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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Kontakt
Eingestellt am 04. 06. 2007 14:41


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Martin B.
Hobbydichter
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Der Kontakt



Es regnete. Wobei Regen noch euphemistisch ausgedr├╝ckt war, es go├č wie aus K├╝beln. Das Grau des Himmels hob sich kaum vom Grau der Stadt ab, sogar die B├Ąume schienen grau zu sein, als h├Ątte der Regen die Farbe der Bl├Ątter ausgewaschen. Unten auf den Strassen war kaum ein Mensch zu sehen, stattdessen mannsgro├če Pf├╝tzen, in denen die Regentropfen in einem unaufh├Ârlichen Stakkato einschlugen. 'Ich hoffe, ich habe hier mehr Erfolg als die Sonne', schoss es mir durch den Kopf. Immerhin hatte sie im Kampf gegen die Wolken und den Regen seit einer Woche keinen Sieg erzielt. 'Mein Kampf mu├č erfolgreicher sein'.
"...und passen sie auf die blauen Formulare auf. Wir verwenden hier die alten und die neuen, also m├╝ssen Sie aufmerksam sein. Nicht, da├č sie die St├╝ckanzahl mit der Gewichtsangabe verwechseln...Torben, h├Âren Sie mir ├╝berhaupt zu"? Schuldbewu├čt bewegte ich meinen Kopf um einige Zentimeter nach links, um meinen Blick vom Fenster auf meinen Vorgesetzten zu richten. Seine beeindruckende Gestalt schien fast den ganzen Raum auszuf├╝llen. Der Kugelschreiber in meiner Hand schlug jetzt in fast demselben Tempo auf den Tisch, wie der Regen gegen das Fenster prasselte. 'Beruhige dichÔÇÖ! ermahnte ich mich. "Ja. Klar, Clave. Ich mu├č auf die blauen Formulare aufpassen", murmelte ich, wobei ich versuchte, mir einen m├Âglichst entspannten und aufmerksamen Gesichtausdruck zu geben. Ich hatte nicht das Gef├╝hl, da├č das funktionierte.
Clave ma├č mich mit pr├╝fenden, durchdringenden Augen, "Nun machen Sie sich mal keine Sorgen. Ich wei├č, da├č in ihrer Heimatstadt einige Anschl├Ąge ver├╝bt wurden, aber wie ihnen ja bekannt ist, wurde das Terrornest ausger├Ąuchert". Er schnitt eine Grimasse, die ich nicht deuten konnte. "Hier sind wir schlie├člich in der Hauptstadt, hier ist es sicher, sie sind jetzt ja weit genug vom Ort des Grauens entfernt." Clave hielt beim Sprechen kurz inne. "Nur damit sie Bescheid wissen, ich kenne ihre Akte", sagte er. 'Er wei├č es'. Ein Klo├č, gro├č wie ein Tennisball, bildete sich in meinem Hals. Ich konnte kaum schlucken, war nicht f├Ąhig irgendwas zu sagen oder irgendeine Bewegung auszuf├╝hren, ich h├Ârte sogar auf, mit dem Kugelschreiber auf den Tisch zu h├Ąmmern. Der Regen schien dar├╝ber entt├Ąuscht zu sein, und verst├Ąrkte seine Anstrengungen. Es prasselte nun lauter als vorher. Clave aber l├Ąchelte mich an. "Kein Grund zur Beunruhigung, ich wei├č, da├č Menschen, die in psychiatrischer Behandlung sind, gemieden werden. Ich werde niemanden erz├Ąhlen, da├č sie sich aufgrund ihrer Angstattacken behandeln lassen. Ich wollte nur sagen, da├č sie gerne bei mir im B├╝ro vorbeischauen k├Ânnen, wenn sie reden wollen. Immerhin sind sie erst seit einer Woche in der Stadt und werden wohl noch keine Zeit gehabt haben, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Nun, dann werde ich sie jetzt von ihrer Arbeit nicht weiter abhalten. Sie schaffen das schon". Mit diesen Worten drehte er sich um, und verlie├č das B├╝ro. Mein Kugelschreiber fing wieder an, die Regentropfen rhythmisch zu begleiten.

