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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Plan
Eingestellt am 27. 09. 2003 23:32


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Rumpelsstilzchen
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Der Plan

Er sah auf die Uhr.
Es wurde Zeit.
Ein kalter Luftschwall fiel ins Zimmer, als er das Fenster öffnete, um das Teleskop auszurichten. Fast von allein fand das Objektiv die Stelle am gegenĂŒberliegenden Hang, wo der AbkĂŒrzungsweg zwischen den BĂ€umen verschwand. Routiniert stellte er den Focus scharf, bis er meinte, die auf dem Weg liegenden Zapfen greifen zu können.

Jetzt konnte sie kommen.

Was sie wohl tragen wĂŒrde?
Es war ein sonniger Novembertag, die Luft klar und frostig. Bestimmt wieder ihre graue Kunstpelzjacke mit der großen Kapuze, wie gestern. Und „Moonboots“. Er hasste diese unförmigen Dinger, wozu hatte die Natur den Frauen schöne Beinen geschenkt? Aber das wĂŒrde er ihr schnell austreiben.

Sie war spÀt dran heute.

Ein Schwarm Spatzen erschien in seinem Blickfeld und stĂŒrzte sich fĂŒr ein Bad in den trockenen Staub der Fahrrillen. Der Anblick besĂ€nftigte ihn ein wenig.
Es war ja wirklich kalt und sie sollte doch nicht krank werden. Außerdem, er wusste ja um ihre schönen Beine, hatte in den langen Sommermonaten jeden unbedeckten Zentimeter ihres Körper studiert. Jede Pore ihres Gesicht war ihm vertraut. Selbst das Muttermal auf ihrem Brustansatz, das sie immer mit Abdeckstift versteckte, hatte ihm sein Teleskop ĂŒberlebensgroß gezeigt.
Ohne sie jemals berĂŒhrt zu haben oder auch nur in ihre NĂ€he gelangt zu sein, hatte er ihre Erscheinung vollstĂ€ndig in sich aufgesogen, er brauchte nur die Augen schließen.

Wie sonst hĂ€tte er seinen Plan so detailliert entwickeln können, nur in seinem Kopf, ohne eine einzige verrĂ€terische Notiz? NĂ€chtelang hatte er hellwach im Bett gelegen. WĂ€hrend seine Frau arglos neben ihm schnarchte, lief hinter seinen geschlossenen Augen die EntfĂŒhrung wie ein Film ab. In immer neuen Varianten hatte er die Szenen durchlebt, bemĂŒht, alle EventualitĂ€ten zu bedenken.

Vor sechs Monaten war sie ihm das erste Mal aufgefallen. Er hatte den Nachthimmel beobachtet, war irgendwann darĂŒber eingeschlafen und erst am Vormittag wieder aufgewacht. Ein zufĂ€lliger Stoß richtete das Rohr auf den Waldrand. Im Moment, als er hinein sah, wischte eine Gestalt durch das unscharfe Bild. Noch schlaftrunken war es ihm nicht gelungen, sie wieder einzufangen.
Nicht an diesem Tag.

Die Sperlinge waren inzwischen weiter geflogen. Jetzt war sie schon eine Viertelstunde zu spÀt.

Diese Zeitvarianz musste er unbedingt noch berĂŒcksichtigen.

Sein Plan war inzwischen beinahe perfekt. Aber eben nur beinahe. Immer gab es noch ein Detail zu beachten, einen möglichen Zwischenfall zu kalkulieren.

Und was er schon alles bedacht hatte! Dutzende Male hatte er den Plan verwerfen und völlig neu entwickeln mĂŒssen, weil er etwas Wichtiges ĂŒbersehen hatte. Aber jetzt war er fast soweit. UnzĂ€hlige Briefings fĂŒr kritische Situationen warteten abrufbreit in seinem Kopf. Der Basisplan war solide und dabei flexibel genug, um UnwĂ€gbarkeiten zu begegnen.

Wie lĂ€cherlich unreif seine ersten Überlegungen gewesen waren!

