Oct 2002

Werke: 83
Kommentare: 690
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Prolog

Aus Krako-M├╝ll und struben Teilen
Sch├Âbt er sich ganz wax empor;
Die dumpfen Kameraden weilen
Immer noch im Schlaf-Komfort.

Da regt sich schon im stoken Haufen
Unbeirrt der Knochenkrebs,
Indessen durcheinanderlaufen
Wieseldink und Arbeits-Plebs.

Die Schere zisst sich durch Metalle,
Schleichend wie durch Fleisch und Blut,
Sie teilt und schneidet sie noch alle:
Den Alsoschon, den Tunichtgut.

Akt

Es knackt die Zofel - ruck-da-wack!
Da kennt er kein Erbarmen!
Der Knochenkrebs zerst├Ąubt das Pack,
Hiebt K├Âpfe von den Armen

Da liegen sie, mit Schnitt und Loch,
Die ganzen Makrophille;
Nur einer klimmt an ihnen hoch
Und hinterl├Ąsst nur Stille.

Es ist der Knochenkrebs, ganz klar,
Mit Schweigen als Eskorte,
Verdeckt das Alte immerdar.
Der letzte seiner Sorte.

Epilog

Und an der Spitze angekommen,
Tut er, was nur ihm erlaubt
Sobald der letzte Berg erklommen,
Trennt er sich vom eignen Haupt.

_________________
Gelesen zu h├Âren unter
http://ohrenschuetzer.podspot.de/post/der-knochenkrebs
__________________
Der Ohrensch├╝tzer

Version vom 02. 02. 2005 10:17

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Stern
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

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...tja, also, hierher kehre ich nun schon zum dritten Mal zur├╝ck. Es fasziniert mich, obwohl ich anfangs fast gar nichts verstand.

Morbide, das Ganze. Unsentimental.

Faszinierende Wortsch├Âpfungen. - Oder sollte ich die alle nicht kennen?

Beim ersten Anklicken dachte ich ganz selbstverst├Ąndlich an die Krankheit "Knochenkrebs". Dann war da so ein "H├Ą├Ą├Ą? Was ist denn das jetzt???" Irgendwie Ablehnung. Beim zweiten Mal dachte ich:"Da war doch was - was war es doch gleich? - Ach jaa, der Knochenkrebs!" Mehrmals durchgelesen, immer wieder diesen sonderbaren W├Ârtern nachgeschmeckt, einen Krebs vor mir gesehen. Heute ist's mir schon ganz vertraut und ich sehe jetzt beides, ein Tier und die Krankheit, wie sie den K├Ârper zerst├Ârt und sich schliesslich selbst. Und deine Wortsch├Âpfungen gefallen mir von Mal zu Mal besser.

Liebe Gr├╝├če,

Stern *

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Ohrensch├╝tzer
???
Registriert: Oct 2002

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Hallo Stern,

vielen Dank f├╝r deinen freundlichen Kommentar. Das Gedicht ist nicht brandneu, stand bei mir immer in der zweiten Reihe und l├Âst bei mir einen ├Ąhnlichen Effekt aus wie bei dir: Mit der Zeit freundet man sich trotz anf├Ąnglicher Widerst├Ąnde damit an. Im Laufe der Jahre hat es daher einige Verbesserungen hinter sich gebracht. Die sprachliche Dichte und Irritation zu Beginn, welche den "stoken Haufen" umschreibt, habe ich gerade wegen ihrer dazupassenden Unzug├Ąnglichkeit nie zu ├Ąndern gewagt. Auch die verqueren und befremdlichen Sprachsch├Âpfungen ragen wie "strube Teile" daraus hervor - und diese R├╝ckbez├╝glichkeit auf sprachlicher Ebene kompensiert den fehlenden Einstiegsschliff.

Es handelt sich tats├Ąchlich um Wortsch├Âpfungen, daher ist kein Wortschatz-Manko zu bef├╝rchten. Auch mit der Interpretation des Knochenkrebses als urt├╝mliches Tier und gleichzeitig Bild einer Krankheit liegst du richtig (oder als Bild eines wirts-zerst├Ârerischen Virus oder des Menschen im Umgang mit seiner Natur)...

Herzliche Gr├╝├če,
__________________
Der Ohrensch├╝tzer

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2246
Kommentare: 11062
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Mich erinnerte es sofort an das Gedicht "Jabberwocky" von Lewis Caroll. Dein Gedicht klingt sehr ├Ąhnlich, verwendet ├Ąhnliche Methoden - allerdings ist es kein Gedicht f├╝r Kinder.

Neue Begriffe, die sich aus dem Zusammenhang erschlie├čen, unklar bleiben, lautliche Ankl├Ąnge formen.

Wird schwer zu ├╝bersetzen sein.

Ich finde es gut.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Justina
???
Registriert: Jun 2004

Werke: 5
Kommentare: 86
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Hallo Ohrensch├╝tzer,

Dein Gedicht hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Ein beklemmend dunkles Sprachspiel, das mit einer hervorragenden Verbindung von abstrakten/irrealen und konkreten Elementen daherkommt.

Die "struben Teile" und der "stoke Haufen" wollen mir gar nicht mehr aus dem Kopf gehen. Unglaublich ├╝berzeugend, diese Wortneusch├Âpfungen!

Liebe Gr├╝├če
Justina

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Ohrensch├╝tzer
???
Registriert: Oct 2002

Werke: 83
Kommentare: 690
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Nochmals vielen Dank f├╝r die freundlichen Kommentare!

Noch ein paar Anmerkungen meinerseits: Zum einen hat Bernd ins Schwarze getroffen, denn den "Jabberwocky" hatte ich schon w├Ąhrend der Entstehungsphase des Gedichts im Hinterkopf.

Zum anderen freut es mich, dass es auch f├╝r Justina eine ├Ąhnliche Faszination zu haben scheint wie f├╝r mich. Die Szenerie im Prolog wurde interessanterweise in seiner beklemmenden Finsternis schon mit der Anfangssequenz von "Terminator I" assoziiert. Man mag von dieser stilistischen Querverbindung halten was man will, stimmungsm├Ą├čig erscheint es mir ziemlich ├Ąhnlich.

Sch├Âne Gr├╝├če,
__________________
Der Ohrensch├╝tzer

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