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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Pflanzenfreund
Eingestellt am 09. 06. 2003 10:13


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Axen
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

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Von Wanzleben liebte die Theatralik. Die gro├čen Gesten, die gro├če, fast schwulstige Rhetorik, das Suhlen in Kitsch und Leidenschaft. Von Wanzleben war so - ein selbsternannter Beau, ein fremddefinierter Popanz. So ist es oft - man tr├Ąumt man sei ein Schmetterling und ist doch nur ein nackter Mensch mit wei├čer unappetitlicher Haut. Und die Wahrheit, die auch objektiv gl├╝cklich machen k├Ânnte, ein Schmetterling zu sein, dem tr├Ąumte, er sei ein bleicher Mensch, diese Wahrheit existiert meist nicht. Meist ist man das, was man bef├╝rchtet, zu sein. Wanzleben traf auch Frauen, keine Schmetterlinge freilich, sieht man von dem Springen von Bl├╝mchen zu Bl├╝mchen ab. Nach jedem Bl├╝mchen ruft so ein Schmetterling mit zartem Stimmchen \"B├Ą├Ą├Ą├Ąh, was f├╝r eine Schei├čblume ich da gekostet habe\". Wanzleben wollte auch Bl├╝mchen besuchen, nat├╝rlich nicht die, die die Frauen so zu besuchen pflegten, er wollte sich die Bienchen nehmen und sie zu seinen Bl├╝mchen machen. Freilich mochte er nur bestimmte Farben und die Stengel sollten auch eine gewisse Qualit├Ąt haben. Und da er wie ein kleiner l├╝sterner Faun von Nymphchen zu Nymphchen springen wollte, musste er w├Ąhlerisch sein. Die zur Faunwerdung erforderlichen Naturg├Âttinnen sterben aber nun einmal aus, schon lange werden sie immer rarer, ja Hexen, Pristerinnen und Rubensfrauen - die findet man wie Sand am Meer, auch solche, die gerne Bl├╝te w├Ąren, aber aber man findet nur noch selten Nymphen, saftige in knappen T├╝ll geh├╝llte Nymphen, die in den Wiesen und in den Blumen herumspringen und aus Ziegenb├Âcken und M├Ąnnern Faune entstehen lassen.


Eines Tags dachte sich Wanzleben, es w├Ąre doch sch├Ân, wenn man wirklich ein Faun w├╝rde. Er stellte sich einen paradiesisch ausgestatteten Raum vor, in dem die Feen und G├Âttinnen ein und ausgehen k├Ânnten, ein Raum, der so sch├Ân w├Ąre, dass sie immer wieder dorthin zur├╝ckkehrten und ihn, wenn schon nicht zum Schmetterling, so doch zum gl├╝cklichen Faun machten. Dort w├╝rde er sich im mythischen Beischlaf umwandeln und als Ziegenbock mit M├Ąnnergeschlecht gl├╝cklich sein.


Also kaufte er sich am Stadtrand von M├╝nchen ein gro├čes Anwesen mit einem gro├čen Gew├Ąchshaus im verwilderten Garten. Wanzleben lie├č alles wie es war, das hohe Gras, die wuchernden Essigb├Ąume mit all ihren hartn├Ąckigen Ablegern. Unkraut, von Katzen vollgepisste Brennnesseln. Er lie├č das Haus nicht verputzen, die M├Ąuse nicht vertreiben und nicht einmal die drei Badezimmer neu kacheln. Aber das Gew├Ąchshaus, das lie├č er g├Ąnzlich erneuern; jeweils nach 10 der gro├čen Glasscheiben lie├č er Spiegel einfassen, deren Schimmer einen zarten Blauton hatte, darin wollte er seinen eigenen Mythos beobachten. Er lie├č Pflanzen kommen, gro├če tropische Pflanzen, Pflanzen deren fleischige Bl├Ątter voller Saft waren, Str├Ąucher mit seltsamen riesigen Bl├╝ten und eigenartigen Namen, Vampirblumen, Breiapfel, Nasenkraut, Kurtisanes Schatzk├Ąstlein. Innerhalb nur weniger Wochen entstand eine gr├╝ne H├Âlle, die - davon war er ├╝berzeugt - der Himmel f├╝r ihn, den gl├╝cksuchenden Faun, der noch der triviale Wanzleben war, werden w├╝rde.


Doch keine Nymphe, keine G├Âttin, keine Fee kam; keine von den ├╝bersinnlichen Weibern wollte in dieser wuchernden dampfigen Fruchtbarkeit Liebess├╝chte mit einem M├Âchtegernfaun erleben. Es kamen nur normale Frauen, die von der tumpen plumpen Sorte, angelockt durch den Blumengeruch und den aufdringlich m├Ąnnlichen Odem, der das Anwesen umgab, und auch die kamen nicht in Scharen sondern ganz dezent, eine nach der anderen. Wie sollten da aus Wanzlebens M├Ąnnerf├╝├čen ordentliche Bockf├╝├če werden? Wie sollte das Fell vom Nabel abw├Ąrts je wachsen und zickig stinken? Wie sollte er der Normalit├Ąt seines Daseins entfliehen, mit solchen Frauen? Welch ein Teufelskreis! Er h├Ątte sie gebraucht, die Nymphen, um so zu werden, dass sie ihn brauchten. Nur eine Nymphe kam zwischendurch aber die ging wieder als sie sah, wer er war und gab ihm keine Gelegenheit, einen Bock nachzuahmen...

