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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Der Niedergang
Eingestellt am 23. 06. 2004 15:28


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Franziska
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Der Niedergang

Schon lange überlege ich mir, in welcher Welt wir überhaupt leben. Es ist alles so schnelllebig geworden. Kaum hat man sich ein Paar Schuhe gekauft, schon geht nach zwei Wochen die Sohle ab. Es ist alles auf Nachkauf getrimmt, damit die Wirtschaft angekurbelt wird. Doch wird sie das wirklich? Würden die Leute nicht viel lieber kaufen, wenn das Zeug, das sie kaufen, auch wirklich eine Weile halten würde? Aber es findet sich heutzutage leider kaum mehr etwas anderes als Billigprodukte, die nach kurzer Zeit entweder hoffnungslos veraltet oder kaputt sind. Nicht einmal reparieren lassen kann man die Sachen! Oder wissen Sie, wo in Ihrer Stadt der nächste Schuhmacher ist? Oder glauben Sie, wenn an Ihrem Computer eine Taste klemmt, dass sich im Computer-Shop jemand hinsetzt und daran so lange herumfummelt, bis es wieder funktioniert? – Nein! Da wird gleich die ganze Tastatur ausgetauscht. Denn mit nur einer Taste allein kann man ja kein Geld machen! Wie war das früher alles praktisch: Da wurden die Dinge für die Ewigkeit gebaut! Wissen Sie noch, dass man damals z. B. einen VW-Käfer nicht kaputt gekriegt hat? Da konnte man noch so einen hohen Schneeberg auftürmen mit dem Vorsatz, das gute Teil kaputt zu fahren. – Und er kam immer drüber! Machen Sie das mal mit einem VW-Beatle! – Oder können Sie sich noch daran erinnern, wie lange früher eine Bluse gehalten hat? Heute geht die Naht schon nach dem ersten Waschen auf! Oder wie war das denn mit den Socken? Wohlgemerkt: Sie waren damals etliches teurer als heute. Dafür haben sie aber auch länger gehalten. Und da hat es sich gelohnt, sie zu stopfen, weil man sein Kleingeld für andere Dinge brauchte als Billigramsch. Heute bekommt man fünf Paar Socken für einen Euro nachgeworfen, und nach zwei Wochen sind sie kaputt. Zu Stopfen lohnt es sich nicht mehr. Für dieses Geld lohnt es sich nicht einmal, Sockenwolle zu kaufen. Und dann muss man ja auch noch die Arbeitszeit dazurechnen...! Wir Deutschen denken ja bei solchen Dingen immer zuerst an die Arbeitszeit.
Ich sehe es noch kommen, dass wenn in Zukunft irgendjemand einen Bandscheibenvorfall hat, er nicht nur die eine Bandscheibe operiert bekommt, sondern gleich sein ganzes Skelett ausgetauscht wird. Das kauft der geschäftstüchtige Arzt dann am günstigsten in Taiwan ein und verscherbelt es zu einem Qualität versprechenden Preis an den Kunden, heißt an den Patienten. Der reicht die Rechung munter an seine Krankenkasse weiter, und wenn er vorher weder Zeit noch Geld an gesunde Lebensführung oder gar Rückenschule verschwendet hat, kommt er dabei echt billig weg.
Wie wäre es, wenn man bei solchen Ärzten, oder besser noch bei den Chefs der Firmen, die solchen Schund vertreiben, sollten sie jemals auch in den Genuss kommen, z. B. ein neues Hüftgelenk zu brauchen, mit dem Hüftgelenk und der Wirbelsäule auch noch gleich das Gehirn austauscht? Oder das Herz? Vielleicht nehmen diese dann ihre Mitmenschen dann wieder als Menschen und nicht nur als Ausschlachtungsgegenstand wahr? – Doch das wäre zu schön um wahr zu sein. Nein, diese Leute haben solche Krankheiten nicht.
Wie dem auch sei: Ich mache mir nichts vor. Es wird weitergehen mit dem Ausbeuten des Menschen und der natürlichen Ressourcen. Reparaturen werden sich auch in Zukunft immer weniger lohnen, weil das ja viel zu teuer wäre. Man muss ja die Arbeitszeit bedenken! Und Zeit ist Geld. Lieber in Billigprodukte investieren und die gerade so verkaufen, dass man etwas Neues kaufen muss, wenn es kaputt gegangen ist. Und wenn ausgetauscht werden muss, dann wenigstens richtig!

