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Leselupe.de > Science Fiction
Der Patient
Eingestellt am 04. 06. 2001 23:47


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Doc Sternau
Wird mal Schriftsteller
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Der Patient

Grelles Licht flutete den Korridor hinunter und erzeugte starke Reflektionen auf dem gummiartigen Fu√üboden, als an seinem s√ľdlichen Ende die Sicherheitst√ľr mit einem lauten Zischen beiseite glitt und eine eilige Gruppe von √Ąrzten und Sanit√§tern, die eine Bahre in ihrer Mitte trugen, entlie√ü.
"Blutdruck fällt!", "Kammerflimmern...", "Kortikalstimulatoren!", "Der Mann hat hohen Blutverlust!", "Zum OP! Schwester, wir brauchen Blutersatz C5, Beeilung...!"
Es dauerte keine zehn Sekunden, und das Rettungsteam war durch den nördlichen Ausgang wieder verschwunden. Niemand beachtete die beiden Männer, die jetzt langsamen Schrittes den Gang betraten und dem Rettungsteam hinterher liefen.
Der eine hatte schulterlanges schwarzes Haar, das er zu einem matt gl√§nzenden Zopf zusammen gebunden hatte. Dadurch wurden seine langen spitzen Ohren sichtbar, in denen er eine Vielzahl kleiner goldener und silberner Ringe trug, was ihm ein verwegenes Aussehen verlieh. Sein Gesicht war kantig und lief spitz zu, ein seltsames Gl√§nzen in seinen Augen verst√§rkte die hinterlistigen rattenartigen Z√ľge des Mannes. Er trug eine graue Uniform, die an den Schultern blau gef√§rbt war. Ein zus√§tzlicher dicker Streifen der selben Farbe verlief von seiner rechten Schulter schr√§g √ľber seine Brust. Unter den Arm geklemmt trug er einen goldenen Helm.
Der Andere hatte schlohwei√ües Haar, das zu einem glatten B√ľrstenschnitt frisiert war. Auch seine Ohren waren spitz, jedoch wiesen sie keinen Schmuck auf. Sein Gesicht trug einen k√ľhlen energischen Zug, der sofort die F√ľhrungsper√∂nlichkeit erkennen lie√ü. Seine Uniform unterschied sich kaum von der seines Begleiters, nur waren bei ihm Schultern und Querstreifen rot und golden gef√§rbt. Er betrachtete gerade aufmerksam einen Gegenstand den er in der Hand hielt.
Dieser war etwa einen Meter lang und sichelf√∂rmig gebogen. In der Mitte war er etwa Handbreit und lief zu den Enden hin spitz zu. Die Innenseite war rasiermesserscharf geschliffen und wies zwei gef√§hrliche Zacken auf. Mehrere Aussparungen in der Klinge waren eindeutig als Handgriffe f√ľr den Benutzer gedacht.
Der Weißhaarige schien mit seiner Betrachtung fertig zu sein und wandte sich nun an seinen Begleiter: "Ein klingonisches Bathlet, ich hätte nicht gedacht, jemals eines im romulanischen Heimatsystem zu sehen! Woher hatte er das?"
Sein Begleiter zuckte kurz mit den Schultern und blickte weiter stur geradeaus.
Inzwischen hatten auch die beiden das Ende des Ganges erreicht und traten durch die sich √∂ffnende T√ľr.

