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Leselupe.de > Gereimtes
Der Maurer
Eingestellt am 17. 09. 2009 18:19


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Trunzun
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2009

Werke: 9
Kommentare: 53
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Langsam, sicher, r├╝hr ich an
Den Zement, sag dir sodann

Dieses wird ein Gr├Ąbchen sein
Ja! und zwar nur deins allein

Eingemauert, wirst du ersticken
Keiner wird dich mehr erblicken

Lautes Rufen, lautes Weinen
Intressiert hier wirklich keinen

Lebst jetzt nur noch ein paar Stunden
Nur dein Tod schlie├čt meine Wunden

__________________
Erkenne zuerst dich selbst, dann den anderen.

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Crimson Conjuror
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Apr 2009

Werke: 5
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Der Maurer

Hallo Trunzun,

In f├╝nf Duetten - zehn (kurzen!) Versen - etwas r├╝berzubringen, ist, denke ich, nicht einfach. Da m├╝ssen schon pr├Ągnante W├Ârter her, von denen m├Âglichst viele ein Fenster zu einer Szene ├Âffnen vor dem geistigen Auge des Lesers.

Aber schon nach dem ersten Durchlesen schien es mir wie eine Szene aus einem Krimi zu sein. Der Erz├Ąhler hebt nicht etwa einen kleinen Graben aus, sondern ein kleines Grab. Was zun├Ąchst als Grausamkeit interpretiert wird, entpuppt sich in Vers 10 als Schw├Ąche, begr├╝ndet in der Fehlannahme, die geschlagenen (seelischen) Wunden k├Ânnten ausschlie├člich durch ein weiteres Verbrechen geschlossen werden. Es ist dieselbe Einstellung, die in der Legitimierung der Todesstrafe ihren Ausdruck findet (wie du mir..., so ich dir... - aber doppelt und dreifach!)

Mit Ausnahme der ersten beiden Verse ist der gesamte Text eine "Ansprache" an die zu bestrafende Person, die von Abscheu, Kaltbl├╝tigkeit (einzementieren anstatt einfach nur zu verscharren), aber auch seelischem Schmerz zeugt. Negation ist oft vertreten durch W├Ârter wie "nur", "Keiner", "keinen".

"Nur der Tod schlie├čt meine Wunden" ist der einzige Vers, der auf ein schlimmes Verbrechen anspielt, was sich auch in der Heftigkeit der Ansprache darstellt. Ansonsten kann der Leser die Wut und den Schmerz nicht nachvollziehen und keine wirkliche "Sympathie" f├╝r den Erz├Ąhler entwickeln, denn er kennt ihn nicht.

Ein Beispiel Sol Steins (Guru des "Creative Writing"):
"Harry springt von der Br├╝cke" - niemand interessiert's.
Aber:
"Harry Belafonte springt von der Br├╝cke" - das bewegt den Leser, da er den S├Ąnger kennt.

Er m├Âchte mehr ├╝ber den Fall wissen, nicht nur ├╝ber den Racheakt. Ansonsten ist der Text etwas, das nicht wirklich gefangennimmt, was eine Grundvoraussetzung f├╝r einen guten Text ist.

Der Erz├Ąhler (oder das Opfer) f├╝hrt dem Opfer (oder dem T├Ąter) ausf├╝hrlich vor Augen, was ihn erwartet. Das erreichst du mit Worten, die f├╝r extreme Erfahrungen stehen: (Lebendig) "eingemauert", "ersticken", "Weinen", "Tod". Dabei f├╝hrt ihn sein Rachegef├╝hl zu Feststellungen, die nicht stimmen:
"...interessiert hier wirklich keinen." Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Passant, der nichts ├╝ber den Fall wei├č, einem dumpfen Rufen und Weinen nicht neugierig nachgehen w├╝rde. Wenn ein Mann auf dem Bahnsteig angegriffen wird, greift keiner ein. Schlie├člich ist man in der ├ľffentlichkeit und k├Ânnte zur Zielscheibe werden (der T├Ąter, der Medien, des Papierkrams). Aber abseits - mit Neugierde...?

Man sagt, Autoren d├╝rften ├╝ber die Feinheiten menschlicher Abgr├╝nde schreiben, auch aus der Sicht von abscheulichen Meuchelm├Ârdern. Denn es sei ja lediglich Fiktion.

Ich pers├Ânlich halte das f├╝r gef├Ąhrlich, denn es ist Nahrung f├╝r Gedanken. Genauso wie der allt├Ągliche Krimi - in der Literatur wie im Fernsehen. Der Tod ist auf einmal nichts Schlimmes mehr, nur noch ein Element in der Handlung. Wo sind die Trauernden, wo ist der Schmerz der Angeh├Ârigen des Opfers, oder auch des hingerichteten T├Ąters?

Gewalt erzeugt Gegengewalt.
Und Liebe erzeugt Liebe.
Blutrache ist Schw├Ąche.
Gnade ungeheure St├Ąrke.

Sind wir nun b├Âse, wenn wir B├Âses tun
oder tun wir B├Âses, weil wir b├Âse sind?

Was du geschrieben hast, beschreibt ein Problem, das den Menschen seit Anbeginn seiner Existenz stets begleitet hat. Angefangen bei Kain und Abel ├╝ber die alten Kulturen, die Neuzeit bis in unsere "Zukunft" hinein. Totschlag scheint so etwas wie ein menschliches Grundbed├╝rfnis zu sein (zumindest in geheimen Gedanken).

Ich finde, du hast das nachvollziehbar r├╝bergebracht!

Liebe Gr├╝├če
Markus


P.S. Ich schick dir mal ein Vampirgedicht von ├Ąhnlicher Gesinnung
__________________
F├╝hle dich frei und k├╝hn! Sei unvorsichtig, sei r├╝cksichtslos! Sei ein L├Âwe! Sei ein Seer├Ąuber, wenn du schreibst! - Brenda Ueland, Ritterin

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