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jon
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Billigprodukte und "warum gesund leben, es gibt doch Medizin" sind zwei verschiedene Themen. Auch wenn es in der Quintessenz auf ähnliche, wenn nicht gar gleiche Wurzeln zurückzuführen ist. Am "schädlichsten" für den Text halte ich – neben einem gewissen Wiederkäu-Effekt – die Schimpftirade am Ende: "Die bösen geldgierigen Ärzte und Medizinbedarfhersteller sind schuld!" – auch an den billigen Schuhen, die am Anfang genannt werden? Und was hat "geldgierig" mit "hirnlos" zu tun?
Alles in allem: Nicht schimpfen – argumentieren! Und das möglichst konkret statt rundumschlagend allgemein…
__________________
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Franziska
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Hallo jon,

es freut mich, dass ich fĂĽr diesen Text einmal konstruktive Kritik bekomme. Aus diesen GrĂĽnden, die Du ansprichst, hatte ich ihn ja lange Zeit in der Schreibwerkstatt. Leider fast ohne Reaktion. So ging ich davon aus, dass es wohl o. k. sei...

Du schreibst: "Billigprodukte und 'warum gesund leben, es gibt doch Medizin' sind zwei verschiedene Themen". So dachte ich auch bis jetzt die meiste Zeit. Doch musste ich feststellen, dass das nicht unbedingt der Fall ist. Dieses Frühjahr war ich in Kur, wo ich so einiges mitbekam (bei der mir übrigens auch diese Gedanken kamen). Außerdem arbeitet mein Mann in der Medizinelektronikbranche. Und was man da so mitkriegt, ist oft haaresträubend...

Was ich nicht verstehe: Was meinst Du mit dem Wiederkäu-Effekt? Wo wiederhole ich mich? Ich bin gern bereit, an dem Text weiter zu arbeiten. Wenn ich nur wüsste, wo ich ansetzen sollte.

Was Du als Schimpftirade bezeichnest, war eigentlich nicht so gemeint. Kommt das wirklich so an? Mein Ziel war eher mit "spitzer Feder" auf etwas aufmerksam machen, was mir aufgefallen ist.

Ja, was hat geldgierig mit hirnlos zu tun? Ich glaube, wenn jemand wirklich nachdenkt, stellt er doch fest, dass er nicht der einzige Mensch hier auf Erden ist. Und um das Zusammenleben untereinander zu erleichtern, sollten wir es uns doch so angenehm wie möglich machen miteinander, oder? Und wenn jemand immer nur versucht, alles aus anderen herauszupressen und selber möglichst wenig beisteuert, denke ich, ist das etwas kurz gedacht, weil das meistens auf einen selber wieder zurückfällt. So ist zumindest meine Meinung. - Soll ich das mit dem "hirnlos" lieber weglassen? Ich will ja auch nicht beleidigend sein!

LG
Franziska

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jon
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1. Wiederkäuen
Mal sehen, ob ich deutlich machen kann, was den „Wiederkäu-Eindruck“ bei mir auslöste. Ich gehe mal durch und schreibe – übertrieben – meine Reaktionen dazu:


Schon lange … Geld machen! Haben Sie das schon gemerkt?