Mit dem Wagen hinter dem Holzstapel an der Lichtung verstecken, wenn sie kommt, raus springen, TrĂ€nengas, rein in den Kofferraum und ab zu einem ruhigen PlĂ€tzchen, um seinen Spaß mit ihr zu haben.
So primitiv und plump!
Ihn hatte mehr beschĂ€ftigt, was er mit ihr anstellen wĂŒrde, wenn sie in seiner Gewalt wĂ€re. Seine Fantasie hatte vor bizarren EinfĂ€llen nur so gesprudelt, was die unausgegorene EntfĂŒhrung entschuldigte.

NatĂŒrlich malte er sich auch heute noch gelegentlich aus, wie er ihr den Kopf kahl scheren wird oder sie zwingt, wie ein Tier aus dem Napf zu fressen. Aber eigentlich eher zur Entspannung, wenn er sich in den Verzweigungen seines Planes erschöpft hatte oder als Ansporn, wenn ein unĂŒberwindliches Problem ihn zur Verzweiflung brachte.
Hauptsache war zunÀchst die gelungene Gefangennahme.

Seine Augen begannen zu trĂ€nen. Ohne hinzusehen griff er nach der Schachtel mit den PapiertĂŒchern auf dem Beistelltisch und tupfte sich die Augenwinkel trocken, ohne den Blick vom Okular zu nehmen. Wenn er sie verpasste, musste er ihr mit dem Fadenkreuz hinterher jagen und wĂŒrde wertvolle Sekunden verlieren. Kostbare Zeit, sie brauchte selten lĂ€nger als drei Minuten fĂŒr die Überquerung der Lichtung.

Nur einmal, es war im August gewesen, schenkte sie ihm auf dem Nachhauseweg fast eine volle Stunde.
Sie war nicht allein an diesem Tag. Ein Mann begleitete sie, sie setzten sich in das frisch gemĂ€hte Gras ein StĂŒck unterhalb des Weges. Es war ein ernstes GesprĂ€ch. Ihre Stirn war gerunzelt und sie sah besorgt und traurig aus. Nach einer Weile fing sie an zu weinen. Heftig stieß sie ihren Begleiter von sich, als er sie in den Arm nehmen wollte, sprang auf und rannte fort.

MerkwĂŒrdigerweise hatte es ihn wenig interessiert, welche Rolle dieser Mann in ihrem Leben spielen mochte. Er hatte einfach nur die Gelegenheit genutzt, sie so intensiv zu betrachten, wie es ihm zuvor noch nie möglich gewesen war. SpĂ€ter, in dieser und den folgenden NĂ€chten, kreisten seine Gedanken um die Frage, was zu tun sei, wenn sie am Tage X nicht allein wĂ€re. Ihm war nichts weiter eingefallen, als in diesem Fall den Überfall zu verschieben. Aber das war in Ordnung fĂŒr ihn, ein guter Stratege akzeptierte, wenn etwas unmöglich ist.

Da war sie.

Konzentriert fĂŒhrte er das Fernrohr nach. Sie ging sehr schnell, rannte zwischendurch ein kurzes StĂŒck, bis die Steigung sie atemlos machte. Ihre Kapuze hatte sie zurĂŒck geworfen, so dass er ihr gerötetes Gesicht sehen konnte. Der Wind hatte ein paar HaarstrĂ€hnen auf die schweißglĂ€nzende Stirn geklebt.

„Operation beginnt“, murmelte er, als sie den Holzstapel erreichte.
Er sah sich neben den aufgetĂŒrmten StĂ€mmen hervortreten, eine ganz in schwarz vermummte Gestalt, die wie aus dem Nichts vor ihr auftaucht. Der Wind steht gĂŒnstig, treibt das Pfefferspray direkt in das ungeschĂŒtzte Gesicht seines Opfers. Seine schwarze Skimaske und die Schutzbrille verhindern zuverlĂ€ssig, dass ein falscher Windstoß seine Kampfkraft beeintrĂ€chtigen kann. Als sie ihre HĂ€nde hochreißt, streift er mit einer blitzschnellen Bewegung die große Drahtschlinge mit dem Sack aus stabiler Fallschirmseide ĂŒber sie. Sie krĂŒmmt sich darin, stĂ¶ĂŸt mit Ellenbogen und HĂ€nden, versucht erfolglos das zĂ€he Material zu zerreißen.
Sie schreit.
Mit einem krĂ€ftigen Ruck zieht er die Schlinge um ihre Knie zusammen. Sie stĂŒrzt, tritt blindlings um sich, als er sich auf sie wirft.

