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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Ozean auf der Nadelspitze
Eingestellt am 03. 05. 2004 20:22


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Cirias
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DER OZEAN AUF DER NADELSPITZE



Sie sah auf ein Fenster ohne Licht. Das FlĂŒstern der Vogelstimmen hing wie zerbrochenes Glas in den BĂ€umen. Ihre HĂ€nde zitterten. Manchmal fuhr ein Auto vorĂŒber und ließ Streiflichter ĂŒber ihr blasses Gesicht wandern. Von ihrem Platz auf der Bank sah sie die ganze Welt. Es fehlte etwas darin. Der Junge hatte ihr die Sprache und das Schweigen genommen. Den Augenblick und alles was noch kommen wĂŒrde. Sie hielt das Nadelkissen in ihrer Manteltasche umklammert. Die Nadelköpfe pressten helle Druckstellen in ihre Haut. Mit den Fingerspitzen ihrer anderen Hand tastete sie nach der Stofftasche, die sie immer bei sich trug. Ein Mann kam nĂ€her. Er blieb vor ihr stehen. Sein Schatten verdunkelte ihren frierenden Blick.

Als sie vier Jahre alt war, schenkte ihr Vater ihr eine vergoldete Nadel. Er war Schneider und es gab nie einen Zweifel daran, dass sie, die einzige Tochter, eines Tages seine Werkstatt ĂŒbernehmen wĂŒrde. Doch es kam anders. Ihr Vater wurde krank. Er starb. Ihre Mutter verkaufte alles was er besaß und trĂ€umte sich in eine Welt, aus der sie niemals mehr hinaus fand. Man gab sie in ein Waisenhaus. Wenn sie dort an dem vergitterten Fenster ihres Zimmers saß, konnte sie durch das Fallen des Wassers und das FlĂŒstern des Windes die Stimme ihres Vaters hören und es gab nichts, das sie zum Schweigen brachte. Die Nadel, die ihr Vater ihr geschenkt hatte, lag auf einem blauen Samtkissen in einer GlashĂŒlle, durch die das Licht wie die Wellen auf der See atmete. Das flĂŒchtige Glitzern der Nadelspitze erinnerte sie an die Nachmittage in der Werkstatt. Die Luft war erfĂŒllt vom leisen Knistern der Stoffe. Die Bewegungen der Nadel blieben lautlos. Nur wenn ihr Vater an der alten Singer- NĂ€hmaschine saß, schrumpfte der große und helle Raum unter der Sinfonie der GerĂ€usche zu einer winzigen nadelförmigen Kammer, in der ihr Vater wie ein Zauberer zwischen den NĂ€herinnen, den KleiderstĂ€ndern und den Regalen mit Stoffballen hockte.

Der Mann leuchtete ihr mit einer Taschenlampe ins Gesicht, dann schwenkte er auf ihre Stofftasche. Er trug die Uniform eines Wachdienstes. FĂŒr einen kurzen Augenblick lang sahen sie sich in die Augen. Sie wusste nicht was sie sagen sollte, also schwieg sie. Der Mann ging weiter. Es begann zu regnen. Sie stand auf und ging auf das haus mit den dunklen Fenstern zu. Seit dem Morgen fĂŒrchtete sie sich davor, in ihre Wohnung zurĂŒckzukehren. Dort gab es nichts, was sie trösten konnte. Der Regen wurde stĂ€rker. Sie flĂŒchtete sich in einen Hauseingang. Nachtlichter durchschienen die Regenluft. Luft, die nach dem Haar, dem Atem, der Stimme des Jungen roch, dem sie heute Morgen begegnet war. Eine Geschichte hĂ€tten das ihre Kolleginnen genannt. Es war ihre einzige Geschichte.

Am Morgen hatte man sie entlassen. Der Prokurist ĂŒberbrachte ihr das Schreiben, als sie ĂŒber eine aufwĂ€ndige NĂ€harbeit gebeugt an der Maschine saß. Sie konnte sofort gehen. Man ĂŒberreichte ihr ein Dankschreiben der Firmenleitung und eine Auswahl feinsten NĂ€hgarns in einer PrĂ€sentschachtel aus Plastik. Mit ihr gingen sieben andere NĂ€herinnen. Eine Weile standen die Frauen unschlĂŒssig vor dem Fabriktor. Der graue Himmel hatte die Schatten aus ihren Körpern gesaugt Als sie alle gegangen waren, stand sie noch immer dort.