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kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

das ist jetzt nur meine ganz pers├Ânliche meinung. aber mir ist das ganze zu theatralisch und schw├╝lstig. und obwohl du so viele bilder zeichnest, entstehen keine in meinem kopf. vielleicht, weil du so viele bilder zeichnest. mir ist das alles zu mystisch, zu blumig und zu ├╝berladen. und ich wei├č jetzt auch nicht recht, was mir diese geschichte eigentlich erz├Ąhlen will.
(aber tr├Âste dich, es gibt hier sicher auch leute, die diese art von sprache m├Âgen)

die k.

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Lieber Axen

willkommen in der Lupe erstmal und noch viel Spa├č hier.

Ich finde den Text an sich nicht unbedingt ├╝berladen, habe aber "irgendwie das Gef├╝hl", wenn ich mich mal so schwammig ausdr├╝cken darf, da├č das Wichtigste darin fehlt. Daf├╝r sind die drei Punkte am Schlu├č symptomatisch, die andeuten, da├č etwas ausgespart wurde.

Die Einleitung ist sehr ausf├╝hrlich, und der Mittelteil mit der Beschreibung des Anwesens baut (zumindest bei mir) einige Spannung auf. Und so habe ich mir ein interessanteres Ende erwartet als blo├č die allgemeine Feststellung, da├č die Nymphen nach dem Ausbau dieses Anwesens ebensowenig auftauchten wie vorher.

>>Nur eine Nymphe kam zwischendurch aber die ging wieder als sie sah, wer er war und gab ihm keine Gelegenheit, einen Bock nachzuahmen ... <<

Vielleicht solltest Du diesen Satz zu einer Szene ausbauen.

Gr├╝├če von Zefira
__________________
schmollfisch

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Axen
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

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guten morgen

vielen dank f├╝r eure kritik!

einige anmerkungen zu meinen auch zuk├╝nftigen texten:

was die schw├╝lstigkeit und beladenheit der sprache betrifft, so schafft mir diese lust beim schreiben. als nach au├čen n├╝chternheit lebender mensch gef├Ąllt mir die schw├╝le schwere, die barocke darstellung. ich liebe stilbr├╝che und merkw├╝rdige kombinationen, schere mich nicht an formalen gesichtspunkten des schreibens. ein text ist f├╝r mich nicht mehr als objekt der weiterbearbeitung interessant, wenn er meinen kopf verlassen hat. ich mag ihn vor allem in seiner spontanen rohheit.

dennoch ist kritik, wie besonders die von zefira h├Âchst willkommen und n├╝tzlich, denn ich lerne aus ihr f├╝r sp├Ątere schnell hingeworfene texte, die dann - ganz ohne nachbearbeitung - an qualit├Ąt gewinnen m├Âgen!

ich w├╝nsche euch einen sonnigen tag

Freundschaft!
H.E.Axen

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Paul Stoyan
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2003

Werke: 3
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Schwulst oder Barock.

Ich muss Axen unterst├╝tzen!

Dadurch dass die Sprache so wuchert und damit auch den Wanzleben so zuwuchert, wuchert auch die Frau, da wuchert alles und das macht f├╝r mich den Reiz. Die Figuren sind alle zugewuchert von Schmalz, Triefigkeit und gro├čen Gef├╝hlen. Und dann will man nur ein Farn sein? Der will doch mehr. Der kommt gleich mit der Lanze und ersticht die Liebe? Als ich den Text das erste Mal las, wusste ich nicht, ob ich jetzt selbst verwuchere oder ob sich da jemand einen Scherz erlaubt. Aber wenn man nochmal hinschaut, sp├╝rt man pl├Âtzlich mehrere Seiten der gleichen Figur. Das k├Ânnte zum Beipiel auch mein Vater sein, der sich gerade vom Ger├╝mpel seiner Frau befreit.

Das k├Ânnte alles M├Âgliche sein. Und deswegen gef├Ąllt er mir ausnahmslos. Man k├Ânnte mit diesem Wandsleben jetzt sogar auf eine Abenteuerreise, oder einfach nur in ein B├╝ro. Mit genau den Bildern. Und dann k├Ânnte man zusehen, wie er die abgeleckte Wirklichkeit mit Faune ausschm├╝ckt. Diese Figur w├╝rde jeden Spie├čer eines Besseren belehren. Davon bin ich ├╝berzeugt.

Danke Axen! Gr├╝├če Paul.
__________________
Glaubst Du etwa, der K├╝hlschrank ist eine Metapher?

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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Hallo,

so sind eben die Anspr├╝che an eine Gechichte verschieden. Axen, meinst du nicht auch, es ist eher eine Erz├Ąhlung?

Mir fehlt hier ├╝berhaupt nichts. Ich mag diese Sprache, sei sie auch ├╝berladen, denn kitschig ist sie nicht und ich lese ein Augenzwinkern mit.

Und der Schlu├č ... aber der mu├č doch so sein. Die Vergeblichkeit seines Tuns k├Ânnte besser nicht ausgedr├╝ckt werden.

Gru├č,
Gabi

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