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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Maler
Eingestellt am 20. 01. 2002 12:24


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anemone
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Caruso liebte es, durch die Welt zu tingeln und sich mit gelegentlichen Malereien durchs Leben zu schlagen. Er war ein freier Mann und als solcher gab es auch keine Verpflichtungen fĂŒr ihn.

Frau und Kinder, das waren allenfalls seine Kunden, wenn er am Monte Matre vor seiner Staffelei saß und mit ausholenden Bewegungen die hĂŒbschen Kleinen durch seine Kohlezeichnungen aufs Papier brachte. Doch diesmal war alles anders!

Er kratzte sich am Bart, als dieser außergewöhnliche Vorschlag von Madam kam: Sie wĂŒnschte eine Zeichnung in ihrer hĂ€uslichen Umgebung. -Wozu das?-, ging es ihm durch den Kopf und er betrachtete sich sein GegenĂŒber etwas genauer. Es war nicht ĂŒbel, was sich da vor ihm zeigte. Madam hatte einen der modernen cremfarbenen HĂŒte auf ihrem hĂŒbschen dunkelgelockten Kopf. Passend dazu einen der zur Zeit sehr in Mode befindlichen Sonnenschirme, natĂŒrlich ebenfalls cremfarben, sowie ihr bis auf den Boden reichendes Sommerkleid mit abschließenden RĂŒschen. Sie hielt ein wohl gepflegtes Kind an ihrer freien Hand und erweckte den Eindruck, dass es ihr ernst war, mit diesem Vorschlag.
„Das wird nicht billig sein, Madame!“ gab Caruso ihr zu verstehen.

„Das spielt keine Rolle!“ kommentierte die Dame und drĂŒckte Caruso einzig eine Karte mit ihrer Adresse in die Hand. „Bitte nehmen Sie sich die Zeit!“ gab sie mit zarter Stimme von sich. Caruso wollte noch einiges fragen, aber da war sie schon mit ihrem Kind in der Menschenmasse untergetaucht.
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anemone
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Folge 2

Eine vornehme Gegend, in der Madame wohnte und so war Caruso auch nicht verwundert, als ihm ein Butler die TĂŒre öffnete. Man bat ihn herein. Caruso schaute sich die GemĂ€lde an den WĂ€nden an. Es waren allesamt wertvolle StĂŒcke. Schon bald tauchte Madame auf, die so tat, als hĂ€tte sie ihn erwartet.

Sie möchte ein GemĂ€lde in Öl von ihm, sie möchte auf der Chaiselongue fĂŒr ihn posieren. Diese Dame fragte erst gar nicht, ob er ĂŒberhaupt Ölfarbe verwendete. Sie entkleidete sich und legte sich in ihren Spitzenunterkleidern auf dem MöbelstĂŒck zurecht.

Bisher kam Caruso kaum dazu, einige Worte mit ihr zu reden, denn sie schien alles bis ins kleinste geplant zu haben.

Doch jetzt musste sie sich entspannen. Er bat sie, das Kinn etwas zu heben und sie folgte artig seinen Anweisungen. So war es ihm schon lieber, jetzt war er an der Reihe. Sein Leinen nahm allmÀhlich Gestalt an.

Die Pose in der sie nun schon geraume Zeit verharrte gebat ihr jetzt eine Zwischenpause. Sie wisperte ihm durch die ZĂ€hne ihren Wunsch zu, rĂŒckte zur Seite und ließ durch den Butler einen Tee servieren. Madame lief immer noch selbstsicher in ihrer SpitzenunterwĂ€sche, wobei die Hose ihr bis zum Knie reichte, umher und dachte nicht im Entferntesten daran, sich wĂ€hrend der Pause anzukleiden. Sie bewegte sich wie selbstverstĂ€ndlich und schenkte ihrem GegenĂŒber einen Tee ein, der seiner Muse dabei ungeniert in den Ausschnitt schaute.

Sie bot ihrem Maler das „Du“ an. Ihr Name war Victoria. Der Name gefiel ihm. Caruso versuchte vorsichtig herauszufinden, was es mit der Dame auf sich hatte. Er erkundigte sich nach dem Kind, welches sie kĂŒrzlich an ihrer Hand hielt. Es war das Töchterchen ihres Bruders und sie hĂ€tte es sich nur fĂŒr einen Tag ausgeliehen, um mit ihm einen Maler fĂŒr sich zu suchen.

Das leuchtete Caruso wohl ein, doch es schien ihm weniger eine Talent- als eine Personensuche gewesen zu sein. Caruso brachte ihren Mann ins Spiel. Er war ein angesehener Kaufmann, sie waren bereits 8 Jahre miteinander verheiratet. „Und immer noch keine Kinder?“ wagte Caruso sie im Scherz zu fragen. Jedoch da schien er einen wunden Punkt berĂŒhrt zu haben.

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anemone
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Der Maler 3

Victoria wechselte sehr schnell das GesprĂ€chsthema und schenkte ihren Gast noch einen Tee ein. Er konnte es ja nicht wissen, aber sie hatte sich ihn tatsĂ€chlich als Samenspender ausgesucht. So wie er sollte ihr kĂŒnftiger Nachkomme aussehen. Er sah nicht unbedingt ihrem Mann Ă€hnlich, jedoch auch er hatte dunkles Haar und Tatsache war nun mal, dass es mit dem Nachwuchs bei ihnen nicht klappte.

Das wurde ihr vom Arzt bestÀtigt, der auch ihren Mann bereits eingehend unter die Lupe genommen hatte. Ja, es lag wohl an ihm und das war ihm bekannt. Den Vorschlag des Arztes, ihr Samen aus dem Reagenzglas einzupflanzen lehnte sie ab.

