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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Raubüberfall
Eingestellt am 20. 09. 2014 11:03


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pseudodelic
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2012

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Ich steckte meine Nase aus der Tür in die Morgenluft. Es roch nach angebratenem Sonntagsbraten und Frauenparfum. Links und Rechts krochen die Autos der Straße entlang, die Menschen schlenderten den Gehwegen entlang. Sie sahen nicht deprimiert aus, wie ich es schon oft am Sonntag gesehen habe, sondern beruhigt. Die Sonne schien, aber das konnte nicht der Grund sein, das tat sie zu dieser Jahreszeit fast jeden Tag. Das Glücklichsein der Menschen steckte mich an, ich musste grinsen und dem nächsten vorbeilaufenden Paar zunicken. Sie erwiderten meinen Gruß und schlenderten weiter.
Mein Plan war so genial wie er einfach war; Bier trinken, im Park sitzen und über meine Kopfhörer Musik hören. An solchen Tagen würde ich es fast Ritual nennen, aber ich tat es nicht. Ich wollte nie zu Menschen gehören die krampfhaft Ritualen nachhingen, die eigentlich völlig sinnlos und überholt sind. Ich ging in einen Getränkeladen hinein und stand vor dem Kühlschrank mit den Flaschenbieren. Meistens stand ich lange davor und überlegte was ich nehmen wollte, aber meistens nahm ich Apoldaer. Es ist keine Tradition, aber ich bin nicht gerade flexibel, wenn es um mein Bier geht.
Ich stand, schweifte über tschechisches, deutsches und sogar mexikanisches Bier. Manchmal fragte ich mich, ob der Verkäufer in sich hinein lacht, wenn ich vor dem Kühlschrank. »Steht immer vor'm Kühlschrank und sieht aus, als würde überlegen, aber nimmt dann doch das selbe wie immer.«

Die Glastür flog auf, knallte gegen den Süßigkeitenständer neben der Tür und ein Mann stürmte rein. Seine Hand hielt einen Revolver hoch und sein Gesicht war mit einer Sturmmaske bedeckt.
»Schön ruhig bleiben, sonst gibt’s ein lautes PENG. Füll den Kasseninhalt in die Tasche.«
Er schrie wie ein Pavian, das schüchterte alle ein. Ich sah wie eine Sporttasche auf den Tresen flog, und vor dem Verkäufer landete. Wenn man den Abstand zwischen dem Räuber und dem Inhaber betrachtete, es waren etwa vier oder fünf Meter, konnte man meinen, dass das nicht sein erster Wurf war. Natürlich wurde der arme Kerl hinter dem Tresen blass, es schien sein erster Überfall zu sein. Hektisch begann er die Tasche mit den Zwanzigern, Zehnern, Fünfern und Fünfzigern zu füllen. Der Räuber war unruhig, an der Grenze zu nervös. Fast schon kindlich. Wenn er keinen Fehler macht, würde ich ihn beglückwünschen, aber ich war mir sicher, dass er es nicht verdienen würde. Der Verkäufer schwitzte immer mehr, die Klimaanlage lief, und ich konnte seinen kalten Angstschweiß riechen. Armer Kerl, das hatte er nicht verdient. Er war immer höflich, nicht diese gespielte Freundlichkeit wie ich es bei den meisten anderen Kaufleuten erlebt habe, sondern so, als würde er sich wirklich über die Kundschaft freuen, die er glücklich machten. Natürlich beruhte es auf Gegenseitigkeit, wir machten ihn ja auch glücklich, mit jedem Cent der auf sein Bankkonto wanderte. Der Räuber wurde sichtlich nervöser, ich glaubte sogar, seine Knie schlottern zu hören, denn wahrscheinlich waren schon Schandarme unterwegs. Natürlich waren sie das, und er wusste es genau so gut wie ich, der Verkäufer und die schwangere Frau die vor einem Stapel Bierkisten hockte und wimmerte.
Ich zog ebenfalls meinen Revolver aus meiner Hosentasche und richtete ihn auf den Räuber. Sein Blick verzog sich in eine ängstliche Miene.
»Schön und gut hast du es bis jetzt gemacht, aber jetzt verzieh dich von hier. Wenn der Mann etwas verdient hat, dann das du dir ein Bier kaufst und Trinkgeld gibst. Nicht mehr, nicht weniger.«
»Nimm deine Waffe runter, ich würde abdrücken! Das verspreche ich dir, und du! Pack weiter ein!«
Seine Schweißperlen auf der Stirn verrieten mir, dass er den Abzug noch nie betätigt hat, vielleicht war der Nippel sogar schon eingerostet.
»Um jemanden zu erschießen, braucht man Mumm und muss verrückt sein, ansonsten wirst du der Nächste sein, er von dir erschossen wird. Ich habe Mumm, und selbst die Ärzte diagnostizierten bei mir eine vielseitige Geisteskrankheit, im Volksmund und auch Verrücktheit genannt. Also pack schnell deine Waffe weg, nimm die leere Sporttasche und verzieh dich.«
Er blickte mich mit eingesunkenen Augen an, dann den Verkäufer, der nicht mehr ängstlich wirkte, und dann wieder mich.
»Vergiss es, hier läuft's nach meiner Pfeife.«
Ich hasste Störköpfe, schon mein ganzes Leben. Was es auch immer war, mein Lächeln, meine erleichterte Körperhaltung oder ein Gedankenblitz von ihm.
»Verkäufer, mach die Tasche leer und schmeiß sie zurück.«
Nach wenigen Sekunden war der Räuber verschwunden, das Geld war da und ich nahm mein Bier und stellte es auf den Tresen. Der Verkäufer wirkte noch ängstlicher.
»Keine Sorge.« Ich klopfte mit der Waffe auf den Tresen und das Klacken von Plastik wurde deutlich.
»Nur die Spielzeugpistole meines Sohnes, die er mir in meine Hosentasche steckt. Er will immer, dass ich mich gegen Indianer wehren kann. Die kann er nämlich nicht leiden.«
Ich lächelte den Verkäufer an, bezahlte, nickte ihm zu und ging mit meinem Bier in den Park.
__________________
Seitdem ich selbstbewusst bin und genau das mache und sage, was ich wirklich will, komme ich mir verrückt vor.

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