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Leselupe.de > Humor und Satire
Der Mensch – Parasit oder Wohltäter?
Eingestellt am 26. 08. 2005 23:01


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MDSpinoza
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Der Mensch – Parasit oder Wohltäter?

Freunde, ich möchte mich heute einem Thema widmen, das uns allen seit vielen Generationen zu Denken gibt. Es geht um ein Wesen, das uns seit Urzeiten teils als Feind, teils als Wohltäter gegenübersteht, und welches uns heute, trotz aller Fortschritte in Philosophie und Wissenschaft, immer größere Rätsel aufgibt. Es geht um ein Wesen, das sich in den letzten Generationen enorm verändert hat, und das uns zusammen mit einer ebenfalls sehr rätselhaften Rasse von Wesen, die sich erst in letzter Zeit, dafür aber in gewaltigen Mengen bemerkbar macht.
Es sind der Mensch und das Auto. Das eine ohne das andere kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen, und sie haben unser Leben mehr verändert als alles andere, seit die sagenhaften kalten Berge uns verlassen haben. Der Mensch war damals ein Tier von vielen, und er kommt in unseren Sagen und Legenden ebenso vor wie Büffel und Wildschweine, die jedoch entweder verschwunden sind oder blieben, was auch immer die Natur ihnen zu sein auftrug.
Das Auto ist erst in den letzten paar Dutzend Generationen aufgetreten, es hat jedoch unsere gesamte Welt nachhaltig verändert. Wo sich Autos breit machen, strömt alles ihren strengen Geruch aus und viele andere Tiere werden von ihnen gefressen. Sie treten oft in Massen auf, die man schier nicht einmal aus großer Höhe überblicken kann, und das hat es noch nie gegeben. Sie können sich nur auf festen Pfaden bewegen, und ihre Wege wachsen von Jahr zu Jahr. Wir wissen nicht, wie sie entstehen, noch niemand hat sie im Nest gesehen, aber wir wissen wie sie sterben. Wenn sie gegen ein Hindernis rennen, oder gar gegeneinander, fügen sie sich oft tödliche Verletzungen zu. Andere Autos ziehen sie zu großen Plätzen, wo ihre toten Kameraden in großen Haufen abgelegt werden, bis sie ihrer Natur nach langsam zerfallen. Anders als bei uns ist ihr Zerfallen nicht von Geruch begleitet, eins der vielen ungelösten Rätsel ihrer Existenz.
Das größte Rätsel jedoch, meine Freunde, ist die Beziehung der Menschen und Autos zueinander. Autos alleine weiden meist friedlich am Rand ihrer Wege, manche vermuten auch, daß sie schlafen, aber das konnte bisher noch nicht geklärt werden, denn es ist uns bislang nicht gelungen, mit ihnen zu kommunizieren.
Menschen alleine werden immer seltener gesehen, jedoch, wenn Menschen und Autos zusammentreffen, entsteht eine Verbindung,
die aufzuklären die vordringlichste Aufgabe unserer Generation ist. Wir müssen feststellen, ob der Mensch das Auto nur parasitär benutzt, oder ob beide eine Symbiose betreiben, die ihnen erst den rasanten Aufwind gab, auf dem sie jetzt schweben.
Menschen befallen Autos, das ist in einer Eierschale gesagt, das Ergebnis unserer Betrachtungen. Wenn sie sich über friedlich weidende Autos hermachen, fügen sie ihnen solche Schmerzen zu, daß die wie wild herumrasen und oft laute Schreie ausstoßen. Sie weiden nicht mehr friedlich, sondern jagen Tiere, allerdings ohne sie zu fressen. Ihre Opfer bleiben am Wegesrand liegen und dienen vielen von uns als Nahrung. Es gibt eine Gruppe unter uns, die Autos und Menschen als Geschenk des großen Windes betrachten, weil sie uns so reichlich mit Nahrung versorgen, daß viele von uns das Jagen seit langem aufgegeben haben. Sie lungern am Rand der Wege herum und warten auf die Bissen, die ihnen von den Autos wie Almosen hingeworfen werden.
Freunde, das ist ein Irrweg! Menschen haben uns getötet, lange bevor es hier Autos gab, und sie haben niemals damit aufgehört. Sie haben uns vergiftetes Fleisch hingelegt, haben uns mit ihren Donnerstöcken vom Himmel geholt und die Leichen unserer Kameraden an die Klappen ihrer künstlichen Höhlen genagelt. Sie fangen uns in Netzen und erschlagen uns und unsere Freunde, die Eulen.
