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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Penner
Eingestellt am 08. 10. 2006 13:36


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Mariko
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2004

Werke: 6
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Hallo,

ich arbeite gerade an folgendem Text und könnte ein paar Verbesserungstipps gebrauchen.

Danke!


Der Penner

Bis zur Abfahrt der S-Bahn ist noch viel Zeit. Paula stempelt ihre Fahrkarte und steigt in den fast leeren wartenden Zug. Sie wĂ€hlt einen Fensterplatz in Fahrtrichtung. Auf dem Bahnsteig sind nur wenige Menschen unterwegs. Eine junge Mutter mit Kinderwagen studiert den Fahrplan, ein Ă€lteres Paar kĂ€mpft mit dem Fahrkartenautomaten, drei Teenies unterhalten sich kichernd auf der grĂŒnen Bank.

Ein Mann um die dreißig kommt gerade mit der Rolltreppe zum Bahnsteig hinunter. Er ist groß und schlank, hat einen Dreitagebart und trĂ€gt eine braune Hornbrille. Seine dunklen fettigen Haare hĂ€ngen strĂ€hnig im Gesicht und ĂŒber den Ohren. Die ausgewaschene beigefarbene Cordhose ist an den Knien ausgebeult, der Hosenbund sitzt unter dem Bauchnabel und die Hosentaschen in Kniehöhe. Die Hosenbeine hĂ€ngen viel zu lang ĂŒber seinen schwarzen schmutzigen Schuhen. Unter der rostroten Lederjacke sieht der offene Kragen eines braun karierten Flanellhemdes hervor. Ein prall gefĂŒllter Leinenbeutel mit Werbung eines Drogeriemarktes hĂ€ngt ihm ĂŒber der Schulter und in der Hand hĂ€lt er eine Dose Bier. „Wie ungepflegt,“ denkt Paula, „bestimmt wieder einer dieser arbeitslosen Penner, die schon am frĂŒhen Morgen in den AbfallbehĂ€ltern nach Pfandflaschen wĂŒhlen, um das Geld fĂŒr den Tag zusammen zu suchen und ansonsten auf unsere Kosten leben. So wie der aussieht, findet er auch keine Arbeit!“

Der Penner bleibt auf dem Bahnsteig kurz stehen und drĂŒckt seine Zigarette mit dem Fuß am Boden aus. Er röchelt laut, hustet und spuckt auf den Bahnsteig. Dann schlurft er scheinbar völlig teilnahmslos nach vorn gebeugt geradewegs auf die noch offene TĂŒr zu Paulas Wagen zu. „Ob der wohl eine Fahrkarte hat? Hoffentlich setzt der sich jetzt nicht zu mir“, denkt Paula, „ich habe keine Lust auf eine Alkoholfahne und plumpe Anmache am frĂŒhen Morgen.

Der Penner besteigt den Wagen, sieht nach rechts und links und kommt tatsĂ€chlich „Oh nein, bitte nicht!“ auf Paula zu. Er stellt die Bierdose auf das kleine Tischchen am Fenster und setzt sich genau auf den gegenĂŒberliegenden Platz. Ein muffiges Gemisch aus kaltem Rauch und Alkohol dringt zu Paula herĂŒber. Sie ist entsetzt. Aus der NĂ€he sieht der Typ noch ungepflegter aus. Der Hemdkragen hat einen deutlichen Schmutzrand und auch die Hose könnte mal gewaschen werden. Der Penner trĂ€gt einen kleinen Brillianten in der Nase. „Ob der echt ist? Wo hat er den wohl her. Der war doch bestimmt teuer.“ Angeekelt dreht Paula den Kopf und schaut aus dem Fenster, als gĂ€be es dort draußen einen spannenden Film zu sehen. Sie vermeidet angespannt jeden weiteren Blickkontakt zu ihrem GegenĂŒber, der sie ungeniert mustert. „Am besten suche ich mir einen anderen Platz“, denkt Paula, “hier bleibe ich nicht“.

Bevor Paula sich tatsĂ€chlich dazu entschließt, einen anderen Platz zu suchen, werden nach mehrmaligem Piepsen die TĂŒren geschlossen und der Zug fĂ€hrt an. Da steht der Penner plötzlich auf und hĂ€lt ihr einen Dienstausweis der Bundesbahn unter die Nase. „Guten Tag“, sagt er freundlich lĂ€chelnd, „Fahrkartenkontrolle, Ihren Fahrausweis bitte!“

__________________
Viele GrĂŒĂŸe, Mariko

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petrasmiles
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Hallo Mariko,

also erst einmal: Das ist gut und flĂŒssig geschrieben.
NatĂŒrlich erwartet man, dass diese Konstellation sich auflöst und aus dem 'Penner' etwas anderes wird als 'vorgezeichnet'.
Der Überraschungseffekt selbst ist Dir gut gelungen, ob das auch glaubwĂŒrdig ist, entscheidet individuell der Leser. Mir war es etwas zu ĂŒberraschend, aber ich bin ja nicht das Maß aller Dinge
Mir gefĂ€llt an Deiner Sprache das gute VerhĂ€ltnis von Üppigkeit an Information und klarer Struktur, und diese StĂ€rke kann sich bei einem grĂ¶ĂŸer angelegten Plot sicher noch besser entfalten.
Ich bin schon gespannt auf Deine nÀchsten Texte.

Liebe GrĂŒĂŸe
Petra
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Mariko
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Liebe Petra,

vielen Dank fĂŒr Deine schnelle und so positive Antwort. Wenn die Überraschung etwas zu hart ausgefallen ist und dadurch nicht glaubwĂŒrdig erscheint, gibt es aus Deiner Sicht eine Möglichkeit, das zu Ă€ndern? Vielleicht könnte Paula darauf noch reagieren?
__________________
Viele GrĂŒĂŸe, Mariko

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Inu
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Liebe Mariko

Das ist gut und anschaulich geschrieben. Ein zusÀtzlicher Clou könnte sein, wenn Du ( aber nur so ganz nebenbei und am Anfang) hÀttest durchblicken lassen, dass sie gar keine Fahrkarte hat


Lg
Inu

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Mariko
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Liebe Inu,

vielen Dank fĂŒr Deine RĂŒckmeldung. Deine Idee mit der Fahrkarte finde ich gut. Ich ĂŒberlege mir, wo ich das einbaue.
__________________
Viele GrĂŒĂŸe, Mariko

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petrasmiles
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Hallo Mariko,

ich hatte nicht das GefĂŒhl, dass an dieser Geschichte etwas geĂ€ndert werden musste - auch wenn ich Inus Idee sehr gut finde.

Ich glaube sogar, dass diese Geschichte in seiner KĂŒrze sehr rund ist. Wenn man jetzt anfangen wĂŒrde, großartig Erweiterungen zu stricken fĂŒr eine angenommene PlausibilitĂ€t, dann leidet die Geschichte.

Nicht durch Inus Idee, das ließe sich ja leicht machen: Sie starrt ihn an, fĂŒhlt sich wie in heißes/kaltes Wasser getaucht, weil ihr einfĂ€llt, a) sie hat den Fahrschein vergessen, abzustempeln, b) sie hat ihre Monatskarte in der anderen Tasche vergessen, c) sie hat verschlafen, dass ein neuer Monat angefangen hat und ihre Monatskarte nicht mehr gĂŒlig ist - und irgendwie hat sich die Geschichte um 180 Grad gedreht Klasse!

Liebe GrĂŒĂŸe
Petra
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