Da ist es das erste Mal passiert: Nach der schönen Schlag-auf-Schlag-Aufzählung, die wirklich eindringlich ist, kommt die Frage „Haben Sie das schon gemerkt?“ Natürlich hab ich das – und zwar bei jedem einzelnen erwähnten Beispiel! (Selbst wenn ich es eigentlich nicht bemerkt habe – die Retorik der Aufzählung ist so gut, dass man als Leser sagt: „Genau ey!“)


Wie war … Heute bekommt man fünf Paar Socken für einen Euro nachgeworfen, und nach zwei Wochen sind sie kaputt. Zu Stopfen lohnt es sich nicht mehr, denn um die Ecke warten schon die nächsten sieben Paar um 1,25 Euro!

Ist das nicht zweimal dasselbe? Nur einmal mit 1 Euro für 5 Paar und einmal mit 1,25 Euro für 7 Paar…


Für dieses Geld … wird. Kann man doch mehr Kohle machen damit, oder? Als nur so an der einen Bandscheibe herumzupfuschen. Lieber ganze Arbeit mit Plastikskeletten aus Taiwan, für die man aber richtig abkassieren kann, …

Das ist dasselbe Argument wie weiter oben mit der Computer-Tastatur. (Stil/Klang: Auch die mehrfache Verwendung von „Skelett“ – ein sehr „starkes“ Wort, das auffällt – in nur unwesentlich variierender „Verpackung“ wirkt sehr aufdringlich.)


…für die man aber richtig abkassieren kann, weil es ja Medizinbedarf ist. Für … sagen. Wenn wir die dann auch noch selber bezahlen dürfen, wissen wir endgültig, wie geldgierig unsere Mitmenschen (Ärzte mit eingerechnet) sind. Denn wichtig ist doch nur, dass der Dollar rollt, koste es, was es wolle!
Wie wäre es, wenn man bei solchen Ärzten, oder besser noch bei den Chefs der Firmen, die solchen Schund vertreiben, sollten sie jemals auch in den Genuss kommen, z. B. ein neues Hüftgelenk zu brauchen, mit dem Hüftgelenk und der Wirbelsäule auch noch gleich das Gehirn austauscht? Oder das Herz? Vielleicht nehmen diese dann ihre Mitmenschen dann wieder als Menschen und nicht nur als Ausschlachtungsgegenstand wahr? – Doch das wäre zu schön um wahr zu sein.


Diese gesamte Passage sagt – mit vielen Worten – nur eins: Ärzte und Medizinbedarfhersteller sind geldgierig und gewissenlos. (Was so pauschal natürlich nicht stimmt, aber dazu unten mehr.)


Nein, diese … nicht. Und würde man, wollte man Herz oder Gehirn austauschen, tatsächlich auch eines finden? Oder wäre da nur eine Hohlkammer?

Diese beiden Fragen sind inhaltlich (nahezu) identisch.

Ich … Ressourcen. Reparaturen werden sich auch in Zukunft immer weniger lohnen, weil das ja viel zu teuer wäre.

Dass es nicht lohnt, weil es (verglichen mit dem Neuanschaffungspreis) zu teuer wäre, steht vorn schon – und so weit weg ist der Anfang des Textes nicht, dass es der Leser schon vergessen haben könnte.


Man muss ja die Arbeitszeit bedenken! Und eine Arbeitskraft kostet Geld.

Das ist – nur in Zeit statt Geld gerechnet – dasselbe Argument wie eben. Abgesehen davon kommt hier noch die stilistische (Klang-)Dopplung von „Arbeit“ hinzu, die den Wiederkäu-Eindruck verstärkt.


Lieber in Billigprodukte investieren und die gerade so billig verkaufen, …

…und hier ist es die Dopplung von „billig“



2. Themen:
Es sind eigentlich sogar drei Themen, die in der Skelett-Passage ineinander ĂĽberschwappen, ohne wirklich miteinander zu tun zu haben.
Das eine Thema ist: Der Kunde kauft billig ein und kriegt Billigware (falsch gespart).
Das andere Thema ist: Der Kunde (hier „Patient“) kauft teuer ein und kriegt Billigware (Betrug).
Das dritte, kurz erwähnte Thema ist: Leute von heute sind faul/genusssüchtig und erwarten dann Wunder vom Arzt.


