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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Nacktscanner
Eingestellt am 11. 02. 2013 12:45


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Rhondaly DaCosta
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Registriert: Dec 2012

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Der Nacktscanner


Email fĂŒr Laura. Sie hat im Hintergrund ihren derzeitigen Lieblingssong auf youtube angewĂ€hlt: Clap Song von Shirley Ellis. Laura wiegt sich in ihrem Fast, das sie beinahe anhat, vor dem Spiegel im Bad im Rhythmus der Musik hin und her.
Hans hat ihr eine Email geschickt. Er ist ein „Kontakt“ aus der Partnerbörse und lĂ€dt sie zum Kennenlernen ins Zulu ein. Zulu ist DAS Kult Restaurant unten am Fluss. Mick, der Inhaber, hat aus einer alten Forsthaus Kaschemme einen hip Treffpunkt gemacht. Genau richtig fĂŒr Laura. Hip, Kult, forever young.

Laura hat nicht nur ein Date. Laura hat auch einen Defekt. Sie kann nicht treu sein. Laura ist eine notorische FremdgĂ€ngerin. Sobald Paul fĂŒr ein paar Tage auf GeschĂ€ftsreise ist, muss Laura ein Date machen.
Heute ist Paul auf Reisen. Kaum hat er das Haus verlassen, schon flitzt Laura zu ihrem Laptop. Mit flinken Fingern bestÀtigt sie im Partnerportal die Verabredung mit Hans. Dann macht sie sich zum Treffen fertig.
Ihr Mann, Paul, weiß nichts von Lauras Eskapaden. Sie spielt ihr Spielchen schon seit Jahren. Doch dem Großen Spielmacher wird Lauras Spiel jetzt langweilig. Heute wird ein anderes Spiel gespielt.

*

Still schmiegt sich das alte Forsthaus in den schattigen Hain. Ein Frosch quakt ungeniert in seinem königlichen Teichreich. Zwei Amseln twittern im GeĂ€st, wohl einer Linde. Ein Eichhörnchen lugt vom moosigen Ast einer Birke und wackelt lustig mit seinem buschigen Schwanz. Von einem hoch heraus ragenden Zweig eines Dornbusches betrachtet ein Rabe schwarzĂ€ugig die Passantin. Er krĂ€chzt ununterbrochen und flattert wie verrĂŒckt mit seinen FlĂŒgeln. Wieder schaut der Vogel zu Laura herĂŒber und schĂŒttelt sich schließlich. Laura bekommt von alldem nichts mit. Sie unpluggt die Stöpsel des Kopfhörers aus ihren GehörgĂ€ngen und betritt das Lokal.

Der hagere Mensch, m, am Tisch in der Mitte des Lokals, muss Hans sein. Laura erschrickt. Hans, 28, 1,86, schlank, Chemiker, liebt das Reisen, gute Filme, Schmusen – das soll dieser Typ sein?
Der rotblonde Mann ist sicher 1,86 groß, aber dĂŒnn wie irgendetwas. Er trĂ€gt einen kunstvoll um mehrere Ecken ausrasierten Bart. Der Mann ist Laura vom ersten Anblick her komplett unsympathisch. Haben Menschen eine Ausstrahlung? Wenn ja, dann hat dieser Mensch eine abstoßende Wirkung auf sie. Laura möchte sich umdrehen und das Lokal verlassen. Sie schafft diese Anstrengung nicht.