Die blauen Formulare vergessend, glitt mein Blick wieder aus dem Fenster, ins graue Einerlei. 'Mein Vorgesetzter ist einer von Ihnen', ich erschauerte. 'Aber immerhin kann er nichts ├╝ber mich wissen, sonst w├Ąre ich jetzt verhaftet worden. Trotzdem ahnt er was, soviel ist sicher. Er will sich mein Vertrauen erschleichen, in der Hoffnung, da├č ich mich verrate'. Meine Gedanken rasten. 'Oder er wei├č doch, wer ich bin, und will ├╝ber mich meine Kontaktperson ausfindig machen.' An dieser Stelle mu├čte ich laut lachen, es war ein verzweifeltes Lachen. Voller Ironie dachte ich: 'Dabei w├╝nsch ich dir viel Erfolg, Clave. Vielleicht gelingt es dir ja, aber ich wei├č leider nicht mal wie meine Kontaktperson aussieht, geschweige denn, wie ich mit ihr in Verbindung treten soll'. Seit ich hier ankam, wartete ich darauf, da├č sie mich fand. Normalerweise wurde der Kontakt immer schnell hergestellt, um Neulinge und Umz├╝gler von der aktuellen Situation zu unterrichten. Da├č eine Woche ohne Kontakt vergangen war, beunruhigte mich zutiefst. 'Ob sie ├╝berhaupt wei├č, wie ich aussehe oder wie sie mich ausfindig machen kann'? Meine Verzweiflung wuchs.
'Warum mu├č mir das auch passieren', fragte ich mich. Anstatt das ich mich freute, das ich nicht enttarnt und mit ausger├Ąuchert wurde, wie Clave es so anschaulich formulierte, haderte ich mit meinem Schicksal. 'Immerhin konnten sie mir noch eine Nachricht zukommen lassen, in welcher sie mir eindringlich nahe legten in die Hauptstadt zu fahren, und dort mich mit meiner Kontaktperson zu treffen'. Der Nachricht lag eine halbe zerbrochene CD bei, mein Kontaktmann sollte die andere H├Ąlfte haben, damit wir uns identifizieren konnten. 'Wie ausgekl├╝gelt', dachte ich sarkastisch. 'Aber es ging wohl unter dem Zeitdruck nicht anders. Verdammt!' Ich legte meinen Kugelschreiber aus der Hand und fuhr mir mit dieser ├╝bers Gesicht. Mein Fu├č begann sich nun zu bewegen und wippte hoch und runter, so schnell, da├č das Wasserglas auf dem Tisch leichte Wellenbewegungen zeigte.

Eine Entscheidung war zu treffen, und darin war ich noch nie gut. Ich hatte doch schon Probleme mich zwischen Gouda und Emmentaler zu entscheiden. Ich musste mit dem Schlimmsten rechnen, n├Ąmlich da├č Clave ├╝ber mich Bescheid wu├čte, und meine Kontaktperson verhaftet oder nicht mehr am Leben war. 'Ich kann hier doch nicht weiter herumsitzen, blaue Formulare ausf├╝llen (und aufpassen, da├č ich die alten von den neuen unterscheide!) und warten, bis Sie mich festnehmen und hinrichten. Ich mu├č etwas tun.' Angsterf├╝llt irrte mein Blick umher, mein Atem ging schnell. Unbeirrt prasselte der Regen gegen das Fenster, gegen das Geb├Ąude, auf die Strasse. Die Wolken gaben der Umgebung weiterhin ihr graues Antlitz. 'Wenn meine Kontaktperson verhaftet wurde, dann kann es nicht lange dauern bis Sie mich finden.' Ich nahm wieder den Kugelschreiber in die Hand und trommelte damit auf den Tisch. Panik stieg in mir auf.
'Beruhige dich! Du kannst nicht klar denken, wenn du panisch wirst'! Ich sprach mir Mut zu und atmete tief durch. 'Gehen wir logisch an die Sache ran. Die Kontaktperson kann mich nicht verpfiffen haben, sonst w├Ąre ich schon in ihren Folterkellern oder tot. Sie haben also nur die halbe CD. Also mu├č ich meine loswerden. Ich brauche sie eh nicht mehr, ohne meinen Kontakt w├╝rde ich nie den Untergrund finden.' Diese Gedanken halfen mir, mich etwas zu beruhigen. 'Bleibt noch Clave. Er kann sich ebenfalls nicht sicher sein, wer ich bin, sonst h├Ątte ich schon Bekanntschaft mit der GePo gemacht. Aber wer wei├č, wie lange das anh├Ąlt, ich mu├č also schnell was tun'. Ein Gedanke reifte in mir heran, eine Idee. Ich g├Ânnte dem Kugelschreiber eine Atempause und legte ihn wieder auf den Tisch. Ich hob meine graue Aktentasche auf meinen Schoss, ├Âffnete sie einen Spalt und betrachtete die halbe CD. Angsterf├╝llt blickte ich um mich, aber in meinem B├╝ro war niemand. Die einzigen Ger├Ąusche stammten von dem Regen, der hartn├Ąckig gegen die Fenster trommelte, und von meinem unregelm├Ą├čigen Atem. 'Soll ich das wirklich tun? Habe ich ├╝berhaupt eine Wahl?'
Ich betrachtete die gezackte Bruchlinie der CD nachdenklich und fasste einen Entschlu├č. Mit zitternden H├Ąnden wollte ich die CD aus der Tasche nehmen, doch ich konnte sie nicht festhalten. Der Schwei├č brach in mir aus, und mein Gesicht wurde sofort na├č. Drau├čen lie├č der Regen etwas nach, ich hatte das Gef├╝hl, er wollte mich so verh├Âhnen. Ich holte tief Luft, ignorierte die Geh├Ąssigkeit des Regens, holte die halbe CD aus der Tasche und packte sie zwischen die blauen Formulare. Ich glaube es waren die neuen gewesen, die mit der Gewichtsangabe. Mit feuchten, unruhigen H├Ąnden schloss ich meine Aktentasche und stellte sie wieder ab. 'Das wird nicht funktionieren'. Meine Angst beherrschte wieder mein Denken und Skrupel stellten sich ein. 'Was wenn ich mich irre, wenn Clave doch nicht zu Ihnen geh├Ârt? L├Ącherlich. Er mu├č zu Ihnen geh├Âren.' Meine H├Ąnde suchten den Kugelschreiber, fanden ihn und lie├čen ihn wieder auf dem Tisch sein monotones Trommeln ausf├╝hren. 'Habe ich ├╝berhaupt die Telefonnummer der Denunziantenstelle? Nat├╝rlich, die gibt es in jedem B├╝ro.' Ich holte wieder tief Luft. 'Wenn ich es jetzt nicht mache, dann werde ich vor Angst sterben', sagte ich mir. 'Also tu es'! Ich betrachtete noch einige Sekunden die rhythmischen Bewegungen meines Stiftes und warf ihn auf den Tisch. Meine H├Ąnde forschten nun nach dem Telefonk├Ąrtchen und entdeckten es. Ich suchte nach der Nummer und fand sie. Ein letztes Mal warf ich noch einen Blick aus dem Fenster und betrachtete das Grau hinter dem Glas.

