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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Der Mann, der seinen Mops liebte
Eingestellt am 30. 11. 2015 22:48


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Necro
Festzeitungsschreiber
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Der Mann, der seinen Mops liebte

ÔÇ×Es bleibt uns keine andere WahlÔÇť. Der knapp 40-J├Ąhrige schaute mir traurig ins Gesicht, doch man musste nicht besonders scharfsinnig sein um ihm anzusehen, dass ihm das Ganze eigentlich v├Âllig egal war. Er hatte gr├Â├čere Sorgen als einen alten Mann und seinen Hund und ich konnte es ihm nicht verdenken. Wen interessierte schon die Tatsache, dass ein Mops, der bereits 15 Jahre auf dem Buckel hatte, was eine recht lange Zeit f├╝r einen Mops ist, nun nicht mehr sein w├╝rde? Wem w├╝rde das fr├Âhliche Bellen beim Klingeln der T├╝r fehlen? Wem die stundenlangen Spazierg├Ąnge durch s├Ąmtliche Parks der Stadt und das freudige Tapsen der kleinen Pfoten ├╝ber die Kieswege? Niemandem nat├╝rlich. Au├čer mir. Niemand kannte Jack au├čer mir. Nicht mal meine Tochter wusste von ihm. Ich hatte nie viel von Menschen gehalten, hatte tierische Gesellschaft vorgezogen. Ich hatte es irgendwie geschafft 15 Jahre ohne jegliche Freunde au├čer meinem Hund auszuhalten. Wobei ÔÇ×mein HundÔÇť bei uns wohl nicht der richtige Ausdruck war. Jack war f├╝r mich schon immer mehr gewesen als blo├č ein Haustier. Von dem Moment an als ich ihn im Tierheim gesehen hatte, herrschte zwischen uns beiden eine Art seelische Verbindung. Und ihr k├Ânnt mir noch so oft erz├Ąhlen, dass Tiere nicht so denken und f├╝hlen wie wir Menschen, Jack war sich dieser Verbindung ebenso bewusst wie ich. Aber das war im Endeffekt doch bedeutungslos. Die Zeit nagt an allem, solange bis sie es frisst. Und Jack war nun Futter. Wie alle M├Âpse hatte er schon immer schwere Atemprobleme. Sie waren nun mal das Ergebnis menschlichen Perfektionismus, frei nach dem Motto ÔÇ×Wer sch├Ân sein will muss leidenÔÇť, sein Leben lang, selbst wenn er gar nicht sch├Ân sein will, sondern wir nur ein sch├Ânes Scho├čh├╝ndchen haben wollen. Grausam. Manche k├Ânnten es unmenschlich nennen. Ich w├╝nschte das w├Ąre gerechtfertigt, aber leider sind nun mal genau solche Dinge menschlich. Aber ich schweife ab. Fakt ist jedenfalls, dass er sein ganzes Leben in Leiden verbringen musste und diese wurden mit zunehmendem Alter nat├╝rlich nicht weniger. Jack begann immer weniger herumzutollen, war kaum noch so ausgelassen wie fr├╝her. Meist trottete er bei den Spazierg├Ąngen nur noch hinterher, bei denen er fr├╝her vorgerannt und um mich herumgesprungen war, um mich zur Eile anzutreiben. Schlie├člich beschloss ich nach mehreren Tierarztbesuchen, die alle dasselbe ergaben, dass ich es nicht mit mir verantworten k├Ânne, wenn das so weiterging. Denn alle Tier├Ąrzte sagten folgendes: ÔÇ×Das arme Tier leidet nur noch. Sie sollten ernsthaft dar├╝ber nachdenken es einschl├Ąfern zu lassenÔÇť. Wer k├Ânnte schon damit leben, wenn der einzige Freund, den man sein ganzes Leben ├╝ber hatte, jeden Tag schreckliche Qualen erleiden musste? Qualen, au├čerhalb unserer Vorstellungskraft, viel schlimmer, als die, die mein Vater versp├╝rte bevor er an Altersschw├Ąche starb. Denn er konnte zumindest atmen. Und dann die Panik. Das kennt ja jeder, wenn man keine oder nur kaum Luft kriegt, selbst wenn das nur kurz der Fall ist, bekommt einen leichten Panikanfall. Oder gew├Âhnte man sich nach einiger Zeit an das kaum Luft kriegen? Eigentlich eine noch viel schlimmere Vorstellung. Und