Sie hatte nichts anderes gelernt als zu nĂ€hen. Es erschien ihr sinnlos, irgendwo hinzugehen. Jemand brachte ihr die Stofftasche, die sie in der Fabrik vergessen hatte. "Gehen Sie jetzt", sagte er. Ihre FĂŒĂŸe setzten sich in Bewegung. Mechanisch stieg sie in den Bus. Durch die schmutzigen Scheiben sah sie auf das schweigende Gesicht der Stadt. FrĂŒher hatte sie tagsĂŒber nicht so viele Menschen auf den Straßen gesehen. Seit der Wirtschaftskrise war alles anders. So lange sie in die Fabrik gegangen war, schien sich nichts verĂ€ndert zu haben. Jetzt sah sie auf die elenden Gestalten der Vorstadt, die gittergeschĂŒtzten Schaufenster der leeren GeschĂ€fte und die Schlangen vor den Ausgabestellen der stĂ€dtischen Tafel. Sie hatte Angst. An einem Platz, der ihr so fremd erschien wie alles was sie sah, stieg sie aus. Die DĂ€cher der schmalgiebligen HĂ€user ragten wie Nadelspitzen in den bleiernen Himmel. Sie erkannte den kleinen Kiosk, das von hellen BĂ€umen umstandene Rondell mit den MetallbĂ€nken und das Rund der HĂ€userfassaden aus der GrĂŒnderzeit. In dem GeschĂ€ft an der Ecke kaufte sie ein Brötchen, einen Apfel und einen winzigen Spiegel. Sie wurde das GefĂŒhl nicht los, dass die Leute sie anstarrten. Verstohlen hielt sie den Spiegel vor ihr Gesicht. Sie strich sich die Haare glatt. Unter ihren Augen standen dunkle Schatten. Ihre Tasche fiel zu Boden,
ohne dass sie es bemerkte. Sie lief ein paar Schritte ohne zu wissen wohin. Plötzlich lag eine Hand auf ihrer Schulter. Sie drehte sich erschrocken um.
"Was verloren?" Der Junge, der vor ihr stand, mit zerzaustem Haar und in einem Trenchcoat, der ihm viel zu groß war, lĂ€chelte sie an. Die weiße Stofftasche hing ĂŒber seine Schulter. Sie antwortete nicht.
"Wohnst du hier? Wir könnten was trinken gehen, so als kleines Dankeschön. Ist nÀmlich ziemlich kalt."
Sein LĂ€cheln haftete in ihrem Gesicht. Das Blau seiner Augen verbarg einen Blick, der nie zur Ruhe kam. Er gab ihr die Tasche.
"Auch noch die Sprache verloren?" Jetzt lachte er, wobei er seine dunklen lockigen Haare schĂŒttelte.
"Nein. Nein, so ist es nicht." Zum ersten Mal seit langer Zeit lĂ€chelte sie. Sie ĂŒberlegte eine Weile. "Wir könnten zu mir gehen."
Im gleichen Augenblick, wo sie das gesagt hatte, bereute sie es. Sie biss sich auf die Lippen, doch der Junge legte seine Hand auf ihren Arm.
"Worauf warten wir dann noch?"
In ihrer Wohnung war es kalt. Sie setzte den Wasserkessel auf. Ihre HĂ€nde zitterten. Sie war es nicht gewohnt, jemanden in ihrer Wohnung zu haben, schon gar nicht einen Mann. Verlegen setzte sie sich an den Tisch. Der Junge zog seinen Mantel aus.
"Ich trinke keinen Kaffee. Ich werde etwas Tee aufsetzen", sagte sie leise. "Die meisten trinken Kaffee, nicht wahr?"
Der Junge lĂ€chelte sie an. Sie spĂŒrte seine Blicke wie ein Feuer in ihrem Herzen. Sie fror. Der Junge sah sich in ihrer Wohnung um. Er hatte einen weichen federnden Gang und seine Bewegungen hinterließen keine Spur, keinen Schatten, nichts. Plötzlich blieb er hinter ihr stehen. Mit seinen Lippen fuhr er durch ihr Haar. Er zog ihren Mantel aus. Seine HĂ€nde glitten ĂŒber die Wölbung ihres Pullovers. Sie stand auf.
"Der Tee... Das Wasser muss gleich kochen... Ich werde-"
Sie spĂŒrte plötzlich den salzigen Geschmack seiner Lippen auf ihrem Mund. Die Luft um sie herum war erfĂŒllt vom Meeresrauschen.
WÀhrend sie plötzlich jeden Widerstand aufgab und in seiner Umarmung versank, dachte sie an den einzigen Tag, den sie zusammen mit ihrem Vater am Meer verbracht hatte. Die Wellen hatten schmale Lichtkreise in den Himmel gemalt. Das Wasser war kalt und die Schiffe verschwanden im Winternebel. Manchmal fing sich die Gischt wie eine vergessene Sprache in den Schattennetzen des Ozeans, dort wo die Bilder ihrer wiederholten TrÀume ihren Anfang genommen hatten. Es war das schönste, was sie je gesehen hatte.
Der Junge zog sie fort, fort aus der KĂŒche, wo sie den Herd ausgeschaltet hatte, fort von ihrer kleinen Welt, fort von allem, auf der Suche nach dem Universum im Kleinsten, da wo fĂŒr das menschliche Auge nichts mehr sichtbar war. Seine HĂ€nde streichelten die Nacht herbei. Seine Fingerspitzen rieben Mondkrater in ihre Haut. Er machte, dass sie nichts mehr war. Es war als wĂŒrde sie aus unsichtbarer Höhe ins Nichts fallen. Seine Zunge malte glĂ€nzende Schatten auf ihren Körper. Atemstaub schimmerte auf ihren BrĂŒsten. Vor dem Fenster hingen StaubfĂ€den aus Licht. War es noch Tag? War es Nacht? Seine Bewegungen öffneten stumme TĂŒren. Alles wonach sie sich damals nach dem Tag am Meer gesehnt hatte, lag in diesen Augenblicken verborgen. Wie ein schwimmendes Blatt trieb sie ĂŒber die blaue Bahn des Ozeans. Sie fĂŒhlte sich geborgen.
Ihre Bewusstlosigkeit wĂ€hrte nur Sekunden. Der blasse Raum um sie herum war erfĂŒllt vom Gesang der Wellen. Der Junge trat an ihr Bett. Er war angezogen und seine Haare waren nach hinten glatt gekĂ€mmt. Er lĂ€chelte nicht mehr.
"Muss gehen", sagte er.
"Wann kommst du wieder?"
Er schĂŒttelte den Kopf. "Ich komme nicht wieder." Er sah ihren bestĂŒrzten Blick. "Vielleicht. Vielleicht komme ich heute Abend wieder, heute um acht. Wenn nicht, dann komme ich nie wieder."
Er ging. Sie hörte das leise Klacken der HaustĂŒr. Die Luft war ein blaues Labyrinth, aus dem die Novemberstimmen riefen. Sie stand auf und ging. Lange WolkensĂ€ume standen vor dem Nachmittagshimmel. Sie setzte sich auf eine Bank an der anderen Seite des Platzes. Sie wartete.

