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Leselupe.de > Horror und Psycho
Der Mann im Zimmer
Eingestellt am 18. 08. 2006 10:52


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moneymaker
Hobbydichter
Registriert: Aug 2006

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Er starb.
An jedem Tag, an dem er mordete starb auch ein Teil von ihm. Seine Seele zerfiel zu grauer Sinnlosigkeit. Er suchte sich seine Opfer aus. Manchmal schlug er einfach das Telefonbuch an einer willk├╝rlichen Stelle auf und tippte mit verschlossenen Augen auf die d├╝nnen Seiten. Es waren nur Daten f├╝r ihn, Buchstabenfolgen. Die Menschen, die sich dahinter verbargen interessierten ihn nicht.
Wenn er die Lust versp├╝rte, ein Leben auszul├Âschen, aber kein Telefonbuch in der N├Ąhe war, stellte er sich einfach an den Eingang eines Ladens oder Gesch├Ąftes. Dort z├Ąhlte er. Er z├Ąhlte die Menschen, die durch die T├╝r kamen. Wenn er bei zehn angekommen war, kannte er sein Opfer.
Nur ein Gesicht. Er machte keinen Unterschied zwischen jung und alt. Ob das Opfer arm oder reich war? Es interessierte Ihn nicht. Neunzehn. Neunzehn Menschen sind schon durch ihn gestorben. Wie viele w├╝rden es werden? Er kannte seine Opfer nicht. Aber den letzten Mensch, den er t├Âten w├╝rde, den kannte er schon lange.
Er selbst.
Er selbst w├╝rde sein letztes \"Kunstwerk\" sein. Er bezeichnete sie immer als Kunstwerke einer kranken Phantasie. Was das ist, liegt ja bekanntlich immer im Auge des Betrachters.
Er hatte nie etwas f├╝r Menschen ├╝brig. Seit seiner Jugend interessierten ihn die Menschen in seiner Umgebung nicht. Sie waren ihm egal. Er betrachtete sich selbst nicht als einer von Ihnen. Und er glaubte, das dieses auf Gegenseitigkeit beruhte.
Er war der stumme Zeuge. Unbeachtet von allen anderen. Verloren, vergessen, ignoriert von der Gesellschaft. Und genau so ignorierte er auch die klagenden und flehenden Schreie seiner Kunstwerke. Er schaltete alles auf stumm.

Er sa├č auf seinem Bett. Es war schmutzig. ├ťberall lagen Essensreste; unter dem Bett, der Couch, auf dem Bett.
Die Sonne strahlte durch die Jalousie und die Lichtstrahlen schienen mit ihren leuchtenden Fingern nach ihm zu greifen. Er wich ein St├╝ck zur├╝ck.
Neben ihm lag etwas unter der Decke. Er lehnte sich mit ausgestreckten Armen nach hinten und lie├č seinen Kopf langsam auf die Silhouette unter der Decke sinken. Er st├Âhnte etwas. Er wand sich in seiner langsam aufsteigenden Ekstase. Er griff mit seinen H├Ąnden nach der Decke, riss sie vor sein Gesicht.
Das, was die Decke verschmierte war Blut, aber nicht sein eigenes. Er bohrte sich mit seinem Kopf immer tiefer in das Ding unter der Decke. Der Blutfleck erbl├╝hte wie eine Rose. Er st├Âhnte erneut. Seine Augen waren geschlossen.
Die Aug├Ąpfel unter seinen Lidern zitterten. Er schrie mit erstickter Stimme und riss die Decke weg.
Sein Kopf lag auf etwas fleischigem. Sein Haar war v├Âllig verklebt von dem Blut, das aus dem Ding kam. Er drehte sich auf den Bauch.
Seinen Oberk├Ârper auf den Ellenbogen abst├╝tzend, sah er sich sein neuestes Werk an.

Der Torso des jungen M├Ądchens war aufgeschlitzt. Der Schnitt f├╝hrte vom Bauchnabel rauf bis zur H├Âhe des Brustbeins. Dort gabelte er sich wie die Arme eines Ypsilons bis fast zu den Achseln. Die Haut war weit umgeklappt, die Rippen waren entfernt worden und die inneren Organe lagen frei.
Die Arme und Beine des M├Ądchens waren mit der gro├čen alten Holzs├Ąge (sie hing in seinem alten Wandschrank) abgetrennt worden, und lagen auf dem Boden verteilt.. Der Kopf lag bei den anderen in der Badewanne.

Er hob seinen Kopf und stie├č sein Gesicht mitten in den blutigen See. Er bohrte seinen Sch├Ądel immer tiefer in die Eingeweide hinein. Er ├Âffnete seinen Mund, streckte die Zunge heraus, ber├╝hrte damit den Magen, die Leber, den Darm. Er schmeckte sie.
Er war v├Âllig abgetaucht in seine kranke Phantasie. Er war nicht mehr er selbst. Er war nicht mal mehr in seinem eigenem K├Ârper.

