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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Liebhaber
Eingestellt am 28. 09. 2014 21:03


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Charon
Hobbydichter
Registriert: Sep 2014

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S. st├╝rmte ins Haus, verschloss eilig die T├╝r und hielt sich ersch├Âpft am Treppengel├Ąnder fest. Hastig schnappte er nach Luft, w├Ąhrend sich Schwei├č in feinen Perlen auf seiner Stirn bildete. Es war dunkel im Haus und nur die Stra├čenlaternen au├čerhalb spendeten sp├Ąrliches, durch die Fenster einfallendes, Licht. Eine beunruhigende, ja geradezu be├Ąngstigende Ruhe lastete auf dem Grundst├╝ck und S. f├╝hlte sich dem Tode so nahe wie noch nie zuvor. Seine Lungen brannten bei jedem Atemzug wie Feuer.
Die Fremden hatten ihm in seinem Garten aufgelauert. Er war ihnen ausgewichen und um das Haus geflohen, doch wo immer er auch hinrannte, warteten sie dort bereits auf ihn. Sie waren einfach zu zahlreich und hatten das Haus umzingelt, womit sie wohl auf Nummer sicher gehen wollten, ihn auch wirklich zu erwischen und anschlie├čend zur Strecke zu bringen. Mit mehr Gl├╝ck als Verstand hatte er es jedoch irgendwie geschafft ihren F├Ąngen zu entwischen und ins Haus zu gelangen.
S. war panisch. Seine Beine f├╝hlten sich schwach an und er hatte M├╝he standhaft zu bleiben. Er wusste nicht, was er falsch gemacht hatte. Immerhin war er nur ein ganz normaler B├╝rger, der sich keinerlei Schuld zuzuschreiben hatte. Und trotzdem hatten sie ihn ├╝berfallen und wollten nun seinen Kopf. In Scharen waren sie gekommen und forderten sein Blut, aber S. war noch nicht bereit zu sterben.
Bereits vor einigen Tagen hatte er die Eindringlinge bemerkt. Sie hatten in seinem Garten gestanden und ihn mit unbewegten Augen angestarrt, wartend, jederzeit bereit zuzuschlagen. Er wusste weder, woher sie gekommen waren, noch wer sie eigentlich waren. Pl├Âtzlich waren sie da gewesen und hatten ihn bedr├Ąngt. Und das in seinem eigenen Heim.
Es musste etwas geschehen. Sie waren dort drau├čen und er hier drin. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie das Haus st├╝rmen und ihn seiner menschlichen Existenz berauben w├╝rden. Und er konnte und wollte nicht einfach nur tatenlos darauf warten bis seine Henker kamen, um ihn zur Schlachtbank zu f├╝hren.
Noch etwas zittrig vor Ersch├Âpfung, aber dennoch gezielt, stapfte er in die Kammer, ├Âffnete mit seiner Geheimkombination den Sicherheitsschrank und schnappte sich sein Gewehr, das alte Jagdgewehr seines Vaters.
Zusammen mit einem ganzen Satz Patronen begab er sich in das erste Obergeschoss. Im Schlafzimmer angekommen ├Âffnete er das Fenster und stieg auf die ├ťberdachung der Veranda.
Und da sah er sie wieder. In Massen standen sie in seinem weitl├Ąufigen Garten verstreut. Einige waren ihm direkt zugewandt, andere wiederum schienen ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten.
Er wurde einfach nicht schlau aus diesen M├Ąnnern. Doch eines wusste er mit Gewissheit, sie wollten ihn tot sehen. Allerdings w├╝rde er sich ihnen sicherlich nicht kampflos ausliefern. S. nahm sein Gewehr, lud eine Patrone und gab einen Schuss in die Luft.
ÔÇ×Okay, ihr k├Ânnt jetzt verschwinden! Verschwindet und lasst mich in Ruhe!ÔÇť, br├╝llte er in die Reihen der Feinde. ÔÇťGeht nach Hause und keinem wird etwas geschehen. Ich habe hier gen├╝gend Munition, um jeden von euch zweimal zu erschie├čenÔÇť, behauptete er k├╝hn.
Nat├╝rlich stimmte seine letzte Aussage nicht, aber woher sollten die das denn wissen. Entgegen seiner Erwartung geschah jedoch gar nichts. Die Angreifer standen einfach da und starrten zu ihm hinauf. Keiner floh und keiner st├╝rmte auf das Haus los. Es war zum Verr├╝cktwerden.
ÔÇ×Na gut, wenn ihr nicht gehen wollt, dann werde ich wohl ernst machen. Ich m├Âchte das nicht, aber lieber ihr als ich!ÔÇť, rief S., womit er jedoch eher versuchte, sich selbst Mut zum Handeln zuzureden als den anderen wirklich Angst einzujagen.
Noch einmal lud er eine Patrone und setzte an, dann kam der Schuss. Knapp vor den F├╝├čen eines Mannes spritzten Erdbrocken auf. Doch auch diesmal konnte S. keine Wirkung erzielen. Der Mann hatte nicht einmal gezuckt. Waren sie so darauf besessen, ihn zu fassen?
S. sch├╝ttelte ungl├Ąubig den Kopf und lief unruhig, wie ein Tiger im K├Ąfig, einige Schritte auf und ab. Er blickte immer wieder herunter in den Garten und wurde sich nach und nach seiner verzweifelten Lage bewusst. Selbst wenn er einen nach dem anderen erschie├čen w├╝rde, so konnte er nicht alle erwischen. Es waren einfach zu viele. Sein Garten war geradezu ├╝bers├Ąht mit diesen seltsamen Gestalten. Vermutlich geh├Ârten sie alle zu einer Sekte oder ├Ąhnlichem und wollten mit ihm einen okkulten Opferritus durchf├╝hren. Das w├╝rde auch erkl├Ąren, warum sie alle gleich gekleidet waren.