Freunde, es ist nicht nur lebensgefährlich für uns, von ihren Abfällen zu leben, es ist auch entwürdigend. Der große Wind hat uns zu seinen Stellvertretern gemacht, er hat uns das Reich der Winde geschenkt, damit wir ihn ehren und ihm dienen. Er wird nicht sehr stolz auf uns sein, wenn er uns Abfälle nagen sieht, statt frei im Wind zu jagen. Zu Fuß am Boden auf die Abfälle anderer zu warten ist eine Schande, die wir nicht wiedergutmachen können, ohne dabei vor Scham im Boden zu versinken. Darüberhinaus haben wir entdeckt, daß Paare, die von den Abfällen der Autos leben, Eier mit sehr brüchigen Schalen legen, und viele ihrer Nachkommen den Augenblick des Schlüpfens nicht überleben.
Die, die es dann schaffen, sind schwächlich und haben es auf der Jagd wesentlich schwerer als die Nachkommen freier Jäger. Die Folge: sie jagen nicht, sondern warten an den Wegen, wobei sie oft nicht einmal mehr schaffen, sich auf einen Baum zu schwingen, sondern am Boden herumkriechen wie Beute.
Freunde, bald werden unsere kräftigsten Jungen nur noch die Größe eines Terzels1) haben und sie werden ihre Flügel wie nutzlose Anhängsel herumschleppen. Bald werden unsere Nachkommen das Antlitz der Erde entstellen wie Autos und Menschen es tun, und vielleicht werden sie genauso verrückt. Es sollte uns eine Lehre sein, wenn wir beobachten, was die Menschen mit den armen Autos machen. Wenn ein Auto von Menschen befallen wird, verliert es augenblicklich den Verstand und muß sich dem Willen des Menschen unterwerfen, mehr noch, als es jemals Pferden und Hunden widerfahren ist.
Ich kann nur davor warnen, die Gefahr zu unterschätzen, die von den Menschen ausgeht. Sie wie auch die Autos sind beutemachende Fleischfresser, die in ihrer Gier mehr töten, als sie jemals fressen können. Sie sind ein ernstzunehmender Gegner, dem wir nur unseren Freiheitsdrang und unseren Stolz entgegenzusetzen haben. Freunde, fallt nicht auf ihre Verlockungen herein, es ist eine schleichende Korruption, die jeden erfaßt, der sich darauf einläßt. Und ihn auf jeden Fall vernichtet.
Freunde, wir haben mehr zu verlieren als nur unser Leben. Es geht um das Leben und das Wohlergehen der gesamten Welt, insbesondre unserer eigenen Nachkommen. Wir müssen unsere Zukunft sichern gegen die Aggression der Menschen. Werdet nicht so wie die Autos, laßt euch nicht von den Menschen benutzen. Sie denken nur an ihren eigenen Vorteil, und wenn sie Eurer überdrüssig sind, bleibt ihr am Wegesrand liegen und fault vor euch hin wie Autos auf ihren Feldern, wo man sie liegenläßt, bis sie von allein zerfallen. Seid Stolz! Bleibt, zu was der Große Wind euch gemacht hat – freie Jäger der Winde!
Rede von Professor Chiark Braunflügel auf dem 1.Kongreß der Gesellschaft für angewandte Bussardistik am 1.Sturm im Westwind2)


1) Terzel sind die männlichen Raubvögel. Der Name Terzel kommt daher, daß sie nur ein Drittel der Größe ihrer Weibchen haben.

2) Tja, eigener Kalender

__________________
Lieber ein verführter Verbraucher als ein verbrauchter Verführer...

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Vera-Lena
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Hochverehrter Herr Professor Chiark Braunflügel,

es war mir ein intellektuelles Vergnügen, Ihren Ausführungen zu folgen und ich hoffe dass diese aufrüttelnde argumentativ überaus schlüssige Rede den gewünschten Erfolg haben wird auf der ganzen Erde. Ja, selbst die Menschen könnten davon berührt werden und sich forthin darum bemühen, sich endlich einmal Flügel wachsen zu lassen, damit sie ihre armen Autos nicht mehr maltraitieren und einsam vor sich hinsterben lassen müssen.

Ich bin zuversichtlich und danke Ihnen von Herzen, dass sie der Bussardwelt und damit der ganzen Erde mit Ihrem Tiefsinn zu einem Voranschreiten bzw Voranfliegen behilflich sind.

Sie sind unser Vor-Vogel, unser Zukunftsgestalter.

Mit einem herzlichen Piep
Ihr
Fräulein Braunfeder
__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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