Der alte Mann reckte sich und √∂ffnete die Augen, heute war der Tag gekommen, endlich w√ľrde er seine letzte Schlacht schlagen!
Zorn erf√ľllte ihn, als er an die vergangenen Jahre zur√ľckdachte., Jahre voller Schmerz und Dem√ľtigung! Keine M√∂glichkeit, sein unehrenhaftes Leben zu beenden, musste er auf diesem √∂den Planeten sein Dasein fristen.
Aber heute w√ľrde er seine Freiheit erlangen oder seinen Platz in der ‚ÄöSchwarzen Flotte' einnehmen - denn heute war ein guter Tag zum Sterben!
Doch noch war es nicht soweit, er musste noch etwas warten und streckte sich deshalb noch einmal auf seiner harten Liege aus, um √ľber seinen Fluchtplan nachzudenken.
Ein zynisches L√§cheln umspielte seine Lippen, als er daran dachte, dass eine Taktik der verhassten Menschen ihm nun zur Flucht verhelfen sollte. Nie h√§tte ein Klingone daran gedacht, still zu halten und zu beobachten, um die St√§rken und Schw√§chen seiner Gegner kennen zulernen. Aber zu Beginn seiner Gefangenschaft war er zu verletzt gewesen, um sich √ľberhaupt zu bewegen!
W√§hrend des langen Heilungsprozesses hatte er genug Zeit gehabt, um √ľber seine Lage nachzudenken. Er war zu dem Schluss gekommen, dass es doch nicht so unehrenhaft war, sich vorl√§ufig in die Gefangenschaft zu ergeben.
Zwanzig Jahre waren seitdem vergangen, und endlich war es soweit, der Tag der Flucht war gekommen! Endlich kannte er alle Schwachpunkte seiner Gegner und hatte sich einen Fluchtweg erarbeitet, der ihn direkt zum Raumhafen f√ľhren w√ľrde. Und dann war er auf und davon!
Als eine Stunde später der Rundgang des Versorgungspersonals begann, war er bereit.

Die beiden Männer betraten den kreisförmigen Saal, der dem Operationsraum vorgelagert war, und blieben vor einer transparenten Wand stehen.
Hinter der Wand war das Rettungsteam damit beschäftigt, seinen sterbenden Patienten zu versorgen und ihm das Leben zu retten.
Der Wei√ühaarige betrachtete eine Weile das Schauspiel, dann fiel ihm seine Aufgabe wieder ein: "Wie konnte er eigentlich aus seiner Zelle entkommen Tolek?". Erwartungsvoll blickte er den j√ľngeren Romulaner an.
"Wir wissen es nicht genau Pr√§fekt. Der W√§chter berichtete, dass der Gefangene, als er ihm das Essen brachte, sehr freundlich zu ihm war und wie so oft ein Gespr√§ch mit ihm begann. W√§hrend der Unterhaltung meinte der Gefangene, dass sein Fenster undicht sei und bat den W√§chter, sich dieses einmal anzusehen. Der W√§chter betrat auch gutgl√§ubig die Zelle, da der Gefangene als √§u√üerst ruhig galt. Kaum hatte er aber diesem den R√ľcken zugewandt, als er auch schon von hinten einen Schlag gegen den Kopf erhielt und bewusstlos zusammen brach." Nerv√∂s drehte er seinen Helm in den H√§nden und wartete auf die Antwort des Pr√§fekten.
Als nach einer Minute diese noch nicht erfolgt war, wagte Tolek aufzublicken und gewahrte, dass der Pr√§fekt gebannt das Geschehen im Operationssaal verfolgte. Tolek fragte sich, ob er √ľberhaupt etwas mitbekommen hatte.
Der Pr√§fekt beobachtete das OP-Team, es bestand aus einem Arzt, zwei Sanit√§tern und f√ľnf Schwestern. An sich nichts interessantes, allerdings zog der Arzt unwillk√ľrlich die Blicke auf sich. War es schon ungew√∂hnlich, einen Menschen im romulanischen Imperium zu sehen, so war dieser hier in einer Position, die ein Au√üenstehender eigentlich nicht erreichen sollte, ja nicht erreichen durfte!
Aber nicht einmal das hätte den Präfekten so in seinen Bann gezogen, vielmehr war es das seltsame ‚Ding' das am Bauch des Arztes lebte. Ein blaufarbenes Lebewesen schien sich dort festgesetzt zu haben, dass völlig aus Tentakeln zu bestehen schien.
Die Tentakel fuhren wild hin und her, manche hielten Skalpelle, andere Klammern oder Tupfer. Es schien, als könne der Arzt diese extra Gliedmaßen nach seinem eigenen Willen steuern.
Tolek bemerkte die Faszination des Pr√§fekten: "Ahh, Sie sind von dem Menschen fasziniert? Sein Name ist Sternau, Karl Sternau. Er stammt wohl von der Erde, obwohl seine Geschichte recht seltsam ist, er tauchte vor etwa 15 Jahren mitten im imperialen Bankettsaal auf. Er behauptet in einem parallelen Universum gefangen gewesen zu sein, naja, wir hielten ihn ziemlich lange f√ľr einen unf√§higen Spion, er war eine ganze Weile auf dem Mond inhaftiert, konnte dann aber irgendwie einen G√∂nner gewinnen und arbeitet seitdem hier und genie√üt ein relativ freies Leben. Was dieses Ding auf seinem Bauch ist konnten wir nicht herausfinden, er nennt es einen Okto aber wir haben noch nie etwas √§hnliches gesehen."
Der Präfekt nickte und verfolgte weiter, wie der Arzt, Sternau, als Einmann-OP-Team arbeitete.