Er betrachtete die grausame Szenerie von au├čen, als Zuschauer. Er schaute es sich von allen Seiten genau an, jedes Detail. Er ging um das Bett herum, wobei er genau darauf achtete, nicht ├╝ber eines der Beine zu stolpern. Er ging n├Ąher ran. Er h├Ârte sein eigenes Schmatzen, sah sich auf dem Bett liegen. Mit der einen Hand fuhr er ├╝ber den unvollst├Ąndigen K├Ârper. Mit der Anderen glitt er langsam an die Stelle zwischen seinen Beinen. Er st├Âhnte.

Die Sonne war fort.
Das Zimmer wurde in gn├Ądige Dunkelheit geh├╝llt. Er wachte auf. Seine Arme waren um das tote Fleisch in seinem Bett geschlungen und er atmete schwer.
Der Fleck an seiner Hose war schon hart und verkrustet. Er stand auf. Das Blut in seinem Haar begann zu trocknen. Er ging ins Bad.
Das grelle Licht der Neonr├Âhre lie├č das Bad steril, und das viele Blut darin leuchtend rot aussehen.
Die K├Âpfe in der Wanne, es waren vier, glotzen mit ihren toten Augen wie Idioten. Einigen war noch der stumme Schrei, die Qualen, die sie erleiden mussten anzusehen.
Er lie├č warmes Wasser in Wanne laufen. Er entkleidete sich. Die K├Âpfe bewegten sich langsam, schienen zu schweben, so wie Ihre verlorenen Seelen in die ewige Dunkelheit schwebten. Sie stie├čen aneinander. Das hohle Ger├Ąusch, das sie dabei erzeugten lie├č ihn grinsen.
Er setzte sich langsam in die Wanne und wusch sich. Das Wasser verf├Ąrbe sich zu einem sanftem rosa. Er sch├Âpfte das Gemisch aus Wasser und Blut von Toten mit den H├Ąnden und spritzte es sich ins Gesicht. Er trank auch etwas davon.

Drau├čen war es mittlerweile stockdunkel.
Nur in seinem Bademantel gekleidet ging er zur├╝ck in sein Schlafzimmer. Heute Abend w├╝rde er seine Kunstsammlung um ein Exponat erweitern. Mit gelassenem Blick griff er sich das Telefonbuch.
Mit dem Daumen der linken Hand rauschte er die Seiten langsam durch. Er z├Ąhlte.
Eins...
...zwei...
...drei...
Bis Zehn, so wie immer.
Dann schlug er das Buch an der Stelle auf, wo er gestoppt hatte und kreiste mit dem Zeigefinger, wie ein Geier ├╝ber seiner Beute.
Er lie├č ihn mit geschlossenen Augen sinken. Er ├Âffnete sie langsam wieder und las den Namen und die Adresse des Opfers. Er zog sich an.

Langsam ging er aus seinem Apartment in Richtung Fahrstuhl. Er w├╝rde keine Waffe ben├Âtigen, das wusste er. Der Fahrstuhl lie├č nicht lange auf sich warten, und das freute ihn.
Er dr├╝ckte auf den kleinen Knopf, der sich auf der Konsole, links neben der T├╝r befand. Der Fahrstuhl setzte sich summend in Bewegung. Nach einer kurzen Fahrt hielt er sanft an. Die T├╝ren ├Âffneten sich leise und er trat heraus. Er ging einen kurzen Gang entlang an dessen Ende sich eine schwere Metallt├╝r befand. Er wusste, sie w├╝rde nicht verschlossen sein. Er ├╝berpr├╝fte es jeden Tag.

Er trat ins Freie. Die sternenklare Nacht gefiel ihm, genauso wie der sanfte warme Wind, der mit seinen frisch gewaschenen Haaren spielte. Der Stadtl├Ąrm war hier nur ein leises Summen.. Man sah den Verkehr, der um diese Uhrzeit nicht mehr so z├Ąhfl├╝ssig lief wie tags├╝ber. Er ging weiter bis an den Rand und stellte sich auf den Mauervorsprung. Er f├╝hlte sich frei. Die Arme weit ausgestreckt und die Beine geschlossen. Er wiegte sich in der Brise. Nach vorn, nach hinten. Dann hielt er kurz die Luft an und lie├č sich fallen. Er stie├č sich nicht ab, er lie├č sich einfach fallen,. Er wollte diesen Augenblick genie├čen.
Er fiel
...und fiel...
...und fiel.

Der Name, den er sich heute ausgesucht hatte, war sein eigener und heute starb er ein letztes Mal.

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