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Leselupe.de > Science Fiction
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Eingestellt am 22. 11. 2005 18:18


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xrotbartx
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Dec 2003

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Seit zwanzig Minuten stand Karl Klein im Schatten der Toreinfahrt. Die Stra├čenlaterne ein paar Meter weiter warf glitzerndes Licht aufs ├╝berfrierende Pflaster. Er kannte sich: Auch wenn er noch so sehr zitterte, er w├╝rde sich hier verstecken, bis er ganz sicher war, dass ihn niemand sah. Immer wieder starrte er die Stra├če hinauf und hinunter, blickte zu den dunklen Fenstern im 3. Stock des Hauses gegen├╝ber und lauschte in die Dunkelheit.
Die Fenster geh├Ârten zwar zu seiner Wohnung und mussten dunkel sein, doch auch dort konnten sie auf ihn lauern.
Noch immer z├Âgerte er, die Stra├če zu ├╝berqueren.
In seiner Wohnung hatte er sich immer ziemlich sicher gef├╝hlt, obwohl Alice die Hauswartsfrau wusste, wo er zu finden war. Der Achtzigj├Ąhrigen vertraute er.
Wieder schaute er zur Hauptstra├če hinunter. Eine hell erleuchtete Stra├čenbahn ratterte vorbei. Kaum hundert Meter entfernt. Zwei Frauen sa├čen darin! Sein Magen zog sich zusammen. Karl war ersch├Âpft.
Mit zittrigen Fingern zog er sein Kopftuch aus der Trenchcoattasche. Es war n├Âtig. Sorgf├Ąltig band er es sich um. Sollte ihn jemand zuf├Ąllig dabei beobachten, wie er sein Haus betrat ÔÇô vielleicht erkannte man ihn dann nicht. Er hoffte es.
Als Karl seine Vorbereitungen beendete, war das Stra├čenbahnrattern l├Ąngst verstummt. Keine Stimmen, keine Schritte auf dem Pflaster. Totenruhe. Er schaute auf seine Armbanduhr: zwei Uhr morgens. Die letzten Lokale hatten l├Ąngst geschlossen. Er hoffte, dass die Stadt schlief.
Den Kopf zwischen die Schultern gezogen eilte Karl ├╝ber die Stra├če. Eine Katze schrie auf. Gehetzt huschte sein Blick zur Litfasss├Ąule, wo er glaubte, eine Bewegung ausgemacht zu haben. Kurz darauf erreichte er die Haust├╝r und schob sie auf. Eine zweite Katze fauchte wild. Er stemmte sich gegen die schwere T├╝r, bis sie wieder geschlossen war. Karl lehnte sich mit dem R├╝cken dagegen. Sein Herz pochte wild. Ein Wunder, dachte er, dass es ├╝berhaupt noch schlug. Ein Jahr ging das nun schon und er war nicht mehr der J├╝ngste. W├╝rde ihm Alice nicht seine Rente holen und wenigstens hin und wieder die Eink├Ąufe mitbringen, die er brauchte ÔÇô er h├Ątte es nicht geschafft bis heute zu ├╝berleben.
Ein Wunder war es sowieso, dass es ihm bisher gelungen war geheim zu halten, wo er wohnte. Aber ewig w├╝rde das auch nicht so weitergehen. Das war ihm gerade jetzt wieder bewusst.
Ohne Licht zu machen, schlich Karl die Treppe hinauf. Die Stablampe in der Tasche schlug bei jeder zweiten Stufe gegen sein Knie. Er hatte sie nicht mitgenommen, um sich den Weg auszuleuchten, sondern f├╝r den Notfall. Als Waffe war sie gut zu gebrauchen.
Vor seiner Wohnungst├╝r blieb Karl stehen und lauschte atemlos. War da nicht eben ein Ger├Ąusch gewesen? Er fingerte nach dem Schl├╝sselbund und hielt inne. Doch, die Haust├╝r. Er sp├╝rte den leichten Luftzug von unten heraufkommen.
Wer kam da? Warum wurde kein Licht angeschaltet?
Schnell schob er den Schl├╝ssel ins Schloss und drehte ihn herum.
Es war nicht abgeschlossen! Hatte er es in der Panik vergessen, als Alice ihn warnte, schnell die Wohnung zu verlassen? Er war hinunter gerannt, ├╝ber die Stra├če gehuscht, hinein in die Tordurchfahrt. Auf dem Hof dahinter stand ein Holzschuppen. Dort hatte er sich versteckt, den ganzen Tag.
Nein, er war sich nicht sicher, ob er abgesperrt hatte.
Entschlossen dr├╝ckte er die T├╝r auf, trat ein und schloss sie leise wieder.
Als er sich im dunklen Korridor umdrehte, wusste er, dass etwas nicht stimmte. Ein fremder Geruch.
Doch es war zu sp├Ąt: Sie hatten ihn gefunden. Er sah einen Schatten in der K├╝chent├╝r auftauchen. Die Badt├╝r bewegte sich. Und schon waren sie ├╝ber ihm. Mit einem nerv├Âsen Kichern lie├č sich Karl zu Boden gleiten.
Sie waren zu zweit, nein, zu dritt: Es klopfte gerade an der T├╝r. An Armen und Beinen hoben sie ihn auf. Und wieder begann sein Herz bis zum Hals zu pochen.
Sie schleiften ihn ins Schlafzimmer. Er sah noch das ungemachte Bett, dann schloss er die Augen. Als sie ihn auszogen, wehrte er sich nicht. Der wahrscheinlich letzte Mann war tot. Gestorben an einer Herzschw├Ąche. Neben ihm auf dem Nachttisch lag die Monate alte Zeitung, in der er noch gestern gelesen hatte. Die Schlagzeile: M├Ąnner unter Hausarrest. Ausnahmen, die die Haltung in ├╝berdachten K├Ąfigen gestatten, sind beim Kreisarzt zu beantragen ÔÇŽ