Der erste Teil seine Plans war ein voller Erfolg gewesen.
Der alte Klingone war in Hochstimmung. Noch einfacher, als er gedacht hatte, lie√ü sich der W√§chter √ľberrumpeln aber der schwierigste Teil seiner Flucht lag noch vor ihm.
Als erstes w√ľrde er sich eine Waffe besorgen m√ľssen. Bei diesem Gedanken bekamen seine Augen den Glanz eines Raubtieres, sein Gesicht verzog sich zu einem w√∂lfischen Grinsen. Oh ja, heute befand er sich auf der Jagd!
Kurz darauf st√ľrmte er kampfbereit in das Ausr√ľstungslager der Wachen und stellte zu seiner Freude, aber gleichzeitig auch Entt√§uschung fest, dass sich keine Wachen in dem Raum aufhielten.
Schnell trat er an den Replikator und begann seine W√ľnsche zu nennen, wurde aber sofort von einer mechanischen Stimme unterbrochen: "Bearbeitung nicht m√∂glich! Zugangscode erforderlich!"
Ein Knurren löste sich von den Lippen des Klingonen. Daran hatte er nicht gedacht! Seine einzige Hoffnung bestand darin, dass die Romulaner doch nicht soviel mit ihren rassischen Vettern gemein hatten.
Hastig durchw√ľhlte er den Schreibtisch des Lagerverwalters - ohne Ergebnis! Zorn und Wut flutete durch seinen K√∂rper, so durfte es einfach nicht enden, bevor es √ľberhaupt richtig begonnen hatte. In fliegender Eile untersuchte er die Schubf√§cher erneut und wollte bereits frustriert aufgeben, als er im hintersten Winkel des obersten Schubfaches einen kleinen Zettel entdeckte.
Hastig zog er ihn hervor. Erleichterung √ľberkam ihn, als er die Kombination auf dem Zettel las.
Widerspruchslos akzeptierte der Computer den Code und der Klingone konnte endlich seine W√ľnsche nennen. Kurze Zeit sp√§ter summte es im Fach des Replikators, und der Wirbel aus Energie formte sich zu einem langen spitzen Gegenstand.
L√§chelnd nahm inh der Klingone aus dem Fach und strich liebkosend √ľber die Klinge des Bathlets.
In diesem Moment √∂ffnete sich die T√ľr. √úberrascht blieb der hereinkommende Romulaner stehen.