3. Schimpftirade
Spätestens bei der (offensichtlich an jeder biologischen Realitiät vorbeigehenden) Behauptung, bei Ärzten & Co würde man möglicherweise weder Herz noch Hirn vorfinden, verlässt es den Boden der spitzfindigen Argumentation (Argument = FAKT, der etwas beweist). Und: Auch wenn im Text „solche Ärzte“ steht, klingt es wie „alle Ärzte“ – nicht zuletzt deshalb, weil die Einschränkung auf „solche Ärzte“ erst nach der langen Passage mit den Billigskeletten kommt: Man hat sich schon in Rage gelesen und im Kopf „diese verdammten geldgierigen Ärzte!“ verankert.


4. hirnlos
Der Begriff „hirnlos“ steht für „bar jeder Logik, jeden Sinns“ – aber „solche Ärzte & Co“ bedienen sich durchaus einer Logik: Billig einkaufen, teuer verkaufen – das ergibt einen Sinn: Es bringt Gewinn. „Hirnlos“ wäre, wenn sie sich selbst (wissend um die schlechte Qualität) ebenfalls mit der Schundmedizin behandeln würden – aber das tun sie nicht, wie du im Satz „Nein, diese Leute haben solche Krankheiten nicht.“ ja andeutest.

An diesem Beispiel sieht man sehr gut, wie wichtig es ist, genau das passende Wort (bzw. den passenden Vergleich) zu finden. Natürlich ist es in unvernünftig, nur für den Moment zu denken – JETZT billig zu kaufen, oder JETZT Schludermedizin zu betreiben. Aber „hirnlos“ ist eben eine ganz andere Aussage als „unvernünftig“…


Ăśbrigens:
„Und wenn jemand immer nur versucht, alles aus anderen herauszupressen und selber möglichst wenig beisteuert, denke ich, ist das etwas kurz gedacht, weil das meistens auf einen selber wieder zurückfällt.“ –––– Das ist ein Märchen. Es klingt plausibel, weil wir solche Märchen immer wieder und immer wieder gern hören (, eine ganze Unterhaltungsindustrie lebt vom Verkauf von „am Ende gewinnt der Gute“-Büchern/Filmen). Aber mal ehrlich: Wann hast du mal von einem realen Fall gehört, wo ein Typ, der andere ausgenutzt bzw. ausgebeutet hat, am Ende schlechter dasteht als die, die er ausgenutzt oder ausgebeutet hat?
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Franziska
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Hallo jon,

danke für Deine ausführliche Antwort. Ich denke, das mit dem Wiederkäu-Effekt habe ich einigermaßen verstanden. Aber ganz so schnell lasse ich mich dann doch nicht überzeugen. Nämlich dass der Leser sagt: "Genau ey", das will ich ja gerade erreichen. Meinst Du, ich soll diesen Satz "Haben Sie das schon gemerkt" lieber weglassen? Ich bin mir irgendwie unsicher, ob das dann noch so rüberkommt, wie ich das meine. Aber wenn Du meinst, ich soll es weglassen, werde ich es löschen. - Mit den Socken ist es dasselbe in Grün. Soll ich da den zweiten Satz auch löschen? (Hilfe, mein Text!)

Das mit den Skeletten leuchtet mir ein. Werde nochmal drüber nachdenken, wie ich das verbessern kann. Und auch das mit der Hohlkammer. Ich glaube, das werde ich gleich löschen. Dass sich Reparaturen nicht mehr lohnen und dass sich das vom Anfang wiederholt, werde ich auch nochmal durchdenken. Soll ich das einfach ganz streichen? - Auch das mit 2 x billig, danke für den Hinweis.

Bezügl. der Themen wollte ich noch fragen, ob ich diese besser trennen sollte. Irgendwie erscheint mir das schwierig. Hast Du eine Idee, wie ich das hinkriegen könnte?