Schweiß lief ihm von der Stirn in die Augen, er musste blinzeln und verlor sie. Bis er sie wieder fand, hatte sie bereits die Schonung erreicht und verschwand hinter den dichten Zweigen der jungen Fichten. Er hielt das Teleskop noch eine Weile auf die Stelle gerichtet, dann schwenkte er zurĂŒck zu dem Holzlager.

Sie strampelt mit den Beinen, windet sich unter seinem Körpergewicht. Ihr Widerstand wird jetzt koordinierter, sie zieht die gefesselten Knie hoch, will seine Weichteile treffen. Zwecklos, er trÀgt einen Hodenschutz.

Sogar daran hatte er gedacht. Er gönnte sich eine kleine Welle Stolz auf seine vorausschauende Planung.

Vergeblich versucht sie ihn abzuschĂŒtteln. Seine in schwarzes Leder gehĂŒllten HĂ€nde halten ihren wild hin und her schlagenden Kopf. Es ist wichtig, dass sie zuhört, versteht. Sie schreit jetzt nicht mehr, kĂ€mpft keuchend um jeden Atemzug in dem engen Sack.

„Sei still, wenn Du ĂŒberleben willst!“

Nein, das war nicht gut.

„Schweig, sonst bist Du tot!“

Auch nicht. Seit Tagen rang er um die richtigen Worte.
Sie mussten ihr unmissverstÀndlich die Ausweglosigkeit ihrer Lage deutlich machen.
Ihren Willen lÀhmen.
Zuerst hatte er gar nichts sagen und sie einfach mit einer Injektion betĂ€uben wollen. Doch das stellte ihn vor die Wahl, sie entweder zum Auto zu tragen oder mit dem Wagen am Tatort abzuholen. Beide Varianten hatte er als undurchfĂŒhrbar verworfen.

Angestrengt suchte er nach einer passenden Formulierung.

„Ruhig, wenn Du leben willst!“

Das klang schon ganz ordentlich. Trotzdem war er noch nicht ĂŒberzeugt, es fehlte irgendwie der Thrill.

Sein verspannter RĂŒcken protestierte schmerzhaft, als er sich zurĂŒck lehnte. Mit geschlossenen Augen tastete er nach dem feuchten Tuch, das er immer parat liegen hatte und breitete es ĂŒber den Lidern aus, die wie Sandpapier auf seinen ĂŒberreizten AugĂ€pfeln kratzten.
Eine Zeit lang dachte er gar nichts, genoss die sanfte WĂ€rme der tief stehenden Novembersonne.

Er mĂŒsste es vor dem Spiegel ausprobieren.

Die Idee beschleunigte seinen Puls. Damit trat sein Plan, der bisher nichts als ein Hirngespinst war, endlich in die Wirklichkeit! Mit grĂ¶ĂŸter Vorsicht wĂŒrde er von nun an vorgehen mĂŒssen, durfte sich bei seinen Vorbereitungen keinesfalls verraten.

Eine berauschende Vorstellung. Er konnte es tun! Wirklich und wahrhaftig!

Nichts an seiner reglosen Haltung verriet den Aufruhr in ihm, als er noch einmal den Film ablaufen ließ. Die kritische Szene ĂŒbersprang er einfach.

Er fĂŒhrt sie mitten durch das Dickicht der Fichtenschonung zu dem versteckten Wagen. Es geht nur mĂŒhsam voran, stĂ€ndig stolpert sie und er muss sie halten, damit sie nicht stĂŒrzt. Sie wehrt sich nicht lĂ€nger, hat genug damit zu tun, Luft zu bekommen. Wimmernd ertrĂ€gt sie es, wenn die SchlĂ€ge der Zweige gegen den Sack das Feuer in ihrem Gesicht wieder anfachen.

Gut, dass es nicht zu sehen ist.

