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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Lift
Eingestellt am 07. 12. 2009 13:04


Autor
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Linde
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2009

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Kommentare: 0
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Hanna stand kreidebleich vor dem Fahrstuhl. Die halbvolle Flasche Rotwein, die sie eben heimlich auf der Toilette getrunken hatte, beruhigte ihre zitternde Hand. Unruhig las sie die Kritzeleien auf der gr├╝nen Aluminiumt├╝r bis sich diese ├Âffnete. Leicht schwankend stieg sie ein und dr├╝ckte den Knopf ins Erdgeschoss, 6 Etagen unter ihr. Der Geruch nach Urin, nassen Kleidern und der Geruch ihrer Angst lie├č sie w├╝rgen als der Lift sich ruckelnd in Bewegung setzte. Hannas Atem ging sto├čweise, sie zwang sich, langsam durch den Mund ein und auszuatmen. ÔÇ×Du verdammtes Schwein, wie kannst Du mir so etwas nur antun? Wei├čt Du nicht, was das f├╝r mich bedeutet?ÔÇť Tr├Ąnen stiegen in ihre Augen, sie konnte den Angstschwei├č unter ihren Armen f├╝hlen und riechen. Sie f├╝hlte sich schmutzig und gen├Âtigt. Der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung 5,4,3 ein Ping deutete die jeweils n├Ąchste Etage an. Ein pl├Âtzliches Zittern unter ihren F├╝├čen lie├č sie nach Luft schnappen, das Rattern des Aufzugs wurde lauter, ein Kreischen als Metall auf Metall traf und der Geruch verbrannten Plastiks nahmen ihr den Atem. Mit einem Ruckeln blieb der Aufzug stehen. Panisch sah Hanna sich um. Schwarz-wei├če P├╝nktchen tanzten vor ihren Augen, ein Pfeifen schlich sich in ihr Geh├Âr. ÔÇ×Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen.ÔÇť Langsam ├Âffnete sie die Augen wieder, der Telefonh├Ârer zum Verst├Ąndigen des Alarms war herausgerissen, ein Blick auf das Display ihres Handy zeigte: Kein Empfang. ÔÇ×Verdammt, verdammt.ÔÇť Ihre Blase dr├╝ckte schmerzhaft, hektisch ging ihr Blick umher, unruhig wippte sie von einem Fu├č auf den anderen. ÔÇ×Hallo? Ist da jemand? Kann mich jemand h├Âren verdammt?ÔÇť Ihre Stimme klang unnat├╝rlich hell. Keine Antwort. Panisch setzte sie die Flasche aus ihrer Handtasche an den Mund. ÔÇ×Ein kleiner Schluck wird mich beruhigenÔÇť. Ihr Blick ging nach oben, solides Aluminium, keine M├Âglichkeit zum Ausstieg. Ihre Beine gaben nach, die sackte auf den Boden, schluchzend hielt sie sich an der Flasche fest. ÔÇ×Ich werde sterben. Alleine im Aufzug, erstickt an meinem Erbrochenen, im eigenen Urin liegend. Tr├Ąnen verschleierten ihren Blick schwarze Schlieren liefen ihre Wangen herunter.
Pl├Âtzlich ein Ger├Ąusch, der Aufzug setzte sich wieder in Bewegung. 2,1,E Ping. Die T├╝r ├Âffnete sich. Frau Haack, da sind sie ja wieder, war doch gar nicht so schlimm oder? Sie haben das prima gemacht, viel besser als letzte Woche. Das macht dann 120 Euro f├╝r die heute Stunde Konfrontationstherapie.

Mein Name ist Hanna und ich bin klaustrophobisch.

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steyrer
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2009

Werke: 15
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Also, ich mach keine Umst├Ąnde und fang gleich an:

Du springst direkt in die Handlung. Der Text ist auf das N├Âtigste reduziert und die Verzweiflung der Hauptperson ist direkt greifbar. Sehr gut! Die Schlusspointe ist ... hm, na ja ... ein komischer Effekt, aber therapeutische Behandlung ist nicht besonders originell, vielleicht f├Ąllt dir noch was besseres ein?

Der Kommentar ganz am Ende ist ├╝berfl├╝ssig. Mit solchen Erkl├Ąrungen verdirbt man alles.

Sch├Âne Gr├╝├če
steyrer

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Spaetschreiber
???
Registriert: Sep 2009

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Hallo Lift, Willkommen unter der Lupe.

Ein sch├Ânes Einstiegswerk hast Du hier hingelegt. Respekt!
Auch ich w├╝rde den Nachsatz weglassen. Er ist nicht n├Âtig.
Vielleicht denkst Du auch noch einmal ├╝ber die 120 Euro nach.

Alles andere hat mir ganz gut gefallen und ich hab nix zu meckern.
Sch├Ân, dass Du hier bist.

Tom
__________________
Nur ein mittelm├Ą├čiger Literat ist immer in H├Âchstform. (W.S. Maugham)

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Chrisch
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2009

Werke: 23
Kommentare: 75
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Hallo Linde,

mich meinen Vorrednern anschlie├čend, m├Âchte ich aber doch noch Einiges anmerken.

quote:
Die halbvolle Flasche Rotwein, die aus der sie eben heimlich auf der Toilette getrunken hatte, beruhigte ihre zitternde Hand. Unruhig las...
Etwas ungl├╝cklich, die unruhige Ruhe.
quote:
Leicht schwankend stieg sie ein und dr├╝ckte den Knopf ins Erdgeschoss, 6 Etagen unter ihr
Jeder wei├č, was gemeint ist, aber sprachlich ist das grausig. Niemand kann einen Knopf vom 6. ins Erdgeschoss dr├╝cken, "ins" durch "f├╝rs" ersetzen, w├Ąre das Minimum. "solides" Aluminium? Alu scheint mir wenig solide zu sein, vielleicht durch "Metall" ersetzen?
Sie ist eben von der Toilette gekommen, hat sie sich nicht ges├Ąubert, dass sie nach Urin stinkt, und warum dr├╝ckt dann ihre Blase schmerzhaft? "Schwaz-wei├če" Sterne sind wie schwarzwei├če Schimmel-Rappen, da wirkt ein kleines Und manchmal Wunder.

Gr├╝├če
Chrisch
__________________
"ist wie Schach, nur ohne W├╝rfel" Lukas Podolski

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