Eine Windbö blies den Regen in den Hauseingang. Es war nach neun. Er wĂŒrde nicht mehr kommen. Auf ihrem Gesicht zerliefen der Regen und die TrĂ€nen. Ihr war, als hĂ€tte sie nur diesen einen einzigen Tag gelebt. Sie hatte alles erfahren: NĂ€he, Schmerz, Hingabe, Einsamkeit und Sehnsucht.
Als sie damals mit ihrem Vater vom Meer zurĂŒckgekehrt war, hatte sie ein Ă€hnliches GefĂŒhl, es war nur noch nicht enttĂ€uscht worden.
Ein stechender Schmerz durchfuhr ihre Hand. Sie zog die Hand aus der Manteltasche. Die Nadel war aus der Schatulle gefallen und hatte sie in den Handballen gestochen. Der goldene Nadelkopf schimmerte im Regenlicht. Vorsichtig zog sie die Nadelspitze aus der Haut. Langsam rann das Blut in ihren Ärmel. Schon als Kind hatte sie aus den kleinsten Verletzungen stark geblutet. Sie sah auf die dunkle Fensterfront ihrer Wohnung. Die Nacht war endlos. Sie hielt die Nadel gegen das Regenlicht. Ihre Lippen öffneten sich. Sie spĂŒrte die Zungenspitze des Jungen in ihrem Mund, spĂŒrte den kalten Schatten der Nadel an ihren Lippen. Sie schluckte. Mit jedem Schlucken bohrte sich die Nadel tiefer in ihren Hals. Sie musste husten. Etwas warmes lief in öligen Wellen ihren Hals hinab. Sie hockte sich auf den kalten Stein. Ihr wurde schwindlig. Das Wasser des Meeres flutete ihren Körper. Sie schloss die Augen. Alles war unendlich blau. Der Himmel legte sich auf den Meeresgrund. Wenn sie sich bewegte, fing die Nadel ihre Bewegungen ein und wie eine Sonne lenkte sie den Ozean, den Mond und die Sterne in ihre Bahn. Der Saum des Meeres hielt fest, was lĂ€ngst verschwunden war. Was sie sah, war wie ein Spiegel ihrer wiederholten TrĂ€ume. Sie atmete alles aus. Mit der DĂŒnung des Ozeans verschwand sie an einen Ort, an den ihr niemand folgte.




