Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
171 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Pingeligkeitskrieg
Eingestellt am 09. 04. 2002 16:20


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Jalé
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2001

Werke: 24
Kommentare: 7
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Jal√© eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Der Pingeligkeitskrieg
oder: Szenen einer Ehe
oder: Wie man in einer Beziehung sein Territorium absteckt


Die Fernseh-Mami strahlte. "Wunderwasch w√§scht wei√üer als wei√ü", sagte sie und ihre Z√§hne blitzten dabei so wei√üer als wei√ü, dass sie zweifellos auch Werbung f√ľr eine Wei√üer-als-wei√ü-Zahncreme h√§tte machen k√∂nnen.
Ich wackelte gem√ľtlich mit den Zehen und schob meine wollbesockten F√ľ√üe noch weiter auf die Tischplatte. Anschlie√üend m√ľmmelte ich mich zufrieden in die Sofakissen. Ich schmunzelte. Eberhard war nicht zuhause.
Gerade wollte ich genie√üerisch nach dem Pralinenkasten hangeln, als die Fernseh-Mutti noch einmal ihre Z√§hne bleckte. Sie sch√ľttelte die Wei√üer-als-wei√ü-Boxershorts ihres Mannes und zeigte ausgiebig vor Millionenpublikum, wo sich sonst normalerweise die Flecken befanden. Oh Gott! Die Nuss-Nougat-Praline, die ich mir w√§hrend dieses Schauspiels in den Mund geschoben hatte, machte auf meiner Zunge einen unkontrollierten H√ľpfer. Ich auch.
Die Wei√üw√§sche! Ich hatte die Wei√üw√§sche vergessen! Seit letzter Woche war dies ein mir selbst unverzeihlicher Fehler. Diese Genugtuung w√ľrde ich Eberhard nicht g√∂nnen. Seit dem Streit vor sieben Tagen hatten wir - laut meiner besten Freundin Suse - die Grenze der Pubert√§t r√ľckw√§rtig √ľberschritten. Nachdem Eberhard und ich auszudiskutieren versucht hatten, wer f√ľr die Schlamperei in unserem Haushalt haupts√§chlich zust√§ndig sei, kam er auf die von ihm als √ľberaus genial befundene Idee, per Strichliste den Schmuddelfaktor unserer Beziehung zu ermitteln. Nat√ľrlich sei ihm von vornherein klar, dass nur ich das sein konnte.
W√§hrend ich seinen Einfall zun√§chst ebenso wie Suse mehr als kindisch fand, machte mich diese Aussage so w√ľtend, dass ich hektisch losst√ľrzte, um den n√§chstbesten Block und Kugelschreiber an mich zu rei√üen. Auch Eberhard war zum Schreibtisch gehechtet, um nun mir nach hysterisch durch das ganze Haus zu hasten und die Mankos des anderen gezielt mit Datum und Uhrzeit in einer Tabelle festzuhalten.
Laufend h√∂rte ich triumphierende Schreie, wie "Aha, nat√ľrlich!" oder "Ich wusste es doch!". Ich begann, panisch zu werden. Irgendetwas musste doch zu finden sein. ich raste ins Schlafzimmer, w√§hrend er sich an der K√ľche zu schaffen machte. Wahrscheinlich dachte er, dass dies der Ort sei, an dem von einer Frau am ehesten etwas vernachl√§ssigt werden konnte. Seinem siegreichen Gebr√ľll nach zu urteilen, schien er gar nicht Unrecht zu haben. Schei√üe!
Entnervt schmetterte ich Eberhards Kopfkissen beiseite. Juhu! Taschent√ľcher! Ich freute mich wahnsinnig und machte gleich sorf√§ltig f√ľr jedes einzelne einen Strich auf die Liste. Nun kroch ich unters Bett. Ha, Socken! Erwischt, Ebi! Alt wirste aussehen! So langsam fand ich Gefallen an unserem Wettstreit. Als ich Eberhard in der K√ľche erneut aufschreien h√∂rte, besann ich mich darauf, ganz penibel und korrekt zu sein. Das verlangte, eine neue Rubrik in die Tabelle aufznehmen. Neben "dreckige Socken auf dem Boden" er√∂ffnete ich die Sparte "dreckige Socken auf links". Wie oft hatte ich ihm schon gesagt, dass ich es hasste, wenn ich sie umkrempeln sollte!
Seit letzter Woche herrschte bei uns jedenfalls Pingeligkeitskrieg. Heute morgen hatte ich verstohlen auf Eberhards Liste geschielt, als er gerade im Bad war. Es sieht nicht gut aus f√ľr mich. Dann sp√§ter, als er ins B√ľro aufgebrochen war, hatte ich noch einmal das gesamte Haus durchst√∂bert und auf den Kopf gestellt, um die Eberhard-ist schlampiger-als-Sybille-Liste etwas auff√ľllen zu k√∂nnen, aber keine Chance. Mir d√§mmerte, dass Eberhard in der Nacht aufgestanden war... Hatte er geschickter Weise wirklich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion all seine Schlampspuren beseitigt?
- so ein Mist!
Also durfte ich mir jetzt nicht auch noch die Pleite mit der Wei√üw√§sche erlauben! Ich stolperte ins Schlafzimmer und zerrte die wei√üen T-Shirts aus der W√§schtruhe. Danach st√ľrzte ich ins Bad. Eberhard w√ľrde in einer Dreiviertelstunde zu Hause sein, wenn er sich beeilte. Wenn nicht, k√∂nnte ich es noch schaffen, die W√§sche auf die Leine zu h√§ngen. Ich riss die Handt√ľcher vom Haken - etwas Hellbl√§uliches strahlte mich von Eberhards Handtuch aus an. Zahnpasta! Gleich 1,2,3,4, nein 5, ach, sagen wir sechs kleine Flecken! Selbstgef√§llig z√ľckte ich den Kugelschreiber und zog die Tabelle aus meiner rechten, hinteren Hosentasche. Dann machte ich feins√§uberlich sechs Striche in der Bad-, Zahnpasta- und Pinkelfleckenrubrik...
__________________
Nichts in der Welt ist st√§rker als eine Idee, f√ľr die die Zeit gekommen ist. (Victor Hugo)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1978
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Michael Schmidt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Schlacht der Geschlechter

Ich habe mich k√∂stlich am√ľsiert, danke.

Bearbeiten/Löschen    


Jalé
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2001

Werke: 24
Kommentare: 7
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Jal√© eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Liebevoller Geschlechterkampf

Vielen Dank f√ľr die positive Resonanz! Freut mich, dass Du Spa√ü beim Lesen hattest. Habe mich bem√ľht, dass einem weder Frau noch Mann unsympathisch werden, um so einen doch noch liebevollen Geschlechterkampf zu inszenieren. Und wollte vor allem, dass auch M√§nner dr√ľber lachen k√∂nnen. Scheint ja geklappt zu haben. Also nochmal Danke!
__________________
Nichts in der Welt ist st√§rker als eine Idee, f√ľr die die Zeit gekommen ist. (Victor Hugo)

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!