Ihn schauderte bei der Vorstellung dieser rotfleckigen, verquollenen, mit einer ekelhaften Mixtur aus Rotz, TrĂ€nen und Makeup beschmierten Fratze, die sich hinter dem Stoff verbirgt. GlĂŒcklicherweise war ihm der Einfall mit dem Wassertank gekommen. Nicht nur, dass sie darin hilflos gefangen ist und die Methode sie prinzipiell am Schreien hindert, das Wasser beseitigt auch noch weitgehend diese abstoßenden Spuren des Angriffs.
Genial, wie er fand.

Am Wagen angekommen, öffnet er die HecktĂŒren des alten Transporters, den er nur fĂŒr diesen Zweck kaufen wird. Er stĂ¶ĂŸt sie auf die LadeflĂ€che, sie stolpert ĂŒber den Rand des wassergefĂŒllten BehĂ€lters, fĂ€llt hinein. Panisch versucht sie hoch zu kommen, rutscht wieder aus. Er steigt ebenfalls in den Wagen und schließt sorgfĂ€ltig die TĂŒren hinter sich, ehe er das bereit gelegte Messer nimmt.

Bei dem Gezappel wĂŒrde er sehr aufpassen mĂŒssen, wenn er das Loch in den Sack schnitt. So richtig glĂŒcklich war er mit der Methode noch nicht. Jetzt musste er wieder zu ihr sprechen. Verdammt, warum fiel es ihm nur so schwer, die richtigen Worte zu finden?

„Nimm das MundstĂŒck!“ herrscht er sie an und drĂŒckt ihr das Ende des Schlauches ins Gesicht. Mit zitternden Fingern stopft sie sich das Gummi in den Mund. Er drĂŒckt sie mit dem Fuß unter Wasser und schiebt den Deckel ĂŒber sie, setzt sich darauf. Die Verzweiflung gibt ihr noch einmal Kraft, sich erfolglos dagegen zu stemmen. Entschlossen lĂ€sst er die Spannschlösser einrasten.

Er meinte, das endgĂŒltige Klacken der Spanner zu hören. Er triumphierte. Er hatte es geschafft, sie gehörte ihm!
Der Rest wĂŒrde ein Kinderspiel sein: Nachdem er sie in das vorbereitete Versteck gebracht hat, wird er sofort den Wagen verschrotten.

Er hörte, wie hinter ihm die TĂŒr geöffnet wurde.

„ Mein Gott, ist das kalt hier.“

Er zog das Tuch von den Augen und blinzelte in die Abendsonne, vor der die Silhouette seiner Frau eilig das Fenster schloss.

„Hast Du etwa den ganzen Tag hier bei offenem Fenster gesessen? Du wirst dich erkĂ€lten!“ Sie zog die Gardinen zu, bevor sie sich umwandte.

„Die Sonne hat so schön geschienen, außerdem habe ich doch meine Decke.“ Er wusste, dass sie ihn besorgt ansah. Vielleicht konnte sie nicht mehr anders, als ihn sorgenvoll ansehen. Trotzdem blieb sie, hielt zu ihm.
Und er? Er war ein Monster.

„Du hĂ€ttest wenigstens die Heizung ausdrehen können.“

Ihr sanfter Tadel traf ihn wie ein Keulenschlag. Er taugte zu nichts. War sogar zu blöd, die Heizung auszumachen, wÀhrend er sich an perversen und gewalttÀtigen PlÀnen aufgeilte! Er war ein Tier.
Nein, Tiere taten so etwas nicht.
Der Ekel schmeckte bitter in seinem trockenen Mund, als sie die Bremsen löste und ihn aus dem Zimmer schob.

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Nicky_H
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Hallo Rumpelstilzchen,

ich fand die Geschichte ganz gut, es blieb immer ausreichend spannend. Nur beim RĂŒckblendenabsatz, wo die Frau ihm das Fernrohr schenkt, bin ich mal kurz gedanklich weggeglitten.
Bei der Wahl des PrĂ€sens bin ich mir nicht sicher, ob das so glĂŒcklich ist. Mich hat es irritiert. Erst dachte ich sogar, mit dem PrĂ€sens werden die Beobachtungen einer dritten Person wiedergegeben, der wiederum den Protagonisten beobachtet hatte.
Aber insgesamt hat es mir gefallen, ich hab's gern gelesen.

