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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Der Narziss und die Brunnenfrau
Eingestellt am 02. 06. 2017 23:58


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ackermann
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Er setzte sich in das nĂ€chstbeste StraßencafĂ© und mied die Sonne, die im Mittag stand. Er hatte Zeit, er wĂŒrde sie nutzen – spĂ€ter. Die hĂŒbsche, adrette, gut gelaunte Kellnerin folgte seinem Fingerzeig aufs Wort und beugte sich zu ihm hinunter. Ihre BrĂŒste hĂŒpften fast aus dem Mieder. Eine Polin, wie sich spĂ€ter herausstellen sollte.
Er aß und trank und hatte dabei stets die polnische Kellnerin im Blick. Das Essen sĂ€ttigte ihn, doch sein Hunger wuchs. Leider war er knapp bei Kasse und deshalb fiel das Trinkgeld bescheiden aus. Bescheiden war auch sein Abgang: Er ging einfach, vielleicht zu einfach. Grußlos, gnadenlos, tapfer wie ein Mann, der keiner Fliege etwas zu Leide tun konnte.

Anschließend kĂ€mpfte er sich den Buckel hinauf und ging dann hinĂŒber in den Park. Dieser Park war ein besonderer Park; von Rosen gesĂ€umt am Rande und selbst im edlen Herzen nahmen die Rosen Überhand. Im Park also nahm er Platz, in der NĂ€he des Brunnens und mit gutem Blick. Er war kein Denker, dennoch dachte er viel, stets bereit aufzuhören und es sein zu lassen. Stets bereit nachzulassen, wenn es zu viel wurde.
Die in tiefer Hocke verharrende Frau im dunkelgrĂŒnen Faltenrock, die am Rosenbrunnen mit dem Kind spielte, bedurfte seiner Aufmerksamkeit. Die entblĂ¶ĂŸte Unterseite ihrer braunen Schenkel drĂ€ngte die BrĂŒste der Polin, die noch immer in seinem Kopf herumspukten, ins Mieder zurĂŒck. Die Brunnenfrau warf einen Blick zu ihm herĂŒber, der auf seinem prallen Hosenstall landete. Er spreizte die Beine noch weiter und rĂ€kelte sich. Auch seine Beine waren von der Sommersonne gebrĂ€unt und seine momentane Gedankenlage dem schönen Wetter und der Frau am Brunnen geschuldet. Und die Beule da 
 WĂ€re es nicht so, er hĂ€tte sich Gedanken machen mĂŒssen. So fing er den Blick der Brunnenfrau auf und warf ihn dreist zurĂŒck; er war schon immer ein guter Werfer.

Eine leichte Drehung der Brunnen-Frau im knirschenden Kieselsand eröffnete den ersten Akt eines brĂŒnstigen BoulevardstĂŒcks mit dem Titel „Sommerlust“. Dankbar blickte er zwischen ihre geöffneten Schenkel - bis zum bitteren Ende, das seltsam sĂŒĂŸ schmeckte. Die Brunnenfrau ignorierte gekonnt seinen Blick und er schloss die Augen weil er nicht lĂŒstern erscheinen wollte. Doch hinter seinen geschlossenen Augen sah er mehr als ihm lieb war. So war es wohl besser, die Augen wieder zu öffnen und am Ball zu bleiben. Wer weiß, was sie noch zu bieten hatte, wer weiß, was ihm entgangen wĂ€re. Doch als kurz darauf die Kindsmutter von ihrem Streifzug durch den Rosengarten zurĂŒckkehrte und ein letztes Bild von der Brunnenfrau, der sie ihr Kind in Obhut gegeben hatte, schoss, fiel der Vorhang vorzeitig und hĂŒllte den Schoß der Brunnenfrau in ferne Dunkelheit.

Nach dem Abgang der beteiligten Personengruppe von der FreiluftbĂŒhne döste er und roch nach RĂ€ucherschinken. Das kam beides von dem Bier, das er getrunken hatte. Eine innere Unruhe trieb ihn nach einer Weile hoch und zur Mauer hin. Ein Blick in die Tiefe, und tief unten –aber so tief nun auch wieder nicht – da stand ein Hexenhaus. Es musste ein Hexenhaus sein, denn die Brunnenfrau schloss die TĂŒr auf und ihr Blick fiel herauf, zu ihm, der von hoch oben hinabschaute. Das LĂ€cheln, das ihren Mund umspielte, bildete er sich ein. Oder auch nicht. Denn so fern war das alles nicht. Nicht hier und heute. Aber eines war ihm sicher, und das war die pure Lust am Leben und die Lust in seinem Leib, die er empfand und die im Widerstreit mit dem begrenzten Fassungsvermögen seines Hosenstalls lag. Das LĂ€cheln 
 Bestimmt war er nicht der erste, dem ihr LĂ€cheln zuflog. Und an den letzten mochte er gar nicht denken. Zwischen dem Ersten und dem Letzten klaffte eine LĂŒcke, da war Platz fĂŒr ihn. Zwischen den braunen Schenkeln der Brunnenfrau war Platz fĂŒr Ihn. Dachte er





