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Leselupe.de > Humor und Satire
Der Manager der Zukunft
Eingestellt am 14. 06. 2003 14:54


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Friede
Leere-Blätter-Hasser
Registriert: May 2003

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Frank Heimann kommt!

Ja, wir hatten es alle geahnt: Die Umsatzerlöse 2002 vor Steuern hatten die Gesellschafter, mit Sitz auf den Kaiman Inseln, alles andere als glücklich gestimmt. Da waren zum Einen die viel zu hohen Personalkosten, Krankenstände und Fehlzeiten sowie willkürlich festgesetzte Gleitzeiten in der Aquiseabteilung. Und dann war da noch die teure Weihnachtsfeier im benachbarten Ausland gewesen. Zu allem Überfluss hatten sich die Assistenten der Geschäftsleitung auch noch den unerhörten Luxus geleistet, gleich eine komplette eigene Band auf Welttournee zu schicken. Das trieb den Gesellschaftern wahrhaftig das Pipi in die Augen! Von den hohen Zusatzkosten durch Packfehler wollten sie gar nicht mehr reden.

Deshalb kam der nächtliche Anruf des Geschäftsführers und Erfüllungsgehilfen der Inhaber, Dr. J., an seine Assistenten, den Imperator und mich, auch nicht unerwartet. Die wichtigsten Dinge wurden gleich auch telefonisch abklärt. Die Zauberformel hieß: Umstrukturierung des ganzen Betriebes.

Mit sofortiger Wirkung wurde die Aquiseabteilung geschlossen. Gleitzeiten konnten nun zu Hause verbracht werden. Ăśberstunden Ausgleich war dafĂĽr nicht vorgesehen.

Sämtliche Praktikanten hatten Ihre Arbeit ab sofort unentgeltlich auszuüben.

Dr. J. jammerte, dass er kein Firmenfahrzeug mehr gestellt bekäme, und nun per Bahn seinen Verpflichtungen nachkommen müsse. Noch schlimmer war aber, dass er nun nur noch mit Mitfahrerrabatt reisen dürfte, und deshalb am Bahnhof immer fremde Leute anquatschen müsste. Den Assistenten der Geschäftsleitung wurde als einziges Dienstfahrzeug der klapprige Ford Transit gewährt, mit der Argumentation: „Das hat doppelten Nutzen, denn wir können damit auch noch weiteren Müll transportieren.“

Das waren aber nur die SofortmaĂźnahmen gewesen. Es sollte mittelfristig noch viel schlimmer kommen: Frank Heimann! Schon alleine der ausgesprochene Name dieses Mannes lieĂź alle, wirklich alle, in der Firma erzittern.

„ Bitte nicht schon wieder Der!“ sagte der ehemalige Azubi und jetziger stellvertretender Verkaufsleiter Patrick B. Ihm standen dabei die Tränen in den Augen, denn er dachte mit Schrecken daran wie er in den Anfangsjahren seiner Ausbildung unter diesem Mann gelitten hatte. Auch Markus F. , Azubi im 3ten Lehrjahr konnte sich noch recht gut an die wenigen, aber schikanösen Auftritte, von Heimann erinnern.

Und schon ging es los, Frank Heimann, war noch nicht einmal in der Firma gewesen, doch sein Urteil war bereits gefällt:

Patrick S., Verkaufsleiter, sollte zunächst erst mal auf unbestimmte Zeit in Urlaub gehen. Seine Position würde Heiman mit einem Halbtagsjob 3 x die Woche erledigen, denn er habe ja auch noch zu arbeiten. Widerspruch gegen diese Entscheidung, so Heimann , könnte der Dösel ja dann vor dem zuständigen Arbeitsgericht einreichen. Er, Heimann, sei jedenfalls der Meinung, dass die Firma solche Bürokratentypen und Wasserköpfe bei der derzeitigen Schieflage des Unternehmens nicht bräuchte und er diese Person, wenn er dann am nächsten Montag käme, nicht mehr vorzufinden wünsche.

Die Buchhaltung, ja auch das war ein Spezialgebiet Heimann´s: Frau Angela S., derzeit 3 mal die Woche anwesend, sollte durch eine wesentlich billigere Arbeitskraft (männlich) oder eine Zeitarbeitsfirma ersetzt werden. Buchhaltung würde er auch zur Not noch an einem Samstagvormittag 1 x im Monat selbst erledigen. Zitat: „Die Kosten für Frau S. sind dem Unternehmen in der jetzigen wirtschaftlichen Phase, auch unter Berücksichtigung der politischen Situation im Allgemeinen und der des Dosenpfandes im Besonderen nicht länger zumutbar! Punkt, Basta – Ende der Diskussion!“

Natürlich ist Heimann auch staatlich geprüfter Ausbilder. Er sei 1949, zu Gründungszeit der Bundesrepublik Deutschland, mehrfach mit dem internationalen Peis „Ausbilder des Jahres 1949“ ausgezeichnet worden.
Heimann wörtlich: „Ich betrachte es als meine ureigenste Berufung aus diesen unfertigen Halbmenschen und Weicheiern (gemeint sind hier Lehrlinge und Praktikanten) ganze Männer, die mit beiden Beinen fest im Wirtschaftsleben stehen, zu formen!“
Frauen spielen in den Ausbildungsplänen Heimann´s keine Rolle: „ Der Platz des Weibes ist in Haus und Hof oder in der Küche. Schon bei der Kindererziehung sind sie überfordert und ziehen nur verweichlichte, aufgedunsene Muttersöhnchen und Warmduscher heran! Allenfalls ist Ihr Platz noch im Bett, denn ich bin ja nicht schwul!“ Bei dem Wort „schwul“ fängt er regelmäßig an, laut zu lachen.