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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An Cirias

Eine wunderbar erzÀhlte, schöne und traurige Geschichte. Ich empfand beim Lesen deutlich die Steigerung, sowohl im Inhalt als auch im sprachlichen Ausdruck.

Den Höhepunkt bildet die Liebesszene, fĂŒr die du einfĂŒhlsame und bewegende Wortbilder gefunden hast.

Seine HĂ€nde streichelten die Nacht herbei. Seine Fingerspitzen rieben Mondkrater in ihre Haut. Er machte, dass sie nichts mehr war.

Der Faden der ErzĂ€hlung legt zwar ihr Ende nahe am Schluss, aber wie du es geschehen lĂ€sst, hat mich bewegt. Das Verschlucken der Nadel, die ihr nun endgĂŒltig zum Schicksal wird. Das Verschwinden mit der DĂŒnung des Ozeans. Das Lesen hat mich traurig gemacht, aber ich bereue es nicht.

Ich freue mich, Geschichten dieser Art hier zu lesen.

Lotte Werther

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Herzog
???
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Es ist ein Text ĂŒber eine Ver-RĂŒckte, und nur deshalb kann man das alles ertragen: dieses Fehlen von Logik und diese verquaste Psychologisierung, diese vielen unbedachten, einander (eigentlich) ausschließenden VersatzstĂŒcke des ErzĂ€hltextes, diese bemĂŒht-lyrischen Metaphern, die Vergleiche – gewollt-originell, dabei aber oft schief bis zur LĂ€cherlichkeit. - Die Protagonistin, Ă€rgerlich in ihrer PassivitĂ€t und in ihrer UnfĂ€higkeit, anders als gegen sich selbst tĂ€tig zu werden, bleibt auf eben diese UnfĂ€higkeit der Teilhabe an der Welt reduziert. Sie wird nur als Typus sichtbar, gewinnt trotz aller BemĂŒhungen von dir, Cirias, keine Konturen, wird nicht zum Charakter, so dass eine Auseinandersetzung mit ihr und ihrem Schicksal letzten Endes sinnlos erscheint...

Was mich allenfalls mit dem Text ein wenig versöhnen kann, ist die Stringenz der ErzÀhlhaltung: Diese kurzen SÀtze, dieses unverbundene Nebeneinander von eigentlich ja auch nicht Verbindbarem. Da zeigt sich dann eine gewisse erzÀhlerische Konsequenz, durch die dein Text so etwas wie eine eigenstÀndige, in sich geschlossene Form erhÀlt.

