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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der Neue
Eingestellt am 19. 08. 2006 17:00


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Ully
???
Registriert: Jan 2006

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Der Neue

Irgendwo fiel eine KinderzimmertĂĽr krachend ins Schloss.

„Sie ist weg! Wieder lässt Johanna uns den ganzen Vormittag hier allein,” maulte der bunt bemalte, hölzerne Hampelmann.
„Ja genau, und das macht sie schon seit drei Wochen so,” gab ein grĂĽner Kuschel-Froschkönig seinen Senf dazu.
Von der Puppenecke kam mĂĽrrisches Gähnen: „Kann man denn keinen Morgen ausschlafen?”, beschwerte sich Barby Susi und schwang sich elegant aus ihrem rosa Himmelbett.
„Oh, wir bösen Jungens haben unser Prinzesschen aufgeweckt,” brummelte der maisgelbe Teddybär Bommel.
Vom Nachttisch erklang strenges Räuspern. Johannas Lieblingsbilderbuch öffnete sich auf Seite Zwölf und verkündete triumphierend:
„Hier seht ihr den Grund, meine nörgelnden Gefährten!”
„Mann, Bommel, drängele doch nicht so, ich will auch sehen was das Buch zeigt,”
meinte der Frosch vorwurfsvoll. Die beiden durften als einzige bei Hanna im Bett schlafen und stritten meistens um den besten Platz.
„Ich will sehen..., ich will sehen..., ich will sehen,” kam ein roter Ball angehopst.
„Na und? Ich sehe nur einen bunten, auf die Spitze gestellten langen Hut,” rief von der Lampe hängend Hampel.
„ Das ist aber kein Hut, du Zappelphillip,” meinte das Buch belehrend.
„Wenn du so schlau bist, dann rĂĽcke schon raus damit,” rief Fräulein Susi ungeduldig.
Wieder räusperte sich das Bilderbuch, richtete sich stolz auf und erklärte:
„Ihr seht hier eine “SchultĂĽte”. Alle Kinder erhalten eine, wenn sie in die Schule kommen.”
„Und was hat Johanna damit zu tun,” fragte Bommel neugierig. Das Buch stöhnte:
„Ist doch klar wie dicke Tinte! Unsere kleine Spielgefährtin wurde eingeschult und muss nun jeden Tag in die Schule.”
„Ah! Verstehe...., verstehe...”, rollte Ball lachend umher, “deshalb auch die vielen leckeren Naschereien in der ZuckertĂĽte.
„Stimmt! Aber ich erinnere mich,” plapperte Frosch, “dass oben ein komisches Ding rausgeschaut hat.”
„Ich auch,” mischte sich Barby ein, “so ein kleines, dickes, schwarzweiĂźes Flauschknäuel. Puh, es graust mir, hoffentlich ist es nicht mehr hier.”
„Psst! Seid mal still,” forderte Buch plötzlich und alle lauschten.
Leises Schluchzen ertönte vom Fensterbrett. Dort hockte der Fremde aus Hannas Schultüte und weinte bitterlich. Betreten sahen sie alle zu ihm hinauf, bis Teddybär vorsichtig fragte:
„He du! Wer bist du denn und warum die Tränen?”
Das Knäuel schniefte laut, wischte seine schwarzen Knopfaugen trocken und antwortete stockend:
„Ich..., ich bin ein Pandabär. Aber, ich weiĂź nicht was aus mir werden soll, denn ihr wollt mich ja nicht bei euch haben.” Wieder heulte das Pandakind los. Das Bilderbuch suchte emsig in seinem Bauch, fand die richtige Seite und las nun vor, was dort ĂĽber Pandabären geschrieben stand.
Susi hauchte erleichtert:
„Dann bist du ja keine so gefährliche Bestie wie ich dachte.”
Der kleine Panda schĂĽttelte stumm seinen dicken Kopf und schaute fragend in die Runde.
„Also, ich finde ihn ganz nett,” sagte Bommel.
„Ich auch. Und eigentlich passt er doch gut zu uns,” setzte Froschkönig hinzu.
Auf einmal brach ein Tumult los. Alle Spielsachen redeten durcheinander, jedes wollte irgendwas wissen. Der rote Ball sprang vor Aufregung bis unter die Zimmerdecke. Hampel versetzte die Lampe in gefährliche Schwingungen. Barby Susi trippelte in ihren rosa Pumps völlig entnervt umher. Teddybär schubste den Kuschelfrosch beinahe ungewollt aus dem Bett. Der laute Knall des zuschlagenden Buchdeckels ließ die ganze Bande erstarren.
„Pfui Spinne! Musst du uns so gemein erschrecken,” tadelte Susi das Bilderbuch.
„Ja! Muss ich, anders seid ihr ja nicht zu beruhigen,” meinte es streng und fuhr fort:
“da die kleine Hanna uns nicht absichtlich vernachlässigt, weil sie nun ein Schulkind ist, dürfen wir ihr nicht böse sein. Hinzu kommt, dass sie sich deshalb auch nicht genug um Pandabär kümmern kann. Also müssen wir uns seiner annehmen.”
„Sehr richtig....., sehr richtig,” hĂĽpfte der Ball aufs Bett und wieder hinunter.
Vom Fenstersims erschallte ein erleichterter Jubelschrei:
„HeiĂźa, juchhe, ich darf bei euch bleiben!”
Der schwarzweiße Bär schlug vor Freude einige Purzelbäume und stürzte beinahe ab.
„Langsam, langsam, Kleiner, sonst tust du dir noch weh,” ermahnte ihn das Buch lachend. Alle Spielsachen waren sich einig, nahmen den Neuen herzlich in ihrer Runde auf und feierten auf der Stelle ein wildes Willkommensfest. Sie tanzten und sangen so vergnĂĽgt, dass sie beinahe erwischt worden wären von der heimkehrenden Johanna.
((( Schwungvoll flog ihre Schultasche in die Ecke und landete der verdutzt dreinblickenden Puppe Susi auf den Füßen. Dann schloss sich die Kinderzimmertür an diesem Tag ein zweites Mal sehr geräuschvoll.
„Seht ihr! Ich hab´s euch doch gesagt“, quengelte der Hampelmann, „die Schule ist aus und sie könnte doch jetzt mit uns spielen. Aber nein! Weg ist sie!“
„Das stimmt!“, weinerlich rieb sich Barby das Schienbein, an dem sich eine kleine Delle abzeichnete, „ja, und wie grob sie geworden ist. Schaut nur, sie hat mich mit ihrem Ranzen verletzt.“
Bommel rannte mit dem Arztkoffer in der Hand, so schnell ihn seine pummeligen Beine trugen, zur Puppenecke.
„Also, du neunmalkluges Bündel Papier, hast du dafür auch eine Erklärung? Steht auf Seite Zwölf etwa geschrieben, weshalb unsere Spielkameradin so verändert ist und sie sogar nachmittags keine Zeit mehr für uns hat?“, rief er dem Buch im Vorbeilaufen zu.
Hektisch blätterten die Buchseiten vor und zurück.
„Da stand doch was darüber…! Das hatte ich doch irgendwo gesehen…! Das muss doch hier sein!“, murmelte es vor sich hin.
Inzwischen kümmerte sich Teddybär ganz lieb um Barbys Verletzung.
„Autsch! Das tut weh, sei doch nicht so grob mit deinen dicken Tatzen,“ jammerte sie.
„Aha,“ rief das Bilderbuch erleichtert, „hier ist es deutlich zu sehen. Unsere Johanna kann erst viel später zum Spielen kommen.“
„Und warum...., und warum....,“ sprang der rote Ball auf das Fenstersims zu Panda.
„Nun,“ erklärte das kluge Buch, „die Kleine muss alles, was sie in der Schule gelernt hat, Zuhause ĂĽben. Das nennt man dann Hausaufgaben machen.“
„Hm. Ach so,“ quakte Frosch, „und was machen wir nun in der Zeit?“
„Ich jedenfalls, habe dadurch endlich mal genĂĽgend Zeit fĂĽr meine Schönheitspflege,“ gurrte Susi wie ein Täubchen.
„Was Anderes könnte unserer Prinzessin auch nicht einfallen,“ neckte der Hampelmann.
„Ich..., ich weis was,“ meldete sich Pandabär, „wir spielen Schule, bis Hanna kommt, und das Buch ist der Lehrer.“
Der Ball hopste vom Sims herunter und meinte:
„Oh ja, ich will auch was lernen.“
„Ich auch,“ krähte Bommel.
„Kein schlechter Vorschlag,“ meinte das Buch, „stimmen wir ab.“
Alle waren dafĂĽr, nur Barby nicht, aber sie musste sich der Mehrheit fĂĽgen.

Nun hielten Johannas Spielsachen jeden Tag ihren eigenen Unterricht ab, bis das Mädchen Zeit für sie fand. Und zwar immer dann, wenn am späten Nachmittag die Kinderzimmertür krachend aufflog











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© by Ulla Magonz

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flammarion
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eine

ganz entzĂĽckende, kindgerechte story. sehr gern gelesen!
lg
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Old Icke

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Ully
???
Registriert: Jan 2006

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gefällt und passt, oder?
Deine Meinung, bitte, flammarion.


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Märchentante
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Superschöne Geschichte, Ully,Glückwunsch.
Lieber GruĂź
Märchentante

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flammarion
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hm,

passt so gut, dass ich es glatt ĂĽberlesen habe.
lg
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Old Icke

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Wolfgang Urach
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Registriert: Mar 2006

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Liebe Ulla,

wirklich eine gut gelungene und nette erzählte Kindergeschichte.
Sehr schön ist die Umsetzung der Erzählidee der sprechenden Spielzeuge, hat mir sehr gut gefallen.

LG
WU

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