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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Kritiker
Eingestellt am 02. 03. 2015 05:06


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aligaga
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Schon als Kind konnte er das Knarren rostiger Scharniere nicht ertragen. Er lief davon vor dem Ger├Ąusch, oder er hielt sich die Ohren zu. Es waren nicht die weitergehenden Vorstellungen, die ihm Angst machten, etwa, dass sich hinter knarrenden T├╝ren etwas Dunkles und Schlimmes zeigen w├╝rde, oder dass sie sich hinter ihm nicht mehr w├╝rden ├Âffnen lassen. Nein, das war es nicht. Ein Vorfahr, den er nicht n├Ąher kannte, hatte ihm das absolute Geh├Âr vererbt, und das Kreischen von Metall auf Metall, verst├Ąrkt durch die Resonanz eines h├Âlzernen T├╝rfl├╝gels, bereitete ihm k├Ârperlich Schmerzen. Er konnte die in winzigste Tonintervalle zersplitternden Ger├Ąusche in seine innere, ihm angeborene Harmonie nicht einordnen. Es war wie eine S├Ąge, die ihm durch Gehirn und Knochenmark fuhr. Er litt.

Als er die Pubert├Ąt hinter sich hatte, war er des Davonlaufens m├╝de geworden. Er ermannte sich und begann, den aktiven Kampf gegen die knarrenden T├╝rfl├╝gel aufzunehmen.

Er f├╝hrte von da an stets ein K├Ąnnchen mit sich, ein kleines, silbern gl├Ąnzendes, flaches Gef├Ą├č, dessen Seitenw├Ąnde bei leichtem Druck von Daumen und Zeigefinger knackend nach innen sprangen und das ├╝ber einen seitlich aufgesetzten, sich verj├╝ngenden, langen Hals ein Tr├Âpfchen Schmiere auswarf. Damit brachte er alle Scharniere, alle T├╝ren und L├Ąden, alle Kommoden, Schr├Ąnke und Sekret├Ąre seines Umfeldes zum Schweigen.

Er begann, sich mit verschiedenen ├ľlen zu besch├Ąftigen, lernte die synthetischen von den mineralischen Schmierstoffen zu unterscheiden und erfuhr von einem Cetaceologen, dass unter den Wal├Âlen jenes der Pottwale das geschmeidigste sei, von den K├Ânigen auf der Stirn getragen zum Zeichen der W├╝rde, vom T├Ąufling zur Errettung vor ewiger Finsternis. Er setzte viel Aufwand und Geld ein, um an dieses Salb├Âl zu kommen, und f├╝llte es in das K├Ąnnchen. Er trug es stets direkt am K├Ârper, um seinen Inhalt zu w├Ąrmen, bereit, den Durst jeder quietschenden Angel sofort und auf Dauer zu l├Âschen. Es war ihm wie Wollust.

Sp├Ąter, in die Jahre gekommen, fand sich sein Leib eigenartig ver├Ąndert. Die Schulter war schief geworden, der Hals zur Seite geneigt, der Kopf nach vorne h├Ąngend und der Kr├╝mmung des R├╝ckens folgend, die Linke stets in Habacht, mit der hohlen Hand die Ohrmuschel zu vergr├Â├čern. Er war ein Lauscher geworden, ein zwanghafter Horcher, stets auf der Suche nach st├Ârenden T├Ânen, die mit dem Saft aus dem silbernen Instrument zum Verstummen zu bringen w├Ąren.

Er galt allen anderen l├Ąngst als Sonderling. L├Ącheln oder gar lachend sah man ihn nie. Kurz vor seinem Tod (einige sagten, er sei dadurch bedingt gewesen) ging ihm sein ├ľlvorrat aus, denn es gab keine Pottwale mehr. Derart gel├Ąhmt, blieb er in der Folge daheim und begann nachzudenken, ob es wohl Sinn gemacht hatte, den fressenden Schmerz, den ihm die Dissonanzen verursacht hatten, mit den ├ľlen zu lindern. Oder ob die Qual nicht bestimmt gewesen w├Ąre, zu zeigen, dass nichts f├╝r sich selbst st├╝nde, sondern sp├╝rbar sein m├╝sse als Teil eines Ganzen.

Da erkannte er, dass es falsch gewesen war, all die rostigen Schl├╝nde zu stopfen, ein Fehler, zu versuchen, der Welt das Schreien abzugew├Âhnen. Denn es war nie wirklich still, wenn er horchte. Nicht einmal in seiner letzten Stunde.

Er wurde als rotrandiger Baumschwamm reinkarniert. Ungulina marginata, ein Saprophyt auf Laub- und Nadelholz, besonders an Fichten, Buchen und Apfelb├Ąumen. Die meisten halten ihn f├╝r vollkommen nutzlos, aber einige Mykologen behaupten, Holz und Schwamm bedingten einander.

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Hallo Aligaga,

auch wenn Du in einem fr├╝heren Leben mal Scharfrichter gewesen zu sein scheinst, finde ich es schade, einen Text, der zumindest eine witzige Idee als Ausgangspunkt hat,(vielleicht sogar aus anderen als k├╝nstlerischen Erw├Ągungen) als unterdurchschnittlich zu bewerten. Mit etwas Geduld k├Ânntest Du da mehr herausholen (der Schlu├č z├╝ndet noch so in etwa wie ein Zunderschwamm, das hei├čt, er z├╝ndet schon, aber das geht sicher besser...)Ansonsten... einfach nicht soviele S├Ątze mit Er....anfangen. Wenn so etwas "um die Ecke gedacht", als gewollt schlechter Stil eingesetzt wird, ist die Gefahr, da├č es keiner kapiert, doch recht gro├č.
Fichtenporlinge werden ├╝brigens, soweit ich wei├č, auch zu Heilzwecken eingesetzt, sind also noch weit mehr als keine echten Sch├Ądlinge. Leider leben sie dann schon wieder nicht mehr...

Gr├╝├če

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