so gab es f├╝r mich am Ende nur eine klare M├Âglichkeit, egal wie sehr es schmerzte Abschied zu nehmen. Denn alles andere schmerzte nur noch schlimmer. Womit wir wieder am Anfang w├Ąren. ÔÇ×Tun Sie esÔÇť. Meine Stimme brach noch w├Ąhrend mir die Worte ├╝ber die Lippen kamen und Tr├Ąnen rannen meine Wangen hinunter. Ich hatte so leise gesprochen, es kaum ├╝ber mich gebracht, dass ich fast sicher war, dass der Arzt mich nicht geh├Ârt hatte. Aber er verstand. Langsam senkte er die Nadel einer Spritze an Jacks d├╝nnes Fell. Ich strich noch einmal dar├╝ber. ÔÇ×Und er wird wirklich auf keinen Fall leiden?ÔÇť. Der Arzt sch├╝ttelte den Kopf. ÔÇ×Das Tier sp├╝rt den Eintritt des Todes nicht. Ihm wird ein Narkosemittel in einer ├ťberdosis verabreicht. Es schl├Ąft ein und in der Narkose wirkt die ├ťberdosis und sorgt f├╝r einen Herzstillstand. Den bemerkt es nicht. Keine SorgeÔÇť. Leichter gesagt als getan. Zitternd beobachtete ich wie sich die Nadel sanft in das Fleisch des kleinen Hund bohrte. Noch atmete er und schaute mich an. Doch in seinem Blick schien etwas Wissendes zu liegen. Als w├╝sste er, dass er nun sanft in den ewigen Schlaf ├╝bergehen w├╝rde und als sei er erleichtert. Die Fl├╝ssigkeit in der Spritze verschwand im Inneren des Hundes. Dieser sank einfach in sich zusammen. Das war Alles. So ging das Beste, das einzig Gute was in meinem Leben je passiert war von uns. Doch ich war nicht traurig. Auch nicht gl├╝cklich oder erleichtert, dass er so schmerzfrei gehen durfte. Ich f├╝hlte nichts. Mein Kopf war einfach leer. Ich hatte keine ├ängste und Sorgen mehr, dachte an nichts. Fast h├Ątte ich den Arzt gebeten mir die Spritze ebenfalls zu verpassen. Um Jack zu folgen, wo auch immer er nun hin reiste. Angst davor hatte ich nicht. Der Arzt ├╝berreichte mir den leblosen Hundek├Ârper und ich schmiegte mich noch einmal an ihn, vergrub mein Gesicht in seinem Fell wie ich es schon so oft getan hatte. Und dann kamen sie. Die Tr├Ąnen. Flossen meine Wangen herunter und befeuchteten das Fell meines einzigen Freundes, der immer so treu zu mir gehalten hatte. Und pl├Âtzlich konnte ich mich kaum noch halten. Immer mehr und mehr Tr├Ąnen flossen aus meinen Augen in das weiche Fell vor meinem Gesicht. Irgendjemand leitete mich zu einem Stuhl und ich setzte mich, eine weiche Stimmer redete auf mich ein, alles sei gut, er sei doch ruhig und friedlich gegangen. Doch ich h├Ârte sie kaum. Sie kam wie aus unendlicher Ferne, als w├Ąre ich Unterwasser, als ertr├Ąnke ich in meinen eigenen Tr├Ąnen. Er war weg. Alles war weg. Pl├Âtzlich hatte ich gar nichts mehr. Wie gesagt, ich hatte nie viel von menschlicher Gesellschaft gehalten und so blieb mir nun nichts als materielle Dinge. Nun wertlose Dinge. Ich w├╝rde ihn begraben. Das war das Letzte was ich noch f├╝r ihn tuen konnte. Ich w├╝rde ihn vor dem See begraben in dem er am Sommer immer so fr├Âhlich geplanscht hatte, in dem Park in dem er am liebsten gewesen war, mit den vielen bunten Blumen an denen er jedes Mal aufs Neue so neugierig geschn├╝ffelt hatte. Ich w├╝rde t├Ąglich Blumen dorthin bringen und ich w├╝rde mich daneben beerdigen lassen, in der Hoffnung, dass ich an denselben Ort gelangen w├╝rde wie er. Lange w├╝rde das wohl nicht mehr dauern, nun da ich allen Grund zu Leben verloren hatte. Mit einem Mal sp├╝rte ich alle Schmerzen die einem das Alter bereitete. Mein R├╝cken begann zu schmerzen und mein Herz stach. Und ich dachte nur ÔÇ×Jack, ich komme bald nach..ÔÇť
__________________
~Eine Geschichte, geschrieben von jemandem der nicht schreiben kann~
by Necro