Ich nahm den Telefonh├Ârer vom Telefon und w├Ąhlte die vorher herausgesuchte Nummer. "Hier ist die Informationsstelle der GePo. Bitte beachten sie, da├č das Gespr├Ąch vertraulich ist, und sie anonym bleiben, wenn sie m├Âchten". Die harsche Stimme vom Band dr├Âhnte in meinen Ohren. "Sie k├Ânnen uns nun ihre Information zukommen lassen, wir werden sie schnellstm├Âglich auswerten und darauf reagieren". Dessen war ich mir sicher. "Sprechen sie nach dem Pfeifton". Ich wollte meine Lippen mit der Zunge befeuchten, was aber nicht m├Âglich war, denn mein Mund war pl├Âtzlich staubtrocken. Ich nahm schnell einen Schluck aus dem Wasserglas, und begann zu sprechen: "Ich m├Âchte einen Terroristen melden", fing ich an. Ich erz├Ąhlte dem Band, das Clave wahrscheinlich ein Terrorist sei, und er den Anschein erwecke, als h├Ątte er etwas geplant. Die L├╝ge ging mir erstaunlich leicht von den Lippen. Nachdem ich alles mitgeteilt hatte, legte ich auf. Die Ger├Ąuschkulisse bestand nun aus dem Trommeln des Regen, der gegen die Fenster prasselte, dem leisen Quietschen, das meine unaufh├Ârlichen Fu├čbewegungen verursachten und einem kaum wahrnehmbaren, sehr schnellen Klopfen. Ich registrierte, da├č das mein Herz war. Zum Nachdenken blieb aber nun keine Zeit mehr, in der Regel brauchte die GePo maximal 20 Minuten, bis sie beim Denunzierten eintraf. Also musste ich mich beeilen.

Ich wischte meine schwei├čnassen H├Ąnde an meinen Hosenbeinen ab, und vergewisserte mich, da├č die CD zwischen den blauen Formularen gut versteckt war. 'W├Ąren es die alten Formulare, m├╝sste ich nun hinter "St├╝ck-Anzahl" eine Eins eintragen', ging es mir merkw├╝rdigerweise durch den Kopf. Ich griff nach dem Stapel Beh├Ârdenpapier, stand auf und wollte zur T├╝r gehen. Aber ich hatte das Gef├╝hl mich nicht bewegen zu k├Ânnen. Ich k├Ąmpfte die Panik nieder, und schwankte mehr zur T├╝r als das ich ging. Ich holte noch mal tief Luft und schaute auf meine Armbanduhr. 'Noch 15 Minuten'! Ich dr├╝ckte die Klinke und ging auf den Flur hinaus. Ich schaute mich kurz um. Ein endlos scheinender Gang, alle 3 Meter eine T├╝r an jeder Seite, von denen jede geschlossen war, und am Ende des Ganges das B├╝ro von Clave. Aus den T├╝rritzen quoll Licht und breitete sich als schwacher Schimmer am Boden aus. Ich fasste all meinen Mut zusammen, der gewiss nicht viel war, und schritt den Gang entlang. Mit jedem Schritt, dem ich Claves B├╝ro n├Ąher kam, hatte ich das Gef├╝hl immer weiter zu schrumpfen. Ich bef├╝rchtete schon, das ich die Klinke nicht mehr w├╝rde erreichen k├Ânnen, doch zu meinem Erstaunen stellte ich vor Claves T├╝r fest, das die Klinke entweder mit mir geschrumpft war, oder ich mir das doch nur eingebildet hatte. Mein Herz h├Ąmmerte wie wild in meiner Brust und ich konnte kaum stehen. Dennoch klopfte ich an Claves T├╝r, und nach dem obligatorischen "Herein" dr├╝ckte ich die Klinke und trat in sein B├╝ro.