┬ęHarald Hillebrand (November 2005)

letzte Änderung: 27.11.05
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Harald Hillebrand

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Rumpelsstilzchen
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Tach Barbarossa.
Hihi, nicht mal hier bist Du vor mir sicher.

Du hattest schon Recht, das Ding in die Werkstatt zu bringen:
Es knirscht n├Ąmlich gewaltig im Logikgetriebe:

quote:
Der wahrscheinlich letzte Mann war tot.

Hausarrest und K├Ąfighaltung k├Ânnen zwar zu massenhaft t├Âdlicher Langeweile f├╝hren, aber doch nicht schneller als in der Zeitung der Fisch verpackt wird.

├ťberhaupt frage ich mich, was wollen die mit dem alten Sack?
Ein Z├Ąpfchen Viagra forte einf├╝hren?
Aber vielleicht haben sie sich vertan, so im Dunkeln.
quote:
Sie machten kein Licht.
Kann ja nicht jeder so nachtsichtig sein wie der Alte:
quote:
Er sah noch das ungemachte Bett, dann schloss er die Augen.


Lie├č ein paar H├Ąkchen da, nimm sie ruhig als Kommata

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Ich glaube
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jon
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Die Spannung ist schon toll aufgebaut ÔÇô┬ánur das Ende ist unlogisch: Wenn es M├Ąnner in K├Ąfighaltung gibt, ist Karl bestenfalls der "letzte freilebende Mann" gewesen (, wobei er wirklich eher freilebend als frei lebend war ÔÇô so viel zum millionsten Mal zur Neuen Rechtscheibung).
Was mich ebenfalls vollst├Ąndig unbefriedigt l├Ąsst, ist die Nicht-Antwort auf die Frage ÔÇ×Was ist denn da passiert?ÔÇť. Ein kleiner Hinweis, wie es zu diesem Hausarrest-Erlass kam (und vor allem wie zur Alternative ÔÇ×K├ĄfighaltungÔÇť!) w├Ąre m.E. schon wichtig, um dem Gag aus seinen im Moment recht flachen Zustand aufzuhelfen.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dal├Ąsst (Klaus Klages)

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flammarion
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aber

das hat doch schon jemand anderer geschrieben, dass die frauen irgendwann die sache mit der selbstbefruchtung packen und die widerliche fickerei endlich endet. in jenem roman war es umgekehrt - da wurden pl├Âtzlich wieder jungs geboren und wunderten sich sehr, dass sie ein wenig anders waren als die "normalen".
lg
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Old Icke

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xrotbartx
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Hi Rumpel,
das hab ich bef├╝rchtet, aber diesmal versteh ich wenigstens, was du meinst, und danke dir und Jon f├╝r die Hinweise.
Marion, ich f├╝rchte, sie haben Recht: Ich muss ├╝berarbeiten. Ich habe es immer zu eilig mit dem Posten. *g*
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Harald Hillebrand

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