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Ralph Ronneberger
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Hallo Necro, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Sch├Ân, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

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Maribu
???
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Der alte Mann und der Hund


Hallo Necro,

dir ist eine gute Beschreibung von einem alten Mann und seinem Hund gelungen! - Gerade, weil der Mops ja mehr ein Partner ist(war).

Inwieweit Hunde denken k├Ânnen, wei├č man sicherlich nicht, auf jeden Fall f├╝hlen sie Schmerz wie wir und k├Ânnen wohl auch Stimmungen deuten.

Du hast es, ohne zu sehr zu "vermenschlichen", glaubw├╝rdig und ohne kitschige Sentimentalit├Ąt ausgedr├╝ckt.
Es gibt Menschen, die von anderen entt├Ąuscht wurden und Tiere deshalb f├╝r die besseren 'Menschen' halten.

Da du die Tochter erw├Ąhnt hast, h├Ąttest du vielleicht kurz andeuten k├Ânnen, wie es zu zum Bruch gekommen war.
Auch, weshalb er mit der Mutter der Tochter keinen Kontakt mehr hat. (verstorben?) - Aber das tut der Geschichte keinen Abbruch!

Lieben Gru├č
Maribu

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Necro
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2015

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Hallo Maribu,

danke f├╝r deine Verbesserungsvorschl├Ąge. Ich hatte vorher noch kaum Erfahrung im Schreiben und bin daher sehr dankbar ├╝ber jeden Verbesserungsvorschlag

MfG,
Necro
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TaugeniX
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Servus, Necro! Du hast einen sehr ber├╝hrenden Text geschrieben, man bekommt wirklich Tr├Ąnen in die Augen. Wenn man so zu f├╝hlen begabt ist und diese Gef├╝hle zum Papier bringen kann, ist es schon sehr viel.

Was diesem Text fehlt, ist eine Wendung, eine Pointe, irgend etwas, was seinen geraden eindimensionalen Ablauf unterbricht. Ich bin selbst nur ein Laie, es gibt sicher erfahrenere versierte Kollegen hier, die es besser erkl├Ąren k├Ânnten.

Es gibt auch etwas zu "feilen" an Deinem Text, z.B. hier:
Ich hatte so leise gesprochen, es kaum ├╝ber mich gebracht, dass ich fast sicher war, dass der Arzt mich nicht geh├Ârt hatte. Doppeltes "dass" in einem Satz ist nicht sch├Ân.

Ich denke aber, dass Du unbedingt weiter schreiben solltest.

Darf ich Dir eine Herrchen und Hund Geschichte empfehlen, die in meinen Augen die Beste zu diesem Thema ist? Hier klicken
Ich meine nicht, dass man versuchen sollte, den Gro├čmeister nachzuahmen. Aber da sieht man, wie der Autor aus der Beziehung zum Tier eine vivi sectio an seinem Protagonisten vollzieht. Ich finde diese Novelle genial.
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Was uns obliegt, ist nicht die Lust des Lebens, auch nicht einmal die Liebe, die wirkliche, sondern lediglich die Pflicht. Th. Fontane

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