"Oh Torben, sie sind es. Geht es ihnen nicht gut, sie sehen ganz krank aus. Wollen sie sich nicht setzen"? Seine Stimme schien schriller geworden zu sein und klingelte in meinen Ohren. "Ja, danke", hauchte ich. Zum Sprechen hatte ich kaum noch Kraft. Ich bemerkte, das der Regen nachgelassen zu haben schien, ganz so, als wollte er lauschen. "Warum sind sie hier, Torben, was kann ich f├╝r sie tun?", fragte Clave. Mein Blick glitt ungewollt auf seinen Kugelschreiber. Ich hatte das starke Bed├╝rfnis den Stift an mich zu rei├čen und damit auf den Tisch zu trommeln. "Ich habe 2 Anliegen", murmelte ich und versuchte Clave in die Augen zu schauen. Ich gab das schnell wieder auf und mein Blick senkte sich auf den Boden. "Nun, ich, ..ich wollte sie fragen, ob sie mir die Arbeit mit den blauen Formularen abnehmen k├Ânnen. Ich f├╝rchte, ich bin heute durcheinander, und ich w├╝rde die neuen mit den alten verwechseln und ich will nichts falsch machen in meiner ersten Woche und ich habe sie auch bei mir und die anderen mach ich schon, aber...". Clave unterbrach mich: "Nun holen sie doch Luft beim Reden. Ich sehe schon, da├č sie krank sind, es ist kein Problem. Gehen sie gleich zum Arzt und lassen sich untersuchen. Die Formulare, die sie bei sich haben, k├Ânnen sie mir auf den Tisch legen." Ich versuchte es, aber mein Zittern war zu stark. Ich konnte f├Ârmlich sehen, wie die CD aus dem Stapel rutschte und mich verraten w├╝rde. Aber bevor so etwas geschehen konnte, griff Clave ├╝ber den Tisch, nahm den Stapel blauer Formulare und legte sie auf den Tisch. "Und was war das Zweite, das sie mit mir besprechen wollten?", fragte er. Ich versuchte mich zu sammeln. 'Warum erw├Ąhnte ich ├╝berhaupt 2 Anliegen', fragte ich mich. Ich wollte Clave mit meinem zweiten Anliegen von dem Stapel ablenken, aber dieser interessierte ihn gar nicht. 'Da mu├č ich jetzt trotzdem durch', ich sprach mir Mut zu. "Nun, ├Ąhh, sie hatten mir angeboten mit ihnen zu reden, und ich w├╝rde gerne nach der Arbeit mit ihnen ein Bier trinken gehen, das hei├čt, nachdem ich wieder gesund bin, nat├╝rlich", stammelte ich. Aus irgendeinem Grund blitzten Claves Augen. "Soll das hei├čen, sie wollen Kontakt zu mir?", fragte Clave. Ich erbleichte. So wie er Kontakt aussprach, musste er ├╝ber mich Bescheid wissen. 'Gut, da├č ich ihn vorhin denunziert habe. Die halbe CD sollte als Beweis f├╝r die GePo ausreichen, sie vertraut nicht mal ihren eigenen Leuten', beruhigte ich mich. "Ich, also, nein, ich wollte nur ein Bier trinken und reden", redete ich wirr. "Entschuldigen sie mich, ich mu├č mich ├╝bergeben", brachte ich nur mit M├╝he hervor. Ich schnellte auf und rannte aus dem B├╝ro den Gang hinunter in die Toilette.

W├Ąhrend ich w├╝rgend ├╝ber der Sch├╝ssel hing, h├Ârte ich mehrere laute Schritte auf dem Gang, wie die von schweren Stiefeln. 'Das mu├č die GePo sein', dachte ich und musste mich noch mal ├╝bergeben. Die Schritte entfernten sich in die Richtung von Claves B├╝ro. Ich h├Ârte ged├Ąmpfte Stimmen, aber da├č ich sie ├╝berhaupt h├Âren konnte, musste bedeuten, da├č geschrieen wurde. Der Regen setzte mittlerweile zu seinem H├Âhepunkt des Tages an, die Tropfen trommelten auf die Fenster, so als w├Ąren sie ein einziger Ton. Die einzelnen Tropfen waren kaum voneinander zu unterscheiden.
Nachdem mein Magen keinen Inhalt mehr aufwies, stellte ich mich ├╝ber das Waschbecken und wusch mir das Gesicht. Schritte n├Ąhrten sich wieder, und es klang als schliffen sie etwas hinter sich her. Ich erschauerte und hatte wieder ein flaues Gef├╝hl im Magen. Beim Gedanken daran, was sie mit ihm anstellen w├╝rden, ├╝berkam mich ein tiefes Schamgef├╝hl und ich verabscheute mich. 'Aber ich hatte keine Wahl. Und die Gefahren sind nun gebannt, und ich brauche keine Angst mehr zu haben', versuchte ich mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Es funktionierte nicht. Ich schaute in den Spiegel ├╝ber dem Wachbecken und wendete mich angewidert ab. Was hatte ich nur getan. 'Ich musste!'. Nachdem ich mich vergewissert hatte, da├č auf dem Gang kein Ger├Ąusch mehr zu h├Âren war, trat ich hinaus. Ich sah nach links und der Schreck fuhr mir in alle meine Glieder. Ein GePo-Angeh├Âriger stand vor dem Fahrstuhl und machte sich Notizen. Ich wollte ihn ignorieren und die Treppe nehmen, aber das h├Ątte mich verd├Ąchtig gemacht.
Und nach dem was ich an diesem Tag durchgemacht hatte, wollte ich mich ganz gewiss nicht durch eine ├╝bereilte Dummheit verraten. Ich sah keine M├Âglichkeit dem Mann aus dem Weg zu gehen. Also stellte ich mich neben den GePo-Mitarbeiter, w├╝nschte einen guten Tag, dr├╝ckte den Rufknopf f├╝r den Fahrstuhl und fragte: "Was f├╝hrt denn die GePo hierher"? Der GePo-Angeh├Ârige musterte mich und antwortete: "Ein Terrorist befand sich bei ihnen hier auf der Etage. Wir haben ihn festgenommen und er wird seiner gerechten Strafe zugef├╝hrt. Er hei├čt Clave. Kennen sie ihn?", fragte er mich misstrauisch. Mit einem seltsamen Gef├╝hl von Leichtigkeit, nahm ich einen erschrockenen Gesichtsausdruck an: "Ja. Das ist mein Vorgesetzter". Der Mann in dem grauen Mantel sah mich pr├╝fend an, schien zufrieden zu sein und sprach: "Na da haben sie ja Gl├╝ck gehabt. Ein treuer B├╝rger hat uns informiert, da├č er einen Anschlag plante. Seien sie froh, da├č wir so schnell und akkurat arbeiten." Er stoppte kurz, sah mich noch mal pr├╝fend an, zuckte mit den Schultern und sagte: "Aber eines ist seltsam. Wir haben bei ihm eine zerbrochene CD gefunden, eine H├Ąlfte lag unter Formularen versteckt, die andere hatte er in seiner Aktentasche. Sehr merkw├╝rdig. K├Ânnen sie sich darauf einen Reim machen?"