Heimann ist der Meinung ein Unternehmen muss hierarchisch gegliedert sein: Zuerst kommt er, Heimann, dann lange nichts, dann die Büroleute (für Ihn: Hohle Birnen, die nur nach seiner Anweisung arbeiten können), dann wieder lange nichts, dann Lehrlinge, die bereits mehr als 2 Jahre im Betrieb gedient haben. Zu untersten Kategorie in seinem Weltbild gehören jedoch Praktikanten.
Zu dieser Spezies Mensch hat immer ein paar kernige Aussprüche parat: „Ein Praktikant steht für mich in der wirtschaftlichen Werteskala eines Unternehmens ganz tief unten.“ Dass das wirklich so ist, zeigt er gerne an einigen Beispielen aus der Betriebspraxis auf:

„Stellen Sie sich mal vor, meine Herren, (Frauen spricht er grundsätzlich nicht mit an, außer wenn er morgens gerne eine Tasse schwarzen Kaffe für Einzelkämpfer hätte.) Da kommt so ein unterbelichteter Hinterwäldler in Ihren Betrieb und hat von Tuten und Blasen (bei dem Wort „Blasen“, fängt er üblicherweise an zu lachen) nicht die geringste Ahnung. Und der soll bei Ihnen, meine Herren, arbeiten? Das ich da nicht lache! Der arbeitet doch nicht, sondern der schaukelt sich auf Ihre Kosten, meine Herren, AUF IHRE KOSTEN, die Eier!“

Lageristen zählen für Heimann zu den Menschen, die beim Zählen von 1 – 3 bei 2,5 stehen geblieben sind, und selbst dabei noch die Hände zu Hilfe nehmen mussten: „Ich sage, Leider, leider gibt es solche Menschen, und wir, meine Herren, die geistige Elite, muss damit leben. Wir sollten jedoch den gesellschaftlichen Kontakt zu dieser Randgruppe auf ein Minimum beschränken.“

Aber auch an der Kompetenz der Assistenz der Geschäftsleitung hat Heimann seine Zweifel: „Es kann nicht angehen, dass hier die Rechnungen pünktlich bezahlt werden. Wir werden sofort eigene Zahlungsbedingungen erstellen, Herr M., in denen eine 60 tägige Valuta für alle Lieferanten festgeschrieben wird. Nach Ablauf der Frist werden wir unter Abzug von 5% Liquiditätsbonus zahlen! Leiten Sie das ein!“

Löhne sollen, wenn es nach Heimann geht, abschlagsweise bezahlt werden: „Ich schlage vor wir zahlen zukünftig 50% des Gehaltes zwischen dem 1 und dem 5. eines jeden Monats aus. Die Restzahlung erfolgt dann, abhängig von den wirtschaftlichen Gegebenheiten, zwischen dem 18. und dem 23. eines jeden Monats. Bei den Sozialabgaben verweisen wir auf das Rabattgesetz!“

Heimann beherrscht auch den Export / Import wie aus dem effeff. Er spricht flieĂźend und ohne Akzent, englisch, deutsch, tĂĽrkisch, arabisch, portugiesisch und spanisch!

Die Erschließung neuer Vertriebspartner in diesen Regionen hat daher für Ihn höchste Priorität: „Herr W., Ich sehe es geradezu als lebenswichtig für unser Unternehmen an, dass wir auch in Hinsicht auf den geplanten EU Beitritt der Türkei, diesen Wirtschaftsraum für unser Unternehmen erschließen, und intensiv bearbeiten. Ich fordere Sie deshalb umgehend auf, einen Sprachkurs: „Türkisch für Deutsche Mitbürger“ an einem geeigneten Institut zu besuchen. Die Kosten tragen natürlich Sie selbst.„

Schon aus diesem kurzen Profil, dass ich hier von Heimann gezeichnet habe, geht klar hervor wie wichtig solche engagierten und weitsichtigen Manager fĂĽr die heutige Wirtschaftswelt, auch unter dem Aspekt der immer weiter ĂĽbergreifenden Globalisierung, sind.

Nur zu verständlich ist deshalb der Einsatz dieser modernen und fachlich kompetenten Führungskräfte durch die Gesellschafter auf den Kaiman Inseln.





Wir erwarten also mit Spannung die Ankunft des Frank Heimann.......




... und wenn er kommt, dann laufen wir!


F.-K. Weide (letztes Wochenende vor Frank Heimann)








__________________
Gruss
Friede

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
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Nicht schlecht

Fragen: Ist das als Brief gedacht? So als Anschreiben von oben? Leidest Du (wie ich, ĂĽbrigens) unter dem Praktikantendasein?

<F.-K. Weide (letztes Wochenende vor Frank Heimann)> dies fand ich besonders gelungen, sowie die Lacher von Heimann, die eher als Aufschreie eines Kastraten durchgehen könnten.

MFG, Rocco

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Friede
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Frank Heimann

Hallo,

danke fĂĽr Deine Antwort. Diese Geschichte ist in unserer Firma aus dem Grund entstanden, dass ich einem Praktikanten mal aufzeigen wollte, wie es in der harten Arbeitswelt abgeht... . Den Kastraten hast Du schon richtig erkannt.
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Gruss
Friede

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Gorgonski
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Also

bist du kein Praktikus, sondern gibst den Druck nur (schriftlich) weiter.

MfG, Rocco
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Friede
Leere-Blätter-Hasser
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Frank Heimann

Ja, aber sonst ist es bei uns ganz lustig, viel Druck gibt es eh nicht.
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Gruss
Friede

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