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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Raum
Eingestellt am 10. 01. 2014 09:08


Autor
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Pablo Sanchez
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2014

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Der Raum war klein, klein aber gro├č in seiner G├╝te. Gef├╝llt mit allerlei M├Âbeln und Gegenst├Ąnden, die mehr zuf├Ąllig zusammengew├╝rfelt schienen als genaustens auf Symmetrie und ├ästhetik bedacht. Mit einer schr├Ąg zur Decke laufenden Wand und weiteren f├╝nf W├Ąnden wirkte der Raum im Licht, der sich aus einem der kleinen, runden Fenster ergie├čenden goldenen Morgensonne recht skurril.

Das f├╝r diesen Raum ├╝berdimensionierte Doppelbett befand sich an der nach Osten ausgerichteten, schr├Ągen, grauen Wand des Raumes, sodass die ersten Sonnenstrahlen die das Fenster durchbrachen, zuerst auf das Bett fielen, bevor sie in den anderen Fenstern und dem mannshohen, ovalen Spiegel reflektiert wurden und brachen. Ein Koffer; ein alter Reisekoffer aus Leder, stand halboffen zwischen dem rechten Bettpfosten und einer Kommode. Ein altes St├╝ck Papier war herausgefallen, verblichene mit Tinte geschriebene Schrift f├Ąrbte es Blau.

Blau war auch die Farbe der Kommode, die der Koffer an der rechten Seite ber├╝hrte. Sie befand sich an der schr├Ąg nach au├čen gerichteten Wand rechts vom Bett und war recht sperrig, hatte drei Schubf├Ącher und schloss mit dem Fenster ab. Das Blau war alt und hatte die Kraft verloren sich an der Kommode festzuhalten, und Teile, kleine St├╝cken, lagen auf dem Boden unter der Kommode. Dort wo die Farbe abgebl├Ąttert war, kam das helle braun des Holzes wieder zum Vorschein, bahnte sich seinen Weg zur├╝ck in die Wirklichkeit. Die unterste Schublade war verschlossen, die mittlere ge├Âffnet. Sie wurde allerdings von der gef├Ąhrlich weit ge├Âffneten, obersten Schublade ├╝berdeckt, die ├╝berquoll. In ihr befand sich ein Wirrwarr von verschiedensten Klamotten: Str├╝mpfe, Hosen, Oberteile verschiedener Art hingen in Teilen aus der Schublade heraus. Besonders auff├Ąllig war ein l├Âchriges T-Shirt in verwaschenem Gr├╝n, auf dem in schwarzen Lettern "Anarchie" geschrieben stand. Die Wand hinter der Kommode war bunt. Blau, rot und gelb mischten sich hier scheinbar willk├╝rlich, ein heilloses Durcheinander, ohne Muster und Richtung, ohne Sinn und Verstand. Halt bot nur das runde Fenster welches links von einem Wecker und rechts von einem Kerzenhalter flankiert wurde. Der Wecker, braun und rund, stand auf vier kleinen Beinen und ├╝ber ihm waren zwei Glocken befestigt. Die linke Glocke hatte eine strahlend goldene Farbe, kein Makel war auf ihrer glatten Oberfl├Ąche zu erkennen. Ihre Sch├Ânheit war rein und vollkommen, im Gegensatz zu ihrer rechten Schwester. Auch sie war golden aber ihr Gold war blass und auf ihrer rauen Oberfl├Ąche konnte man viele Unebenheiten erkennen. Flecken und Pickel die schon bei der Herstellung entstanden waren entstellten sie, lie├čen sie h├Ąsslich wirken. Das hinderte den Wecker unter ihnen allerdings nicht daran weiter zu ticken. Sekunden,- Stunden- und Minutenzeiger liefen weiter ihre Bahnen, unaufh├Ârlich und unaufhaltbar im Kreis. Gelegentlich ber├╝hrten sie sich um ihre Erfahrungen auszutauschen, doch den gr├Â├čten Teil ihres unendlichen Weges liefen sie allein.
Rechts stand der silberne Kerzenhalter mit vier geschwungenen Armen in alle Himmelsrichtungen. Der linke Arm verdeckte einen Teil des Fensters, die lange, d├╝nne, hellgr├╝ne auf Kerze trennte das Fenster in zwei ungleiche H├Ąlften. Ihr Docht besa├č noch sein unschuldiges wei├č, anders als sein linker Nachbar. Der Arm ragte in den Raum herein, besa├č den gleichen Schwung, doch seiner Kerze fehlte die Vollkommenheit. Am Boden des Arms sammelten sich Tropfen blauen Wachses, wie Tr├Ąnen liefen an der Kerze in Rinnsalen herunter.
Ihr Docht hatte bereits das typische Schwarz angenommen, stand aber aufrecht und gerade und erleuchtete seine Umgebung mit einem weichen, zur├╝ckhaltenden Licht.
Der Arm in Richtung Spiegel bog sich seltsam von seinem Halter weg und war ├╝ber und ├╝ber bedeckt mit roten Wachs. Es hatte groteske aber auch sch├Âne Formen angenommen und schlang sich um den Arm in Pracht und Schrecken. Das Wachs lief in roten Str├Âmen an der Kerze herunter und hatte ihren urspr├╝nglichen Durchmesser fast verdoppelt, doch ihr Fehlte ein gro├čer Teil ihrer urspr├╝nglichen H├Âhe. Ihr Docht kr├╝mmte sich in seinem Leuchten vor Leidenschaft. Sein Feuer strahlte hell und kraftvoll, es war der Mittelpunkt seiner Umgebung, alles andere wurde von ihm angezogen, verschlungen. Der letzte Arm hing fast senkrecht an seinem Halter herunter. Wo sich einst seine Kerze befunden hatte war jetzt nur noch etwas dunkelgr├╝nes Wachs ├╝brig geblieben. Es war bereits hart und kalt geworden und in ihm eingeschlossen lag der Docht, ertrunken.
Die Wand rechts neben der Kommode war schwarz und lief schr├Ąg nach innen. Das runde Fenster in ihrer Mitte wurde durch einen gro├čen Spiegel vor ihm verdeckt, ein Teil des einfallenden Lichtes abgeblockt, festgeklemmt zwischen Fenster und der schwarzen Spiegelr├╝ckseite. Unter dem Fenster und ebenfalls in diesem Zwischenraum befand sich eine gro├če, braune Truhe aus Holz deren ├Ąu├čere Enden hinter dem Spiegel hervorguckten. Sie wirkte alt und an einigen stellen hatte das Holz Risse, Narben. Sie strahlte eine altmodische Sch├Ânheit aus. Auf allen sichtbaren Seiten der Truhe waren Bilder zu sehen, die von vergangen Zeiten sprachen. Bilder die gro├čes Gl├╝ck und Freude ausstrahlten, Bilder die Momente in einem positiven Licht erstrahlen lie├čen, Bilder die mehr waren als blo├če Abbildungen, Bilder an die man sich gern erinnerte. Der Truhe fehlte ein Deckel, sie war nach oben offen, ihr Inhalt in Teilen sichtbar, f├╝hlbar, f├╝llbar. Anders als die Bilder rief das verschwommene Schwarz in der Truhe ein Gef├╝hl der Angst, der Panik und Furcht hervor, welches durch die schwarze Wand und Spiegelr├╝ckseite noch verst├Ąrkt wurde. Das schwache Licht, welches durch das Fenster drang, wurde fast vollkommen absorbiert.

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