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Haremsdame
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Hallo Martin,

zuerst mal herzliches Willkommen hier auf der Leselupe. Hoffentlich wirst Du dich hier wohl f├╝hlen. Wer wirklich mitmacht (will hei├čen, auch andere kommentiert) kann davon viel profitieren.

Deine Kurzgeschichte ist ja ziemlich lang. Man muss schon etwas Zeit und Geduld mitbringen, um sie zu lesen. Ich brauchte jedenfalls mehrere Anl├Ąufe, um bis zum Ende zu kommen.

Dabei kann ich Deiner Geschichte die Spannung nicht absprechen. Auch wenn sie noch etwas "schulm├Ą├čig" daher kommt. Damit meine ich, Du arbeitest so sehr an der Spannung, dass sie an manchen Stellen schon zur Langeweile wird. Z.B. ├╝bertreibst Du den Einsatz des Kugelschreibers zum Trommeln...

In meinen Augen solltest Du den Text mindestens um ein Drittel k├╝rzen. Wird sicherlich weh tun, wo so viel Arbeit drin steckt...

Au├čerdem liest er sich mit diesen ganzen Schr├Ągstrichen bei der w├Ârtlichen Rede sehr schwer. Du solltest also auch die Formatierung nochmal ├╝berarbeiten.

Wenn das alles geschehen ist, bin ich gerne bereit, nochmal was dazu zu schreiben. Die Idee an sich hat n├Ąmlich was!

Gr├╝├če von der Haremsdame


__________________
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

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Martin B.
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Hallo Haremsdame,

danke f├╝r den herzlichen Willkommensgru├č und den Kommentar.

Du hast nicht unrecht, was die L├Ąnge des Textes angeht. Ich bin der Meinung, das vor allem die letzten 2 Abs├Ątze stark gek├╝rzt werden m├╝ssten. Der Spannungsbogen flacht dann doch zu sehr ab.

Mir fehlt da aber bisher noch die Idee, wie man den Text komprimieren k├Ânnte, und ich habe mich auch noch nicht wirklich getraut, aber ich sehe ein, das da etwas getan werden mu├č. Allein die Zeit, die ich dem Mausrad schenken mu├čte, um deinen Kommentar zu sehen, lie├č mich dar├╝ber nachdenken.

Das die Schr├Ągstriche den Leseflu├č in erheblichem Ma├če st├Âren, ist richtig. Nur, hier frage ich mich, wie diese in meinen Text gekommen sind. Ich benutzte sie n├Ąmlich nicht.

Die schr├Ągen St├Ârer werde ich auch gleich im Anschlu├č r├Ąumen, f├╝r die Textk├╝rzung werde ich allerdings noch meinen Mut sammeln m├╝ssen. :-)

/edit: Das h├Ątte ich fast vergessen. Was meinst du allgemein mit schulm├Ą├čig?
Da ich bisher kaum Schreiberfahrung habe, interessiert es mich nat├╝rlich, warum dich das irgendwann langweilte. Aus Fehlern soll man schlei├člich lernen und sie beim n├Ąchsten mal vermeiden.

Es gr├╝├čt Martin B.

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Martin B.
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So, da ich nun wieder etwas mehr Zeit hatte, habe ich meine Geschichte nun gek├╝rzt und etwas ├╝berarbeitet. Ich hoffe, sie ist nun kurz genug, das man sie in einem Schwung zu Ende lesen kann. Kritik, Anregungen, weitere K├╝rzungsvorschl├Ąge sind hochwillkommen.
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Es regnete. Wobei Regen noch euphemistisch ausgedr├╝ckt war, es go├č wie aus K├╝beln. Das Grau des Himmels hob sich kaum vom Grau der Stadt ab, sogar die B├Ąume schienen grau zu sein, als h├Ątte der Regen die Farbe der Bl├Ątter ausgewaschen. Unten auf den Strassen war kaum ein Mensch zu sehen, stattdessen mannsgro├če Pf├╝tzen, in denen die Regentropfen in einem unaufh├Ârlichen Stakkato einschlugen. 'Ich hoffe, ich habe hier mehr Erfolg als die Sonne', schoss es mir durch den Kopf. Immerhin hatte sie im Kampf gegen die Wolken und den Regen seit einer Woche keinen Sieg erzielt.
"...und passen sie auf die blauen Formulare auf. Wir verwenden hier die alten und die neuen, also m├╝ssen Sie aufmerksam sein. Nicht, da├č sie die St├╝ckanzahl mit der Gewichtsangabe verwechseln...Torben, h├Âren Sie mir ├╝berhaupt zu"? Schuldbewu├čt bewegte ich meinen Kopf um einige Zentimeter nach links, um meinen Blick vom Fenster auf meinen Vorgesetzten zu richten. Der Kugelschreiber in meiner Hand schlug jetzt in fast demselben Tempo auf den Tisch, wie der Regen gegen das Fenster prasselte. 'Beruhige dichÔÇÖ! ermahnte ich mich. "Ja. Klar, Clave. Ich mu├č auf die blauen Formulare aufpassen", murmelte ich, wobei ich versuchte, mir einen m├Âglichst entspannten und aufmerksamen Gesichtausdruck zu geben. Ich hatte nicht das Gef├╝hl, da├č das funktionierte.

