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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Löffelreiter
Eingestellt am 11. 07. 2003 14:06


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faker
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2003

Werke: 2
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Hallo,

die nachfolgende Kurzgeschichte ist nicht meine erste, wohl aber Inhalt meines ersten Beitrages in der Leselupe. Ich würde mich sehr über konstruktive Resonanz freuen, möchte aber noch dazu sagen, dass ich meine Werke größtenteils als \"geistigen Dünnschiss\" betrachte und mich selbst nicht all zu ernst nehme. Das Schreiben ist für mich auch Unterhaltung.
Wer einen Sinn im nachfolgenden Text zu erkennen glaubt, darf ihn mir gern mitteilen.

Viel Spaß


Der Löffelreiter

Ich ritt auf einem Löffel durch die Pampa. Das Gras wellte sich sanft, doch mit gewisser Strenge vor mir wie ein großer See. Es glich dem Problem mit dem Horizont: jedesmal wenn ich glaubte, in dem See zu stehen, befand ich mich doch immer noch am Ufer.
Mein Löffel leuchtete wunderschön in der südamerikanischen Sommersonne, man merkte, dass Weihnachten näher rückte, so wie die Insekten unter mir ihre Stimmen auf lateinische Lobesgesänge trimmten. Ich stimmte in ihre Proben ein, indem ich meinen Löffel rhythmisch mit den Fingern traktierte.
Unten in Feuerland war es zugig gewesen, und so hatte ich beschlossen, wärmere Gefilde aufzusuchen; doch wenn es mich überkam - und es hatte mich nach Stunden des schnellen Galopps überkommen - verwarf ich meine Entschlüsse oder fsste sie gar weiter. Nun war die Baffin Bay mein vorläufiges Ziel.
Ich war noch keinen Tag geritten, da traf ich einen kleinen Glatzkopf, der, nur mit einer grauen Kutte bekleidet, in dem hohen Gras kniete, und fragte den Mann vom Löffel herunter, was er hier mache und welche Absicht er mit seinem Tun verfolge. Er sagte, ohne seine Verbeugungen abzubrechen, dass er die Hausaufgaben erledige, die ihm sein Meister aufgegeben hatte. Worin diese Aufgaben bestünden, außer der offensichtlichen Selbstgeißelung, fragte ich. Einer grasfleckigen Katharsis diene sein Gebahren, die Korruption wolle er damit aus seinem Verfehlungs-Pool vertreiben. Als ich mich nach seinem Meister erkundigte, deutete er nur nach Norden, meine Richtung. Er entegnete nichts auf meine Abschiedsworte, sondern gab sich wieder ganz seinen Dehnungen hin.
Und also setzte ich meinen Weg fort, bis ich nach einer Weile eine Wellblechhütte erreichte, auf deren Flachdach ein Mann in Badehose und Sandalen, auf einem Liegestuhl sich räkelnd, ein Sonnenbad nahm. Zudem klang Rockmusik aus den Kopfhörern eines Walkmans und auch die Sonnenbrille verhalf dem guten Mann nicht, meiner gewahr zu werden. Ich zog einen Aluminiumkamm aus der Tasche meiner Bermudahose und schleuderte ihn mit einiger Zielsicherheit gegen des Faulenzenden Kopf. Davon aufgeschreckt, ruderte er mit den Armen in der Luft, kippte in seinem Stuhl um und fiel von der Hütte. Garstig fluchend rappelte er sich auf, trat an mich heran und einmal kräftig in mein Schienbein. Er nannte mich einen Materialfaschisten, worauf ich ihn fragte, ob er der Meister des Beugers im Süden wäre, was er nach einem argwöhnischen Blick auf meine Nasenwurzel bejahte. Ob ich nicht auch nach Reinigung suche, wollte er wissen. Ich rang mir ein Lächeln ab und ritt weiter.

Ende.
__________________
Warum überquerte das Huhn die Straße?
Hemingway: "Um zu sterben. Im Regen."