Pl√∂tzlich riss sich der Pr√§fekt von dem Schauspiel los, als w√§re er mit einem Eimer kalten Wassers √ľbergossen worden.
"Wann wurde seine Flucht bemerkt?" gespannt wartete der Präfekt auf die Antwort.
"Bemerkt wurde sie gegen 10.00 Standartdekade, als er in das Quartier der Wachmannschaft st√ľrmte. Zu dem Zeitpunkt befanden sich dort zehn Leute. Der einzige √úberlebende befindet sich hier im Krankenhaus und wird wohl nie wieder gehen k√∂nnen!", grimmig schlug er auf seinen Helm.
"Vorher m√ľssen ihn aber auch schon Leute gesehen haben, der Weg vom Zellenblock zur Wachbaracke war mit Toten und Schwerverletzten gepflastert! Warum wir uns √ľberhaupt die M√ľhe machen, dieses Tier zu retten, ist f√ľr mich immer noch unverst√§ndlich!"
Vollkommen unerwartet schrie ihn der Präfekt an: "SIE SIND NICHT HIER, UM ÜBER DIE ENTSCHEIDUNGEN VON KLÜGEREN LEUTEN, ALS SIE ES SIND, ZU URTEILEN!"
Der Präfekt hielt inne um Atem zu holen.
Als er fortfuhr, schien er sich etwas beruhigt zu haben: "Dieser Mann ist ein Klingone, f√ľr ihn bedeutet es gr√∂√üte Schande, in Gefangenschaft leben zu m√ľssen! Normalerweise begehen sie bei der ersten Gelegenheit Selbstmord. Dass dieser es nicht getan hat, bedeutet, dass er wahrscheinlich eine Botschaft f√ľr den Klingonischen Hohen Rat hat, die so wichtig ist, dass er daf√ľr Unehre und Schande auf sich nimmt, um sie zu √ľbermitteln! Wir haben keine Ahnung, um was f√ľr eine Botschaft es sich handelt! Deshalb m√ľssen wir ihn am Leben erhalten!"
Seltsam ber√ľhrt begann Tolek zu sprechen: "Aus diesem Mann werden Sie nichts herausholen k√∂nnen, Pr√§fekt. Wir wissen noch nicht einmal, wer es √ľberhaupt ist. In all den Jahren, die er bei uns gefangen ist, hat er nichts verraten.
Wir haben alles versucht, um ihn zum Reden zu bringen - ohne Erfolg! Wir hatten einen Vulkanier hier, der es mit Gedankenverschmelzung versuchte. Mit dem Ergebnis, dass er durchdrehte und sich umbrachte! Selbst ein Cardassianer hat sich an ihm versucht, nach einer Stunde gab er den Fall als hoffnungslos auf!
Da wir ihn nach unserem Angriff auf Kithomer in der dortigen Koloniezentrale fanden, mehr tot als lebendig, nehmen wir an, dass er zum dortigen Kommandostab gehörte oder zumindest eng mit diesem zusammen arbeitete. Aber es gab keine weiteren Überlebenden, die dies hätten bestätigen oder dementieren können.
In all den Jahren die seitdem vergangen sind, hat er nichts verraten, nur aus diesem Grund war er noch im Gefängnis.
Alle anderen Gefangenen von Kithomer haben wir auf anderen Planeten neu angesiedelt, wo sie ein relativ freies Leben f√ľhren."
Der Präfekt blickte erneut aus die Szenerie hinter der Glaswand und murmelte: "Wir werden sehen, wir werden sehen..."

"Einfältige Romulaner, kleine Schwächlinge, die glauben, sie wären gefährlich mit ihren Disruptoren!" Der Klingone spuckte aus, als er sich den Wachraum besah.
Zehn Wachen hatten sich hier aufgehalten, alle bis an die Z√§hne bewaffnet. Keiner war ihm entkommen! Aber er musste sich beeilen, seine Flucht w√ľrde nicht mehr lange unbemerkt bleiben. Bis dahin musste er den Schutzschirm √ľber dem Raumhafen des Gef√§ngnismondes zerst√∂rt haben. Der erste Schritt dazu war getan, durch den Wachraum hatte er freien Zugang zur Steuerzentrale.
Der Klingone schreckte aus seinen Gedanken hoch, als er das Zischen der T√ľr vernahm. Katzengleich schnellte er herum, sah aber nur noch, wie einer der tot geglaubten Romulaner sich durch die T√ľr schleppte. Dann erklang das Singen eines Disruptors, gefolgt von einer Explosion, als der Romulaner den √Ėffnungsmechanismus der T√ľr zerst√∂rte.
Jetzt gab es nur noch den Weg vorw√§rts, und der Klingone musste sich beeilen, da der Romulaner sicherlich sofort Alarm schlagen w√ľrde.
Er riss sein Bathlet aus dem K√∂rper des zuletzt niedergemetzelten Romulaners und rannte durch die gegen√ľber liegende T√ľr zur Steuerzentrale.
Während dessen sank draußen auf dem Flur ein schwerverletzter Romulaner zu Boden, er sollte erst zwei Stunden später von der Wachablösung gefunden werden.