ÔÇ×Verschwindet!ÔÇť, befahlt S. flehend mit aller Kraft in seiner Stimme, die er noch aufbringen konnte. Immerhin hatte er seit Tagen nicht mehr geschlafen. Ach, etwa seit einer Woche bekam er nachts kaum ein Auge mehr zu. Er war einsam, hatte keine Angeh├Ârigen und so gut wie keine Bekannte geschweige denn Freunde mehr, weswegen ihn vermutlich auch niemand vermissen w├╝rde, wenn er nicht mehr da w├Ąre. Vielleicht war das ja der Grund, weshalb sie gerade ihn aufsuchten?
Er setzte sich auf die Dielen und vergrub sein Gesicht tief in seinen H├Ąnden. Kleine Tr├Ąnen schossen ihm in die Augen. Er wollte noch nicht sterben, denn er hatte in seinem Leben noch so wenig von dem geschafft, was er sich vorgenommen hatte. Es war einfach nicht genug Zeit gewesen. Oder hatte er nur zu viel getr├Âdelt? Keine Freunde, keine Frau, keine Kinder, ja nicht einmal ein Hund w├╝rde um ihn trauern.
Schweren Herzens fasste S. einen Beschluss, stand auf und lud sogleich die n├Ąchste Patrone nach. Abw├Ągend blickte er auf seine Feinde herab. Sie waren wie ein wilder stiller Mob. Er f├╝hlte sich ein wenig wie Frankensteins Monster. Mit Fackeln, Schaufeln, Karren und Mistgabeln waren sie gekommen, um ihn ins Jenseits zu bef├Ârdern. Sie trugen sogar teilweise Laternen mit sich, so dass damit diesem mittelalterlichen Bild der letzte Schliff verpasst wurde.
S. setzte sein Gewehr an und zielte auf einen der M├Ąnner, die ihm am n├Ąchsten standen. Er atmete langsam aus und visierte sein Opfer sicher an. Der Schuss kam und der Mann wurde von seiner Wucht geradezu zerfetzt. Sein ganzer Torso wurde gesprengt, so dass Arme und Kopf frei von jeglicher Bindung zu Boden fielen.
S. lachte triumphierend auf. Er hatte einen Volltreffer gesetzt, das w├╝rde ihnen eine Lehre sein. Mit Verlusten hatten sie bestimmt nicht gerechnet. Erneut blickte er langsam umher und stellte entsetzt fest, dass keiner, aber auch nicht ein Einziger von dem Kenntnis genommen hatte, was gerade passiert war. Oder war es ihnen einfach egal? Wie konnte man nur so grausam gleichg├╝ltig zu seinem Nebenmann sein?
S. wurde allm├Ąhlich hysterisch. Er begann zu zittern und setzte sich erneut auf das Dach. Das war Wahnsinn. Es h├Ątte sie nicht weniger interessieren k├Ânnen, dass ein Mann an ihrer Seite erschossen worden war. Das waren keine Menschen mehr, eher gehirnmanipulierte Sklaven eines rachs├╝chtigen Wissenschaftlers, der sich schlicht und einfach in der Adresse geirrt hatte. Immerhin war S. ja unschuldig und hatte nichts getan, um absichtlich den Zorn anderer auf sich zu ziehen. Vielleicht war hier aber auch irgendeine andere Macht am Werk. Es k├Ânnte sich genauso gut um gef├╝hllose Killerroboter handeln. Oder gar um Au├čerirdische, die boshafte Experimente mit ihm durchf├╝hren wollten.
ÔÇ×Verschwindet und lasst mich in Ruhe, habe ich gesagt! Ich erschie├če euch! Euch alle!ÔÇť, jammerte S. eher als es zu befehlen und versuchte mit nerv├Âsen Fingern, eine neue Patrone zu laden. In seiner Hast lie├č er sie jedoch zun├Ąchst fallen und konnte erst nach seinem zweiten Versuch zum Zielen ansetzen. Der Schuss fiel und ein weiterer Mann wurde in seine Einzelteile zerlegt.
Ohne Triumph und ohne Pause lud S. die n├Ąchste Patrone und feuerte, diesmal ohne zu zielen. Diesen Vorgang wiederholte er noch einige Male, wobei er nicht mehr darauf achtete, ob seine Sch├╝sse einen Feind niederrissen oder nicht.
Schlie├člich sackte S. in sich zusammen. Er hatte seine Grenzen erreicht. Das war ein Nervenkrieg, den er nicht gewinnen konnte. Sie hatten gesiegt und er war der Schmach der Niederlage ergeben. M├╝hselig st├╝tzte er sich mit seinem Gewehr.
Regungslos und ohne jegliche Emotion starrten sie ihn weiter an. Sie forderten ihn mit stummen Worten dazu auf, sich dem Ganzen zu ergeben, dem Trauerspiel ein Ende zu setzen. S. erkannte sein Schicksal und akzeptierte, dass er keine andere Wahl mehr hatte. Dies war der letzte Schritt.
Langsam, immer noch geradezu zaghaft, lud S. die letzte Patrone an diesem Abend. Um ihre starren Blick nicht mehr weiter ertragen zu m├╝ssen, kniete er sich mit dem R├╝cken zu den Feinden hin und ├Âffnete den Mund. Das kalte Eisen stie├č gegen seine Z├Ąhne und glitt ├╝ber seine Zunge. Ein leises Klickger├Ąusch k├╝ndigte die Vollendung an und nach dem folgenden Knall st├╝rzte S. K├Ârper auf die ├ťberdachung. Seine leblose H├╝lle prallte knapp vor dem Abgrund auf die dunklen Dielen. Er lag auf dem R├╝cken mit den F├╝├čen zur Hauswand. Sein zerfetzter Sch├Ądel ragte r├╝cklings ├╝ber den Rand des Daches und eine grausame Spur aus Blut und Gehirnmasse ergoss sich auf die Veranda. Seine offenen und reglosen Augen starrten nun zur├╝ck auf die Fremdlinge. Auf all die Fremdlinge. In seinem Garten. Mit ihren roten Zipfelm├╝tzen.

