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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Priester
Eingestellt am 21. 08. 2013 12:36


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DocSchneider
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Er stand ratlos in der Kirche, wie so oft in letzter Zeit.
Die Besucher des Gottesdienstes waren l├Ąngst gegangen und er war allein.
Er kniete sich in die zweite Bank und faltete die H├Ąnde. Suchte Trost und Kraft im Gebet. Sein ganzes Leben hatte ihm das geholfen, hatte er eine L├Âsung gefunden.

Dieses Mal nicht.

Er bekam keine Antwort von Gott, an den er so fest glaubte.

Sein Priesterberuf hatte ihm immer Freude gemacht. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Wegbegleitung Sterbender, die Taufen und Hochzeiten, die vielen Beichtgespr├Ąche, durch die er helfen konnte.
Es war ihm gelungen, viele Herzen zu ├Âffnen und Menschen wieder f├╝r den Glauben zu begeistern.

Er war erf├╝llt von seiner T├Ątigkeit und hatte nicht viel Freizeit. Kam nicht gro├č zum Nachdenken.

Seine z├Âlibat├Ąre Lebensform st├Ârte ihn nicht sehr, denn sie war untrennbar mit seinem Beruf verbunden. Und diesen hatte er schlie├člich freiwillig gew├Ąhlt.
Nat├╝rlich lernte er w├Ąhrend seiner Arbeit auch Frauen kennen und arbeitete mit ihnen zusammen. Doch nie hatte es mehr als Sympathie gegeben. Au├čerdem wurde man w├Ąhrend der Ausbildung auf Kontakte mit Frauen vorbereitet.

Vorbereitet? Es gibt Situationen im Leben, auf die einen niemanden vorbereitet, denn das Leben l├Ąsst sich nicht restlos planen.

So etwas war nun eingetreten. Er hatte eine Frau kennengelernt und nun war nichts mehr, wie es war.

Zum ersten Mal in seinem Leben konnte er das Hohelied der Liebe verstehen.
Er genoss ihre Gegenwart, erlebte ihre k├Ârperliche Zweisamkeit wie einen Rausch. Aber da war noch mehr.

Endlich war da ein Mensch, der auf ihn wartete. Dem er sich nach einem langen Tag anvertrauen konnte, der ihm zuh├Ârte. Der ihn in die Arme nahm, wenn die Belastungen zu gro├č gewesen waren. Der auch mit ihm lachte, wenn er Anekdoten erz├Ąhlte. Der an ihm interessiert war.

Eben ein DU.

Diese Erfahrung war ├╝berw├Ąltigend und er wollte diese Frau nicht mehr missen. Das st├╝rzte ihn in einen schrecklichen Gewissenskonflikt.
Was war das f├╝r eine Religion, die ihn so ungl├╝cklich machte ? Das konnte er kaum fassen. Immer hatte er sich dort wohlgef├╝hlt - und nun ?

Wenn Gott gewollt hatte, dass sie sich kennenenlernten und zwischen ihnen Liebe entstand, dann musste er ihm auch einen Fingerzeig geben, was er tun sollte.

F├╝r die Frau war die Situation auch unertr├Ąglich. Diese Heimlichkeiten, dieses Sich-Verstecken-M├╝ssen. Sie konnte zu niemandem sagen: Ich liebe einen Priester.

Er seufzte tief und vergrub den Kopf zwischen den Armen.

Er konnte so nicht weiterleben, konnte nicht den priesterlichen Dienst aus├╝ben und gleichzeitig eine Frau lieben. Eine Entscheidung musste her, sonst w├╝rde er noch krank werden.

Sein Lieblingsspruch fiel ihm ein:

Ich falte die H├Ąnde und bete in das Dunkel, bis es zerrei├čt.

Das tat er. Wie er sich auch entscheiden w├╝rde ... Gott w├╝rde diese Entscheidung verstehen.
__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals erm├╝dendem Lesen. (Virgina Woolf)

Version vom 21. 08. 2013 12:36

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Lieber Adolf, Du hast recht - dieser Satz ist nicht von mir, ich fand ihn passend - aber er st├Ârt den Fluss der eigen verfassten S├Ątze. Werde ihn streichen. ;-)
Zu Deinem letzten Satz: Das Z├Âlibat kann nicht der einzige Grund sein, Kinder evangelisch anstatt katholisch taufen zu lassen. Meistens liegen da noch mehr Gr├╝nde vor. ├ťbrigens erkennen beide Kirchen die Taufe der jeweils anderen an - und christlich ist beides.
Aber ich wei├č, das ist alles ein neues Thema, Religion und Kirche, insbesonders die katholische, bieten breite Angriffsfl├Ąchen.
Ich bin katholisch mein Leben lang und bleibe es auch, bleibe in dieser Kirche, mit der ich auch nicht immer einverstanden bin. Aber sie ist meine Heimat.
Freut mich, dass Dir der Text gefallen hat!


Lieber USch, wie gesagt, ich streiche den Satz, der dir so gut gef├Ąllt. Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen, wenn Du Atheist bist. Mit Atheisten verstehe ich mich sehr gut, denn sie wollen mich immer ├╝berzeugen, dass es Gott nicht gibt. ;-) Keine Sorge, ich bin da sehr schmerzfrei und nehme das alles nicht soooo ernst, was du geschrieben hast.
Es geht ja auch eher darum, die Not eines verliebten Priesters zu zeigen. Und von denen gibt es eine Menge!

LG an alle, Doc
__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals erm├╝dendem Lesen. (Virgina Woolf)

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