Die Lage hinter der Glaswand schien sich zu entspannen. Vor zehn Minuten hatte der Erste ersch√∂pft den Raum verlassen und seitdem war mehr als die H√§lfte des Rettungsteams an ihnen vorbei gekommen. Nur der Arzt und zwei Schwestern k√ľmmerten sich noch um den Klingonen.
Nervös lief der Präfekt auf und ab, hing es doch vom Zustand des Patienten ab, ob man ihn vernehmen konnte oder nicht.
Als Sternau den OP verließ, blickten ihm zwei Augenpaare gespannt entgegen.
Der Präfekt fragte: "Wie geht es Ihm, Doktor? Wann wird er vernehmungsfähig sein?"
Der menschliche Arzt sch√ľttelte schaudernd den Kopf: "Sie k√∂nnen froh sein, dass der Mann √ľberhaupt noch lebt! Was haben Sie mit Ihm auf Ihrem verfluchten Mond angestellt?"
Mit den Schultern zuckend, entgegnete der Präfekt: "Das ist unser Problem, wir wissen nicht, was mit ihm passiert ist! Er brach aus dem Gefängnis aus und floh mit einem kleinen Raumschiff. Allerdings enttarnte sich ein klingonischer Bird of Prey, als er aus der Ionosphäre auftauchte und eröffnete das Feuer auf ihn. Irgendwie hat er es geschafft, das wracke Raumschiff Notzulanden und aus der brennenden Maschine zu entkommen.
Wir vermuten, dass er eine Nachricht von solcher Wichtigkeit hat, dass er sogar eine Verkr√ľppelung in Kauf nimmt, um sie zu √ľberbringen. Wir m√ľssen wissen, warum und wie es diese Klingonen geschafft haben, so weit in unseren Raum einzudringen, und vor allem, woher sie die Kenntnis von diesem Gef√§ngnis haben! Und nur dieser Klingone kann uns m√∂glicherweise dar√ľber Auskunft geben! Also, tun Sie, was in Ihrer Macht steht, um Ihn zum Reden zu bringen!"
Der Arzt stand da und √ľberlegte, was mit ihm passieren w√ľrde, sollte er dem Pr√§fekten nicht gehorchen, immerhin war er noch immer so etwas wie ein Gefangener der Romulaner. Nach kurzer Zeit hatte er einen Entschluss gefasst: "Gut, folgen Sie mir, ich will sehen, was ich machen kann!"
Sternau wandte sich um und ging zur√ľck in den OP.