Man begrĂŒĂŸt sich. Der Hans steht bei der BegrĂŒĂŸung ĂŒbertrieben galant auf. Er lĂ€chelt verdreht. Dieses LĂ€cheln erinnert Laura an den Joker aus dem Batman Film. Vor dem LĂ€cheln des Jokers hat sich Laura im Kino gefĂŒrchtet. Diese Furcht steigt in ihr jetzt wieder auf.
Was möchtest du trinken? Prosecco. Zwei Prosecco. Der Kellner geht.
Hans zlatant die location. Er beugt sich ungebĂŒhrend weit ĂŒber den Tisch zu Laura vor, breitet seine Unterarme dominant ĂŒber die Tischmitte aus, und taxiert sie mit einem direkten Blick.
Laura fĂŒhlt sich bedrĂ€ngt, beengt. Der Kontakt betrachtet sie nicht, er scannt sie. Sie stellt sich vor, dass dieses GegenĂŒber sie mit seinen Blicken in eine Röhre zwĂ€ngt, in seinen persönlichen Tomographen. Laura spĂŒrt in sich ein GefĂŒhl aufsteigen, als ob sie kurzatmig wĂŒrde. Der Drohn hĂŒllt sie in ihrer Vorstellung mit seinen Blicken gewaltsam ein.

Es löst sich ein Rinnsal von Speichel aus seinem rechten Mundwinkel. Das dĂŒnne, weißgelbliche Sekret fließt abwĂ€rts bis zu einer unnatĂŒrlich getunten Bartkante. Dort teilt sich der Gilb auf in einen waagerecht und einen links abwĂ€rts fließenden Arm. Der waagerechte Bach verliert sich rasch im GestrĂŒpp des rotgelben Kinnbarts. Der abwĂ€rts geneigte Seitenarm umkurvt noch eine Dreiecksbucht im Schnittfeld zwischen SchnĂ€uzer und Kinnbart. Dann vermischt sich auch diese Absonderung unauffindbar im GestrĂŒpp des Restbartes.
Der EmissionĂ€r des Vorganges hat von diesem Geschehen nichts mitbekommen. Laura vermutet, dass die beschriebene FlĂŒssigkeit nicht bis zur Gesichtshaut des Verursachers durchgedrungen ist. Folglich konnte bei diesem auch keine Aufmerksamkeit durch eine Hautreizung entstehen.

Hans bemustert sie ungeniert. Laura hat ein Ă€rmelloses Top fĂŒr das Date angezogen. Sie verwendet dieses Outfit immer dann, wenn sie den von ihr kreierten „milkcow blues“ einsetzen will. Wenn sie ihren Oberkörper bewegt, so schlenkern die BrĂŒste dieser Bewegung leicht nach. Jeder Mann folgt dieser Brustbewegung. Lauras Rechnung ist bisher immer aufgegangen.
Doch diesmal mutiert der Trick in einen dĂ€monischen Fluch. Laura stellt sich vor, dass Hans sie abtastet, umfasst und fest an sich drĂŒckt. Sie versucht, sich in ihrer Vorstellung mit einer ruckartigen Bewegung der Umklammerung zu erwehren. Doch es hilft ihr nicht viel. Der saugnapfige Blick des Monsters gegenĂŒber umschlingt nun virtuell auch ihre HĂŒfte und tastet sich unaufhörlich weiter abwĂ€rts vor, in Richtung ihres Beckens.
Doch jetzt kann sein degoutanter Blick sie nicht mehr erfassen. Die Tischkante verbirgt Lauras Unterleib. Schon will sie aufatmen, ihre traumatische Verkrampfung aufgeben. Da spĂŒrt sie in ihren Gedanken, wie dieser röntgenĂ€ugigen Waran nun vom Boden ihre Beine hinauf kriechen will. Wie in einem plötzlichen Krampfanfall schnappt Laura ihre Oberschenkel zusammen. Nur seine Gedanken nicht in sich eindringen lassen, das ist ihr Bestreben.
In diesem Augenblick löst sich ein Seufzer tief aus ihrem Innern. Der Klagelaut fließt durch ihre Luftröhre in den Mundraum und entlĂ€dt sich in einem tiefen, lang gezogenen Stöhnen. Das Paar am Nebentisch schaut erschrocken zu Laura herĂŒber. Jetzt hat der Schmerzton eine Ă€therische BrĂŒcke zum Gehörgang des GegenĂŒber gebildet. Hans fragt mit verdutztem Gesichtsausdruck: „Ist dir nicht gut?“.
„Ja, mir ist nicht gut.“, antwortet Laura bestimmt. „Und du bist der Grund. So wie du mich anschaust, das ist einfach schrecklich. Ich gehe.“