Sie hatte lange darĂŒber nachgedacht und auch mit ihrem Partner darĂŒber geredet. Ihr Entschluss stand fest: Sie wollte die Sache selber in die Hand nehmen!

Caruso begab sich wieder hinter seine Staffelei. WĂ€hrend er einige Ölfarben mischte, betrachtete er sein Modell aus der Ferne. Sie lag bequem, denn er hatte mit der FortfĂŒhrung seiner Arbeit noch nicht begonnen.

Sie war nicht eine von diesen ĂŒblichen Damen, mit denen man nach kurzer Zeit schon auf TuchfĂŒhlung ging. Sie schien ihm fĂŒr solche primitiven Spielchen zu besonnen, zu ĂŒberlegt zu sein. Doch eins stand fĂŒr ihn fest: Victoria wusste genau, was sie wollte und es war nicht das Bild. Das schien fĂŒr sie nur ein Vorwand zu sein, sie wollte ihn.

Victoria hatte in den 8 Jahren ihrer Ehe immer ein sehr gutes VerhÀltnis zu ihrem Partner gehabt. Er war als Kaufmann ein angesehener Mann in der Stadt und achtete auf seinen guten Ruf. Bisher hatten sie keine Geheimnisse voreinander, aber diese Sache wollte sie jetzt ohne ihn, im Alleingang durchziehen. Nach Möglichkeit sollte keiner von ihnen etwas erfahren.

Victoria rĂ€kelte sich auf der Chaiselongue und plauderte munter darauf los. Sie wusste es noch nicht, wie sie es anstellen sollte, denn dieser Maler schien weiblichen Reizen nicht so leicht zu verfallen, wie sie es erwartet hatte. -Vermutlich abgebrĂŒht- dachte sich Victoria, aber das Bild war auch noch lange nicht fertig.

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flammarion
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nun,

ist die geschichte hier zu ende oder erfahren wir noch, daß caruso schwul ist? oder wird es noch so richtig dramatisch? fragend guckt
__________________
Old Icke

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anemone
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hallo Marion,

stimmt, zu Ende ist es noch nicht, lege mal eine schöpferische Pause ein. Ab nÀchste Woche kann`s dann wieder losgehn.


Wenn die Wahrheit zu schwach ist, sich zu verteidigen,
muss sie zum Angriff ĂŒbergehen.(Berthold Brecht)

liebe GrĂŒĂŸe
anemone

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anemone
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Der Maler 4

Caruso blieb aus. Das Wetter schien wunderbar in der letzten Zeit und er hatte am Monte Matre genĂŒgend Kundschaft. Victoria wurde ungeduldig, ihr Eisprung war erfolgt und sie brauchte dringend ihren Samenspender. Schon wieder erschien sie bei Caruso mit diesem MĂ€dchen an der Hand. Caruso war beschĂ€ftigt und schaute kurz zu ihr hinĂŒber. Victoria entging dieser flĂŒchtige Blick nicht und es machte sie nervös. Sie hatte keine Zeit fĂŒr irgendwelche Spielchen und ihre Stimme klang weniger freundlich, als sie Caruso an die heimische Malerei bat.

„Eilt es denn so?“ wollte Caruso von ihr wissen. „Ich dachte, bei dem herrlichen Wetter, werde ich hier meiner Kunst frönen, wĂ€hrend ich an Schlechtwettertagen ......“. weiter kam er nicht, denn er wurde von Victoria in seiner Rede unterbrochen. „Ich werde ihnen das Doppelte zahlen!“ Sie schien es sehr eilig zu haben.

„Morgen nachmittag!“ versuchte Caruso, doch sie bestimmte: „Jetzt gleich! Mein Wagen steht unten, ich möchte sie abholen.!“ Sie erlaubte ihm noch sein begonnenes Bild zu vervollstĂ€ndigen, beachtete das vor ihm sitzende Modell in keinster Weise, blickte auf ihre Armbanduhr und fragte ihn, wie lange es noch dauern wĂŒrde. In einer halben Stunde wĂ€re er soweit, dann solle sie ihn abholen.

TatsĂ€chlich stand Victoria pĂŒnktlich vor ihm, als er noch mit dem kassieren beschĂ€ftigt war.
Sie wirkte sehr nervös und er wĂŒrde sich wundern, wenn da kein anderer Grund vorliegen wĂŒrde, als dieses PortrĂ€t von ihr. Na, Caruso folgte ihr. Gerne hĂ€tte er sie unterwegs gefragt, warum die Sache jetzt so eine Eile hĂ€tte, denn sie liefen noch gemeinsam mit dem Kind den Berg hinunter. Doch Victoria war immer einen Schritt voraus, sie trug auch nicht die Staffelei und die Farben, so wie er und hĂŒpfte leichtfĂŒĂŸig voran.

Der Chauffeur fuhr heran und brachte sie, nachdem er die Staffelei verstaut hatte, auf dem direkten Weg zu ihrem Anwesen. Das Kind sollte von ihm hinterher gleich zurĂŒckgefahren werden.

Victoria schien sehr in Gedanken zu sein, denn Carusos Frage nach dem warum schien sie völlig ĂŒberhört zu haben. Die KĂŒche erhielt von ihr die Anweisung, ein leckeres Mahl zu servieren und sie setzte sich mit Caruso an den Esstisch.

Die Serviette wanderte in ihren HĂ€nden von links nach rechts und umgekehrt und in Carusos Kopf schlug die Alarmglocke.


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