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kauz
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2003

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semantisch-orthodoxer Neodivergentialismus

Sei gegrüsst, faker.

Ich las Deine kleine Geschichte mehrere Male aufmerksam und mir fiel einiges auf, das ich nun niderzuschreiben gedenke.
Zuerst zum Titel. Dieser in Verbindung mit dem Geschriebenen lässt mich eine Parallele zu Franz Kafkas "Der Kübelreiter" ziehen, sowohl, was den Titel an sich als auch den Versuch des Erzeugens eines kafkaesk-grotesken Moments angeht. Liege ich mit meiner Vermutung richtig?
Desweiteren muss ich an Deiner Geschichte und an Dir selbst das sehr hohe Mass an Allgemeinwissen, Eloquenz und semantischem Verständnis bewundern. Du verstehst es, stilistische Mittel an der richtigen Stelle und in angemessenem Masse anzuwenden.
In diesem Zusammenhang lässt Dein ausgereifter Stil auch mehrer Interpretationsmöglichkeiten zu. Du wechselst oft zwischen vollster Ernsthaftigkeit, leichter und derber Ironie und Nonsens.
Gewisse Ausdrücke, beispielsweise der - gut gewählte - Neologismus "Verfehlungs-Pool" ist ein gutes Beispiel für diese Doppelgesichtigkeit Deiner Kurzgeschichte: Oberflächlich klingt dieser Begriff belustigt, ironisch, vielleicht sogar verhöhnend. Tiefer gehend und in Kontext zur gesamten Situation gesetzt, ergibt sich jedoch ein anderes Bild; die offensichtliche Sinnlosigkeit des Handelns des Kahlkopfes und die gleichzeitige totale Andersartigkeit des "Meisters" und dessen gänzlich unreligiöses Verhalten sind eine klare und - persönlich gesehen - durchaus berechtigte Kritik an jeglicher Art religiösen Dogmatismus'.
Diese von mir nur an einem Beispiel erläuterte Doppelsinnigkeit und in oberflächlich trivialen bzw sinnlos scheinenden Zusammenwürfelungen von Ereignissen gebettete philosophische und kritische Aussage lässt mich in Dir wahrlich einen Meister der intellektuellen Gesellschaftsassoziation heranreifen sehen.

Bitte mehr davon.

kauz
__________________
Flamme bin ich sicher nicht!

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glasperlenspielerin
???
Registriert: Jun 2003

Werke: 40
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hi,
???
ein cowboy auf einem löffel, mit dem er bei bedarf "löffelt", was auch immer? oder mit seinem LÖFFELbagger die bahn frei macht? oder bei bedarf anderen eins auf die LÖFFEL gibt? damit diese u.u. den LÖFFEL abgeben? *fg*
oder revolution des zum däumling geschrumpft "che" riding on the LÖFFEL, der mit aluminiumkämmen für den sturz des systems (meisters des beugens) sorgt?
witzig! - absurdistan lässt grüßen!
so long



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faker
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2003

Werke: 2
Kommentare: 2
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Hallo Kauz,

danke für deine vollmundige Antwort, die (wie mir aus erster Hand versichert wurde) ernstgemeint war. Sowas baut auf.

Und natürlich hallo, Glasperlenspielerin,

sehr amüsante Interpretationsansätze, auf die ich selbst noch nicht gekommen bin. Man lernt eben immer dazu.
Nun, ein Bezug zu pseudorevolutionärem Gedankengut liegt mir fern... meine Abscheu vor dem Che-Rucksackaufnäher-Trend verbietet mir derlei (ernstgemeinte) literarische Assoziationen in meinen Werken zu knüpfen.
Aber ja, eine gewisse antikultische Haltung (welcher Kult auch immer - ob religiös, politisch etc.) wollte ich durchaus zum Ausdruck bringen.
Aber die größte Bestätigung geben mir die Worte "witzig" und "Absurdistan". Das war mein Hauptanliegen.

Grüße

Faker
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Warum überquerte das Huhn die Straße?
Hemingway: "Um zu sterben. Im Regen."

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