Das "dritte kurz erwähnte Thema" ist m. E. eine Meinungsäußerung, ohne die wohl kaum ein Artikel auskommt, oder? - Leider muss ich mich jetzt ausklinken. Aber morgen werde ich mich dieses Themas bestimmt nochmal annehmen. Ist also nicht vergessen! Doch danke für Deine Mühe. Vielleicht wird's ja doch noch was.

LG
Franziska

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jon
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Das mit den Wiederholungen ist "ganz einfach" (theortisch jedenfalls ) – Jeder Satz, der nicht etwas Neues sagt oder das Bild vervollkommnet, ist überflüssig. Das ist natürlich nur eine Faustregel, kein Gesetz (, manchmal sind "Schleifen" sogar gut). Aber tatsächlich kann man einen Satz(teil) beruhigt streichen, wenn nach der Streichung keine "Lücke" entsteht.
Es ist m.E. sogar notwendig, diese Sätze zu streichen – der Leser bekommt sonst den Eindruck, dass der Autor ihn für zu blöd hält, es schon beim ersten Mal begriffen zu haben. (Auch wenn es in Wirklichkeit so ist, dass der Autor sich der Wirkung seines Textes nicht sicher ist – was aber auch nicht gerade "prickelt".)
Das "Genau ey!" erreichst du mit dem ersten Absatz sehr gut – wenn du dann aber fragst "Haben Sie das schon bemerkt?" dann erzeugt das den Eindruck "Na klar hab ich das, ich bin doch nicht so doof, etwas so Offensichtliches nicht zu bemerken!". Also die Frage einfach streichen!


Die Themen…
Das dritte Thema weglassen – es ist
1.) keine Meinung, sondern eine Behauptung, die eine neue Argumentationskette nach sich ziehen mĂĽsste
2.) hat es mit keinem der anderen beiden Themen direkt zu tun.

Man KANN die beiden anderen Themen (und auch das dritte) in einem gemeinsamen Text abhandeln. Aber das ist nicht ganz einfach – entweder man neigt ohnehin zu eher analytischen, auseinandernehmenden, differenzierenden Denkmustern oder (bzw. und) man muss es üben. Man ist (nicht nur in der Journalistik, aber da besonders) immer gut beraten, sich EIN Thema pro Text vorzunehmen und dies lieber etwas tiefgründiger zu betrachten.
Man könnte zum Beispiel – wenn du das mit den Ärzten behalten möchtest – das Thema "Billigprodukt" auch darauf untersuchen, was das für das Kaufverhalten bedeutet: nämlich dass man durch "billig = schlecht" zugleich auch zu "teuer = gut" erzogen wird und dies von Betrügern ausgenutzt wird. Und dass die "Austausch-Mentalität" auch auf Gebiete übergreift, wo sie völlig fehl am Platz ist. Dann kann man auf die betrügerischen Ärzte hinweisen. Punkt. Heißt: Die langen(!) Auslassungen über die Moral jener Ärzte und das Gesundheitsverhalten der Bürger gehören nicht zum Thema "Billigprodukte".

Die ganze Passage
Ich sehe es noch kommen, dass wenn in Zukunft irgendjemand einen Bandscheibenvorfall hat, er … eines finden? Oder wäre da nur eine Hohlkammer?
würde ich „eindampfen“ auf:
Ich sehe es noch kommen, dass wenn in Zukunft irgendjemand einen Bandscheibenvorfall hat, er nicht nur die eine Bandscheibe operiert bekommt, sondern gleich sein ganzes Skelett ausgetauscht wird. Das kauft der geschäftstüchtige Arzt dann am günstigsten in Taiwan ein und verscherbelt es zu einem Qualität versprechenden Preis an den Kunden, heißt an den Patienten. Der reicht die Rechung munter an seine Krankenkasse weiter, und wenn er vorher weder Zeit noch Geld an gesunde Lebensführung oder gar Rückenschule verschwendet hat, kommt er dabei echt billig weg.
Da sind alle deine Themen erwähnt (und laden zum Weiterdenken ein), ohne dass sie das Hauptthema "Billig ist in!" "erschlagen".

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