Das Raumschiff stand im kalten wei√üen Licht des Hangars und brummte leise durch den Aufladevorgang. An mehreren Konsolen erwachten L√§mpchen flackernd zum Leben, und √ľberall ert√∂nte das Ger√§usch der Bereitschaftsbest√§tigung.
Der Klingone lehnte sich zur√ľck, nur noch wenige Minuten und er w√ľrde diesen Mond verlassen. Aber etwas beunruhigte ihn: Es war zu leicht gewesen! Viel zu Leicht! Nie hatte er zu hoffen gewagt, bis hierher vorzudringen! Und weshalb hatte der entkommene Romulaner keinen Alarm ausgel√∂st? Alles roch f√∂rmlich nach einer Falle.
Er hatte eine Schneise des Todes und der Verw√ľstung hinterlassen aber bisher schien dies noch niemandem aufgefallen zu sein. In der Steuerzentrale hatte sich gerade ein einziger Techniker befunden, der ihm bereitwillig half, nur um dann von ihm aufgeschlitzt zu werden!
Und zum Schluss stand hier ein Raumschiff, startbereit und unbewacht, welches geradezu auf ihn zu warten schien!
Nun, er w√ľrde ja sehen, was dahinter steckte! Sein Ziel war es, den Hohen Rat auf Q'Onos zu erreichen und Rache zu nehmen f√ľr den Verrat von Kithomer! Endlich w√ľrde er mit diesem wimmernden Wurm Duras und dessen verkommener Sippe abrechnen!
Der Hohe Rat musste einfach √ľber ‚Äödie Laus in seinem Pelz' unterrichtet werden.
Und danach, danach w√ľrde er nach seinem Sohn suchen! Von den Romulanern hatte er erfahren, dass es √úberlebende des Massakers gab, vor allem Kinder. Er hoffte, dass sein Sohn zu ihnen geh√∂rten.
Der Computer des Raumschiffs signalisierte Startbereitschaft und der klingone z√∂gerte keinen weiteren Augenblick mit dem Abflug, jetzt w√ľrde es sich zeigen, ob es eine Falle gab!
Das Schiff glitt aus dem Hangar, um erst langsam, dann immer schneller werdend in den Weltraum hinaus zu fliegen.

Als der Doktor den Injektor an den Arm des Klingonen presste und noch einmal pr√ľfend auf die Monitore √ľber der Liege sah, standen der Pr√§fekt und Tolek an seiner Seite und warteten gespannt auf das Ergebnis der Injektion. Dann entlud sich die Spritze mit einem leisen Zischen und die Werte auf den Monitoren ver√§nderten sich schlagartig.
Der Herzschlag stieg und die Atemfrequenz erhöhte sich, der Patient erwachte.
Aufgeregt wollte der Pr√§fekt mit der Befragung beginnen, doch der Mensch hielt ihn noch zur√ľck: "Der Mann mag zwar Wichtiges zu berichten haben, aber wenn ich ihn l√§nger als eine halbe Stunde wach halte, stirbt er wahrscheinlich!"
"Mehr Zeit hoffe ich nicht zu brauchen!" Damit wandte sich der Präfekt dem Klingonen zu, der gerade die Augen öffnete und registrierte, wo er sich befand.
"Verstehen Sie mich?"
Der Klingone nickte.
"Können Sie mir sagen, was passiert ist? Wer war in dem Bird of Prey?"
Leise kamen die Worte aus dem Mund des Klingonen und der romulanische Pr√§fekt musste sich tief √ľber ihn beugen, um etwas zu verstehen.
Dann berichtete der Klingone.