Laura steht ruhig auf und nimmt ihre Tasche. Sie setzt ihren Stuhl bewusst korrekt an den Tisch zurĂŒck, die RĂŒckenlehne zeigt parallel zur Tischkante. Laura legt konzentriert die etwa 10 Meter vom Tisch zur AusgangstĂŒr zurĂŒck. Mit voller Wachsamkeit setzt sie einen Fuß vor den anderen. Sie achtet darauf, dass sie sich nicht zu schnell bewegt, also eilend, und auch nicht zu langsam, also unschlĂŒssig. Gekonnt meistert sie diese schwierige Aufgabe.
Draußen vor der TĂŒr zieht sie tief die frische Luft ein. Sie wendet ihren Kopf zum WĂ€ldchen hin. Hat da gerade einer schallend gelacht?

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Val Sidal
???
Registriert: Jan 2013

Werke: 42
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Beim zweiten Lesen fand ich die Geschichte im Text:

quote:
Laura ist eine notorische FremdgĂ€ngerin. Sobald Paul fĂŒr ein paar Tage auf GeschĂ€ftsreise ist, muss Laura ein Date machen.

quote:
hr Mann, Paul, weiß nichts von Lauras Eskapaden. Sie spielt ihr Spielchen schon seit Jahren. Doch dem Großen Spielmacher wird Lauras Spiel jetzt langweilig. Heute wird ein anderes Spiel gespielt.

quote:
Heute ist Paul auf Reisen.
quote:
Hans, 28, 1,86, schlank, Chemiker, liebt das Reisen, gute Filme,

quote:
Laura fĂŒhlt sich bedrĂ€ngt, beengt. Der Kontakt betrachtet sie nicht, er scannt sie.

quote:
Der Drohn hĂŒllt sie in ihrer Vorstellung mit seinen Blicken gewaltsam ein.


quote:
Der saugnapfige Blick des Monsters gegenĂŒber umschlingt nun virtuell auch ihre HĂŒfte und tastet sich unaufhörlich weiter abwĂ€rts vor, in Richtung ihres Beckens.

quote:
Die Tischkante verbirgt Lauras Unterleib. Schon will sie aufatmen, ihre traumatische Verkrampfung aufgeben. Da spĂŒrt sie in ihren Gedanken, wie dieser röntgenĂ€ugigen Waran nun vom Boden ihre Beine hinauf kriechen will. Wie in einem plötzlichen Krampfanfall schnappt Laura ihre Oberschenkel zusammen.

Und jetzt der Höhepunkt:
quote:
Laura steht ruhig auf und nimmt ihre Tasche.

Happy-End:

quote:
Mit voller Wachsamkeit setzt sie einen Fuß vor den anderen. Sie achtet darauf, dass sie sich nicht zu schnell bewegt, also eilend, und auch nicht zu langsam, also unschlĂŒssig. Gekonnt meistert sie diese schwierige Aufgabe.


Der Rest des Textes kann ohne Verlust entfernt werden.
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valS
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© Meine Werke und Kommentare sind mein Eigentum. Diebe werden verflucht.

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Rhondaly ,

quote:
Laura wiegt sich in ihrem Fast, das sie beinahe anhat, vor dem Spiegel im Bad im Rhythmus der Musik hin und her.
Ich finde, dass das Fast zu sehr holpert.

quote:
Kult-Restaurant
Mit Bindestrich oder zusammen!

quote:
Laura hat nicht nur ein Date. Laura hat auch einen Defekt. Sie kann nicht treu sein. Laura ist eine notorische FremdgÀnger
in.
Laura hat nicht nur ein Date, sie ist auch eine notorische FremdgÀngerin.

usw. Da sollltest du noch einmal grĂŒndlich rĂŒbergehen.

Das Ende wĂŒrde ich auch, wie Val das vorschlĂ€gt, gestalten.
Von einer Bewertung sehe ich mal zu dieser Version ab.
LG USch


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