Viele GrĂŒĂŸe
Nicky

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Rumpelsstilzchen
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Danke Nicky, das flauscht mir an der Wange!

Mit dem PrÀsens will ich die PrÀsenz in seiner Kopfwelt deutlich machen: er ist jetzt dabei.

Als sein eigener Beobachter.

Nach artiger Verbeugung ĂŒbte er sich in hurtiger VerflĂŒchtigung
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Rainer
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ein gewinn fĂŒr die ll

hallo rumpelstilzchen,

ich schließe mich nicky_h an, was die nebengeschichte mit dem fernrohrkauf angeht; auch ich finde, das kann komplett raus, tut keinen abbruch.

den prĂ€sens wĂŒrde ich beibehalten. ich finde, genau dieses stilmittel macht den text zu einem gewinn.
allerdings glaube ich, einen fehler entdeckt zu haben:
"Am Wagen angekommen, öffnet er die HecktĂŒren des alten Transporters, den er nur fĂŒr diesen Zweck kaufen wird."
da er ihn zu diesem zeitpunkt bereits gekauft hat, und der abschnitt im prĂ€sens geschrieben ist, mĂŒĂŸte es eben "gekauft hat" heissen - jedenfalls war das eine stolperstelle fĂŒr mich.
insgesamt wĂŒrde ich etwas mehr straffen, es ist noch ein bißchen, aber wirklich nur ein bßchen, fĂŒllwerk darin.

Er sah auf die Uhr.
Es wurde Zeit.
Ein kalter Luftschwall fiel ins Zimmer , als er das Fenster öffnete, um das Teleskop auszurichten. Fast von allein fand das Objektiv die Stelle am gegenĂŒberliegenden Hang, punkt Dort wo der AbkĂŒrzungsweg zwischen den BĂ€umen verschwand. Routiniert stellte er den Focus scharf, bis er meinte, die auf dem Weg liegenden Zapfen greifen zu können.

Jetzt konnte sie kommen. Was sie wohl tragen wĂŒrde?
Es war ein sonniger Novembertag, die Luft klar und frostig. Gute Sicht. Bestimmt wieder ihre graue Kunstpelzjacke mit der großen Kapuze, wie gestern. Und
"Moonboots". Er hasste diese unförmigen Dinger, wozu hatte die Natur den Frauen
schöne Beinen geschenkt? Doch nicht, damit sie in Yeti-Stiefeln versteckt wurden!
Aber das wĂŒrde er ihr schnell austreiben, bei ihm gab es so etwas nicht.

Sie war spÀt dran heute.

Ein Schwarm Spatzen erschien in seinem Blickfeld und stĂŒrzte sich fĂŒr ein Bad in den trockenen Staub der Fahrrillen. Der Anblick besĂ€nftigte ihn ein wenig.
Es war ja wirklich kalt und sie sollte doch nicht krank werden. Außerdem, er wusste ja, dass sie schöne Beine besaß, hatte in den langen Sommermonaten jeden
unbedeckten Zentimeter ihres Körper studiert. Jede Pore ihres Gesicht s war ihm vertraut. Selbst das Muttermal auf ihrem Brustansatz, das sie immer mit Abdeckstift versteckte, hatte ihm sein Teleskop ĂŒberlebensgroß gezeigt.
Auch wenn er sie noch nie berĂŒhrt hatte, nicht einmal in ihre NĂ€he gelangt war, gab es fĂŒr ihn nur noch wenig Verborgenes an ihr. So vollstĂ€ndig hatte er ihre Erscheinung in sich aufgesogen, er brauchte nur die Augen schließen, um sie leibhaftig vor sich sehen.
...
ich hoffe, es wird klar, was ich meine, und ich schreibe nicht deinen stil um.
ich wĂŒrde mir die stĂ€ndige wiederholung von "sie" und "ihr" ĂŒberlegen; einerseits ist es ein stilmittel, andererseits nervt es etwas; auch wenn er sie als objekt sieht, so könnte doch hier oder dort ein "das mĂ€dchen die sache noch "schizophrener" machen.