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DocSchneider
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Hallo Charon, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Sch├Ân, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Ma├če an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

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Deine Geschichte liest sich spannend und hat ein ├╝berraschendes Ende - mir hat sie gefallen. Ich w├╝rde nur vielleicht einen realen Namen anstatt "S" einsetzen. Der Titel f├╝hrt vollkommen in die Irre - Absicht?

Bestimmte Gartengesellen sehe ich nun mit anderen Augen. :)


Viele Gr├╝├če von DocSchneider

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Charon
Hobbydichter
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Hallo DocSchneider,

danke f├╝r die nette Begr├╝├čung und sch├Ân, dass es Dir gefallen hat. Das mit der Abk├╝rzung ist mir recht spontan gekommen. Es sollte vor allem dazu dienen, keine eigenen Erinnerungen oder Erfahrungen mit dem Namen zu assoziieren. S. sollte als ein einigerma├čen unbeschriebenes Blatt auftreten und auch wieder gehen.

Das mit dem Titel war so eine Sache.
Er sollte nichts ├╝ber Inhalt direkt verraten k├Ânnen, und er sollte das Ende einfacher interpretierbar machen.
Es standen mehrere ├Ąhnliche Optionen zu Auswahl. Ich habe mich letztenendes daf├╝r entschieden.

Viele Gr├╝├če

Charon

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