Clave ma├č mich mit pr├╝fenden, durchdringenden Augen, "Nun machen Sie sich mal keine Sorgen. Ich wei├č, da├č in ihrer Heimatstadt einige Anschl├Ąge ver├╝bt wurden, aber wie ihnen ja bekannt ist, wurde das Terrornest ausger├Ąuchert". Er schnitt eine Grimasse, die ich nicht deuten konnte. "Hier sind wir schlie├člich in der Hauptstadt, Anschl├Ąge gibt es hier nicht." Clave hielt beim Sprechen kurz inne. "Nur damit sie Bescheid wissen, ich kenne ihre Akte", sagte er. 'Er wei├č es'. Ein Klo├č, gro├č wie ein Tennisball, bildete sich in meinem Hals. Ich konnte nicht schlucken, war unf├Ąhig mich zu bewegen. Meine verkrampften Finger h├Ârten auf, mittels des Kugelschreibers dem Tisch Ger├Ąusche zu entlocken. Clave aber l├Ąchelte mich an. "Kein Grund zur Beunruhigung, ich werde niemanden erz├Ąhlen, da├č sie aufgrund ihrer Angstattacken in psychiatrischer Behandlung sind. Ich wollte ihnen nur sagen, da├č sie mit mir reden k├Ânnen, wenn sie wollen. Immerhin sind sie erst seit einer Woche in der Stadt und werden wohl noch keine Zeit gehabt haben, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Nun, dann werde ich sie jetzt von ihrer Arbeit nicht weiter abhalten. Sie schaffen das schon". Mit diesen Worten drehte er sich um, und verlie├č das B├╝ro. Mein Kugelschreiber fing wieder an, die Regentropfen rhythmisch zu begleiten.

Die blauen Formulare vergessend, glitt mein Blick wieder aus dem Fenster, ins graue Einerlei. 'Mein Vorgesetzter ist einer von Ihnen', ich erschauerte. 'Aber er wei├č nichts ├╝ber mich, sonst w├Ąre ich jetzt verhaftet worden. Trotzdem ahnt er was. Er will sich mein Vertrauen erschleichen, in der Hoffnung, da├č ich mich verrate'. Meine Gedanken rasten. 'Oder er wei├č doch, wer ich bin, und will ├╝ber mich meine Kontaktperson ausfindig machen.' An dieser Stelle musste ich laut lachen, es klang verzweifelt. Voller Ironie dachte ich: 'Dabei w├╝nsch ich dir viel Erfolg, Clave. Ich wei├č leider nicht mal wie meine Kontaktperson aussieht, geschweige denn, wie ich sie finden soll.ÔÇÖ Seit ich hier ankam, wartete ich darauf, da├č man zu mir Kontakt aufnahm, normalerweise wurde dieser immer schnell hergestellt. Da├č eine Woche ohne Kontakt vergangen war, beunruhigte mich zutiefst. 'Ob sie ├╝berhaupt wei├č, wie ich aussehe oder wie sie mich ausfindig machen kann'? Meine Verzweiflung wuchs.

'Warum mu├č mir das auch passieren', fragte ich mich. Anstatt mich zu freuen, das ich nicht enttarnt und mit ausger├Ąuchert wurde, wie Clave es so anschaulich formulierte, haderte ich mit meinem Schicksal. 'Immerhin konnten sie mir noch eine Nachricht zukommen lassen, in welcher sie mir eindringlich nahe legten in die Hauptstadt zu fahren, und mich dort mit meiner Kontaktperson zu treffen'. Der Nachricht lag eine halbe zerbrochene CD bei. Mein Kontaktmann sollte die andere H├Ąlfte haben, damit wir uns identifizieren konnten. 'Wie ausgekl├╝gelt', dachte ich sarkastisch. 'Aber es ging wohl unter dem Zeitdruck nicht anders. Verdammt!' Ich legte meinen Stift aus der Hand und fuhr mir mit dieser ├╝bers Gesicht.

Eine Entscheidung war zu treffen, und darin war ich noch nie gut. Ich hatte doch schon Probleme mich zwischen Gouda und Emmentaler zu entscheiden. Ich musste mit dem Schlimmsten rechnen, n├Ąmlich da├č Clave ├╝ber mich Bescheid wu├čte, und meine Kontaktperson verhaftet oder nicht mehr am Leben war. 'Ich kann hier doch nicht weiter herumsitzen, blaue Formulare ausf├╝llen und warten, bis Sie mich festnehmen und hinrichten. Ich mu├č etwas tun.' Angsterf├╝llt irrte mein Blick umher, mein Atem ging schnell. Unbeirrt prasselte der Regen gegen das Fenster, gegen das Geb├Ąude, auf die Strasse. Die Wolken gaben der Umgebung weiterhin ihr graues Antlitz. 'Wenn meine Kontaktperson verhaftet wurde, dann kann es nicht lange dauern bis Sie mich finden.' Panik stieg in mir auf.