Er meinte, das endgĂŒltige Klacken der Spanner zu hören. Er triumphierte. Er hatte es
geschafft, sie gehörte ihm!

Der Rest wĂŒrde ein Kinderspiel sein: Nachdem er sie in das vorbereitete Versteck
gebracht hat, wird er sofort den Wagen verschrotten . Keine Spur darf zu ihm fĂŒhren.

Er hörte, wie hinter ihm die TĂŒr geöffnet wurde.

" Mein Gott, ist das kalt hier."

Er zog das Tuch von den Augen (? umformulieren) und blinzelte in die Abendsonne, vor der die Silhouette seiner Frau (geniale kurzbeschreibung, in dem stil weitermachen) eilig das Fenster schloss.

"Hast Du etwa den ganzen Tag hier bei offenem Fenster gesessen? Du wirst dich
erkÀlten!" Sie zog die Gardinen zu, bevor sie sich umwandte.
"Die Sonne hat so schön geschienen (schien so schön?), außerdem habe ich doch meine Decke." Im Gegenlicht konnte er ihren Ausdruck (steckt schon alles in der silhouette drin) nicht erkennen. Er wusste auch so, dass sie ihn besorgt ansah. Vielleicht konnte sie ihn nicht mehr anders, als ihn sorgenvoll ansehen.
Trotzdem blieb sie, hielt zu ihm.
Und er, was tat er? Er war ein Monster.

"Du hÀttest wenigstens die Heizung ausdrehen können."

Ihr sanfter Tadel traf ihn wie ein Keulenschlag. Er taugte zu nichts. War sogar zu blöd, die Heizung auszumachen, wÀhrend er sich an perversen und gewalttÀtigen PlÀnen aufgeilte! Er war ein Tier. Nein schlimmer, Tiere taten so etwas nicht.

Der Ekel schmeckte bitter in seinem trockenen Mund, als sie die Bremsen löste und
ihn aus dem Zimmer schob .
kongenialer schluss, hoffentlich erregt sich niemand ĂŒber die verunglimpfung behinderter.



so, ich hoffe du kannst damit etwas anfangen. wenn ich dir deinen stil zu sehr verĂ€ndert habe, tut es mir jetzt schon leid - mir, und nur mir, wĂŒrde der text so besser gefallen.
aber zum glĂŒck bin ich ja nicht der nabel der welt

viele grĂŒĂŸe + noch mehr von solchen texten wĂŒnscht

rainer
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Rumpelsstilzchen
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Danke rainer!

Dass Du Dich so intensiv mit meiner Geschichte auseinander gesetzt hast, ist mir das schönste Lob.
Selbst ein Autorenfresser (hab mich hier als newbie bisher noch zurĂŒck gehalten) weiss ich, was da fĂŒr MĂŒhe drin steckt.

Werde mich gewisslich mit Deinen VorschlÀgen intensiv auseinander setzen, im ersten Lesen fand ich reichlich Bedenkenswertes. Ergebnisse demnÀchst hier.

Über Eines brauchst Du Dir allerdings keine Sorgen machen: Sein Stilzchen lĂ€ĂŸt sich Rumpel nicht verbiegen.

Weil wir gerade dabei sind:
Gibst Du mir bei Gelegenheit mein zweites 's' wieder, es ist mir sehr lieb!
Den Grund fĂŒrs Doppel-S findest Du hierHier klicken.

Statt unterzutauchen,schwamm er auf einer Woge des GlĂŒcks davon
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Rainer
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hallo rumpelsstilzchen,

nur zu mit dem textzerfleischen. die meisten der hier anwesenden empfinden das als hilfreich, nur wenige dagegen als angriff auf ihre persönliche genialitÀt .
falls du ein einfach zu bedienendes tool brauchst, genĂŒgt eine mail an gabi oder mich, bzw. an alle, die hier rot und blau in den texten herumschreiben.

werde mich gleich mal zum planeten rĂŒberschwingen, und mir den grund fĂŒr meine lese/-aufschreibschwĂ€che ansehen.

viele grĂŒsse,

rainer (*dir dein s rĂŒberreich*)


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