Kurze Zeit spĂ€ter fand man ihn. Nein, nicht als Leiche irgendwo, womöglich im Garten des Hexenhauses. Kurze Zeit spĂ€ter also trieb er sich herum, unten, am Fuße der Mauer, in nĂ€chster NĂ€he zum Hexenhaus. Ein paar Bilder mussten schon sein, obwohl das Hexenhaus nichts hergab. Nichts Wesentliches, nicht mal einen gemauerten Kamin mit Storchennest. Nein, es war einfach nur langweilig. Interessant war bestenfalls die halb geöffnete TĂŒr. Mit den Bildern seiner Kamera konnte er, wenn es hart auf hart kommen sollte, beweisen, dass sie vor wenigen Sekunden noch geschlossen war.
Nun war es nicht seine Art, in fremde HĂ€user einzudringen. Und so war es auch nicht. Er ging einfach durch die einladend geöffnete TĂŒr.
Im rauchigen Halbdunkel des Raumes sah er sie trotzdem sofort, mit ĂŒbereinander geschlagenen Beinen auf einem Klavierschemel sitzend, ohne Faltenrock und Bluse, ohne BH und Höschen, aber mit schwarzen Pumps an den FĂŒĂŸen. Und der eine Pump wippte neckisch, einladend, fordernd in seine Richtung. Trotz ihrer formvollendeten, blonden Nacktheit dachte er noch daran die HaustĂŒre zu schließen.
Nach einigen Sekunden der Sammlung und der Gewöhnung an das samtene Halbdunkel, zögerte er dann nicht, sich seiner Kleider zu entledigen. Er tat es langsam, gemessen, fast wie in Zeitlupe. Und immer den Blick fest auf die Sitzende geheftet, stets ihrer Reaktionen gewahr. Schade nur, dass er sommerlich leicht gekleidet war und die Entkleidungs-Performance deshalb viel zu schnell vorĂŒber ging. Noch nicht einmal Socken hatte er an den FĂŒĂŸen. Vielleicht sollte er im eiskalten Winter nochmal vorbeischauen?
Schade auch, dass er keine Krawatte trug. Er hĂ€tte sie anbehalten, denn die breite Krawattenspitze wĂŒrde auf das Wesentliche zeigen und die Spitzen aus Stoff und Fleisch beim BĂŒcken aufeinander treffen wie die Pole eines Stromerzeugers.
Er musste sich seines Körpers nicht schĂ€men, er war ein Bild von einem Mann. Auch fĂŒr sein Glied, das jetzt, da es nicht mehr gegen die Enge seines Hosenstalls ankĂ€mpfen musste, sich lupfte und aufquoll wie eine Rolle Hefeteig, schĂ€mte er sich nicht. Das hatte alles seinen guten Grund und verlieh ihm Profil und Ansehen. Trotzdem lĂ€chelte er zerknirscht in ihre Richtung, als er dann schließlich ohne Wenn und Aber nackt im Raum stand. Oh, was war dieses LĂ€cheln, diese Fratze, an Scheinheiligkeit kaum zu ĂŒberbieten.

Ein laszives LĂ€cheln umspielte ihren Mund. Die Situation bedurfte keiner Worte, es mussten zwingend Taten folgen. Große Taten, Heldentaten. Aber stattdessen schob sie sich eine Zigarette in den Mund, zĂŒndete sie an und nahm einen tiefen Zug. Und er, er ging mit hoch erhobenem Haupt auf sie zu, passierte den seitlich im Raum stehenden Standspiegel und warf sich selbst einen bewundernden, anerkennenden Blick zu.
Doch die nackte Brunnenfrau erhob sich fluchtartig vom Klavierschemel, nahm ein Beutelchen aus der Schale, die auf dem Klavier stand, trat auf ihn zu und schob ihm die angerauchte Zigarette in den Mund: „So, schöner Mann, jetzt wollen wir erstmal das Finanzielle klĂ€ren. Und dann packen wir deinen Schwanz in ein Kondom.“ Die Brunnenfrau wedelte mit dem Beutelchen. „Und dann kannst du ihn mir reinficken. Aber denk dran, du musst die LĂ€nge kontrollieren.“ Sie zog die Zigarette aus seinem Mund und blieb abwartend stehen.
FĂŒr einen langen Moment war er wie betĂ€ubt. Er schloss die Augen und schĂŒttelte den Kopf; spĂŒrte, wie sein Mastbaum die Segel strich und sein Traum von Lust und Liebe zerplatzte wie eine schillernde Seifenblase. Er öffnete die Augen, sah sich im Spiegel und selbst jetzt, im Moment bitterer Erkenntnis, fand er sich schön. Keiner war schöner. Er fing an zu lachen. Erst lachte er leise glucksend in sich hinein, dann wurde das Lachen lauter und drang nach draußen. Und wĂ€hrend er lachte, zog er sich hastig die Jeans-Shorts ĂŒber den Hintern, streifte das Polo-Shirt ĂŒber den Kopf und schlĂŒpfte in seine Sandalen.
Die Brunnenfrau stĂŒrmte an ihm vorbei. Der Blick, den sie ihm zuwarf, war messerscharf und tödlich. Und er lachte immer noch, ĂŒber sich selbst und seine Dummheit.
Sie riss die HaustĂŒr sperrangelweit auf: „Verschwinde, du eingebildeter Wichser.“ Doch er bĂŒckte sich nach seinem Slip und schob ihn in die Hosentasche. Dann fingerte er einen Geldschein aus seinem Geldbeutel: „Hier, 10 Euro. Das ist es mir wert.“ Er ließ den Geldschein achtlos auf den Boden fallen und ging.

Als er dann am Fuße der hoch aufragenden Mauer entlang ging, lachte er immer noch. Er fuhr mit den Fingern durch seine Haare, blieb einen Moment vor einem Fenster stehen und sah, dass es gut war.
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Freiheit, Gleichheit, Mahlzeit!

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