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Cirias
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Liebe Lotte-Werther,
vielen Dank fĂŒr deine wohlwollenden Worte und deine sensiblen LeseeindrĂŒcke, die fĂŒr mich wiedergeben, was ich beabsichtigt hatte- und das ist immer ein gutes GefĂŒhl. Ja, traurig ist die Geschichte, aber ihr Glaube, auf diese Weise vielleicht dem Meer immer nah sein zu können, ist vielleicht ein Trost.
Herzliche GrĂŒĂŸe, Cirias

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Cirias
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Hallo Herzog (man kann sich ja wenigstens anreden, nicht wahr, Herzog...),

keine Ahnung, welchen Text du gelesen hast-meiner kann es nicht gewesen sein...Es ist beileibe kein Text ĂŒber eine "VerrĂŒckte" (Ist fĂŒr dich jeder Mensch, der traurig ist, der enttĂ€uscht worden ist, ein VerrĂŒckter?!)Allerdings bin ich dir fĂŒr diese Eingangsbemerkung dankbar, weil sie mir deinen folgenden Rundumschlag zu verstehen hilft. Zweiffellos bist du zu jeder Kritik berechtigt- du belegst sie aber nicht an Beispielen. Jede einzelne Zeile in diesem Text hat etwas mit dem inneren Erleben der Figur zu tun- psychologisieren ("VerrĂŒckte") tust du, ich lasse meine Figur nur aus ihrem Schmerz heraus die Welt betrachten. Das BruchstĂŒckhafte des Textes ist Teil ihrer zu BruchstĂŒcken gewordenen Welt. Sie ist aber Einheit im Bild des Ozeans.Alles in diesem Text hat eine Entsprechung, mir ist das vor der Publizierung hier vielfach bestĂ€tigt worden, und mir ist das wichtig, denn eine Kurzgeschichte sollte nichts ÜberflĂŒssiges haben, alles sollte ineinander greifen, die Metaphern sind nichts anderes als ihre erlebte Welt- versuch doch einfach einmal, die Welt durch die Augen eines solchen Menschen zu sehen.
Im letzten Absatz deiner Kritik widersprichst du dem eingangs von dir kritisiertem, aber bei so herber Kritik nehme ich das natĂŒrlich dennoch augenzwinkernd an.
Gruß(auch das gehört zu den Gepflogenheiten der LL...), Cirias

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Herzog
???
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Bitte genau lesen

Lieber, verehrter Cirias,

als "Ver-RĂŒckte" habe ich deine Protagonistin tituliert und damit gemeint, dass sie durch irgendetwas oder irgendjemanden (den Vater?) aus ihrer Lebensmitte verrĂŒckt worden ist... mit der Folge, dass sie nun allerdings auch in dieser Position verharrt...

Im Übrigen rĂ€ume ich ein, dass es dir natĂŒrlich unbenommen bleiben muss, einen Menschen auf sein "Ver-RĂŒckt-Sein" zu reduzieren, warum nicht. Ich denke allerdings, dass du ihn (oder in deiner ErzĂ€hlung: sie) damit nur sehr unzureichend erfasst. So bleibt sie fĂŒr mich - trotz aller zweifellos origineller, wenn auch in meinen Augen nicht immer gelungener Metaphern und Vergleiche - von blasser EindimensionalitĂ€t.

Mit den besten GrĂŒĂŸen von Haus zu Haus, Herzog





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Cirias
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Hallo Herzog,
es ist absolut ĂŒberflĂŒssig, sich ĂŒber die von mir angemahnten Umgangsformen lustig zu machen.Das ist kindisch.
Mit dem "Ver-rĂŒckt" hast du recht.
Dass du die Figur als eindimensional erlebt hast, muss ich so hinnehmen, allerdings habe ich ihren Seelenzustand, der notwendigerweise eine Verengung impliziert, nie als Reduzierung empfunden. Und Metaphern sind in der Tat auch eine Frage der persönlichen Vorlieben, sie sollten aber immer in Beziehung zum Text stehen. Auch das kann ich als Kritik akzeptieren.
Gruß, Cirias

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