'Beruhige dich! Du kannst nicht klar denken, wenn du panisch wirst'! Ich sprach mir Mut zu und atmete tief durch. 'Gehen wir logisch an die Sache ran. Die Kontaktperson kann mich nicht verpfiffen haben, sonst w├Ąre ich schon in ihren Folterkellern oder tot. Sie haben also nur die halbe CD. Also mu├č ich meine loswerden.' Der Gedanke half mir, mich etwas zu beruhigen. 'Bleibt noch Clave. Er kann sich ebenfalls nicht sicher sein, wer ich bin. Aber wer wei├č, wie lange das anh├Ąlt, ich mu├č also schnell was tun'. Ein Gedanke reifte in mir heran, eine Idee.

Ich hob meine graue Aktentasche auf meinen Schoss. Angsterf├╝llt blickte ich um mich, in meinem B├╝ro war niemand. Mein Atem ging unregelm├Ą├čig. 'Soll ich das wirklich tun? Habe ich ├╝berhaupt eine Wahl?'

Ich ├Âffnete die Tasche einen Spalt, betrachtete die gezackte Bruchlinie der CD nachdenklich und fasste einen Entschlu├č. Mit zitternden H├Ąnden wollte ich die CD aus der Tasche nehmen, doch ich konnte sie nicht festhalten. Der Schwei├č brach mir aus. Drau├čen lie├č der Regen etwas nach, ganz so, als wollte er mich verh├Âhnen. Ich holte tief Luft, ignorierte die Geh├Ąssigkeit des Regens, griff nach der halben CD und packte sie zwischen die blauen Formulare. Ich glaube, es waren die neuen gewesen, die mit der Gewichtsangabe. Mit feuchten, unruhigen H├Ąnden schloss ich meine Aktentasche und stellte sie wieder ab. 'Das wird nicht funktionieren'. Meine Angst beherrschte wieder mein Denken und Skrupel stellten sich ein. 'Was wenn ich mich irre, wenn Clave doch nicht zu Ihnen geh├Ârt? L├Ącherlich. Er mu├č zu Ihnen geh├Âren.' Nerv├Âs wippte ich mit meinem Fu├č auf und ab. 'Jetzt brauche ich noch die Telefonnummer der Denunziantenstelle.' Ich versuchte mich zu sammeln. 'Tu es!', befahl ich mir. Widerwillig suchte ich nach der Nummer, welche in jedem B├╝ro lag, und fand sie. Ein letztes Mal warf ich noch einen Blick aus dem Fenster, das Grau hinter dem Glas betrachtend.

Ich nahm das Telefon mit zitternden H├Ąnden und w├Ąhlte die Nummer. "Hier ist die Informationsstelle der GePo. Beachten sie, da├č das Gespr├Ąch vertraulich ist, und sie anonym bleiben". Die harsche Stimme vom Band dr├Âhnte in meinen Ohren. Nachdem die Ansage vor├╝ber war, fing ich zu sprechen an, "Ich m├Âchte einen Terroristen melden". Ich erz├Ąhlte dem Band, das Clave ein Terrorist sei und den Anschein erwecke, als h├Ątte er etwas geplant. Die L├╝ge ging mir erstaunlich leicht von den Lippen. Nachdem ich alles mitgeteilt und aufgelegt hatte, ├╝berkam mich eine starke Anspannung. Ich hielt den Atem an und lauschte. Die Ger├Ąuschkulisse bestand aus dem Prasseln des Regen, dem leisen Quietschen, das meine unaufh├Ârlichen Fu├čbewegungen verursachten und einem kaum wahrnehmbaren, sehr schnellen Klopfen. Mein Herz. Zum Nachdenken blieb nun keine Zeit mehr, in der Regel brauchte die GePo maximal 20 Minuten, bis sie beim Denunzierten eintraf. Also musste ich mich beeilen.

Ich wischte meine schwei├čnassen H├Ąnde an meinen Hosenbeinen ab, und vergewisserte mich, da├č die CD zwischen den blauen Formularen gut versteckt war. 'W├Ąren es die alten Formulare, m├╝sste ich nun hinter "St├╝ck-Anzahl" eine Eins eintragen', ging es mir merkw├╝rdigerweise durch den Kopf. Ich griff nach dem Stapel Beh├Ârdenpapier und wollte aufstehen, konnte mich jedoch nicht bewegen. Ich k├Ąmpfte gegen die Panik an und schwankte zur T├╝r. Tief luftholend, versuchte ich mich zu beruhigen. Vergeblich. Ich ging auf den Flur hinaus und schaute mich kurz um. Ein endlos scheinender, farbloser Gang, alle 3 Meter eine T├╝r an jeder Seite, von denen jede geschlossen war, und am Ende des Ganges das B├╝ro von Clave. Aus den T├╝rritzen quoll Licht und breitete sich als schwacher Schimmer am Boden aus, der der Farblosigkeit jedoch nicht schadete. Ich fasste all meinen Mut zusammen und schritt den Gang entlang. Mit jedem Schritt, dem ich Claves B├╝ro n├Ąher kam, hatte ich das Gef├╝hl immer weiter zu schrumpfen. Ich bef├╝rchtete schon, die Klinke nicht mehr erreichen zu k├Ânnen. Mein Herz h├Ąmmerte wie wild in meiner Brust, als ich Claves T├╝r erreichte. Ich klopfte an Claves T├╝r, und nach dem obligatorischen "Herein" trat ich in sein B├╝ro.