Das kleine Raumschiff durchstie√ü gerade die Ionosph√§re, als schrille Alarmsirenen im Cockpit aufheulten. Fluchend √ľberpr√ľfte der Klingone die Anzeigen, bevor er seine Augen ungl√§ubig auf den Hauptschirm richtete. Vor ihm enttarnte sich ein Bird of Prey!
Noch ehe er zu einer Reaktion fähig war, wurde er gerufen. Ein Tastendruck bestätigte den Empfang und öffnete einen Kanal.
Der Hauptschirm zeigte die Br√ľcke des Raubvogels, in deren Mitte sich zwei klingonische Frauen aufhielten, die ihn neugierig musterten.
"Wir gr√ľ√üen Sie, Mogh!" die linke Frau schaffte es, in vier Worte soviel Hohn und Spott zu legen, wie niemand sonst, den Mogh kannte.
Mit wenigen Blicken hatte er das Familienwappen der Schwestern entdeckt, dies waren also die beiden M√§dchen, die er als Kinder auf seinen Armen gehalten hatte, bevor ihr Vater schm√§hlichen Verrat beging! Scheinbar waren sie ganz nach ihrem Vater geraten, so wie sie ihn begr√ľ√üt hatten und jetzt h√∂hnisch angrinsten.
"Lursa und Bethor - elendes Geschmeiß aus dem Verräterhaus Duras!" Mogh spuckte demonstrativ auf den Boden.
Die Rechte, Bethor, zischte und wollte auffahren aber ihre Schwester hielt sie zur√ľck.
"Wollt ihr jetzt beenden, was euer Vater begonnen hat? Nur zu, tötet einen wehrlosen alten Mann!"
Beide Frauen lachten gehässig, bevor Lursa antwortete: "Aber, aber, lieber Mogh, wie könnten wir denn jemanden töten, der schon vor Jahren starb, auf Kithomer, noch dazu als Verräter!" Wieder lachten sie wiehernd.
Mogh's Gesicht war w√§hrend dessen immer dunkler geworden. Er antwortete mit nur m√ľhsam verhaltenem Zorn: "Wir werden sehen, was der Hohe Rat zu ihren Anschuldigungen und meinen Beweisen sagen wird! Vielleicht ist es besser, wenn sie sich gleich bei ihren romulanischen Verr√§terfreunden verstecken! Oder glauben Sie, dass es ein gutes Licht auf sie wirft, wenn der Rat erf√§hrt, wo ich sie getroffen habe, mitten im romulanischen Ruam?"
Ein w√ľtendes Knurren kam von den klingonischen Frauen, bevor Bethor mit einem grimmigen Handschlag die Verbindung unterbrach.
Mit einem neuen schrillen Heulen machte der Computer Mogh darauf aufmerksam, dass der Bird of Prey seine Waffen- und Schildsysteme aktiviert hatte.
Im letzten Moment h√§mmerte Mogh noch auf eine Taste, die ein Fluchtman√∂ver einleitete, doch aufgrund der geringen Entfernung nutze ihm das nicht viel. Die Entladung des klingonischen Disruptors traf das Steuermodul des romulanischen Schiffes und schleuderte es trudelnd in die Atmosph√§re des Mondes zur√ľck.

M√ľhsam rang der Klingone nach Luft, ehe fortfuhr: "Als das Schiff abst√ľrzte, wusste ich, dass es f√ľr mich kein Entrinnen mehr gab, trotzdem musste ich jemanden finden, der meine Informationen zum Hohen Rat bringt!" Mit diesen Worten griff er sich in den Mund und f√∂rderte kurz darauf einen abgebrochenen Zahn zu Tage.
"Diese Zahnattrappe enthält einen Speicherkristall. Er wird dem Hohen Rat beweisen, wer der wirkliche Verräter ist und meine Familie und mein Haus von jeder Anschuldigung befreien!
Bitte...Sie m√ľssen...nach Q'onos...gehen...und den...Kristall...√ľberbringen!...Sagen...sagen Sie...Mogh...schickt sie!" Der Klingone musste sich zwischen den Worten immer mehr Zeit lassen, um wieder zu Atem zu kommen.
L√§ngst war die halbe Stunde, die der menschliche Arzt ihnen gew√§hrt hatte verstrichen aber nur einmal versuchte Sternau, dass Gespr√§ch zu beenden. Doch sowohl Mogh als auch der Pr√§fekt hatten ihn abgewiesen. Also injizierte er Mogh eine weitere Dosis und verlie√ü dann den Raum, nicht ohne noch einmal darauf hinzuweisen, dass er keine Garantie f√ľr das Leben des Patienten √ľbern√§hme.
Der Klingone hatte vieles berichtet, angefangen von seiner Zeit auf Kithomer, dem Verrat von Duras und hatte letztlich von seiner Flucht vom Gefängnismond erzählt.
Jetzt sp√ľrte Mogh, dass sein Ende nahe war. Noch einmal richtete er sich auf, um mit kr√§ftiger Stimme zu rufen: "Khales, ich komme!"
Dann sank er tot auf die Liege zur√ľck.
Tiefbewegt starrte der Präfekt die Leiche des alten Mannes an und hielt dabei den Datenkristall fest umschlossen.
Hätte er doch eher von ihm erfahren! Das Kithomer Massaker war schon lange vom Imperator persönlich geächtet worden und die meisten Gefangenen von Kithomer lebten jetzt ein ruhiges Leben auf abgelegenen Planeten.
Zuwenig wusste er von den Klingonen, um zu verstehen, dass sie f√ľr Macht und Ansehen sogar ihr eigenes Volk verrieten, nur um einen alten Rivalen zu entehren.
Die Geschichte des alten Klingonen hatte das steinerne Herz des Pr√§fekten ger√ľhrt, denn auch f√ľr diesen war die Ehre das h√∂chste Gut.
In diesem Augenblick beschloss er, den Wunsch des Klingonen zu erf√ľllen und den Kristall nach Q'Onos`zu bringen, um die Ehre des Mogh wieder herzustellen.
Der Pr√§fekt wandte sich von der Leiche ab, um den Raum zu verlassen, als er pl√∂tzlich in die M√ľndung eines Handphasers sah, den Tolek auf ihn richtete: "Den Kristall, Pr√§fekt, her damit!"
Erstaunen, gefolgt von unvermittelter Erkenntnis, durchfluteten den Präfekten. Jetzt wurde ihm klar, wer der Verbindungsmann der Durasschwestern war!
"Ich sehe, Sie haben die Situation erkannt, Präfekt. Sie verstehen sicherlich, dass niemand die Wahrheit kennen darf!"
Tolek fing an zu lachen und betätigte den Auslöser.

-Ende-

by doc (1997)
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Templar
Hobbydichter
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Abend Doc

Nun, wie soll ich sagen, die Geschichte ist gut geschrieben, und so Trekkies wie ich kommen nat√ľrlich sofort darauf, der alte Klingone Worfs Papi, und die beiden Schwestern die Tussen aus 'Treffen der Generationen' sind.
Trotzdem st√∂ren mich ein paar Sachen, die ich f√ľr Logikfehler halte, zB das die Romulaner den Klingonen so lange festhalten, ohne wirklich vermuten zu k√∂nnen, das er etwas sehr wichtiges wei√ü, und dann das der Bird of Prey dort auftaucht, ohne eigentlich wissen zu k√∂nnen, wer sich an Bord des Shuttles befindet, und das der alte Klingone einen Fluchtverusch gestartet hat, k√∂nnen die beiden doch eigentlich auch nicht wissen.
Ausserdem muss dein Doc Sternau auf Leute die seine Geschichte nicht kennen, doch sehr merkw√ľrdig wirken, mit seinem Okto...
Ansonsten, gut wie immer.

Gr√ľsse

Templar
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Manche Leute dr√ľcken nur deshalb mal ein Auge zu, damit sie besser zielen k√∂nnen.

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Doc Sternau
Wird mal Schriftsteller
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Naja, da ich die Story mal f√ľr unser Startrek Fanzine geschrieben habe, d√ľrfte sich erkl√§ren, warum ich nicht n√§her auf Sachen eingehe, die f√ľr Nichttrekkies wichtig w√§ren.

Das mit dem solange festhalten hab ich mir nicht ausgedacht, in irgendeinem Zweiteiler von TNG sucht Worf nach seinem Vater und kommt da auf einen Planeten, der von auf Kithomer gefangen genommenen Klingonen bewohnt wird.

Außerdem sind das Romulaner, die leiden eh an zig Psychosen!

Das Lursa und Bethor dort auftauchen, h√§ngt mit der Verschw√∂rung zusammen, die Mogh ja erahnt. Die Verr√§tersippe Duras hat eben gewisse Kontakte bei den Romulanern, mit deren Hilfe sie die Flucht Moghs erm√∂glichten, um an den Datenkristall der ihre Schuld beweisen w√ľrde heran zukommen.

Naja, mein Doktor Sternau mag ja seltsam wirken, aber welche Figuren bei StarTrek tuen das nicht?
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flammarion
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Routinierter Autor

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super!

wieder eine echte star-trek- folge. liest sich sehr gut. mach weiter! lg
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