"Hallo Torben. Geht es ihnen nicht gut, sie sehen ganz krank aus. Setzen sie sich dochÔÇť. "Danke", hauchte ich, nachdem ich mich gesetzte hatte. Zum Sprechen hatte ich kaum Kraft. Ich bemerkte, das der Regen nachgelassen zu haben schien, ganz so, als wollte er lauschen. "Was kann ich f├╝r sie tun?", fragte Clave. "Ich habe 2 Anliegen", murmelte ich den Blick auf den Boden gesenkt. "Nun, ich, ..ich wollte sie fragen, ob sie mir die Arbeit mit den blauen Formularen abnehmen k├Ânnen...". Ich suchte verzweifelt nach Worten, war aber unf├Ąhig zu denken. Clave unterbrach mich: "Ich sehe schon, da├č sie krank sind. Gehen sie am besten gleich zum Arzt. Kein Problem. Die Formulare, die sie bei sich haben, k├Ânnen sie auf den Tisch legen." Ich versuchte es, aber mein Zittern war zu stark. Ich konnte f├Ârmlich sehen, wie die CD aus dem Stapel rutschte und mich verraten w├╝rde. Aber bevor so etwas geschehen konnte, griff Clave ├╝ber den Tisch und legte die Formulare auf den Tisch. "Und was war das Zweite, das sie mit mir besprechen wollten?", fragte er. Ich versuchte mich zu sammeln. Mein zweites Anliegen sollte Clave von dem Stapel ablenken, aber dieser interessierte ihn gar nicht. "Nun, ├Ąhh, sie hatten mir angeboten mit ihnen zu reden, und ich w├╝rde gerne nach der Arbeit mit ihnen ein Bier trinken gehen, das hei├čt, nachdem ich wieder gesund bin, nat├╝rlich", stammelte ich. Aus irgendeinem Grund blitzten Claves Augen. "Soll das hei├čen, sie wollen Kontakt zu mir?", fragte Clave. Ich erbleichte. So wie er Kontakt aussprach, musste er Bescheid wissen. 'Gut, da├č ich ihn vorhin denunziert habe, die GePo vertraut nicht mal ihren eigenen Leuten', beruhigte ich mich. "Ich, also, ├Ąh, entschuldigen sie mich, ich mu├č mich ├╝bergeben", brachte ich nur mit M├╝he hervor. Ich schnellte auf und rannte aus dem B├╝ro den Gang hinunter in die Toilette.

W├Ąhrend ich w├╝rgend ├╝ber der Sch├╝ssel hing, h├Ârte ich mehrere laute Schritte auf dem Gang, wie die von schweren Stiefeln. ÔÇÖDie GePo', erkannte ich und musste mich noch mal ├╝bergeben. Die Schritte entfernten sich und ich h├Ârte ged├Ąmpfte Stimmen, aber da├č ich sie ├╝berhaupt h├Âren konnte, musste bedeuten, da├č geschrieen wurde.
Nachdem mein Magen keinen Inhalt mehr aufwies, wusch ich mein Gesicht ├╝ber dem Waschbecken. Schritte n├Ąherten sich wieder, und es klang als schliffen sie etwas hinter sich her. Ich erschauerte und hatte wieder ein flaues Gef├╝hl im Magen. Beim Gedanken daran, was sie mit ihm anstellen w├╝rden, verabscheute ich mich. 'Aber ich hatte keine WahlÔÇÖ, versuchte ich mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Ohne Erfolg. Ich schaute in den Spiegel ├╝ber dem Wachbecken und wandte mich sogleich angewidert ab. Was hatte ich nur getan. 'Ich musste!'.

Da ich keine Ger├Ąusche mehr h├Ârte, trat ich aus der Toilette. Ich sah nach links und der Schreck fuhr mir in alle Glieder. Ein GePo-Angeh├Âriger stand vor dem Fahrstuhl und machte sich Notizen. Ich sah keine M├Âglichkeit dem Mann aus dem Weg zu gehen. Also stellte ich mich neben ihn, w├╝nschte einen guten Tag, dr├╝ckte den Rufknopf f├╝r den Fahrstuhl und fragte: "Was f├╝hrt denn die GePo hierher"? Der GePo-Soldat musterte mich und antwortete: "Ein Terrorist befand sich bei ihnen hier auf der Etage. Wir haben ihn festgenommen und er wird seiner gerechten Strafe zugef├╝hrt. Er hei├čt Clave. Kennen sie ihn?", fragte er mich misstrauisch. Mit einem seltsamen Gef├╝hl von Leichtigkeit, nahm ich einen erschrockenen Gesichtsausdruck an: "Ja. Das ist mein Vorgesetzter". Der Mann in dem grauen Mantel sah mich pr├╝fend an, schien zufrieden zu sein und sprach: "Na da haben sie ja Gl├╝ck gehabt. Ein treuer B├╝rger hat uns informiert, da├č er einen Anschlag plante. Wir waren schneller.ÔÇť Er unterbrach sich kurz, zuckte mit den Schultern und sagte: "Aber eines ist seltsam. Wir haben bei ihm eine zerbrochene CD gefunden, eine H├Ąlfte lag unter Formularen versteckt, die andere hatte er in seiner Aktentasche. Was das wohl zu bedeuten hat?"

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